E-Book, Deutsch, Band 333, 236 Seiten
Reihe: Bianca Exklusiv
Marshall / Alward / Fox Bianca Exklusiv Band 333
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0111-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebe auf den 2. Blick
E-Book, Deutsch, Band 333, 236 Seiten
Reihe: Bianca Exklusiv
ISBN: 978-3-7515-0111-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
DAS GEHEIMNIS VON HEARTLANDIA von LYNNE MARSHALL
Was soll Desi mit den zärtlichen Gefühlen machen, die ihr neuer Nachbar in ihr weckt? Sie will doch nicht für immer in Heartlandia bleiben, will hier nur einem Familiengeheimnis auf die Spur kommen! Doch wenn sie wieder geht, lässt sie ihr Herz bei dem smarten Arzt Kent Larson ...
NIE MEHR EINSAM? von SUSAN FOX
Marla könnte die ganze Welt umarmen: Nach langen einsamen Jahren hat sie endlich ihre verschollene Zwillingsschwester gefunden. Und dann verliebt sie sich Hals über Kopf in Jake, deren Adoptivbruder. Nur eins belastet ihre junge Liebe - Jake darf nicht wissen, wer sie ist ...
KÜSS MICH, BIS DER SOMMER GEHT von DONNA ALWARD
So haben wir nicht gewettet, denkt Luke Evans erstaunt. Dass seine hübsche neue Haushälterin Emily ihren kleinen Sohn mit auf die Ranch bringt, war nicht abgemacht! Warum bloß trifft ihn dann der Gedanke, Sam und seine bezaubernde Mom am Ende des Sommers zu verlieren, mitten ins Herz?
Die USA-Today-Bestsellerautorin Lynne Marshall war beim Schreiben eine Spätzünderin: Lange dachte sie, sie hätte ein ernsthaftes Problem, weil sie so oft Tagträumen nachhing. Doch dann fand sie heraus, dass sie diese einfach niederschreiben konnte und daraus tolle Geschichten entstanden! Diese Erkenntnis traf sie erst, als ihre Kinder schon fast erwachsen waren. Über das fast leere Haus tröstet sie heute das Schreiben über die Liebe, das Leben und Happy Ends hinweg. Lynne Marshall ist stolze Mutter und Oma, und sie liebt Babys, Hunde, Bücher, Musik und das Reisen.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Desi wünschte, sie hätte eine Taschenlampe, als sie im Dunkeln um das alte Haus schlich. Ein Dorn eines ebenso alten und knorrigen Busches drang durch ihr T-Shirt und bohrte sich ihr in die Haut.
„Autsch!“ Sofort bereute sie den Aufschrei, denn es war fast Mitternacht. Was hat Gerda gesagt, wo der bemalte Stein liegt?
Ihre Großmutter, der Desi in ihren 28 Lebensjahren nur selten begegnet war, hatte ihr vorhin am Telefon beschrieben, wo der Zweitschlüssel zu ihrem Haus versteckt war. Entschlossen, Grandma Gerda nicht zu wecken, stapfte Desi durch das hohe Gras.
Da war er! Der gesuchte Stein lag am Pfosten der Holztür und leuchtete im hellen Mondschein wie Neonfarbe bei Schwarzlicht. Vorsichtig tastete Desi darunter nach der kleinen Schachtel, die den Hausschlüssel enthielt. Kaum hatte sie ihn herausgenommen, stieg ihr der Jasminduft aus dem Garten in die Nase, und sie musste niesen. Sie ließ den Schlüssel fallen und suchte auf Händen und Knien danach.
Wirklich ein Glück, dass der Mond schien. Sekunden später eilte sie mit dem Schlüssel zur Veranda. Sie stolperte über einen lockeren Pflasterstein und verlor fast das Gleichgewicht. Als sie sich wieder aufrichtete, blendete sie ein heller Lichtstrahl.
„Wer ist da?“, fragte eine tiefe Stimme.
Sie hielt sich die Arme vor die Augen. „Ich bin Mrs. Rasks Enkeltochter. Wer sind Sie?“
Der Lichtstrahl senkte sich, und Desi sah einen hünenhaften Umriss. Hätte sie doch bloß mit dem Kickboxen weitergemacht …
„Ich bin Kent, Gerdas Nachbar.“ Der Mann musterte sie misstrauisch. „Sie hat mir nie etwas von einer Enkelin erzählt.“
Natürlich nicht. Niemand sollte etwas von ihr wissen. Schon gar nicht in einer skandinavischen Hochburg wie Heartlandia am Columbia River in Oregon, wo Menschen wie sie sofort als Exoten auffielen.
