Mars / Lange | Die Kinder des Drachen | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 732 Seiten

Mars / Lange Die Kinder des Drachen


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-5253-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 732 Seiten

ISBN: 978-3-8192-5253-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Merlin, der große Druide, ist in die Anderswelt gegangen. Für seine Glaubensbrüder ist unter der aufkeimenden neuen Religion kein Platz in Britannien. Und als der Drache das Land verlässt, folgen die Baummänner ihm. Hinaus über das weite Meer Richtung Norden auf der Suche nach einer neuen Heimat. Die Zeit vergeht und über dem Sommerland brauen sich dichte Wolken zusammen. Diese künden von einer neuen Gefahr die die Gemeinschaft bedroht. Freyja (17) und Fiona (10) von Bifrösting werden in die Wirren hineingezogen. Ebenso der Knabe Thrael (12), der ohne es zu ahnen, ein Geheimnis in sich trägt. Freyja und Thrael verlassen das Gut Bifrösting und fliehen vor ihren vermeintlichen Schicksalen. Jedoch der Knabe wird, ohne etwas davon zu ahnen, auf seine Bestimmung zulaufen. Die Druiden stehen nach all den friedvollen Generationen erneut vor der Aufgabe ihren Glauben und ihre Werte verteidigen zu müssen.

Luzie Mars, lebt in dem wilden Ecken eines Naturgartens im Weserbergland. Hier ist sie ein Fantasiewesen und fühlt sich in der Schattenwelt ausgesprochen wohl. Ihre Ideen findet sie dort, wohin nur selten ein Lichtstrahl dringt. Und sie hat sich für die Anonymität entschieden, denn sie liebt die Dunkelheit und ihre Geheimnisse sehr.
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1. Frühling


Das wettergegerbte Tor von Bifrösting öffnete sich langsam. In dem nur wenige Finger breiten Spalt, erschien ein brauner strubbeliger Schopf. Rasch wandte der Knabe den Blick zu beiden Seiten. Er nickte zufrieden. Ein weiteres Paar Hände legte sich auf das graue Holz und gemeinsam stemmten sie das schwere Tor auf. Als endlich die Lücke eine ausreichende Größe erreicht hatte, führte der zweite Knabe einen stattlichen Hengst hindurch. Geschwind wechselten beide auf den schmalen Pfad. Entlang der rechten Seite der Befestigungsmauer führte er hinauf zu den äußeren Weiden.

Die beiden Knaben waren noch nicht sehr weit gekommen, als sie ein splittern vom Tor her zusammenzucken ließ. Sie pressten sich so dicht wie es ihnen möglich war gegen die Mauer und versuchten mit ihr zu verschmelzen. Ein recht zweifelhaftes Unterfangen, denn der Hengst wehrte sich gegen die rüde Behandlung und zerrte an seinem Halfter in die entgegengesetzte Richtung. Auf dem Pfad näherte sich ihnen jemand sehr schnell. Raschelnd und laut atmend. Der größere Knabe drängte nun den Kleineren voran.

„Lauf! Schnell! Sie sucht sicher nach mir.“

Der Knabe mit dem struppigen Haar war um die Nase sehr blass geworden. Jede seiner Sommersprossen trat somit noch deutlicher hervor. Er nickte und begann bereits den grasbewachsenen Pfad entlangzurennen. Er war wirklich schnell. Schon einen Lidschlag später war er um die Ecke der Befestigungsmauer verschwunden.

Der Hengst gebärdete sich noch immer wild und schlug mit den Hufen große Stücke der fetten Erde aus dem schmalen Pfad. Wie sollte das nur enden. Schon im nächsten Augenblick würde der fein ausgefeilte Plan in einem Unwetter aus Vorwürfen untergehen. Gullfax wieherte schrill, als ein großes graues Etwas sich zwischen seine Hufe stürzte. Fiepend und bellend umsprang ein Wolfshund das Ross und den Knaben. Dieser stöhnte mit heller Stimme auf, bevor er die beiden Tiere verärgert anbrüllte.

