E-Book, Deutsch, 307 Seiten
Markus Wenn man trotzdem lacht
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-902998-61-3
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Geschichte und Geschichten des österreichischen Humors
E-Book, Deutsch, 307 Seiten
ISBN: 978-3-902998-61-3
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Georg Markus, einer der erfolgreichsten Schriftsteller und Zeitungskolumnisten Österreichs, lebt in Wien, wo er sich als Autor von Sachbüchern und großer Biografien einen Namen machte. Seine Bücher Unter uns gesagt, Die Enkel der Tante Jolesch, Adressen mit Geschichte, Die Hörbigers und Was uns geblieben ist führten monatelang die Bestsellerlisten an. In seiner Kolumne Geschichten mit Geschichte schreibt er historische Berichte für die Zeitung Kurier, von März 2000 bis März 2008 gestaltete und moderierte er im RadioKulturhaus des ORF die Ö1-Sendreihe Das war's, Erinnerungen an das 20. Jahrhundert. Aufsehen erregte Georg Markus, als er 1992 den Grabraub der Mary Vetsera aufdeckte, nachdem das Skelett der Geliebten des Kronprinzen Rudolf bei Nacht und Nebel aus ihrer Gruft in Heiligenkreuz bei Wien entwendet worden war. Weltweite Beachtung fand auch seine im März 2009 im Kurier erschienene Artikelserie, in der er zum ersten Mal über den unehelichen Sohn John F. Kennedys mit einer gebürtigen Österreicherin berichtete. Mutter und Sohn leben heute in den USA. Hunderte Zeitungen und TV-Sender in aller Welt übernahmen den Exklusivbericht von Georg Markus. Georg Markus ist Mitglied des P.E.N.-Clubs und des Österreichischen Schriftstellerverbandes. Die Bücher von ihm wurden u. a. ins Englische, Französische, Spanische, Ungarische, Polnische, Tschechische und Japanische übersetzt.
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Man kann dem Österreicher so manches nachsagen, nur eines nicht: humorlos zu sein. Das Lachen ist hierzulande von geradezu existenzieller Bedeutung und die Heiterkeit mit der anderer Völker nicht vergleichbar. Es gab zu allen Zeiten Menschen, die ihren Frohsinn nicht verloren hatten – selbst dann, wenn die Umstände ganz und gar nicht danach waren. Zu den mit einer eigenen Humorbegabung ausgestatteten Österreichern zählten berühmte Satiriker, Kabarettisten und Komödianten, aber auch einfache Leute, denen der Schmäh in die Wiege gelegt wurde.
Paul Morgan war ein Profi. Seine Karriere begann gerade, als die österreichisch-ungarische Monarchie ihrem Ende entgegensah, er stellte sich auf Wiener Kabarettbühnen und erzählte lebensnahe Geschichten – wie die von Herrn Pinkus, den ein Problem plagte, das manch einem bekannt vorkommen wird:
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Das also ist der Wiener Schmäh. Er kommt – um es ganz offen zu sagen – von überall her, nur nicht aus Wien, wie Hans Weigel, ein Kenner des Heiteren, nachwies: »Der österreichische Komiker Girardi hatte einen italienischen Namen, und seine große Antipodin, die Wiener Volksschauspielerin Hansi Niese, stammte aus Sachsen. Nestroy war böhmischen Ursprungs, Ödön von Horváth balkanisch-magyarisch, selbst das Herrscherhaus wurde aus der Schweiz importiert, und das Wiener Schnitzel stammt aus Italien.« Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen: Hans Moser, der eigentlich Julier hieß, hatte französische Ahnen, die von Karl Farkas kamen aus Ungarn, Fritz Grünbaum wurde in Brünn und Paul Hörbiger in Budapest geboren.
Was, bitte sehr, ist dann das Österreichische am Wiener Schmäh?
Nun, es ist genau diese Mischung, die den Bewohnern des Landes zu einem so ausgeprägt hohen Maß an guter Laune verholfen hat.
