Marquardt | Chefarzt Dr. Holl 2003 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2003, 64 Seiten

Reihe: Dr. Holl

Marquardt Chefarzt Dr. Holl 2003

Was geschah auf der Klassenfahrt?
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7517-7048-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Was geschah auf der Klassenfahrt?

E-Book, Deutsch, Band 2003, 64 Seiten

Reihe: Dr. Holl

ISBN: 978-3-7517-7048-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine neunte Klasse eines Kölner Gymnasiums bricht zur Klassenfahrt nach Bayern auf. In den Wäldern im Umland von München unternehmen die Schüler naturkundliche Exkursionen. Begleitet werden sie von Alan Markovic, dem Strahlemann unter den Lehrern, und von Finja Larsen, die wegen ihrer strengen, ruppigen Art bei den Schülern alles andere als beliebt ist.
Bei einem Spaziergang entdeckt Alan einen Fliegenpilz. Er erklärt seinen Schülern, dass man aus ihm eine Droge herstellen kann. Die Schüler Laurin und Oli grinsen sich an. Ihr Blick geht zu Finja Larsen und dann zu der Thermoskanne, aus der sie immer ihren Tee trinkt. Die beiden Jungen hecken einen Plan aus ...

Marquardt Chefarzt Dr. Holl 2003 jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Was geschah auf der Klassenfahrt?

Eine Lehrerin leidet an rätselhaften Symptomen

Von Mona Marquardt

Eine neunte Klasse eines Kölner Gymnasiums bricht zur Klassenfahrt nach Bayern auf. In den Wäldern im Umland von München unternehmen die Schüler naturkundliche Exkursionen. Begleitet werden sie von Alan Markovic, dem Strahlemann unter den Lehrern, und von Finja Larsen, die wegen ihrer strengen, ruppigen Art bei den Schülern alles andere als beliebt ist.

Bei einem Spaziergang entdeckt Alan einen Fliegenpilz. Er erklärt seinen Schülern, dass man aus ihm eine Droge herstellen kann. Die Schüler Laurin und Oli grinsen sich an. Ihr Blick geht zu Finja Larsen und dann zu der Thermoskanne, aus der sie immer ihren Tee trinkt. Die beiden Jungen hecken einen Plan aus ...

Noch bevor Dr. Stefan Holl an diesem Herbstmorgen die Augen aufschlug, wusste er, dass etwas nicht stimmte. Ein fernes Knirschen hatte ihn geweckt, das sich nach und nach zu einem bedrohlich lauten Brummen steigerte.

Mit geschlossenen Augen schob er die Hand auf die andere Bettseite.

»Hörst du das auch?«

Alles, was er fühlte, war eine kalte Leere. Das Bett neben ihm war leer.

Stefans Herz zog sich schmerzhaft zusammen, sein Atem ging schneller. Wie eine eiserne Faust packte ihn die Angst vor einem weiteren Herzinfarkt.

Mit einem Schlag war er hellwach. Er setzte sich im Bett auf und konzentrierte sich auf seinen Atem. Ein und aus, ein und aus, ganz so, wie er es in der Reha gelernt hatte.

Nach und nach beruhigte sich sein Herzschlag, endlich konnte er wieder klar denken.

Die Jalousien waren noch geschlossen, durch die Ritzen schien das erste Licht des Tages. Es fiel auf die Kommode gegenüber und ließ die Fotos in großen und kleinen Rahmen strahlen. Eine Sammlung fröhlicher Momente aus einem halben Leben, die Stefan jedes Mal wieder und besonders nach seiner gesundheitlichen Krise ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Wie glücklich er doch war, trotz allem!

Stefan Holl warf einen Blick auf die Uhr. Erst kurz nach sechs. Das Brummen von nebenan war längst verstummt. Kaffeeduft erfüllte die Luft. Natürlich, das Brummen war von der High-Tech-Kaffeemühle gekommen, die Marc, der älteste Sohn der Familie Holl, seiner Mutter erst neulich geschenkt hatte.

Stefan suchte noch nach seinem Shirt, als er die Schritte auf der Treppe hörte. Ein Stoß, die Tür schwang auf, und Julia erschien mit einem Tablett in der Hand.

»Du bist ja schon wach!« Sie stellte ihre Last auf dem Bett ab, beugte sich über ihren Mann und küsste ihn. »Guten Morgen, mein Schatz.«

Eine Spur zu hastig küsste Stefan sie zurück. Sein Blick huschte über Pancakes und Milchkaffee, über Obstsalat und Müsli.

Schlagartig meldete sich sein Gewissen zu Wort. Hatte seine Hirnblutung doch einen Schaden verursacht, der sich erst jetzt bemerkbar machte?

»Habe ich etwa irgendwas vergessen? Deinen Geburtstag? Unseren Hochzeitstag?«

Lachend schlüpfte Julia unter die Bettdecke.

»Keine Sorge. Ich dachte nur, dass wir ab und zu mal etwas an unserer Routine ändern sollten.« Nicht nur Stefan machte sich Gedanken darüber, wie sein Leben nach dem Warnschuss in Zukunft aussehen sollte. »Im Internet habe ich gelesen, dass der immer gleiche, unromantische Trott Gift ist für eine lange Beziehung.«

Julia bestrich einen Pancake mit Cäcilies Erdbeermarmelade vom vergangenen Sommer und hielt ihrem Liebsten den Teller hin.

»Deshalb dachte ich mir, wir könnten den Tag ausnahmsweise mit Frühstück im Bett beginnen. Mal abgesehen davon, dass du dir ein Verwöhnprogramm redlich verdient hast.« Zufrieden sah sie ihrem Mann dabei zu, wie er den kleinen Pfannkuchen mit Appetit verspeiste. Der Teig war weich, die Marmelade süß und klebrig auf seiner Zunge. »Zuerst der Herzinfarkt und dann auch noch die Hirnblutung ... Ich finde es bewundernswert, wie hart du an deiner Genesung gearbeitet, keine Therapiestunde und keine Rehamaßnahme ausgelassen hast. Dafür hast du dir mehr als nur ein kleines Frühstück im Bett verdient.«

Stefan trank einen Schluck Kaffee. Dabei ließ er seine Frau nicht aus den Augen. Manchmal konnte er es selbst nicht glauben, dass er mit einem blauen Auge davongekommen war. Durch logopädische, ergo- und physiotherapeutische Behandlungen hatte er die anfänglichen Sprach- und Bewegungsstörungen ganz überwunden. Unermüdlich hatte er sein Gedächtnis trainiert. Meditations- und Yogaeinheiten halfen ihm dabei, den Kopfschmerz in den Griff zu bekommen, der ihm hin und wieder noch das Leben schwer machte. Diese Entspannungsmethoden halfen ihm auch dabei, die Panikattacken und die Angst zu überwinden, an denen er seit dem Herzinfarkt immer wieder litt.

Eine tiefe Dankbarkeit ließ ihn lächeln.

»Ohne dich und die Kinder, ohne euren Glauben an mich und eure unermüdliche Unterstützung hätte ich das alles nicht geschafft.« Seine Stimme war rau vor Rührung.

Und auch Julias Augen glänzten verdächtig. Auch für sie waren die vergangenen Monate hart gewesen. Davon zeugten die feinen Linien, die die Erschöpfung in ihre Haut gegraben hatte. Und noch immer war sie nah am Wasser gebaut.

»Wenn du sentimental wirst, bringe ich dir nie mehr wieder Frühstück ans Bett«, schimpfte sie und blinzelte mühsam die Tränen fort. Mit so einer Wirkung ihrer kleinen Überraschung hatte sie wirklich nicht gerechnet. »Wir sollten essen, bevor alles kalt wird.«

Widerspruchslos fügte sich Stefan in sein Schicksal. Eine Weile war nichts zu hören außer dem Klappern von Geschirr und Besteck.

»Apropos Routine«, brach er die Stille schließlich. »Ich mache mir ja auch so meine Gedanken.« Er beugte sich zu Julia und küsste ihr einen Klecks Marmelade aus dem Mundwinkel. »Was hältst du davon, wenn wir wieder mal ein Wochenende mit Daniel und Nathalie verbringen?«

Julias Augen strahlten.

»Was für eine schöne Idee! Wie lange ist es her, dass wir zusammen in Rottach waren? Es müssen Jahre sein.«

»Viel zu lange auf jeden Fall.« Stefan freute sich, dass sein Plan Anklang fand. »Dann rede ich gleich nachher in der Klinik mit Daniel.« Zufrieden leerte er seine Kaffeetasse.

Konnte ein Morgen besser beginnen?

***

Wie an jedem anderen Tag herrschte auch an diesem Morgen hektische Betriebsamkeit im Lehrerzimmer des Kölner Gymnasiums. Kaffeeduft lag in der Luft, vermischt mit dem Geruch von frisch bedrucktem Papier. Ein paar Kollegen saßen sich am großen Besprechungstisch gegenüber und sortierten ihre Unterrichtsmaterialien. Die Geschichtslehrerin Sandra Köhler heftete Arbeitsblätter in ihrem Ordner ab, während Karl Schmied in seinem Tablet las. In einer Ecke standen drei Lehrer zusammen und unterhielten sich über den neuesten Klatsch.

Wann immer sich die Tür öffnete, gingen die Köpfe hoch. Zehn Minuten vor acht wehte der Deutschlehrer Alan Markovic wie eine frische Brise herein.

»Einen wunderschönen guten Morgen.«

Sein Lachen strahlte mit seinen Augen um die Wette, als er den Raum rasterte. Er sonnte sich in den bewundernden Blicken der Kolleginnen und Kollegen.

»Coole Frisur, Sandra, warst du beim Friseur? Dieser Anzug hat echt Stil, Jonas. Und du, meine Geschichtsfee, hattest du einen schönen Abend gestern? Deine Augen leuchten so.«

Für fast jeden der anwesenden Kollegen hatte er ein kleines Kompliment parat und zauberte ein Lächeln in die Gesichter.

Nur Finja Larsen schien immun zu sein gegen seinen Charme. Sie hob kaum den Blick von ihren Unterlagen. Und was war das? Täuschte er sich oder lag an diesem Morgen ein spöttischer Ausdruck in ihren Augen?

Alan ließ sich auf einen freien Stuhl fallen. Er zog den Laptop aus der Tasche, während er Finja unauffällig musterte. Die dunkelblonden Locken fielen ihr ins Gesicht. Ob ihr Haar so weich war, wie es aussah?

Er überlegte nur kurz, zückte sein Handy und tippte eine Nachricht ein. Finjas Mobiltelefon vibrierte. Sie sah aufs Display und zog die Augenbrauen hoch. Alan erntete einen missbilligenden Blick. Die schriftliche Antwort folgte auf den Fuß.

Vergiss es. Ich gehe grundsätzlich nicht mit Kollegen aus. Welchen Teil dieses Satzes verstehst du nicht, dass du immer wieder nachfragst?

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, schrieb Alan.

Dann versetze ich ihr jetzt den Todesstoß, erwiderte Finja und schickte noch nicht einmal ein lachendes Gesicht mit.

Im nächsten Augenblick warf Alan das Handy mit einer theatralischen Geste auf den Tisch. Er legte den Kopf in den Nacken, presste beide Hände aufs Herz und stöhnte erbarmungswürdig. Keiner der Kollegen ahnte, worum es ging. Sie lachten aber trotzdem ob der oscarreifen Darbietung.

Auch Finja fiel es schwer, ernst zu bleiben. Sie zwang sich, wegzusehen, und konzentrierte sich wieder auf ihre Unterrichtsvorbereitung. Um fünf nach acht packte sie ihre Sachen zusammen und verließ das Lehrerzimmer.

Alan sah ihr aus schmalen Augen nach. Diese Ablehnung war er nicht gewohnt. Früher oder später hatte er noch jede noch so harte Schale geknackt.

»Mach dir nichts draus.« Jonas...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.