Martin | Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 504 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 504, 64 Seiten

Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler

Martin Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 504

Die Bürde der Schuld
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7325-9788-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Bürde der Schuld

E-Book, Deutsch, Band 504, 64 Seiten

Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler

ISBN: 978-3-7325-9788-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sechzehn Jahre ist sie alt, die glutäugige Mexikanerin Tinka de Freitas, und sie ist sagenhaft reich. Als Hanno Ofterding das verführerisch schöne Mädchen zum ersten Mal sieht, ist es um ihn geschehen. Er vergisst Frau und Kind. Alles will Hanno hinter sich lassen, wenn er Tinka bekommt.

Doch Juan de Freitas, der Ölmillionär, will von einer Ehe seiner Tochter mit dem Geschiedenen nichts wissen. Schließlich fliehen Hanno und Tinka und heiraten heimlich, aber die gegen den Willen des Vaters geschlossene Verbindung bringt ihnen kein Glück.
Juan de Freitas verzeiht dem Verführer seiner Tochter nicht, und die Millionen, die der junge Mann besitzen wollte, werden ihm zum Verhängnis ...

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Die Bürde der Schuld

Erfolgsroman um eine falsche Entscheidung

Große Vorfreude erfüllt Almut Ofterdings Herz. Heute ist ihr sechster Hochzeitstag, und sie möchte dieses Fest mit ihrem geliebten Mann und ihrem süßen kleinen Sohn mit einem netten Abendessen feiern. Der Tisch ist schon festlich gedeckt, und vor jedem Gedeck liegt eine langstielige dunkelrote Rose.

Nun streift Almut ihr Cocktailkleid aus cremefarbener Spitze über, das sich eng an ihre schlanke Figur schmiegt. Noch ein paar Spritzer des französischen Parfüms und ein letzter Blick in den Spiegel. Die hübsche junge Frau strahlt. Alles ist vorbereitet. Auch die Kerzen in dem silbernen Leuchter brennen. Und dann poltert ihr Mann mit mürrischer Miene ins Wohnzimmer – und verlangt sofort die Scheidung …

„Heute ist mein sechster Hochzeitstag, und ich bin noch immer so glücklich wie in meinen Flitterwochen. Sabine, ich kann Ihnen nur raten, heiraten Sie auch! Die Ehe ist etwas Wundervolles, wenn man den richtigen Mann gefunden hat.“ Ihr strahlendes Lächeln machte das Gesicht von Dr. Almut Ofterding jung und bezaubernd. „Und heute Abend werden Hanno und ich ganz groß feiern. Also, tschüss, Sabine, und seien Sie nicht zu fleißig!“

Die Sprechstundenhilfe blieb im Türrahmen stehen und starrte ihrer Chefin nach, als diese die Treppe hinablief. Sie sah so jung und zerbrechlich aus. Niemand würde glauben, dass sie schon zweiunddreißig Jahre alt war und dass sie einen fünfjährigen Sohn hatte. Sie wirkte nicht wie eine Frau, die ihren Haushalt versah, ihrem Kind eine vorbildliche Mutter und dabei auch noch berufstätig war.

Sabine schüttelte den Kopf. Wie war es nur möglich, dass sie so ahnungslos war und nichts merkte? Sie war doch sonst so klug!

???

Die weißen Mauern der einstöckigen Ofterding-Villa schimmerten im beginnenden Dämmerlicht. Almut liebte Haus und Garten, obwohl alles nicht Hanno, sondern ihrer Schwägerin Grete Ofterding gehörte.

Kurz vor ihrer Ehe war Johannes Ofterding, der Vater der Geschwister und Begründer der Rheinischen Kunststoff-Fabrik, gestorben. Sein Testament war für Hanno ein Schock gewesen. Sein Vater hatte das große chemische Werk und die Villa seiner Tochter Grete, einer hervorragenden Chemikerin, hinterlassen. Hanno war das Wohnrecht im Haus zugesichert worden und die Stellung eines Verkaufschefs im Werk.