„Schluss jetzt! Hört sofort auf mit dem Unsinn! Alle beide!“ Die abgewetzte Kappe fiel zu Boden und ein langer goldener Zopf entrollte sich über die schmalen Schultern des vermeintlichen Knaben. Der Wolfshund schnüffelte erwartungsvoll an der Kopfbedeckung. Er setzte sich davor und grinste seine Herrin an. Freyja fühlte ihre Autorität schwinden. Ein resignierendes Lächeln stahl sich in die Grübchen auf ihren Wangen. Bei diesem Blick konnte sie einfach nicht streng bleiben.

„Du alter Gauner.“

Liebevoll kraulte sie ihrem Wolfshund Glass das weiche Fell hinter den Ohren. Erfreut bellte er und der Hengst begann, erneut an den Zügeln zu ziehen. Hoch oben auf der Mauerkrone ertönte eine verärgerte Stimme.

„Na, das musste ja passieren bei dem Lärm, den ihr beide macht.“, zischte Freyja bestürzt. Einer der Wächter, die seit Beginn des Winters dort ständig patrouillierten, war auf sie aufmerksam geworden.

„Bei allen Eisgnomen und Nebeldruden, was herrscht dort unten für ein Radau?“

Freyja griff hastig nach ihrer Kappe. Doch Glass schien das für ein neues Spiel seiner Herrin zu halten. Er schnappte nach dem anderen Ende, versenkte seine Zähne in das ohnehin schon arg in Mitleidenschaft gezogene Kleidungsstück und schüttelte den struppigen Kopf.

„Glass, lass los“, fauchte Freyja ihn an. Doch erst nach einem heftigen Ruck gelang es ihr, das unförmige Ding aus seinen Fängen zu befreien. Ihr Hengst machte sich - endlich zügellos - mit hoch erhobenem Haupt über den Pfad in Richtung der äußeren Weiden davon. Seinen Sieg auskostend verschwand er, wie ein goldener Blitz genau in dem Augenblick um die Ecke, als der Wachtposten über die Brüstung der überdachten Mauerkrone schaute.

Freyja presste sich die durchnässte Kappe auf das verräterische Haar. Hoffentlich war es noch nicht zu spät.

„He, du da! Was machst du für einen Lärm?“ Freyja verstellte ihre Stimme und brummelte, dass sie den Auftrag hätte das Pferd auf die Weide zu bringen.

„Na, dann mach das auch. Aber ein bisschen hurtig, wenn es recht ist. Zuvor solltest du aber erst einmal den Unterschied zwischen einem Pferd und einem Hund kennenlernen, sonst sind deine Tage als Stallbursche auf Bifrösting gezählt.“

Er lachte und deutete auf Glass, der immer noch grinsend vor Freyja Auf und Ab hopste. Schließlich wischte sich der Wachgänger eine Lachträne aus den Augen und setzte atemlos seinen Rundgang fort. Freyja stand steif da. Die Hände waren zu Fäusten geballt. Ihr Gesicht wurde ganz heiß. Sie wusste besser Bescheid über Pferde und Hunde als mancher Stallmeister. Nur zu gern hätte sie dem Wachposten ihre wahre Identität enthüllt, aber heute musste sie schweigen und den Spott über sich ergehen lassen. Verärgert stapfte sie weiter und folgte ihrem Pferd. Glass sprang übermütig vor ihr her und forderte sie immer wieder zum Spielen auf. „Ach, geh weg.“

Scheuchte sie ihn missmutig davon. Den jungen Hund kümmerte die abweisende Geste seiner finster dreinblickenden Herrin herzlich wenig. Wie ein grauer Blitz flitzte er ihr voraus den Pfad entlang.

Als Freyja um die Ecke bog erwartete sie bereits ihr Mitverschwörer Thrael und hielt den mittlerweile sehr braven Gullfax am Zügel.

„Es ist mir ein Rätsel, wie du das immer wieder schaffst.“

„Ich glaube er mag mich einfach.“

Thrael zuckte gleichmütig mit den mageren Schultern.

Seine blitzenden grünen Augen spiegelten jedoch die Freude wider, die das Lob seiner Freundin ihm bereitete.