„Soll das heißen, Sie sind Esters Tochter?“
Offenbar wusste er, wer ihre Mutter war … oder gewesen war. „Ja. Könnten Sie bitte die Taschenlampe ausschalten und leiser sprechen? Ich will meine Großmutter nicht wecken. Ich hatte keine Ahnung, dass die Fahrt von Portland nach Heartlandia so lange dauern würde.“ Sie hatte spontan einen Umweg durch die Großstadt gemacht. Vielleicht lebte ihr Vater noch dort. Um sich kein Motel leisten zu müssen, war sie durchgefahren. „Ich habe zweieinhalb Stunden gebraucht. Was hat Oregon eigentlich gegen Straßenbeleuchtung?“, flüsterte sie. „Auf dem Highway 30 wimmelt es von schwarzen Löchern.“
Sie zupfte sich die Blätter aus dem Haar und wischte Staub von ihren Händen, bevor sie ihm eine entgegenstreckte. „Übrigens, ich heiße Desi Rask.“
Erst jetzt registrierte sie, wie groß der Mann war. Mit eins fünfundsiebzig musste sie nicht oft zu jemandem aufsehen. Er war mindestens eins neunzig. Und blond. Wie ein nordischer Gott. „Kent Larson.“ Er schüttelte ihre Hand, die sich in seiner geradezu winzig anfühlte. „Ihre Mutter hat auf mich aufgepasst, bevor …“
Bevor sie von zu Hause weggelaufen ist. Desi kannte die Geschichte. Ihre Mutter, die Pianobar-Königin des Mittleren Westens, hatte es ihr erzählt, bevor sie gestorben war.
„Desdemona? Bist du das?“, rief eine dünne Stimme. „Kent?“
Desi unterdrückte ein Seufzen. „Ja, ich bin es. Dein Empfangskomitee von nebenan musste mich erst noch verhören.“
„Das stimmt nicht“, widersprach der Wikinger namens Kent. „Da Mrs. Rask unsere Bürgermeisterin ist, habe ich ein Auge auf ihr Haus, das ist alles.“
Er hatte ihr nicht geglaubt. Wunderte sie das? Nein, schließlich war sie halb schwarz und sah ganz anders aus als der Nordmann oder ihre ebenso hellhäutige Großmutter, die Bürgermeisterin von Heartlandia.
Kent brauchte nicht lange, um eins und eins zusammenzuzählen. Ester Rask war als Teenager von zu Hause weggelaufen. Er war damals acht gewesen, so alt wie sein Sohn Steven jetzt, und erinnerte sich noch daran, dass man erfolglos nach Ester gesucht hatte. Sie war nie für tot, sondern nur für verschollen erklärt worden. Irgendwann hatten seine Eltern nicht mehr darüber gesprochen und ihm einen neuen Babysitter besorgt. Das war jetzt achtundzwanzig Jahre her.
Jetzt ahnte er, warum Ester davongelaufen war – sie musste schwanger gewesen sein.
Als Gerda das Verandalicht einschaltete, konnte Kent die nächtliche Besucherin erstmals genauer betrachten. Desdemona oder Desi, wie sie sich nannte, war groß und sportlich und hatte ausdrucksvolle braune Augen, einen vollen Mund und ebenmäßige, milchkaffeefarbene Haut.
Das gelbe Oberteil war ihr von einer Schulter gerutscht und gab den Blick auf den Träger eines schwarzen Tanktops frei. Zur mitternachtsblauen Jeans trug sie flache schwarze Schuhe. Dichtes dunkles Haar umspielte die Schultern, und unwillkürlich stellte Kent sich vor, wie er in den aufregenden Wellen und Locken wühlte. Mit acht hatte er für seine Babysitterin geschwärmt, und jetzt erging es ihm mit ihrer Tochter nicht anders.
Sie hatte sich als Desi Rask vorgestellt, also hatte Ester vermutlich nicht geheiratet.
„Wollen Sie nicht hereinkommen?“, fragte die Bürgermeisterin.
„Steven schläft. Ich muss zurück.“
Desi umarmte ihre Großmutter nicht, sondern lächelte ihr nur höflich zu. „Ich muss meine Sachen holen“, sagte sie und eilte zu einem mindestens zwanzig Jahre alten Kombi.
„Ich helfe Ihnen“, bot er spontan an und folgte ihr. Sie hatte zwei Koffer, einige Kartons, diverse Haushaltsgegenstände und eine Topfpflanze dabei. Wollte sie etwa hier einziehen?
„Ich brauche nur den kleinen Koffer.“
Oder war sie auf der Durchreise?
