Marquardt | Chefarzt Dr. Holl 1989 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1989, 64 Seiten

Reihe: Dr. Holl

Marquardt Chefarzt Dr. Holl 1989

Die Krankheit aus dem Koffer
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7517-6657-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Krankheit aus dem Koffer

E-Book, Deutsch, Band 1989, 64 Seiten

Reihe: Dr. Holl

ISBN: 978-3-7517-6657-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Tobias und seine Freundin Rabea sind als Entwicklungshelfer in Nepal tätig, als sie bei einem Erdbeben verschüttet werden. Sie werden gerettet und, sobald es ihr Zustand erlaubt, nach Deutschland ausgeflogen und in die Münchener Berling-Klinik gebracht.
Tobias erholt sich rasch, aber Rabea muss mit schweren Verletzungen und einem Trauma wochenlang im Krankenhaus bleiben. Währenddessen baut sich Tobias in München ein neues Leben auf. Er findet einen Job, und bald hat er auch ein Geheimnis vor Rabea.
Plötzlich wird er schwer krank. Mit heftigen Fieberschüben muss er erneut in die Berling-Klinik gebracht werden. Als Dr. Holl die Diagnose stellt, fliegt Tobias' Geheimnis auf ...

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Die Krankheit aus dem Koffer

Tobias' Fieberschübe stellen die Ärzte vor ein Rätsel

Von Mona Marquardt

Tobias und seine Freundin Rabea sind als Entwicklungshelfer in Nepal tätig, als sie bei einem Erdbeben verschüttet werden. Sie werden gerettet und, sobald es ihr Zustand erlaubt, nach Deutschland ausgeflogen und in die Münchener Berling-Klinik gebracht.

Tobias erholt sich rasch, aber Rabea muss mit schweren Verletzungen und einem Trauma wochenlang im Krankenhaus bleiben. Währenddessen baut sich Tobias in München ein neues Leben auf. Er findet einen Job, und bald hat er auch ein Geheimnis vor Rabea.

Plötzlich wird er schwer krank. Mit heftigen Fieberschüben muss er erneut in die Berling-Klinik gebracht werden. Als Dr. Holl die Diagnose stellt, fliegt Tobias' Geheimnis auf ...

Eine dünne Wolkenschicht bedeckte den Himmel. Die vielen Dunsttröpfchen in der Luft brachen sich im Sonnenlicht und ließen ihre Strahlen besonders stechend wirken. Auf dem Rückweg vom Mittagessen in einem der kleinen Restaurants von Khumjung sah Tobias Montag hinüber zum Ama Dablan, der seinen Gipfel majestätisch in die kühle Luft reckte.

Dem Bauingenieur bot sich ein seltsames Bild. In einer doppelten Spiegelung standen kurz zwei blasse Sonnen über dem verschneiten Gipfel. Eine merkwürdige Unruhe lag in der Luft.

Zur Selbstversorgung hielt jede nepalesische Familie eine Kuh oder einen Büffel, eine Handvoll Ziegen und acht oder zehn Hühner. Normalerweise war von diesen Tieren kaum etwas zu hören. Meist grasten sie friedlich auf den umliegenden Wiesen oder pickten zufrieden gurrend die Körner in ihren Ställen auf. An diesem Mittag mischte sich das aufgeregte Gackern und Muhen mit den Schreien der Greifvögel, die hoch oben ihre Kreise zogen.

Einen Grund für diese Unruhe konnte Tobias nicht entdecken. Bevor er das Bürogebäude erreichte, warf er nochmal einen Blick zurück. Die Doppelsonnen hatten sich aufgelöst. Tobias zog den Kopf ein und trat in das düstere Büro.

Auf dem kleinen Schreibtisch herrschte ein heilloses Durcheinander an Bauplänen, Notizzetteln und aufgeschlagenen Büchern, dazwischen ein Computer mit staubigem Monitor. Tobias versuchte noch, etwas Ordnung in das Chaos zu bringen, als es an die offenstehende Tür klopfte.

