Marshall | Sie sind mein Glücksstern, Georgina | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 306, 144 Seiten

Reihe: Historical MyLady

Marshall Sie sind mein Glücksstern, Georgina


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95446-023-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 306, 144 Seiten

Reihe: Historical MyLady

ISBN: 978-3-95446-023-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Einen kecken Jungen beim wilden Cricketspiel mit zwei Kindern beobachtet der seriöse Bankier Jesmond Fitzroy. Als er beim Spaziergang durch den Park des Landsitzes, den er im Jahr 1821 gerade geerbt hat, der Gruppe näherkommt, entdeckt er verblüfft, dass der Knabe mit den rotbraunen Locken eine junge Frau ist: Georgina Herron, seine Nachbarin. Tadelnd sagt ihr Jasmond, dass er ihr Verhalten missbilligt, obwohl ein erster Blick in ihre grünen Augen sein Herz höher schlagen lässt. Auch Georogina entdeckt in den folgenden Wochen heiße Gefühle für den gut aussehenden Jesmond und lässt sich von ihm zu einer zärtlichen Liebesstunde im Park verführen. Überraschend taucht jedoch ein Bekannter von Georgina auf, der sittenlose Gelehrte Dr. Maynard Shaw. Gewaltsam versucht er, Georgina zu seiner Geliebten zu machen...



Als Bibliothekarin hatte Paula Marshall ihr Leben lang mit Büchern zu tun. Doch sie kam erst relativ spät dazu, ihren ersten eigenen Roman zu verfassen, bei dem ihre ausgezeichneten Geschichtskenntnisse ihr sehr hilfreich waren. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie fast die ganze Welt bereist. Ihr großes Hobby ist das Malen.

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1. KAPITEL

“Hast du schon das Neueste gehört, Georgie? Der Erbe von Jesmond House ist aufgetaucht. Du solltest besser nicht mehr mit den Kindern im Jesmond Park spielen.”

Georgie – oder richtiger Georgina – war damit beschäftigt, die Saiten der alten Gitarre ihres verstorbenen Halbbruders nachzuziehen. Ihr gegenüber saß ihre verwitwete Schwägerin, die zwar nur einige Jahre älter als sie selbst, aber eine kränkliche Frau war und ihr Leben auf dem Sofa zubrachte.

“Wer ist denn der neue Besitzer?”

“Keine Ahnung.” Caro Pomfret seufzte. “Mir gegenüber hat Miss Jesmond nie irgendwelche Verwandten erwähnt. Du hattest doch den Kontakt zu ihr.” Sie sah ihre Schwägerin missbilligend an. “Glaubst du, das ist die richtige Kleidung, um mit den Kindern in den Park zu gehen?”

Georgie lächelte nachsichtig. Sie trug ein Hemd, eine Kniebundhose und Stiefel – Reitkleidung, die einst ihrem Halbbruder John gehört hatte. Ihr kastanienbraunes Haar war kurz geschnitten, so wie es vor ein paar Jahren Mode gewesen war – aber Georgie richtete sich selten nach der gängigen Mode. Kleidung und Frisur mussten lediglich praktisch sein.

“Ich spiele mit Gus und Annie hinten im Park.” Georgie schlug versuchsweise ein paar Akkorde an. “Dort, wo uns nur Vögel und Eichhörnchen beobachten.”

“Mag ja sein. Du vergisst nur, dass dieser Teil des Parks an Miss Jesmonds Anwesen grenzt. Stell dir vor, irgendein Gentleman begegnet dir dort. Was würde er von Miss Pomfret aus Pomfret Hall halten, die wie ein Stallbursche herumläuft.”

“Ach, Caro, nun übertreib aber nicht. Außerdem bin ich nicht mehr Miss Pomfret, sondern die respektable Witwe von Charles Herron aus Church Norwood, die zurzeit in unserem beiderseitigen Interesse hier lebt.”

Das stimmte zwar nicht ganz, denn das Interesse lag mehr bei Caro Pomfret. Die Pomfrets waren nie reich gewesen, und als Georginas Halbbruder John nach einem Jagdunfall verstorben war, hatte er seiner Frau Caro und den Zwillingen gerade genug zum Leben hinterlassen. Nur um der beiden Kinder ihres Halbbruders willen hatte Georgina sich entschlossen, in ihr Elternhaus zurückzukehren und mit ihrer Schwägerin zusammenzuleben, die seit dem plötzlichen Tod ihres eigenen Mannes kränklich war. Georgie selbst hatte ein ansehnliches Vermögen von ihrer Mutter – der zweiten Frau ihres Vaters – geerbt. Und auch ihr Mann hatte ihr eine respektable Summe hinterlassen einschließlich eines Hauses, das zurzeit an einen reichen Inder vermietet war. Georgina war zwar erst fünfundzwanzig, dennoch hatte sie nicht den Wunsch, wieder zu heiraten.