Freyja strich ihrem Hengst über die Nüstern, setzte den Fuß in den Steigbügel und schwang sich ohne Hilfe in den Sattel. Ihrer Amme wäre vor Entrüstung die Luft weggeblieben, hätte sie gesehen, wie undamenhaft ihr Zögling im Sattel saß und dabei die Schenkel fest an den warmen Pferdeleib presste. Freyja hingegen vertrat die Überzeugung, dass ein Pferd nur auf diese Art zu lenken war.

Sie beugte sich weit nach vorn, strich dem Hengst mit der Hand über den Hals und flüsterte ihm ’Verräter’ ins Ohr.

Der schüttelte unwillig den Kopf, da ihr warmer Atem ihn kitzelte. Ungeduldig begann er, mit den großen Hufen zu scharren.

„Ja, ja.“ Freyja klopfte ihm auf den muskulösen Hals. Sie verstand ihn nur zu gut. Er wollte endlich wieder laufen, nicht länger in dem engen Stall eingesperrt sein.

„Ihr solltet jetzt wirklich losreiten. Sonst werden wir doch noch alle erwischt und ich glaube nicht, dass dein Vater sich dieses Mal milde stimmen lässt.“

Thrael strich über die goldene Schulter des Pferdes und sah zu Freyja hinauf.

„Sei nicht traurig Thrael, bei unserem nächsten Ausritt darfst du uns begleiten. Versprochen.“

„Oh, das bin ich nicht." Thrael trat einen Schritt zurück.

"Llurrick will heute mit mir den Falken aussuchen den ich im Frühjahr abrichten soll. Ich muss mich sputen, erwartet sicher schon auf mich.“

Er zwinkerte sie glücklich an.

Freyja nickte. „Danke, dass du Gullfax gesattelt hast.“

Damit wendete sie das goldene Pferd, winkte ihm zum Abschied über die Schulter zu und ritt endlich davon.

Der klammernde Griff des langen Winters hatte sich endlich gelöst. Seit einigen Tagen wehte der Wind mild von Süden und hatte die beißende Kälte vertrieben. In den Senken der Weiden und am Rand des Waldes hielten sich zwar noch vereinzelte Schneenester. Standhaft weigerten sie sich, dem Frühling zu weichen. Aufhalten konnten sie ihn jedoch nicht mehr. Überall spross frisches Grün unter den braunen Grasbüscheln hervor. Unzählige Frühlingsblumen durchbrachen mit ihren bunten Köpfen die nach neuem Leben duftende fette Erde. An den kahlen Ästen der Bäume sammelte sich der aufsteigende Saft in dicken Knospen. Ernmass sei gedankt, jubilierten die Vögel und stiegen in den Himmel empor. Freyjas Blick folgte sehnsüchtig den Gefiederten. In ihren Augen fand der Himmel sein Spiegelbild. So blau, dass man sich in ihren Tiefen verlieren mochte.

Freyja spürte die aufsteigende Energie der erneuerten Welt, die sie umgab. Eine kribbelnde Unruhe, wie schäumendes Wasser, hatte ihren ganzen Körper erfasst. Keine Aufgabe hielt sie. Ihre Gedanken flogen immer wieder davon. Ihr gelang es nicht mehr, still zu sitzen, und jeder Raum schien sie zu zerdrücken. Sehr zum Verdruss ihrer Mutter und ihrer Amme. Wie viel Mühe die Beiden im Winter darauf verwandt hatten sie in alle maßgeblichen Geheimnisse der Wirtschaftsführung eines großen Gutes einzuweihen. Sie wusste, dass sie alles erlernen musste, und sie verabscheute es von ganzem Herzen. Jedoch, eines Tages würde sie auf einem ebenso großen Gut wie Bifrösting leben. Für die vielen Menschen, die dort lebten, würde sie die Verantwortung zu tragen haben. Im Stillen hoffte sie, dass ihr ein guter Verwalter zur Seite stehen würde. Aus ihr würde nie eine gute Wirtschafterin. Freyja seufzte.

Sie folgte dem Pfad, welcher sich um die Weiden schlang und am Waldrand...



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