»Rabea!« Seine Miene erhellte sich. »Schön, dass du hier bist.« Er küsste sie.

Rabea Eigenstein lachte mit Blick auf den Schreibtisch. »Wenn du denkst, ich helfe dir beim Aufräumen, hast du dich getäuscht.«

Beim Anblick ihres Freundes war die unbestimmte Nervosität, die sie schon den ganzen Tag erfüllte, schlagartig vergessen.

Selbst nach drei Monaten konnte sie es manchmal immer noch nicht fassen, dass es ihr gelungen war, das Herz des sympathischen Bauingenieurs zu erobern, mit dem sie an einem Entwicklungshilfeprojekt in Nepal arbeitete. Nicht dass sie sich für unattraktiv hielt. Aber bei diesem Projekt gab es genügend aparte Frauen, die weniger schüchtern und zurückhaltend waren als sie. Tobias war heiß umschwärmt. Aber er hatte sich nur für sie interessiert.

»Auf so eine Idee würde ich nie kommen«, antwortete er in ihre Gedanken hinein und lachte. »Aber ich lasse mich liebend gerne von dir von der Arbeit abhalten.«

»Daraus wird leider nichts.« Zielsicher zog Rabea einen der Baupläne unter einem Stapel Papier hervor. »Ich bin hier, um mit dir die Fortschritte auf der Baustelle zu besprechen.«

Bei einem Erdbeben war die von Sir Edmund Hillary gegründete Schule schwer beschädigt worden. Die Instandsetzungsarbeiten liefen auf Hochtouren. Sie berichtete von den Fortschritten auf der Baustelle, aber auch von Unstimmigkeiten mit den Ortskräften.

»Ashok hält nichts von unseren Querstreben aus Stahl. Er will unbedingt an seinen senkrechten Stützen festhalten.«

»Die Erfahrung zeigt, was das bringt«, gab Tobias zu bedenken. »Bei einem Erdbeben knicken sie ein wie Streichhölzer.«

»Ein Schamane hat ihm geraten, regelmäßig ein Tier zu opfern. Dann würde nichts passieren.«

Tobias unterdrückte ein Stöhnen.

Er betrachtete sich als Gast in diesem fremden Land und respektierte die fremde Kultur. Und doch machte sie ihm die Arbeit manchmal schwer.

»Hast du schon mit seiner Frau gesprochen? Die Sorge um ihre Kinder lässt Indra rationaler denken, als ihr Mann es tut.«

»Eine gute Idee. Ich werde mein Glück versuchen.«

»Aber zuerst musst du mich noch einmal küssen. Sonst machen die Entzugserscheinungen ein vernünftiges Arbeiten unmöglich.«

»Nur zur Erinnerung.« Rabea sah sich um. »Wir sind in deinem Büro. Es kann jeden Moment jemand hereinkommen.«

Tobias' treuherziger Augenaufschlag, der schmelzende Blick aus den grünen Augen gaben den Ausschlag.

»Ich kann dir einfach nicht widerstehen«, seufzte sie und überließ sich seinen zärtlichen Lippen. »Manchmal frage ich mich, wohin das noch führen soll.«

»Oh, das weiß ich ganz genau.« Tobias strich ihr eine blonde Strähne aus der Stirn, die sich aus dem unordentlichen Knoten auf ihrem Hinterkopf gelöst hatte. »In eine gemeinsamen Wohnung in München. Ich kann es kaum erwarten, endlich in deiner Heimatstadt mit dir unter einem Dach zu leben.«

»Das wird einfach wunderschön.« Rabeas Augen füllten sich mit den Bildern ihrer Träume. Nur noch ein paar Wochen, dann würde es endlich so weit sein. Ihre erste gemeinsame Wohnung war bereits gemietet und wartete nur darauf, von ihnen erobert und mit Lachen und Liebe gefüllt zu werden.

