Marshall | MISS CHLOE GEHT AUFS GANZE | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

Marshall MISS CHLOE GEHT AUFS GANZE


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-779-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-95446-779-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Verarmt und bereits 29 Jahre alt - die hübsche Chloe Transome weiß, dass sie keine Chancen mehr hat, einen Ehemann zu finden, und verdient sich ihr Brot bei ihrer reichen Cousine Serena Marchingham als Anstandsdame. Serenas Demütigungen erträgt sie mit Gelassenheit, und nur in einsamen Stunden ist sie verzweifelt, wenn sie an ihre trostlose Zukunft denkt. Einmal das Glück erleben, geliebt zu werden - es wird wohl für immer ein unerfüllter Wusch bleiben müssen. Doch dann tritt der weltmännische Grundbesitzer Patrick Ramsey in ihr Leben, und auch wenn er eigentlich als Heiratskandidat für Serenas Mündel gedacht ist, sprechen Patricks tiefe Blicke in Chloes klare braune Augen nur von der Liebe zu ihr. Chloe wagt das unerhört Unschickliche: Um einmal in ihrem Leben zu erfahren, was es bedeutet, von einem Mann geliebt zu werden, lädt sie Patrick ein, sie des Nachts in ihrem Zimmer zu besuchen...



Als Bibliothekarin hatte Paula Marshall ihr Leben lang mit Büchern zu tun. Doch sie kam erst relativ spät dazu, ihren ersten eigenen Roman zu verfassen, bei dem ihre ausgezeichneten Geschichtskenntnisse ihr sehr hilfreich waren. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie fast die ganze Welt bereist. Ihr großes Hobby ist das Malen.

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2. KAPITEL


Miss Chloe Transome lief die Haupttreppe von Marchingham Place in der sicheren Annahme hinunter, die Einzige im Hause zu sein, die bereits auf war, obwohl schon die Mittagsstunde nahte.

Sie hatte es so eilig, dass sie am liebsten auf dem Geländer hinuntergerutscht wäre, wie sie es als wilde, ausgelassene Range vor langer Zeit bevorzugt hatte, ohne den Tadel ihrer Mutter zu beachten. Als sie an den Treppenabsatz kam, der in die Halle hinunterführte, war sie erleichtert, so etwas nicht getan zu haben; denn dort stand niemand anders als Sir Patrick Ramsey, der einigermaßen überrascht ihr temperamentvolles Erscheinen durch sein Monokel beobachtete.

Chloe mäßigte ihr Tempo, nahm ihre normale Haltung an und schritt würdevoll die letzten Stufen hinunter. Doch sein Mund zuckte leicht, als sie ihn erreichte. Er stand neben einer Statue des nackten Apollo, dem er sehr ähnelte, obgleich es bei der eleganten Kleidung, die er trug, schwierig war, festzustellen, wie weit diese Ähnlichkeit ging.

Sein jetzt gleichmütiger Blick erfasste ihr tristes Kleid – ein graues, völlig unmodernes Stück – und den hohen, bis zu ihrem anmutigen Hals zugeknöpften Kragen. Ja, sehr anmutig, dachte er, und bewunderte das muntere Hüpfen, mit dem sie zuvor heruntergeeilt war, weit mehr als die nüchterne Ruhe, mit der sie das letzte Stück zurückgelegt hatte.

„Madam“, sagte er und verbeugte sich, „ich hoffe, es geht Ihnen gut?“

„Sir Patrick“, erwiderte Chloe, „Sie erwarten … Marianne, glaube ich.“

„Ja, Miss Marianne“, bestätigte er und fragte sich, ob die Pause etwa andeuten sollte, dass Marianne nicht sein eigentliches Ziel war.

„Sie ist noch nicht auf oder vielmehr noch nicht unten“, erklärte Chloe. „Wir haben bis drei Uhr morgens getanzt, und der Tag wird für uns nicht vor dem Nachmittag beginnen. Ich fürchte, Sie müssen sich gedulden.“

„Ja, aber Sie sind unten, Miss …?“ Jetzt machte er eine Pause und betrachtete sie wieder durchs Monokel in all ihrer schäbigen Herrlichkeit. Alles an ihr war unmodern, einschließlich ihrer Frisur, lang und auf ihrem Kopf zusammengesteckt und unter der unkleidsamen Haube verborgen, die sie dem Brauch entsprechend tragen musste.

