Mars | Valdarno geheimnisvolle Toskana | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 136 Seiten

Mars Valdarno geheimnisvolle Toskana

Masaccio und der Pfirsich Elberta
2. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7412-2134-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Masaccio und der Pfirsich Elberta

E-Book, Deutsch, 136 Seiten

ISBN: 978-3-7412-2134-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Valdarno liegt im 'goldenen Dreieck' der Toskana zwischen Florenz, Arezzo und Siena. Nach Abschluss ihres Studiums der Kunstgeschichte verbringt Julia eine ereignisreiche Woche im Arnotal und entdeckt sowohl die Schönheit seiner Natur als auch seine kunsthistorischen Schätze. Julia ist insbesondere der Frage auf der Spur, warum die Renaissance in der Malerei von hier ihren Anfang nahm. Die Antwort erfährt sie in einer ungewöhnlichen Begegnung, die ihr Herz berührt.

Barbara de Mars lebt seit über 15 Jahren in Italien und schreibt für deutsche Medien. Sie fasziniert das alltägliche und unbekannte Italien, jenseits von Klischees und abgedroschenen Stereotypen. In ihrem Blog www.valdarno365.de erzählt sie, was Sie im Arnotal erleben und besichtigen können.
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EISZEIT


„” Marta reichte Julia die Schüssel mit , einem toskanischen Sommergericht, das bei den heißen Temperaturen mittags ideal war. Dazu hatte sie einen Tag altes toskanisches ungesalzenes Weißbrot in Wasser aufgeweicht, ausgedrückt und zerkrümelt, dann mit gehackten roten Tropea-Zwiebeln, klein geschnittenen Kirschtomaten und Gurkenstückchen sowie Basilikumblättern vermengt und mit Olivenöl, Essig und Salz abgeschmeckt. „”

Julia wollte ihrer Gastfamilie keinesfalls als Anhängsel zur Last fallen, das bespaßt werden musste. Marcello, der ausnahmsweise zum Mittagessen nach Hause gekommen war, denn normalerweise aß er um 13.30 Uhr ein in der Bar neben der Bank, schien ihre Gedanken zu erraten: „”

Obwohl Marta in der Küche das Mittagessen vorbereitet hatte, legte sie sichtlich Wert auf eine elegante Erscheinung. Sie hatte sich während der Vorbereitungen lediglich eine weiße Schürze über ihr smaragdgrünes Kleid gebunden. Mit ihren braungebrannten, sehnigen Armen reichte sie die Schüsseln und Platten herum. Es war ihr wichtig, eine gute Gastgeberin zu sein. Ab und zu gab sie Marcello kurze Anweisungen und bat ihn, er möge doch Öl oder Salz holen. Marcello führte gutmütig mit einem „” - (gewiss, Liebes) aus, wie ihm aufgetragen wurde und ließ sich auch sonst nicht aus der Ruhe bringen.

„”, er blickte zu Marta, „” - „”, fiel Marta ein, „”

Das war eine großartige Neuigkeit. Am liebsten wäre Julia sofort aufgesprungen, um die Vespa auszuprobieren. Als Marcello wenige Minuten später aufbrach, um zurück in die Bank zu fahren, begleitete sie ihn in den Vorgarten und ließ sich kurz erklären, wie die rote Vespa funktionierte, die bis jetzt von ihr unbemerkt unter einer Laube gestanden hatte.

Zurück im Haus unterhielten sich die beiden Frauen, während Marta den Müll trennte und die Küche säuberte, über den ersten Tag in der Schule. Julia berichtete von der sympathischen Lehrerin und den Mitstudenten. Marta kannte Annamaria gut und hatte gerne eingewilligt, Gastschüler für den Sommer bei sich aufzunehmen. Sie interessierte sich für andere Kulturen und gab auch gerne ihre eigene an Fremde weiter. Ein besonderer kultureller Pfeiler waren für Marta die toskanische Küche und die mediterrane Kost und sie konnte sich nicht genug wundern, dass man im Norden Fleisch zusammen mit als Beilage auf demselben Teller servierte.

Die Bonatti waren in der Kleinstadt eine wohlbekannte und geschätzte Familie. Obwohl sowohl Marta als auch Marcello in guten Positionen angestellt waren, hatten sie feststellen müssen, dass in den letzten Jahren das Geld kaum bis zum Monatsende reichte. Gastschüler waren für Marta deshalb auch eine willkommene Gelegenheit, die Haushaltskasse ein bisschen aufzubessern und ihrem Sohn Lorenzo den einen oder anderen Schein zuzustecken, damit er das Studium abschließen konnte, ohne sich einschränken zu müssen.

Am späten Nachmittag war Julia mit den holländischen Mädchen in einer Eisdiele außerhalb von San Giovanni verabredet. Simon wollte sie abholen. Auch er hatte sich für seinen Aufenthalt eine Vespa geliehen, während die beiden Holländerinnen mit dem Auto gekommen waren.

Julia schminkte sich auffälliger als sonst und kaum war sie fertig, hörte sie bereits unter ihrem Fenster ein dreimaliges kurzes Hupen. Aufgeregt rannte sie die Treppe hinunter und rief Marta ein kurzes „” zu, packte den abgenutzten Motorradhelm, den Marta ihr gezeigt hatte und stürmte aus der Tür.

