E-Book, Deutsch, 267 Seiten
Markus Es hat uns sehr gefreut
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-902998-46-0
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die besten Anekdoten aus Österreich
E-Book, Deutsch, 267 Seiten
ISBN: 978-3-902998-46-0
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Georg Markus, einer der erfolgreichsten Schriftsteller und Zeitungskolumnisten Österreichs, lebt in Wien, wo er sich als Autor von Sachbüchern und großer Biografien einen Namen machte. Seine Bücher Unter uns gesagt, Die Enkel der Tante Jolesch, Adressen mit Geschichte, Die Hörbigers und Was uns geblieben ist führten monatelang die Bestsellerlisten an. In seiner Kolumne Geschichten mit Geschichte schreibt er historische Berichte für die Zeitung Kurier, von März 2000 bis März 2008 gestaltete und moderierte er im RadioKulturhaus des ORF die Ö1-Sendreihe Das war's, Erinnerungen an das 20. Jahrhundert. Aufsehen erregte Georg Markus, als er 1992 den Grabraub der Mary Vetsera aufdeckte, nachdem das Skelett der Geliebten des Kronprinzen Rudolf bei Nacht und Nebel aus ihrer Gruft in Heiligenkreuz bei Wien entwendet worden war. Weltweite Beachtung fand auch seine im März 2009 im Kurier erschienene Artikelserie, in der er zum ersten Mal über den unehelichen Sohn John F. Kennedys mit einer gebürtigen Österreicherin berichtete. Mutter und Sohn leben heute in den USA. Hunderte Zeitungen und TV-Sender in aller Welt übernahmen den Exklusivbericht von Georg Markus. Georg Markus ist Mitglied des P.E.N.-Clubs und des Österreichischen Schriftstellerverbandes. Die Bücher von ihm wurden u. a. ins Englische, Französische, Spanische, Ungarische, Polnische, Tschechische und Japanische übersetzt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Für dreißig Jahre unsterblich
Komponisten sind auch nur
Menschen
RICHARD STRAUSS
Franz Liszt dreht das Licht ab
Franz Liszt war auch als Pianist ein Liebling des Publikums in den noblen Salons zwischen Wien, Paris und Budapest. In jungen Jahren ein Freund des damals noch ziemlich unbekannten Frédéric Chopin, war der aus Raiding im Burgenland stammende Komponist sehr darum bemüht, seinem genialen Kollegen behilflich zu sein, in der Öffentlichkeit bekannt zu werden.
Und er wandte dabei einen einzigartigen, höchst erfolgreichen Trick an: Liszt nahm Chopin eines Abends in eine elegante Gesellschaft mit, in der er selbst gelegentlich – jedesmal umjubelt – zu spielen pflegte.
Wie so oft schon in diesem Salon wurde Liszt gebeten, sich an den Flügel zu setzen. Kaum hatte er Platz genommen, äußerte er den Wunsch, in absoluter Dunkelheit zu spielen, um sich besser konzentrieren zu können. Die Kerzen wurden gelöscht, und es folgte eine lange, glänzende Improvisation, die die erlauchten Besucher vollkommen in ihren Bann zog. Als das Ende gekommen war, gab es ebenso stürmischen wie lang anhaltenden Beifall, und aus den Reihen der Zuhörer drangen die begeisterten Rufe: »So kann nur Liszt spielen!«
Da ließ dieser die Lichter wieder entzünden, und er rief aus einer ganz anderen Ecke des Saales: »Sie irren, meine Damen und Herren!«
Und am Flügel saß ein junger Mann, den bis dahin kaum jemand gekannt hatte. Es war der Abend, an dem der Stern des jungen Frédéric Chopin zu leuchten begann. Sein einzigartiges Spiel sprach sich schnell herum, und der junge Pianist ward bald ein berühmter Mann.
Beethoven und der Kaiser
Ludwig van Beethoven wirkte in Gesellschaft oft »abwesend«, weil er sich voll und ganz in seine Musik vertiefte. Das ging so weit, daß er bei einem Diner in der Wiener Hofburg dem neben ihm sitzenden Kaiser Josef II. den Takt auf den Rücken schlug. So sehr der Meister von eifrigen Hofbeamten mit Blicken gemaßregelt wurde – der gütige Monarch lächelte nur und sagte: »Ein Untertan hat mich geschlagen, und ich habe ihn nicht bestraft.«
Kaiser Josef regierte gerade in den Jahren, da die beiden größten Musikgenies in seinem Reich tätig waren. Neben Beethoven lebte auch Mozart in Wien. Wolfgang Amadeus, stets in Geldnöten, bezog ein vom Hof ausbezahltes fixes Gehalt von achthundert Gulden als Kammerkomponist, erhielt aber keinen einzigen Kompositionsauftrag. Befragt nach der Höhe seines Entgelts, sagte Mozart: »Zuviel für das, was ich leiste, aber zuwenig für das, was ich leisten könnte.«
Eine Symphonie als Lebensretter
Was Musik in unserem Inneren zu bewirken vermag, hat jeder schon erfahren: Momente des Glücks, der Erbauung, des Entschwebens in eine andere Welt. Eine ganz andere Dimension von Glück hatte Ende des 19. Jahrhunderts ein Konzert zur Folge, das Joseph Haydn in London gab.
Als er am Ende einer Symphonie den Taktstock aus der Hand legte und sich verbeugte, erhoben sich die begeisterten Besucher von ihren Sesseln und strömten vor zum Orchester, um den genialen Musiker aus der Nähe sehen und bejubeln zu können.
