E-Book, Deutsch, Band 62, 100 Seiten
Reihe: Der Arzt vom Tegernsee
Martens Was nützt mir alles Geld der Welt ...
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7409-7008-6
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Arzt vom Tegernsee 62 - Arztroman
E-Book, Deutsch, Band 62, 100 Seiten
Reihe: Der Arzt vom Tegernsee
ISBN: 978-3-7409-7008-6
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dr. Baumann ist ein echter Menschenfreund, rund um die Uhr im Einsatz, immer mit einem offenen Ohr für die Nöte und Sorgen seiner Patienten, ein Arzt und Lebensretter aus Berufung, wie ihn sich jeder an Leib und Seele Erkrankte wünscht. Seine Praxis befindet sich in Deutschlands beliebtestem Reiseland, in Bayern, wo die Herzen der Menschen für die Heimat schlagen. Der ideale Schauplatz für eine besondere, heimatliches Lokalkolorit vermittelnde Arztromanserie, die ebenso plastisch wie einfühlsam von der beliebten Schriftstellerin Laura Martens erzählt wird. Martha Schöller parkte vor dem Garten des Doktorhauses. Sie blieb noch ein paar Minuten hinter dem Steuer ihres Wagens sitzen, weil sie entsetzliche Kopfschmerzen hatte. Was kann das nur sein, dachte sie und massierte vorsichtig ihre Schläfen. Seit Tagen wachte sie jeden Morgen mit Kopfschmerzen auf. Manchmal waren sie so stark, daß es ihr schwerfiel, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Katharina Wittenberg, die im Garten arbeitete, trat an den Wagen und klopfte gegen das Seitenfenster. Es kostete Martha Überwindung, das Fenster herunterzukurbeln. »Fühlen Sie sich nicht wohl, Frau Schöller?« fragte Katharina. »Kann ich Ihnen helfen?« »Nein, danke, Frau Wittenberg. Es geht schon«, antwortete Martha. »Vermutlich bekomme ich die Grippe.« Sie seufzte auf. »Das würde mir noch fehlen. Momentan habe ich so viel Arbeit, daß ich...« Sie schüttelte den Kopf. »Was nützt alles Klagen? Die Arbeit muß getan werden, ob ich mich wohl fühle oder nicht.«
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Martha Schöller parkte vor dem Garten des Doktorhauses. Sie blieb noch ein paar Minuten hinter dem Steuer ihres Wagens sitzen, weil sie entsetzliche Kopfschmerzen hatte. Was kann das nur sein, dachte sie und massierte vorsichtig ihre Schläfen. Seit Tagen wachte sie jeden Morgen mit Kopfschmerzen auf. Manchmal waren sie so stark, daß es ihr schwerfiel, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.
Katharina Wittenberg, die im Garten arbeitete, trat an den Wagen und klopfte gegen das Seitenfenster.
Es kostete Martha Überwindung, das Fenster herunterzukurbeln.
»Fühlen Sie sich nicht wohl, Frau Schöller?« fragte Katharina. »Kann ich Ihnen helfen?«
»Nein, danke, Frau Wittenberg. Es geht schon«, antwortete Martha. »Vermutlich bekomme ich die Grippe.« Sie seufzte auf. »Das würde mir noch fehlen. Momentan habe ich so viel Arbeit, daß ich…« Sie schüttelte den Kopf. »Was nützt alles Klagen? Die Arbeit muß getan werden, ob ich mich wohl fühle oder nicht.« Entschlossen stieg sie aus. »Na, Franzl.« Sie beugte sich zu dem Hund hinunter, der Katharina auf die Straße gefolgt war. »Dir scheint es jedenfalls gutzugehen.«
»Dem Burschen geht es meistens gut«, sagte Katharina lachend. »Vorhin habe ich ihm einen Knochen gegeben. Er hat ihn irgendwo im Garten vergraben. Wer weiß, ob er ihn jemals wiederfinden wird.«
Franzl schaute so vorwurfsvoll zu ihr auf, als hätte er jedes Wort verstanden. Er und einen Knochen nicht wiederfinden!
Martha nahm ihre Handtasche vom Beifahrersitz. »Vielleicht bekommt mir auch der Sonnenschein nicht«, bemerkte sie zu Katharina.
»Das wird es bestimmt nicht sein.« Dr. Baumanns Haushälterin schaute zum Himmel hinauf. An diesem Tag hatte sich noch nicht eine einzige Wolke gezeigt. »Ich bin so froh, daß das Wetter endlich besser geworden ist«, meinte sie. »Jetzt kann man wenigstens damit anfangen, den Garten zu richten. Ich dachte schon, der Winter würde dieses Jahr überhaupt nicht mehr enden.«
»Danach ausgesehen hat es jedenfalls«, bestätigte Martha.