Den Humor in der Form, wie wir ihn heute kennen, gibt es seit knapp zweihundert Jahren, beginnend mit Nestroy und Raimund. Was davor war, ist schwer mit unserem Heiterkeitsverständnis zu vereinbaren. Scherze, die der vornestroyanischen Zeit entstammen, können uns nicht mehr zum Lachen bringen, selbst der berühmte Komiker Stranitzky* würde uns mit seinen Reimen, die er – als Wiener Mädel verkleidet – vortrug, kaum ein Schmunzeln entlocken, zu sehr haben sich die Zeiten geändert. In schier endlos langen Strophen jammert Stranitzky als ewige Jungfrau, weil kein Mannsbild an ihm/ihr picken bleiben will, bis er/sie endlich zum Schluss kommt:
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Die Leute haben damals gebrüllt vor Lachen, und Stranitzky war ihr Abgott, eine Art Heinz Conrads der Barockzeit, aber es war nicht unser Humor, bestenfalls ein Vorläufer desselben. Wesentlich näher kommen wir der Sache, sobald wir uns den Pointen des Theatergenies Johann Nestroy nähern. Sein Satz
würde jedem modernen Kabarettprogramm ebensolche Lacher bescheren wie zu seiner Zeit. Und dieses Zitat von zeitlosem Witz ist nur eines von Hunderten, die er uns hinterlassen hat.
Das Wort bedeutet in Österreich eigentlich Lüge, aber unter versteht man den Humor der Bewohner dieser Stadt. Wiener Schmäh haben, heißt nicht einfach lustig sein, er beinhaltet auch Melancholie, Sarkasmus und ein bisserl Bösartigkeit. Der Schmäh war und ist in allen Schichten zu Hause, an der Ringstraße wie in der Vorstadt, auch wenn er da nasal und dort im tiefsten Dialekt vorgetragen wird. Den Wiener Schmäh beherrschen Sektionschefs und Prostituierte, Kutscher und Rechtsanwälte, Oberärzte und Unterläufel.
Während die Deutschen den Wiener Schmäh – so sie ihn mundartlich verstehen – im Allgemeinen lieben und heute noch für dessen große Vertreter Hans Moser, Paul Hörbiger und Peter Alexander schwärmen, kommt es umgekehrt selten vor, dass der Wiener für deutschen Ulk – auch Schnurre, Klamauk oder Narretei genannt – ein besonderes Faible entwickelt, Loriot und Heinz Erhardt vielleicht ausgenommen. »Der Wiener fällt auf den Schmäh nur selten herein«, meinte Wiens Lokalphilosoph Jörg Mauthe, »der Fremde aber mit Sicherheit. Er nennt’s dann Wiener Charme«.
Zu Österreichs bedeutendsten Satirikern neben Nestroy und Raimund zählen Karl Kraus, Egon Friedell, Alfred Polgar, Fritz Grünbaum, Helmut Qualtinger und Karl Farkas – um mit einer wirklich winzig kleinen Auswahl anhand weniger Beispiele zu beginnen.
Karl Kraus:
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Egon Friedell:
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Alfred Polgar:
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Fritz Grünbaum:
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Karl Farkas:
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Helmut Qualtinger:
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Neben diesen und Dutzenden anderen Großen des Wiener Humors haben sich die »kleinen Leute«, wie erwähnt, ihren eigenen Schmäh geschaffen: den Witz – und mit ihm eine Reihe von Witzfiguren. Da wären einmal der Altgraf Bobby und dessen nicht minder vertrottelter Gefährte Rudi.
Zum ehernen Bestand unter Österreichs Witzfiguren zählt auch die neureiche Frau Pollak, die parvenühaft und ungeübt im Gebrauch von Fremdwörtern als Quelle immer wieder neuen Gelächters lebendig bleibt:
Zu den Fixpunkten im österreichischen Humor gehören des Weiteren die Witze über die Burgenländer, die ausgerechnet dann ihre Hochkonjunktur erlebten, als einer aus ihren Reihen – nämlich Fred Sinowatz – österreichischer Bundeskanzler wurde:




