Marrison | Ein finsterer Ort | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 383 Seiten

Reihe: Die Cotswolds-Krimis von James Marrison

Marrison Ein finsterer Ort

Kriminalroman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7325-2957-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 2, 383 Seiten

Reihe: Die Cotswolds-Krimis von James Marrison

ISBN: 978-3-7325-2957-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



ETWAS BÖSES GEHT UM IN DEN COTSWOLDS ...

In einem kleinen Dorf in den Cotswolds wird die Leiche eines Mannes gefunden, der zu Lebzeiten für etliche brutale Verbrechen im Gefängnis saß. Als die Ermittler Downes und Graves sein Haus durchsuchen, finden sie rätselhafte Fotos mit dem immer gleichen Motiv: Jungen, die in einem sterilen Raum auf einer Metallbahre liegen. Während Graves in London ermittelt, sucht Downes in den Cotswolds nach Hinweisen auf die Identität der Jungen und findet heraus, dass sie seit zwanzig Jahren als vermisst gelten ...

RAFFINIERT-DÜSTERE SPANNUNG VOR ATMOSPHÄRISCHER KULISSE


PRESSESTIMMEN ZU MARRISONS DEBÜTROMAN:

»James Marrisons Erstling Das Mädchen im Fenster ist ein Psychothriller mit Tiefgang und überraschenden Wendungen.« Main-Echo

»Diese herrlich verschlungene Geschichte mit ihrem faszinierenden, vielschichtigen Ermittler überrascht den Leser durch unerwartete Wendungen und fesselt ihn bis zu ihrem schaurigen Ende. Marrison legt die Messlatte hoch mit diesem beeindruckenden Debüt.« Richmond Times-Dispatch

»Etwas durch und durch Böses geht um in Marrison's fesselndem Debütroman. (...) Das ungewöhnliche Ende wird die meisten Leser überraschen.« Publishers Weekly

»Ein überzeugendes Spannungsdebüt und allen Fans von Elizabeth George und Peter Robinson wärmstens zu empfehlen.« Booklist

»Ein gelungenes Debüt ... spannend und schwungvoll erzählt und mit einem erfrischend ungewöhnlichen Ermittler« The Daily Mail

»Düster, fesselnd und völlig unvorhersehbar« Linwood Barclay

»Ein Polizist mit argentinischen Wurzeln, der im Herzen Englands ermittelt und der durch seine besondere Perspektive einen Mordfall betrachtet, dessen Wurzeln zu ungeklärten Verbrechen in die Vergangenheit reichen. Guillermo Downes ermittelt mit Verstand und Intuition und der Leser folgt ihm dabei gespannt.« Sunday Times

»Ein fesselndes Buch (...) Obwohl ich die Geschichte aufmerksam gelesen habe, hat mich das Ende wirklich überrascht.« The Herald



James Marrison studierte Geschichte in Edinburgh, bevor er 1996 nach Buenos Aires zog. Noch heute lebt er in der südamerikanischen Metropole, wo er als freier Journalist für verschiedene Zeitungen arbeitet. Er hat bereits ein Sachbuch über die berüchtigtsten Mörder aller Zeiten veröffentlicht, für das er namhafte Psychologen und Kriminalisten interviewte. Nach Das Mädchen im Fenster ist Ein finsterer Ort sein zweiter Kriminalroman mit dem ungleichen Ermittlerduo Downes und Graves.
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Prolog


Es war eine Wohltat, aus London herauszukommen, und während er durch das Fenster des Pubs auf die schmale Dorfstraße blickte, fragte er sich nicht zum ersten Mal an diesem Tag, wieso er nicht schon früher hierhergekommen war. Ein bisschen frische Luft, das war alles, was er brauchte, und natürlich endlich wieder Arbeit, nachdem er so lange in seiner Bude gehockt und sich in Selbstmitleid gesuhlt hatte. Das war erbärmlich und sah ihm ganz und gar nicht ähnlich.

Der Abstand zu London war wirklich Balsam für seine Seele.

Kaum hatte er die letzten Ausläufer der Metropole hinter sich gelassen, war auch die Spannung von ihm abgefallen. Seine düsteren Gedanken hatten sich ein wenig aufgehellt, und nach den Zerreißproben der letzten Monate hatte er im Lauf des Nachmittags endlich wieder Mut bekommen.

Er trank sein Bier aus, bestellte ein zweites und ging, während er darauf wartete, seine Notizen durch.

In seiner Vorstellung nahm der Artikel erste Konturen an. Ein paar hundert Worte Hintergrundinformation und dann die Bilder, immer vorausgesetzt, er konnte Miller mit den Fakten konfrontieren, die er bereits zu kennen glaubte.

Dem Barkeeper mit der gepflegten Ausdrucksweise eines betuchten jungen Akademikers und der Figur eines Bodybuilders hatte er ein paar zusätzliche Details entlocken können. Keine Ahnung, was der Bursche hier draußen in diesem gottverlassenen Pub zu suchen hatte, doch er fragte ihn nicht danach. Vielmehr beschränkte er seine Erkundigungen auf Miller und bekam den Eindruck, als wäre dieser ein mürrischer, launischer Stammgast, der den Leuten, wenn er zu viel Promille intus hatte, eine Höllenangst einjagen konnte. In Gedanken warf er einige Pfundmünzen in die Musicbox ein.

Würden sie die Story auch ohne hieb- und stichfeste Beweise bringen oder, bis sie wasserdicht war, unter Verschluss halten? Würde vorher jemand anders Wind davon bekommen? Und wem bot er sie am besten als Erstes an? Eine halbe Ewigkeit hatte diese Story nur darauf gewartet, ausgegraben zu werden. Und zwar von ihm. Er spürte die vertraute kribbelnde Erregung, die er jedoch, so gut es ging, im Zaum hielt, denn mit der Erregung kam die alte Angst des Journalisten, jemand anders könnte schneller sein als er. Gut möglich, dass in diesem Moment irgendein Pfiffikus in London auf seinen Computerbildschirm starrte oder in den Archiven wühlte und die fehlenden Glieder in der Kette zusammensetzte. Gut möglich, dass er genau in diesem Augenblick nach dem Telefon griff oder durch die Nachrichtenredaktion zum Büro des Ressortchefs eilte.

Er stand auf und kehrte zum Tresen zurück. Draußen auf der Straße war es schon dunkel. Es kostete ihn Überwindung, allein hinauszugehen. Er zahlte, eilte aus der Bar und durch den Regen zu seinem Wagen. Kaum war er eingestiegen, setzte er auf die Straße zurück, und wenige Minuten später erreichte er den Weg zum Haus. Er ließ den Wagen auf halber Höhe des Hangs in einer Parkbucht stehen, um nach dem Bier einen kleinen Fußmarsch einzulegen, bevor er Miller damit konfrontierte, was er wusste.

Millers Gehöft lag ein wenig zurückgesetzt hinter einer Abzweigung und verschwand zwischen den Hügeln aus dem Gesichtsfeld. Das Haus lag im Dunkeln; ein einziges Fenster im Erdgeschoss war erleuchtet, sodass man die Umgebung etwas erkennen konnte. Mit jedem Schritt, den er Miller näher kam, verblassten in seinem Rücken die Lichter des Dorfs zu einem letzten grauen Schimmer.

Geradeaus waren am Fuß der Böschung die Umrisse des Gehöfts zu erkennen – wie erwartet, ein marodes Gemäuer mit ein paar Scheunen und einem verwilderten Garten dahinter. Auf dem rissigen Teer des Hofs ragten ausgediente Maschinen wie Knochen in die Dunkelheit.

Es war, als treibe ihn die düstere Landschaft voran. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er schon seit einer Weile die Luft anhielt, und so atmete er einmal tief aus. Je näher er dem Bauernhaus kam, desto stärker spürte er diesen Sog in der Magengrube.

Als er das Tor erreichte, klopfte er nervös und machte sich auf die Herausforderung gefasst. Als nichts geschah, versuchte er, sich durch Rufen bemerkbar zu machen, doch es rührte sich nichts. Eine ganze Minute lang lehnte er sich an das Tor, ohne irgendwo ein Lebenszeichen zu entdecken. Auf seinem Weg zur Haustür wehte ihm eine Böe totes Laub ins Gesicht. Der Regen wurde stärker.

Er klingelte zweimal an der Tür; als sich wieder nichts tat, durchquerte er den verwilderten Garten und spähte zu einem Küchenfenster hinein. Er klopfte energisch an die Scheibe und horchte – nichts.

Nach kurzem Zögern ertappte er sich dabei, wie er zentimeterweise die Klinke herunterdrückte. Die Tür ging geräuschlos auf, und er trat ein.

Drinnen, vermutlich vom Herd, schlug ihm ein Geruch nach Bratfett entgegen. Auf dem Küchentisch standen ein paar Teller und Gläser. Der Fernseher lief, doch ohne Ton, und im Kamin brannte ein Feuer. Für einen Moment blieb er mitten in der Küche stehen und strich sich das Haar aus der Stirn. Er rief »Hallo!« in die Stille, aber vergebens.

»Mr Miller!«, versuchte er es noch einmal. »Mr Miller! Jemand zu Hause? Tut mir leid, so hereinzuplatzen, aber ich müsste kurz mit Ihnen reden. Es ist wichtig.« Vielleicht ging er besser wieder und wartete draußen auf ihn. Plötzlich erschien ihm die Stille im Haus wie eine lauernde Gefahr, wie ein böses Omen. Ohne sich vom Fleck zu rühren, horchte er auf das geringste Geräusch. Durch die Tür zur Diele strömte Licht herein und tauchte den Küchenboden in einen orangefarbenen Schimmer. Er wagte sich ein paar Schritte weiter ins Haus und rief erneut nach Miller, doch seine Stimme hallte nur gespenstisch von den Wänden wider.

Am Küchentisch blieb er unschlüssig stehen. Er sollte besser vernünftig sein und hier verschwinden und am Morgen wiederkommen. Er hatte genug! Entschlossen machte er kehrt und riss die Tür zum Garten auf. Er hatte auch nie beabsichtigt, so weit zu gehen; nicht mal im Traum hätte er gedacht, sich bis in dieses Haus vorzuwagen, aber als er gerade einen Fuß ins Freie setzen wollte, drehte er sich zu seinem eigenen Erstaunen noch einmal um. Bevor er es sich anders überlegen konnte, hatte er die Küche durchquert und stand an der Schwelle zum Flur, als ihm vom anderen Ende der Diele ein unangenehmer Geruch entgegenschlug – zunächst nur schwach, doch mit jedem Schritt durch den Flur ein wenig stärker.

In einer Böe aus dem Garten schlug die Tür hinter ihm zu. Was war das für ein Geruch? Nach Verbranntem? Er versuchte, sich im Dämmerlicht zu orientieren. Links war die Treppe zum Obergeschoss, dahinter stand eine Tür einen Spalt breit offen. Von dort kam der orangefarbene Schimmer. Was hatte er sich nur bei dieser Nacht-und-Nebel-Aktion gedacht? Geschah ihm recht, so mutterseelenallein in Millers Haus einzudringen. Dort vorne, in dem erleuchteten Zimmer mit dem seltsamen Geruch, musste der Eigentümer ihn erwarten, während er soeben seinen Wagen in unerreichbarer Ferne abgestellt hatte.

Er nahm seine ganze Willenskraft zusammen, schlich lautlos bis zur Treppe, fand am Geländer Halt und setzte aus Angst vor einer knarrenden Diele behutsam einen Fuß vor den anderen. Der Lichtschein flackerte auf, durch den Spalt entwich ein Rauchkringel in den Flur. Der Geruch wurde augenblicklich stärker.

Er hatte die Tür erreicht und stieß sie auf. Vor ihm lag das Wohnzimmer mit schwerem, altmodischem Mobiliar. Das Feuer im Kamin brannte viel höher als das in der Küche, und der Fernseher war an.

Hier drinnen war es viel zu heiß. Er knöpfte sich den Kragen auf, hustete vom Qualm, der offenbar nicht richtig abzog und ins Zimmer quoll. Loderten die Flammen wirklich gerade höher, oder bildete er sich das nur ein? Dem Geruch nach musste etwas auf dem Kaminrost sein, das da nicht hingehörte, doch so genau wollte er es gar nicht wissen. Die Rücklehne des Armlehnstuhls vor dem Fernseher verstellte ihm teilweise den Blick. Er riss sich vom Feuer los und wandte sich zum Fenster um. Am liebsten hätte er es aufgerissen und Luft hereingelassen, aber stattdessen blieb er wie angewurzelt stehen. Gott, was hast du hier bloß zu suchen?, dachte er, als sich seine alarmierte Miene in der Scheibe spiegelte. Nichts wie raus!

Als ihm beim nächsten Knistern und Knacken der Scheite auf dem Rost dieser Geruch erneut in einer Schwade in die Nase stieg, verzog sein Spiegelbild angewidert das Gesicht.

Mit dem seltsamen Gefühl, als sähe er sich gerade selber zu, näherte er sich langsam von hinten dem Sessel. An der Rückseite grub sich ein Strick in das dunkle Polster ein. Als sein Blick beim Betreten des Raums auf die Zange und den Bratspieß gefallen war, hatte er daraus geschlossen, Miller habe etwas über dem offenen Feuer gegrillt, doch als er näher hinschaute, erkannte er, was da auf dem Rost lag. Dann entdeckte er ein verkohltes Handtuch auf dem Boden. Erst jetzt drehte er sich zu dem Mann um, der im Sessel saß.

Der Schrei blieb ihm in der Kehle stecken. Es war zweifellos Miller – er erkannte ihn von den Fotos wieder, die er gesehen hatte, nur dass der Mann hier inzwischen älter war. Ihm waren die Arme hinter der Rücklehne gefesselt. Sein starrer Blick ging zur Decke. Sein Hemd war bis zum Schoß blutgetränkt, und um seine lehmverkrusteten Stiefel hatte sich eine große rote Lache gesammelt.

Millers Gesicht war zu Brei geschlagen, die Nase eine klaffende Wunde. Im weit geöffneten Mund war hinter den Zähnen ein zerfetzter Fleischklumpen zu erkennen. Jemand hatte ihm mit der Zange am Gaumen die Zunge herausgerissen und ins Feuer geworfen, wo sie nunmehr zu Asche verbrannte. Möglicherweise war Miller gezwungen worden, zuzusehen, und das Letzte, was er zu Gesicht bekommen hatte, war seine eigene Zunge im...



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