Kaum waren die Sitze in der Mitte des Parketts infolge der Ovationen geleert, löste sich der riesige Kronleuchter aus der Verankerung, stürzte zu Boden und zertrümmerte Teile des Konzertsaales. Abgesehen von wenigen Besuchern, die durch Kristallsplitter leichte Verletzungen erlitten, kam niemand zu Schaden.
Als sich die erste Aufregung gelegt hatte, riefen zahlreiche Menschen das Wort »Mirakel« aus. Haydn war gerührt und dankte der Vorsehung, daß durch ein gütiges Geschick mindestens dreißig Menschen das Leben gerettet worden war. Die Symphonie aber wurde lange mit dem Beinamen aufgeführt.
»Da haben’s den Haydn derschossen!«
Zu Joseph Haydn noch eine sehr wienerische Geschichte: Ein amerikanischer Tourist fragte, als er sich durch die Wiener City kutschieren ließ, seinen Fiaker, warum denn der Heidenschuß hieße. Der Kutscher dachte kurz nach und sagte dann: »Weil’s da den Haydn derschossen haben!«
Nun, Haydn starb am 31. Mai 1809 eines natürlichen Todes, selbstverständlich ohne jede Gewalteinwirkung. »Papa« Haydn, wie der schon zu Lebzeiten populäre Komponist allseits genannt wurde, stand im 78. Lebensjahr, als ihn der Tod in seinem Wohnhaus Windmühle 73 – in der heutigen Haydngasse – ereilte.
Der Heidenschuß aber (die Verbindung zwischen dem Platz Am Hof und der Freyung) in der Wiener Innenstadt wurde nach einer im 14. Jahrhundert erstmals erwähnten Kaufmannsfamilie namens Heiden benannt. 1547 tauchte die Bezeichnung »Do der Heide schußt« auf und später ein Hausschild, das einen türkischen Bogenschützen darstellt. Ein Bäckermeister, Mitglied jener Familie Heiden, dürfte sich also, einer Sage zufolge, bei der ersten Wiener Türkenbelagerung heldenhaft hervorgetan haben.
Dabei wären dem rührigen Fiaker auf seiner Wien-Tour mit dem Amerikaner genügend Schauplätze zur Verfügung gestanden, die tatsächlich an Joseph Haydn erinnern: In in der befindet sich das , es gibt ein (vor der Mariahilfer Kirche), einen , einen und neben der auch noch die (im 14. Bezirk).
Für den Touristen aus den USA bleibt Joseph Haydn freilich das Opfer eines finsteren Mordanschlages.
Richard Wagner in Wien
Richard Wagner gastierte des öfteren in Wien. Zunächst freilich behielt man ihn hier nicht so sehr als großen Künstler denn als wenig kreditwürdigen Schuldner in Erinnerung. Schon als neunzehnjähriger Kapellmeister mußte Wagner die österreichische Metropole fluchtartig verlassen, weil er seine hiesigen Außenstände nicht zu begleichen in der Lage war. Jahrzehnte danach, bereits ein berühmter Mann, war er in Wien wieder einmal vollkommen pleite – und so hinterließ er hier einen Kontorückstand von 30 000 Gulden.
Eine vom Meister persönlich, wie immer äußerst impulsiv geleitete Aufführung beschrieb ein Kritiker mit den Worten: »Wagner dirigierte, nachdem er drei Taktstöcke zerdroschen hatte, mit einem aus dem Orchestergraben herausgerissenen Stuhlbein.«
Als der König von Siam in Wien weilte, wurde er, wie in solchen Fällen üblich, von Kaiser Franz Joseph zu einer Vorstellung in die Hofoper geladen, in der man Wagners gab. Nach mehr als vierstündigem Kunstgenuß auf allerhöchstem Niveau wurde der orientalische Potentat gefragt, welcher Moment dieses Abends für ihn der faszinierendste gewesen sei. Da antwortete der König: »Am besten hat mir gefallen, wie die Musiker, noch ehe der Vorhang sich erhoben hatte, ihre Instrumente stimmten.«
Freilich irrte auch Grillparzer, als er nach einem Konzert über die -Ouvertüre schrieb: »Ich bin entzückt. Das heißt: gegenwärtig. Denn während des Anhörens taten mir ziemlich die Ohren weh.«
Schüler von Giuseppe Verdi
Giuseppe Verdi war von Musikexperten lange verkannt worden. Österreichs Erzherzogin Marie Louise – die Tochter Kaiser Franz’ I. und Witwe Napoleons – hatte ein Stipendium für den jungen Musikus befürwortet, mit dem er am Konservatorium in Mailand studieren sollte. Doch der achtzehnjährige Giuseppe fiel bei der Aufnahmsprüfung mit Bomben und Granaten durch. Hatten die Professoren doch »völlige Talentlosigkeit und eine schlechte Handhaltung beim Klavierspiel« festgestellt.
Verdi hat seine Wien-Besuche nicht unbedingt in bester Erinnerung behalten. 1852 wurde an der k. k. Hofoper erstmals aufgeführt, etwas später und – alle in Anwesenheit des Meisters. Wiens Kritikerpapst Eduard Hanslick bezeichnete Verdis Musik als »Mißgeburt«, und mehrere Aufführungen wurden sogar von der Sittenpolizei überprüft. war für Hanslick »weder die Tat eines schöpferischen Genies noch die Arbeit eines fertigen Meisters«.
Die Wiener freilich liebten ihren Verdi vom ersten Moment an. Auf der Kärntner Straße stand ein Werkelmann und leierte die populäre Arie aus herunter. Verdi war verzweifelt, als er vorbeiging, denn der Bettler war alles andere als musikalisch. Der Meister warf ihm eine Münze in den Hut und forderte ihn auf, das Stück wenigstens nicht so schnell zu spielen. Als er am nächsten Tag...