„Transome“, erwiderte Chloe kurz, „Miss Transome. Ich bin Mariannes Anstandsdame.“ Als ob du das nicht bereits wüsstest, fügte sie im Stillen hinzu. Sie war nämlich überzeugt, dass er wusste, wer sie war, obgleich sie nicht hätte sagen können, warum sie so sicher war, dass er sich verstellte.

„Aber im Moment beaufsichtigen Sie sie nicht, nehme ich an. Ich bin offenbar zu früh gekommen. Doch Sie sind schon auf. Haben Sie vielleicht das Fest versäumt?“

„Nein, aber ich stehe gern früh auf. Und Bälle haben nicht mehr die Macht, mich aufzuregen oder durcheinanderzubringen. Ich bin schon zu lange draußen.“

„Draußen, Miss Chloe“, wiederholte er und lachte ein wenig, und auf und nieder. „Welch charmante kurze Worte die Sprache besitzt, und alle sind ungenau.“

Chloe! Das bewies, dass er sich trotz ihrer früheren kurzen Begegnung an sie erinnerte. Schließlich hatte sie ihm nur ihren Familiennamen verraten. „Oh“, meinte sie lässig, „Ungenauigkeit ist die Segnung der Gesellschaft, Präzision ihr Fluch.“

Patrick musste lachen. Vielleicht verdiente sie doch etwas Besseres als einen robusten Gardisten. „Der Duke würde Ihnen im letzten Punkt nicht zustimmen“, erwiderte er und lächelte sie an.

„Sogar Wellington würde zugeben, dass gesellschaftliche Kriege nur gespielt sind, seine hingegen waren real“, entgegnete Chloe. Sie bemerkte, dass er keine Anstalten machte, sich zu verabschieden, und fragte sich, warum er ihren Zynismus so schnell provozierte. Das war bei ihrer früheren Begegnung genauso gewesen. Vielleicht lag es an seiner männlichen Vollkommenheit – gutes Aussehen, sportliche Gewandtheit und die Fähigkeit, hautenge Kleidung nach der gegenwärtigen Mode mit derart unbekümmerter Selbstgefälligkeit zu tragen –, was in ihr das Verlangen weckte, ihn ein wenig aus der Fassung zu bringen. Hinzu kam das Wissen, dass er, wenn er einmal zum Altar schreiten sollte, dies bestimmt nicht mit der sitzen gelassenen, ältlichen Bohnenstange Miss Chloe Transome tun würde.

Im Moment jedoch war sie es, mit der er sich sorglos unterhielt, natürlich nur, weil niemand anders da war. Zehn Jahre Abhängigkeit hatten Chloe gelehrt, wo ihr Platz war. Anfangs hatten noch ein paar junge Bürschchen aus der Gesellschaft sie der Mühe wert erachtet, um ihre Gunst zu werben, wenn sie entweder hinter ihrer jugendlichen Schutzbefohlenen oder dem Vermögen der alten Dame, der sie diente, her waren. Aber nur, um aus ihrem vermeintlichen Einfluss Nutzen zu ziehen. Als sie sich jedoch den Dreißig näherte und sich den unzugänglichen Panzer einer älteren, schlecht gekleideten Frau zulegte, hatten selbst diese dubiosen Schmeicheleien aufgehört. Gott sei Dank!

Nach ihrem kurzen ironischen Geplänkel mit Sir Patrick ließ Chloe ihn die Unterhaltung allein bestreiten und antwortete mit so ausdrucksloser Stimme, bis er sich fragte, ob die strahlende Frau, die die Treppe heruntersprang und anfangs mit solchem Feuer zu ihm gesprochen hatte, nur ein Traum gewesen war.

Er fühlte sich direkt erleichtert, als Serena erschien, ganz aufgeregt darüber, dass das Haus bei Sir Patricks Ankunft noch geschlafen hatte.