Zwei Minuten später betrat sie die Praxis von Dr. Eric Baumann. Barbara Schneider saß hinter dem Tresen in der Anmeldung. »Guten Morgen, Frau Schöller«, wünschte sie mit einem freundlichen Lächeln.
»Ich habe einen Termin«, sagte Martha, nachdem sie den Gruß erwidert hatte.
»Ja, ich weiß, Frau Schöller.« Die Sprechstundenhilfe hakte den Namen der Patientin im Meldebuch ab. »Sie werden etwa eine Viertelstunde warten müssen.«
»Das macht nichts, Frau Schneider.« Martha nickte ihr zu und betrat den Gang, der zum Wartezimmer führte.
Lina Becker blickte Martha Schöller erfreut entgegen. Martha wohnte wie sie im Narzissenweg. »Guten Morgen«, grüßte sie. »Was führt Sie denn zu Dr. Baumann?«
Obwohl Frau Becker nicht zu den Leuten gehörte, die Martha zu ihren Freunden zählte, blieb ihr nichts anders übrig, als sich neben ihre Nachbarin zu setzen. Sie sprach von ihren Kopfschmerzen. »Außerdem zwickt es mal hier, mal dort«, fügte sie hinzu.
»Das kenne ich«, meinte Lina. »Ich werde seit Wochen von Gelenkschmerzen geplagt.« Sie verdrehte die Augen. »Vermutlich wird mir Dr. Baumann einmal mehr einen Vortrag über zuviel Harnsäure halten. Ich will ja nicht abstreiten, daß die hohe Harnsäure mit meinen Gelenkschmerzen zusammenhängt, aber ich habe es mit dieser Diät versucht, die er mir verordnet hat. Bisher hat sie nichts gebracht.«
»Haben Sie sich hundertprozentig an die Diät gehalten?«
»Sagen wir zu siebzig Prozent.« Lina lachte auf. »Es ist unmöglich, diese Diät genau einzuhalten. Schließlich kann einem keiner ein Stückchen Kuchen oder ein paar Pralinen verwehren. Zudem esse ich gern Mehlspeisen. Alles Dinge, die scheinbar Harnsäure fördern.«
»Manchmal wäre es besser, vernünftig zu sein, Frau Becker«, sagte Martha. »Ich weiß nicht, wenn ich Gelenkschmerzen hätte…« Sie hob die Schultern. »Nun, wir sind alle nur Menschen.«
»Ja, das sind wir.« Lina seufzte auf. »Nun, Sie haben ja ohnehin Glück, Frau Schöller. Mit Ihrem Mann haben Sie ein wahres Juwel an Land gezogen. Mein Fred rührt im Haushalt kaum einen Finger, während Ihr Bruno Ihnen nicht nur die meiste Gartenarbeit abnimmt, sondern auch putzt, kocht und sich um die Wäsche kümmert.«
»Es ist nicht alles Gold, was glänzt«, bemerkte Martha spitz.
»Sie scherzen.« Lina Becker lachte. »Erst am Freitag habe ich gesehen, wie Ihr Mann die Bettvorleger ausgeklopft hat.«
Martha Schöller kannte die gute Meinung der Nachbarn über ihren Mann. Bruno verstand es ausgezeichnet, anderen Leuten vorzumachen, daß er den größten Teil der Hausarbeit erledigte. Sie räumte die Küche auf, wusch das Geschirr ab, und wenn ihr Mann wirklich einmal abtrocknete, ging er damit hausieren, daß er die ganze Küchenarbeit erledigt hätte.
»Es muß schön sein, mit so einem Mann verheiratet zu sein«, sagte Lina Becker. »Seit Ihr Mann Rente bekommt, werden Sie sich bestimmt völlig Ihrer Arbeit widmen können.«
Martha Schöller atmete erleichtert auf, als Lina Becker aufgerufen wurde. Sie nahm sich eine Zeitschrift, um ein wenig zu lesen, aber die starken Kopfschmerzen hinderten sie daran. Müde schloß sie die Augen, doch statt sich zu entspannen, überlegte sie, was sie an diesem Tag noch alles erledigen mußte. Unter anderem hatte sie ihrer Mutter, die neben ihr wohnte, versprochen, sie am Nachmittag zum Einkaufen zu fahren. Diese Einkaufsfahrten waren meistens eine Farce, denn ihre Mutter wollte nur ein bißchen unter die Leute kommen. Irgendwie mußte es ihr gelingen, sich noch drei, vier Stunden an den Schreibtisch zu setzen, um die Buchhaltung für die Firma, für die sie arbeitete, auf das laufende zu bringen. Außerdem wartete ein fast unübersehbarer Berg Bügelwäsche auf sie. Schularbeiten mit ihrer jüngsten Tochter mußte sie auch machen. Und… Nein, es war besser, nicht darüber nachzudenken. Als ihr Mann noch seiner täglichen Arbeit als Kraftfahrer nachgegangen war, hatte sie mehr Zeit gehabt. Jetzt hatte er ständig einen anderen Wunsch, der sofort erfüllt werden sollte.