Simon begrüßte sie überschwänglich und als er erfuhr, dass Julia noch nie eine Vespa gefahren hatte, zog er sie zuerst auf, half ihr dann aber galant, die Vespa in Gang zu bringen. Es dauerte nur wenige hundert Meter bis Julia ein Gefühl für Gas und Bremse bekam. Als sie hinter Simon in die Hauptstraße entlang dem Arno einbog, genoss sie bereits den frischen Fahrtwind, drehte rechts am Gas und fühlte sich herrlich frei.

Simon fuhr vor Julia her und wieder fiel ihr sein exzentrisches Outfit auf. Sein Motorradhelm sah wie ein Utensil aus dem Zweiten Weltkrieg aus. Dazu trug er eine stilgerechte Schutzbrille, die Julia an eine Tauchermaske erinnerte.

Sie fuhren über eine Brücke auf die andere Seite des Arno, der jetzt im Hochsommer wenig Wasser führte, da er großenteils aus Zuflüssen von Gebirgsbächen gespeist wird, die bei heftigen Regenfällen schnell anschwellen können, im Sommer aber fast versiegen. Julia erinnerte sich, gelesen zu haben, dass der Arno in vergangenen Jahrhunderten mehr Wasser führte und sogar schiffbar war. Wie schön wäre es, mit einem Boot den Arno hinunter nach Florenz zu schippern, hing Julia ihren Gedanken nach, während sie in Richtung der Überlandstraße Via delle Cave einbog, die das Tal abseits der Städte bis nach Terranuova durchquert. Bevor der Fluss begradigt und gezähmt wurde, mäanderte er ungezügelt durch ein sumpfiges Tal. Mal bildeten sich kleine Inseln, mal verirrte er sich in Verzweigungen.

Der Lauf des Arno ist kurios. Er entspringt im Casentinotal, hält auf Arezzo zu, macht dann aber einen scharfen Knick nach Florenz und „zeigt Arezzo die Schulter”, wie Dante Alighieri schrieb. Leonardo da Vinci verbrachte vierzig Jahre damit, den Arno zu studieren und versuchte seinen Lauf zu beeinflussen, um einen schiffbaren Zugang zum Meer zu erhalten, was für den Handel einen enormen Aufschwung bedeutet hätte.

Mit schnellem Flügelschlag flogen Schwärme von Tauben über Julia hinweg und zielstrebig auf den Hügel links von ihr zu. Im Vorbeifahren nahm Julia einen säuerlichen Geruch wahr, der wenig später wieder verflog. Bei näherem Hinsehen erkannte sie auch den Grund für das emsige Hin und Her. Halb von den Hügeln verdeckt, lag eine Müllverbrennungsanlage auf der Anhöhe, wo die Tauben mühelos ihre Nahrung fanden. Es war eine ländliche Gegend, nur vereinzelt unterbrach ein Gehöft die Landschaft von Weinbergen und unbebauten Feldern.

Dann hatten sie die auf einer Anhöhe liegende Eisdiele erreicht, die bereits von Weitem durch sonnige Farben erkennbar war. Die parkähnliche Anlage lag zentral zwischen den Städten San Giovanni, Montevarchi, Terranuova Bracciolini und den Dörfern in den Hügeln, wie Loro Ciuffenna und Castelfranco. Am Eingang des Parks weideten Pferde.

Vor der Eisdiele mit herrlicher Aussicht auf die Landschaft warteten schon Annemieke und Sophie und winkten ihnen fröhlich zu. In knappen Röcken und Blusen mit tiefen Ausschnitten waren sie von einer Clique gleichaltriger Jungs aus San Giovanni umringt, mit denen sie nach der Schule ihre Nachmittage verbrachten.

Während Julia mit Simon in der Schlange wartete, bis sie die vom sizilianischen frisch zubereiteten Spezialitäten, wie Eis aus Bronte-Pistazien und sorbetartigen , probieren konnten, erzählte Simon von seiner Familie.

Sein Vater war ein einflussreicher Anwalt in London, seine Mutter stammte aus Rom. Deshalb auch die Idee, Simon nach Internat und Jurastudium für einen Sommer nach Italien zu schicken, um so seine Wurzeln besser zu verstehen. Zuhause wurde kaum Italienisch gesprochen, nur wenn „Mamma” wütend war, schüttete sie eine Flut italienischer Schimpfwörter aus. Das war mit den Jahren aber immer seltener der Fall, denn in ihren Kreisen war es wichtig, stets die Fassung zu wahren.

Von seinem Vater hatte Simon die Ironie und den schnellen Witz, aber Julia fand, dass unterschwellig viel Italiener in ihm steckte. Er erzählte leidenschaftlich und fantasievoll und benutzte beide Hände zum Gestikulieren.

„” fragte Simon Julia, während er die überbordende Eismenge seiner auf den Löffel lenkte und diesen dann genüsslich abschleckte. Er war schon den ganzen Juli hier und kannte die Gegend gut. „”, fragte Julia zurück mit konzentriertem Blick auf ihre , die ebenfalls in alle Richtungen überquoll. „”, witzelte Simon, während die beiden sich zu der Gruppe um die Holländerinnen gesellten. „”, sagte Julia noch und Simon erwiderte großzügig: „



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