Aber noch mussten sie sich gedulden. Das geschäftige Treiben auf der Straße vor dem Bürogebäude erinnerte sie daran.

»Trotzdem wird mir der Abschied von hier schwerfallen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Und der abenteuerliche Aspekt ist auch nicht zu verachten.«

»Ein Leben mit mir ist Abenteuer pur«, versprach Tobias mit lustig funkelnden Augen. »Und dass wir in München leben werden, heißt ja nicht, dass wir unser Engagement aufgeben. Wenn wir wollen, werden sich immer Gelegenheiten finden, um Sinnvolles zu tun.«

»Ich liebe dich«, seufzte Rabea, auch wenn diese drei Worte noch nicht einmal ansatzweise das ausdrückten, was sie wirklich für diesen Mann fühlte.

***

In den nächsten Stunden arbeitete Tobias Montag konzentriert an seinem Schreibtisch. Irgendwann hob er den Kopf und sah zum Fenster hinaus. Der Himmel über dem Bergkamm war inzwischen graublau und dunkel, als käme von dort ein Gewitter.

Er kannte das Land gut genug, um zu wissen, dass das häufiger geschah. Eine Weile saß er reglos da und betrachtete die Scheinwand aus Wolken. Anders als sonst löste sie sich nach und nach auf. Minuten später stand die Sonne wieder hell und grell am Himmel. Ihre schrägstehenden Strahlen tauchten die dem Tal zugewandte Schneefläche in gewitterliches Gelb.

Ein Schrei von draußen kündigte seine nächste Besucherin an. Er erkannte sie schon an der Stimme.

»Himmel, Vicky, warum machst du so einen Lärm?« Tobias musterte die dunkelhaarige Schönheit, die in sein Büro stolperte.

Vicky Quentin arbeitete als Ärztin in der Klinik im Nachbarort Khunde, ebenfalls erbaut von Sir Edmund Hillary. Sie hatten einander bei ihrer ersten Mission in Nepal kennengelernt und sich zufällig zwei Jahre später dort wiedergetroffen.

In Vickys Augen handelte es sich um eine Fügung des Schicksals, die nach einem ausschweifenden Barbesuch in Tobias' Bett geendet hatte. Für sie war diese gemeinsame Nacht der Beginn einer leidenschaftlichen Affäre, für den Bauingenieur ein dummer Fehler, den er am liebsten ungeschehen machen wollte.

»Was würdest du sagen, wenn dir am helllichten Tag mitten auf der Straße eine Kettenviper begegnet?« Schwer atmend stand sie vor seinem Schreibtisch, die runden Wangen bleich vor Schreck. »Und das schon zum zweiten Mal heute.«

»Eine Kettenviper? Bist du sicher?«

Touristen bekamen solche Reptilien kaum jemals zu Gesicht. Nur Bauern und Landarbeiter waren bei der Feldarbeit einem erheblichen Risiko ausgesetzt. Und das nicht nur in den feuchtheißen Ebenen, sondern zunehmend auch in den Bergen.

»Normalerweise sind Schlangen froh, wenn sie auf den Wiesen und Feldern ihre Ruhe vor uns Menschen haben.«

Vicky verzog die Lippen zu einem Schmollmund. »Warum glaubst du mir eigentlich nie etwas?«

»Weil du immer noch versuchst, mit allen Mitteln meine Aufmerksamkeit zu erregen.«

Sie lachte und beugte sich weit über den Schreibtisch.

»Das stimmt«, gurrte sie. »Ich kann einfach nicht glauben, dass diese eine Nacht schon alles gewesen sein soll.«

Tobias rollte mit seinem Stuhl ein Stück zurück.

»Dabei habe ich dir schon mindestens hundert Mal gesagt, dass die Nacht mit dir ein Ausrutscher war. Außerdem gibt es jetzt Rabea. Schlangen hin oder her und ob dir das gefällt oder nicht: Ich liebe sie und werde mir in München ein Leben mit ihr...



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