»Frau Schöller, bitte ins Sprechzimmer eins«, wurde sie von Tina Martens aufgerufen.
Martha griff nach ihrer Handtasche und trat in den Gang. Sekundenlang wurde es ihr so schwindlig, daß sie befürchtete hinzustürzen. Unsicher öffnete sie die Tür des Sprechzimmers.
Dr. Eric Baumann erkannte auf den ersten Blick, wie schlecht es Frau Schöller ging. Er reichte ihr die Hand und führte sie zu dem bequemen Stuhl, der vor seinem Schreibtisch stand. »Seit wann fühlen Sie sich so elend?« erkundigte er sich.
»Sieht man es mir denn an?« fragte sie überrascht.
Der Arzt nickte. »Meiner Meinung nach gehörten Sie ins Bett, Frau Schöller. Warum haben Sie nicht angerufen, ich wäre gekommen.«
»Ich kann es mir nicht leisten, im Bett zu liegen«, antwortete sie. »Mir fehlt bestimmt nichts Ernstliches. Es ist bestimmt nur der Wetterwechsel.« Sie sprach von ihren Kopfschmerzen und daß sie manchmal glaubte, ihr Herz würde davongaloppieren. »Und dann sind da diese Magenschmerzen. Es klappt auch nicht mit der Verdauung. Und wenn ich abends im Bett liege, kann ich nicht einschlafen. Ich habe oft so kalte Hände und Füße, daß es direkt weh tut. Vorgestern zitterten meine Finger.« Martha zwang sich zu einem Lächeln. »Man wird eben langsam alt.«
»Frau Schöller, Sie sind erst zweiundvierzig«, bemerkte Eric. »Also kann es nicht das Alter sein. Genauso wenig sollte man alle Beschwerden auf das Wetter schieben.« Er sah sie nachdenklich an. »Ist bei Ihnen zu Hause alles in Ordnung?« Er kannte Marthas Mann und konnte nicht behaupten, daß ihm Bruno Schöller besonders sympathisch war. Der Mann machte auf ihn einen derart selbstgefälligen, von sich überzeugten Eindruck, daß er schon oft gedacht hatte, wie schwer es sein mußte, mit so einem Menschen auszukommen. Erst vor einigen Monaten hatte ihm Bruno Schöller gesagt, er hätte nur eine zwanzig Jahre jüngere Frau geheiratet, um im Alter versorgt zu sein.
»Es ist alles in Ordnung, Dr. Baumann«, behauptete Martha und zupfte nervös an ihrem Rock. »Natja will zu meinem Geburtstag nach Hause kommen. Ich freue mich so darauf. Zur Zeit arbeitet sie in Stuttgart.«
Eric wußte, daß Marthas älteste Tochter staatlich geprüfte Werbegestalterin war und für eine Kaufhauskette arbeitete. Er mochte Natja sehr. »Das kann ich mir vorstellen, Frau Schöller«, sagte er. »Und Angela?«
»Sie ist ein liebes, anhängliches Kind. Allerdings hält sie zur Zeit nicht viel von der Schule. Nun, daß wird sich eines Tages geben.«
»Sind Sie sicher, daß Sie mir nichts verschweigen?« Selbst einem schlechteren Beobachter als Eric hätte die Nervosität seiner Patientin auffallen müssen. Ihre Finger waren ständig in Bewegung. Es fiel ihr schwer, ruhig sitzen zu bleiben.
»Was wollte ich Ihnen verschweigen?« fragte Martha Schöller. »Nein, mit meiner Familie ist alles in Ordnung.« Obwohl sie es eigentlich nicht wollte, erzählte sie ihm, daß Lina Becker ihren Mann für ein ausgesprochenes Juwel hielt.
»Nun, die Meinung von Frau Becker ist nicht relevant«, bemerkte er.
»Bruno ist schon in Ordnung.«
Eric blieb nichts anderes übrig, als diese Aussage zu akzeptieren, auch wenn er überzeugt war, daß die Beschwerden seiner Patientin mit ihrer Situation zu Hause zusammenhingen.
»Am besten machen wir erst einmal ein EKG«, meinte er und bat sie, ins Labor zu gehen.
Während Tina Martens bei Frau Schöller das EKG machte, widmete sich Dr. Baumann einem seiner anderen Patienten.
Martha Schöller saß dem Arzt zwanzig...