“Kein Gentleman würde dich so für eine respektable Frau halten, Georgie”, stöhnte Caro.

“Ob respektabel oder nicht, mich interessieren die Männer nicht”, erklärte Georgie abschließend und stimmte, glücklich, dass sie die Gitarre wieder zum Leben erweckt hatte, mit ihrer weichen Altstimme ein Lied an. Dann stand sie auf. “Verzeih, Caro, aber ich möchte die Kinder nicht warten lassen.”

“Denk dran, dass ihr nicht über Miss Jesmonds Grundstück geht. Wir wollen unseren neuen Nachbarn doch nicht gleich zu Anfang verärgern.”

“Ich denke immer daran, was du mir sagst”, log Georgie. “Ruh dich aus, dann können wir heute Abend alle zusammen Karten spielen.”

“Wenn ich nicht wieder Kopfschmerzen habe”, jammerte Caro. Sie sah ihrer Schwägerin kopfschüttelnd nach. Georgie ist flach wie eine Bohnenstange, sodass man sie in den alten Kleidern ihres Bruders leicht für einen Jungen halten kann, dachte Caro hämisch und schon im Halbschlaf. Es verwunderte sie nicht, dass ihre Schwägerin einen ältlichen Mann geheiratet hatte – wohl aus finanziellen Gründen, und, wie Caro vermutete, weil kein anderer Georgie genommen hätte.

Währenddessen wanderte Georgie durch den kleinen Park, in dem niemand die gepflegten Rasenflächen betreten durfte. Gus und Annie rannten fröhlich hinter ihr her. Die drei waren auf dem Weg zu einem großen Rasenstück am äußersten Ende des Jesmond Parks. Dort konnten die Kinder nach Herzenslust Kricket spielen, weit entfernt von den missbilligenden Blicken ihrer Mutter.

Der neue Besitzer von Jesmond House stand derweil an der Terrassentür seines Hauses und schaute hinaus in einen verwilderten Garten und einen verwahrlosten Park, in dem ein kleiner, halb verfallener Pavillon stand. Die mahnenden Worte seines früheren Arbeitgebers klangen Jesmond Fitzroy in den Ohren: “Wissen Sie, worauf Sie sich einlassen? Es ist hoffentlich keine Laune.” Damals hatte er Ben Wolfe gerade mitgeteilt, dass er das Anwesen seiner Großtante geerbt hatte und von seinen Pflichten entbunden werden wollte, um einen neuen Anfang zu wagen, weit weg von dem geschäftigen Leben in London. “Nein, keine Marotte”, erinnerte sich Jesmond geantwortet zu haben. “Der Grund ist auch nicht, dass ich nicht mehr für Sie arbeiten will – ich verdanke Ihnen mehr, als ich Ihnen je entgelten kann.” Ben Wolfe hatte bescheiden abgewehrt: “Sie schulden mir längst keinen Dank mehr. Ich will nur sicher gehen, dass Sie Ihren Schritt sorgfältig überlegt haben. Aber Sie wissen ja, Sie sind jederzeit willkommen.” Jesmond hatte darauf nur geantwortet: “Ich werde unsere Zusammenarbeit vermissen”, und Ben freundschaftlich die Hand gedrückt.

Die beiden Männer hätten unterschiedlicher nicht sein können. Beide waren groß und stattlich, aber Ben war ein grauäugiger, schwarzhaariger Bär, der eher wie ein Faustkämpfer denn wie ein reicher Mann aus einer alten Familie aussah. Jesmond dagegen war blauäugig und hellhäutig, im klassischen Sinne attraktiv, mit der Figur und der Haltung eines Athleten. Bens Frau Susanna hatte die beiden einmal, was das Äußere anbetraf, Schwert und Degen genannt. Im Geschäftsleben jedoch waren beide gleich gewieft – Jesmond, weil der etwas ältere Ben ihn dazu gemacht hatte, und Ben von Natur aus.