Johannes Ofterding hatte seinen Sohn für unfähig gehalten, das Werk zu leiten. Zwischen Hanno und seiner um zehn Jahre älteren Schwester hatte sich eine Kluft aufgetan.

Bezeichnend dafür, wie Grete über den Bruder dachte, war, dass sie ihn mit seiner jungen Frau in die Mansarde gesteckt hatte. Almut machte das gar nichts aus.

Sie sah empor zu der Reihe kleiner Fenster unter dem schiefergrauen Walmdach.

Schon als Kind war sie zur Vollwaise geworden und in Internaten aufgewachsen, die ihr Onkel, Dr. Schön, aus seiner Tasche bezahlt hatte. Ebenso hatte er später ihr Studium finanziert. Die kleinen schrägen Zimmer dort oben waren ihr erstes richtiges Zuhause. Für sie war die kleine Dachgeschosswohnung ein Paradies.

Almuts Schritte wurden langsamer. Hanno konnte ja noch gar nicht da sein. Jetzt, während der Fachmesse, war er tagsüber im Ausstellungsstand der „Rekufa“. Abends musste er meistens mit wichtigen Kunden ausgehen.

In der Halle war eine kühle Dämmerung. Während Almut die Treppe hinauflief, überlegte sie noch einmal, was für Vorbereitungen nötig waren, damit die kleine Feier mit Mann und Kind nett und gemütlich wurde.

Unwillkürlich wurde ihr Schritt im ersten Stock leiser. Sie hatte schon die Wendeltreppe zu ihrer Mansarde erreicht, als hinter ihr eine Tür ging. Almut blieb nichts anderes übrig, sie musste sich umdrehen.

„Du bist heute auch schon daheim?“, fragte sie höflich.

Gretes dünner Mund verzog sich zu einem knappen Lächeln. Durch die starken Brillengläser musterte sie die Pakete in Almuts Armen.

„Gibst du heute eine Party?“ Ihre tiefe Stimme hatte einen spöttischen Klang.

„Hanno und ich feiern heute doch unseren sechsten Hochzeitstag.“ Almut wurde sofort verlegen, obwohl sie das gar nicht wollte.

„Und das willst du feiern?“, fragte Grete und zog die Brauen hoch.

„Hat Hanno angerufen?“, wollte Almut wissen. Sie besaßen oben leider kein eigenes Telefon.

„Warum sollte er das tun?“ Grete schien sich über sie lustig zu machen.

Almut verlor allmählich die Geduld.

„Um mir zu sagen, wann er zum Essen kommt.“

„Weiß Hanno denn überhaupt, was für ein besonderer Tag heute ist?“, spottete Grete.

Das Blut stieg Almut ins Gesicht, ihre bräunliche Haut leuchtete rosig.

„Ich habe Hanno in den letzten Tagen kaum gesehen, und auch heute früh konnte ich nicht mit ihm sprechen.“

Hanno schlief jetzt meistens etwas länger. Als sie mit Nicki vom Einkaufen heimgekommen war, hatte er bereits das Haus verlassen.

„Er hat aber noch nie unseren Hochzeitstag vergessen“, fügte Almut hinzu.

„Vielleicht hält ihn diesmal etwas vom Kommen ab“, erwiderte Grete mit einem amüsierten Blick. „Bist du tatsächlich überzeugt, dass er dir immer treu ist?“

Ehe Almut ihr darauf antworten konnte, hörten sie beide das Getrappel von Kinderfüßen. Nikolaus kam die Treppe herauf.

„Mummi, Mummilein, das ist fein, dass du schon da bist!“, rief er, als er seine Mutter sah, und umarmte sie stürmisch.

Erschrocken sah Almut die Eifersucht in Gretes Augen. Nicki war der einzige Mensch, den Grete liebte. Almut merkte wieder einmal, wie sehr Grete sie um den Jungen beneidete.

Wenn es in ihrer Macht stünde, würde sie ihn mir wegnehmen, dachte sie.