„Den Rest kann ich morgen früh holen.“
Würde sie noch da sein, wenn er von der Arbeit kam?
„Nehmen wir den hier auch noch mit“, sagte er und brachte beide Koffer ins Haus seiner Nachbarin, um dafür zu sorgen, dass Gerda länger als nur eine Nacht etwas von ihrer Enkeltochter hatte. „Alles in Ordnung?“
Gerda nickte. „Sie kann Esters altes Zimmer haben. Nach oben und den Flur entlang.“
Kent trug die Koffer um den Flügel im Wohnzimmer herum, auf dem er – wie Steven jetzt – Klavierspielen gelernt hatte, und ging die Treppe hinauf. Er stellte das Gepäck ins dritte Zimmer auf der linken Seite, in dem er als Kind so manchen Abend mit Ester verbracht hatte.
Als Arzt und Teilhaber der örtlichen Notfallklinik hatte er morgen Frühschicht. „Willkommen in Heartlandia, Desdemona. Ich muss wieder los.“
Ihr Blick war so misstrauisch wie seiner vorhin.
„Gerda, ich schaue morgen wieder vorbei.“
„Sagen Sie Steven, er soll fleißig üben“, erinnerte sie ihn daran, dass sein Sohn sich alle möglichen Ausreden einfallen ließ, um sich vor der Klavierstunde zu drücken.
Kent lag im Bett, starrte an die Decke und dachte daran, wie Ester Rask davongelaufen und nie zurückgekommen war. Damals war er acht gewesen und erst jetzt begriff er, dass sie es getan hatte, weil sie schwanger gewesen war. Im letzten Jahr war sie gestorben, und Gerda war zutiefst erschüttert gewesen, hatte jedoch kaum darüber gesprochen.
Jetzt war Esters Tochter aufgetaucht.
Obwohl er so heftig auf ihre exotische Schönheit reagiert hatte, waren es vor allem die großen, fragend und wachsam blickenden Augen, die ihm nicht aus dem Kopf gingen. Warum quälte er sich damit? Es hatte doch keinen Sinn. Nach sieben Jahre Ehe hatte er es nicht mal geschafft, seine eigene Frau zum Bleiben zu bewegen. Nicht einmal Stevens wegen. Er biss die Zähne zusammen, drehte sich auf die Seite und befahl sich, nicht länger an die geheimnisvolle Besucherin zu denken, damit er endlich einschlafen konnte.
Am nächsten Morgen zog Desi ein altes Sweatshirt und ausgebeulte Jeans an und ging nach unten. Gerda las Zeitung und sprang sofort auf, als ihre Enkelin die Küche betrat. Wie Fremde nickten sie einander zu.
„Ich trinke keinen Kaffee, aber ich habe welchen, falls du möchtest.“
„Zeig mir, wo er ist, dann koche ich mir einen.“
Ihre Großmutter zeigte auf einen Wandschrank. „Deine Mutter hat schon als junges Mädchen Kaffee getrunken. Ich hatte immer Angst, dass sie deshalb nicht weiterwächst, und sie war auch ja auch nur eins fünfzig, als sie davonging. Ich weiß, es ist albern, aber auch danach habe ich immer noch ihre Lieblingsmarke gekauft. Selbst als ich wusste, dass sie nie zurückkehrt.“
Desi eilte zu ihr und legte die Hände auf die schmalen Schultern. Zaghaft tastete die alte Frau mit knochigen Fingern nach einer Hand und tätschelte sie. „Ich habe sie so oft angefleht, nach Hause zu kommen.“
„Mom hat es mir erzählt.“ Ihre Mutter hatte sich in den letzten Monaten ihres Lebens so zerbrechlich angefühlt wie Gerda jetzt. „Um mich musst du dir keine Sorgen machen. Ich bin eins fünfundsiebzig.“
Gerda lächelte matt. Desi kochte Kaffee, während ihre Großmutter Tee trank und Toast mit Marmelade aß. Orangenmarmelade, wie ihre Mom.
Da Gerda in ihre Morgenzeitung vertieft zu sein schien und Desi ohnehin nicht wusste, worüber sie reden sollte, ging sie mit ihrem Becher ins Wohnzimmer. Nach dem ersten Schluck stellte sie ihn ab und klappte den Deckel des alten Flügels hoch.
Fast zärtlich strich sie über die Tasten. Zusammen mit dem Haus in Los Angeles hatte sie auch das Klavier ihrer Mutter verkaufen müssen, um die Behandlungskosten zu bezahlen. Die Musik und das Talent ihrer Mutter hatten ihnen geholfen, in...