„Aber Chloe hat Sie ja unterhalten“, bemerkte Serena und betonte spöttisch das Wort unterhalten. „Es war Ihr Glück, dass sie nicht gerade ihren Pflichten nachging.“

„Sie machen mich darauf aufmerksam, wie säumig ich bin, Madam“, sagte Chloe ruhig. Sie wusste, dass Serena es nicht mochte, daran erinnert zu werden, dass sie Cousinen waren. „Marianne wird sicher inzwischen aufgestanden sein und meine Hilfe benötigen. Es wird ihr leidtun, dass sie Sir Patricks Ankunft verpasst hat.“

„Gewiss“, erwiderte Serena gnädig. „Sie können jetzt gehen. Ich weiß, wie pflichtbewusst Sie sind.“

Als Chloe in kerzengerader Haltung wegging, wandte Serena sich an Patrick und murmelte fast unfreundlich: „So ernst, nicht wahr? Durchaus nützlich, das gebe ich zu, aber man sieht, warum sie ledig ist und es wahrscheinlich auch bleiben wird.“

Sir Patrick hob sein Monokel, betrachtete ein Gemälde, für das er sich nicht im Geringsten interessierte, und erwiderte scheinbar gelangweilt: „Man sollte vermuten, dass mancher ältere Landjunker ein solches Muster an Tugend suchen würde, um sein schäbiges Haus für ihn zu führen.“ Ein wenig schämte er sich, das gesagt zu haben, besonders, als er mit Serenas Lachen belohnt wurde.

„Oh, Sie haben es getroffen! Zwei davon sind auf ausdrücklichen Wunsch meiner Tante für Chloe eingeladen, aber ich fürchte, es ist Marianne, für die sie sich interessieren. Und sie hat natürlich nur Augen für Sie.“

Nach dieser Information fühlte sich Sir Patrick niedergeschlagen. War er wirklich hierher gekommen, um einer geistlosen Achtzehnjährigen den Hof zu machen, die zwar recht hübsch war, mit der man aber kein vernünftiges Gespräch führen konnte? Und war die Frau neben ihm, die ihn zu einer unfreundlichen Bemerkung über eine arme, unglückliche Untergebene provoziert hatte, tatsächlich den Zeitaufwand, ihr nachzustellen, wert?

In diesem Moment erschien Marianne, um Tee auf der Terrasse zu trinken. Sie sah entzückend aus in ihrem rosa Kleid und dem hellen Strohhut, der mit einem Blumensträußchen geschmückt war, den gleichen Maßliebchen, die sie in der Hand trug. Ihre Anstandsdame legte ihr einen Spitzenschal als Schutz gegen den leichten Wind um die Schultern.

Miss Temple folgten ihre Bewunderer Jonas Brough, ein ältlicher Landadliger, der für Chloe eingeladen war, doch nur Augen für Marianne hatte, und Nigel Shaw, ebenfalls in mittleren Jahren, Grundbesitzer und Junggeselle, der kürzlich ein kleines Gut geerbt hatte und es an der Zeit fand, zu heiraten. Nachdem alle auf der Terrasse Platz genommen hatten, wetteiferten Brough und Shaw um Mariannes Aufmerksamkeit und ignorierten Chloe.

Beide Gentlemen entdeckten bald, dass Mariannes Interesse jetzt nur noch Sir Patrick Ramsey galt. „War London leer, als Sie es verließen, Sir Patrick?“, erkundigte sie sich.

„Völlig leer, Miss Marianne, nachdem Sie abgereist waren“, erwiderte er galant.

„Zu freundlich“, säuselte das junge Mädchen.

„Nicht im Geringsten, Miss Marianne. Wenn die Sonne verschwindet, wird es dunkel, wie man sagt.“

Chloe schmunzelte insgeheim über diese Floskeln, während sie sich weiter mit ihrer Handarbeit beschäftigte.

Nun bemühten sich auch Mr Brough und Nigel Shaw, Marianne Komplimente zu machen. Diese genoss es, derart im Mittelpunkt zu stehen, und plapperte munter drauflos, sodass Sir Patrick sich fragte, ob er sich wirklich wünschte, ein Leben lang an dieses geistlose Wesen gebunden zu sein. Er war direkt erleichtert, als Sir Charles diese ermüdende Unterhaltung beendete und auf einer Partie Whist mit den Herren Brough und Shaw und Serena als seiner Partnerin bestand und verlangte, dass Marianne neben ihm sitzen sollte.

„Damit du es lernst, mein Fräulein“, meinte er freundlich. Dann wandte er sich an Sir Patrick. „Ich habe Stapleton beauftragt, Sultan für Sie zu holen, damit Sie ihn sich ansehen können, Ramsey. Ein Gang durch die Ställe wird Ihnen gefallen.“

Chloe amüsierte sich im Stillen darüber, wie geschickt Sir Charles Serena von Sir Patrick fern hielt, und beobachtete dessen Weggang.

„Und dir wird ein...



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