“Finanziell werden Sie ja keine Schwierigkeiten haben”, hatte Ben mit leicht gehobenen Brauen geäußert. “Und falls doch …” Jesmond hatte das Angebot zu schätzen gewusst, aber sorglos geantwortet: “Meine Großtante hat mir Kapital hinterlassen, und ich selbst bin auch nicht ganz unvermögend.”

Diese Antwort war allerdings mehr Ausflucht als Lüge. Ben brauchte nicht zu wissen, dass Jesmond selbst reich geworden war, weil er dem Beispiel seines Arbeitgebers gefolgt war. Genau wie Ben hatte er 1815 Aktien gekauft und nicht wie viele andere verkauft. Seitdem hatte er immer wieder klug investiert, und obwohl er nicht so vermögend wie Ben war, so war er doch wohlhabender als die meisten Menschen. Seine wahre finanzielle Lage verheimlichte Jesmond, denn bereits als junger Mann hatte er gelernt, seine Karten niemals offen auf den Tisch zu legen. Damals hatte Ben Wolfes freundschaftlicher Rat ihn vor dem Bankrott gerettet.

Heute war Jesmond allerdings der Ansicht, dass er nicht länger Bens mächtigen Beistandes bedurfte. Nur wenn er die altbekannten Pfade verließ, glaubte Jesmond auch eine Frau finden zu können. Er hatte allerdings keine Ahnung gehabt, was ihn am Ende seiner Reise in den Süden von Nottinghamshire erwarten würde. Als Kind war er gerne zu seiner Großtante gefahren. Mit den Jahren war der Kontakt zu ihr abgebrochen, nur manchmal hatte er sich etwas wehmütig an fast vergessene Zeiten erinnert. Bis dann eines Tages der Brief ihres Anwalts mit der Mitteilung gekommen war, dass sie Jesmond das Haus und ein kleines Vermögen an Bargeld vererbt hatte.

Seine erste Reaktion war gewesen, das Haus unbesehen zu verkaufen. Doch eine plötzliche Eingebung hatte ihn anders entscheiden lassen. Und nun stand er in diesem vom Zerfall gekennzeichneten Haus, das ihn kaum noch an das gepflegte prächtige Anwesen seiner Jugend erinnerte.

Nun gut! Es würde der gesamten Ersparnisse seiner Großtante und eines Teils seiner eigenen bedürfen, um das Haus wieder in dem alten Glanz erstrahlen zu lassen. Und so passte es, dass an diesem Punkt seiner Überlegungen Twells, das betagte Faktotum seiner Großtante, sich ehrfürchtig näherte und murmelte: “Um diese Stunde am Nachmittag pflegte Miss Jesmond ihren Tee zu nehmen. Wollen Sie diese Sitte beibehalten, Sir?”

Jesmond wollte schon ablehnen, als er sich plötzlich an die sonnigen Sommernachmittage seiner Kindheit erinnerte. An die Großtante, mit der zusammen er Tee getrunken hatte, an einen jungen Twells, der ihr zur Hand gegangen war. Diese Erinnerung und die Vorstellung, wie beängstigend und verwirrend seine Gegenwart für den alten Mann sein musste – obwohl Jesmond sofort nach seiner Ankunft den wenigen verbliebenen Bediensteten seiner Großtante ihr Verbleiben im Haus zugesichert hatte –, brachte ihn zu dem Meinungswechsel.

“Gerne, Twells. Und anschließend mache ich einen Spaziergang durch den Park bis zu dem Feld, wo früher die Dienerschaft Kricket spielte.”

Der alte Mann strahlte ihn an. “Daran erinnern Sie sich noch, Sir? Bei Ihrem letzten Besuch waren Sie ja noch ein junger Spund und ich war auch noch flinker auf den Beinen. Ich bringe den Tee sofort.” Und während er davoneilte, murmelte er unentwegt: “Mrs Hammond wird sich freuen.”

Nachdem Twells gegangen war, bereute Jesmond fast seinen übereilten Entschluss, einen Spaziergang zu machen. Er trug nämlich immer noch seine Stadtkleidung – modisch enge Pantalons, eleganter Gehrock mit passender Weste und hochgeschlungenem Krawattentuch, das er eigenhändig gebunden hatte. Sein Kammerdiener hatte ihn nämlich verlassen, um die Gastwirtschaft seines Vaters in Devon zu übernehmen, und Jesmond fragte sich manchmal, ob er nicht deshalb so plötzlich London und seine alten Gewohnheiten aufgegeben hatte. Auf dem Land konnte er sich lässiger kleiden als in der...



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