„Komm, Nicki“, forderte Almut den Jungen auf.

Als sie in ihrer Wohnung waren, war sie schon wieder gut aufgelegt.

„Und nun, Spatz, gehst du in die Badewanne, und wenn du wieder ein sauberer junger Mann bist, dann kannst du mir helfen!“

Nach den anstrengenden Arbeitsstunden in der Ordination war Almut Ofterding ziemlich erschöpft gewesen. Nun fühlte sie sich schon wieder frisch und unternehmungslustig.

Beschwingt von ihrer Vorfreude, lief sie zwischen der winzigen Küche und dem Wohnzimmer hin und her. Im Handumdrehen hatte sie kalte Platten angerichtet.

Der Tisch im Esswinkel unter der Dachschräge war festlich gedeckt, und die Gladiolen leuchteten in der Bodenvase beim Fenster. Vor jedem der drei Gedecke lag eine langstielige dunkelrote Rose.

Als Almut den silbernen Leuchter in die Tischmitte stellte, kam Nicki aus dem Bad. Er hatte einen dunkelblauen Samtanzug an, und sein Haar war noch feucht.

„Komm her, Spatz, wir zwei haben uns noch kein Küsschen gegeben!“, rief Almut.

„Kommt Vati auch wirklich zum Essen?“, fragte Nicki.

„Vati kommt ganz bestimmt!“, antwortete Almut, auch wenn sie nicht mehr ganz sicher war.

Gerade als sie ihr Cocktailkleid aus cremefarbiger Spitze übergezogen hatte, hörte sie die Flurtür gehen. Erleichtert lächelte sie ihrem Spiegelbild zu. Sie schüttelte ihr offenes Haar zurecht und betupfte die Arme mit französischem Parfüm. Hanno mochte es nicht, wenn sie noch den Medikamentengeruch der Ordination an sich trug. Seine Schritte klangen jetzt aus der Diele.

„Hanno, du darfst noch nicht ins Zimmer kommen!“, rief sie, „ich bin noch nicht ganz fertig!“

Durch ihr Schlafzimmer lief sie ins Wohnzimmer zurück und entzündete die weißen Kerzen im Leuchter.

„So, Liebling, nun darfst du hereinkommen!“, rief sie endlich und blickte lächelnd auf die sich öffnende Tür …

???

Und dann trat Hanno ein, ohne zu grüßen. Er bemühte sich, seine Zigarette anzuzünden, das Feuerzeug wollte aber nicht funktionieren.

Hanno Ofterding war nur mittelgroß und hielt sich sehr gerade, weil er größer erscheinen wollte. Sein dunkelblondes Haar war kurz geschnitten. Er hatte ein breites Gesicht mit hohen Backenknochen. Er wirkte wuchtig und sah sehr männlich aus.

Fluchend zerknickte er die Zigarette, ließ sie zu Boden fallen und schleuderte das Feuerzeug auf den Rauchtisch. Seine grauen Augen richteten sich mit einem so finsteren Ausdruck auf seine Frau, dass es Almut kalt den Rücken hinunterlief.

„Hanno, Liebling, ist etwas geschehen?“ Angst stieg in ihr hoch. „Hattest du einen Unfall?“

Hanno fuhr einen schnellen Wagen. Er spielte gerne Tennis und war in einem Segelklub und in einem Reitklub. Seine noblen Passionen kosteten mehr Geld, als er bei seiner Schwester verdiente, und deswegen war es gut, dass Almut ihren Beruf hatte.

„Willst du ausgehen?“, fragte er und musterte sie wütend.

Ihr Haar fiel offen und schimmernd auf ihre nackten Schultern. Das Cocktailkleid mit den schmalen Trägern umspannte eng ihre Gestalt.

Almut sah ihren Mann fassungslos an.

„Aber Hanno, heute ist doch unser Hochzeitstag.“

Hanno strich sich über die Stirn.

„O Gott, auch das...



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