Martin / Rief | Wie wirksam ist Biofeedback? | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 289 Seiten

Martin / Rief Wie wirksam ist Biofeedback?

Eine therapeutische Methode
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-456-94645-0
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Eine therapeutische Methode

E-Book, Deutsch, 289 Seiten

ISBN: 978-3-456-94645-0
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Biofeedback zählt zu den Verfahren der Verhaltensmedizin – doch wie steht es um die Evidenz? Dieses Fachbuch von Alexandra Martin und Winfried Rief liefert eine datengestützte Bestandsaufnahme zur Wirksamkeit von Biofeedback bei Erwachsenen. Auf Basis kontrollierter Studien und Metaanalysen werden die Effekte verschiedener Verfahren – von EMG- und Temperatur-Biofeedback bis Neurofeedback – für ein breites Spektrum an Störungsbildern geprüft und nach Evidenzstufen klassifiziert.

Das Werk gliedert sich in drei Teile: Die Grundlagen erläutern psychophysiologische Wirkmechanismen, diagnostische Konzepte und Feedbackmodalitäten. Der klinische Teil analysiert die Wirksamkeit bei chronischen Schmerzen, Migräne, Angst- und Panikstörungen, Harninkontinenz, Epilepsie, Schlafstörungen, Substanzabhängigkeit und weiteren Indikationen. Abschließend werden Versorgungssituation in Deutschland sowie Weiterbildungsrichtlinien der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback behandelt.

Das Referenzwerk richtet sich an klinische Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Ärzt*innen sowie weitere Fachpersonen im Gesundheitswesen. Es bietet Entscheidungsgrundlagen für den therapeutischen Einsatz von Biofeedback. Studienübersichten und Evidenzbewertungen machen es zum Nachschlagewerk für alle, die psychophysiologische Interventionen evidenzbasiert in ihre Praxis integrieren möchten.

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Zielgruppe


Psychologen, Psychiater, Psychotherapeuten; alle Forschenden im Bereich Biofeedback

Weitere Infos & Material


1;Inhaltsverzeichnis und Vorwort;6
2;Teil 1 Grundlagen von Biofeedback;16
2.1;1 Charakterisierung der Biofeedbackbehandlung;18
2.2;2 Arten der Biofeedbackbehandlung;24
2.3;3 Spezifische Biofeedbackdiagnostik;30
2.4;4 Theoretische Konzepte und Wirkmechanismen;44
3;Teil 2 Anwendungsbereiche bei Erwachsenen und ihre Wirksamkeit;52
3.1;5 Affektive Störungen;54
3.2;6 Angststörungen;68
3.3;7 Posttraumatische Belastungsstörung;74
3.4;8 Somatoforme Störungen und andere Körperbeschwerden ohne hinreichende medizinische Erklärung;78
3.5;9 Essstörungen;90
3.6;10 Schlafstörungen;92
3.7;11 Sexuelle Funktionsstörungen;102
3.8;12 Psychische und soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten;108
3.9;13 Persönlichkeitsstörungen;214
3.10;14 Substanzabhängigkeit und -missbrauch;218
3.11;15 Schizophrenie und wahnhafte Störungen;226
3.12;16 Psychische und soziale Faktoren bei Intelligenzminderung;232
3.13;17 Hirnorganische Störungen;236
4;Teil 3 Rahmenbedingungen und Fazit;254
4.1;18 Zur Versorgungssituation von Biofeedback-Behandlungen;256
4.2;19 Qualitätssicherung und Weiterbildungsregelungen;262
4.3;20 Fazit: Evidenzbasierung von Biofeedback;270
5;Autorenverzeichnis – Buch « Wie wirksam ist Biofeedback?» und Sachverzeichnis;280


(S. 91-92)



10.1 Störungsbild

Nichtorganische Schlafstörungen werden in der Klassifikation der ICD-10 in sogenannte «Dyssomnien» unterteilt, die mit einem Schlafmangel oder übermäßiger Tagesmüdigkeit einhergehen. Darüber hinaus werden «Parasomnien» aufgeführt, worunter Schlafstörungen zu verstehen sind, die mit abnormalen motorischen und/oder autonomen Ereignissen einhergehen, wie z. B. Albträume, Schlafwandeln oder das nächtliche Zähneknirschen («Bruxismus»).

Die häufigste Schlafstörung unter den Dyssomnien ist die «nichtorganische Insomnie » (F51.0): Klagen über Ein- und Durchschlafstörungen oder eine schlechte Schlafqualität stehen dabei im Vordergrund, die mindestens 3 Mal pro Woche über einen Zeitraum von mindestens einem Monat vorhanden sein sollen. Für eine entsprechende Diagnosestellung ist außerdem erforderlich, dass die Betroffenen sich überwiegend mit der Schlafstörung beschäftigen und sich übertriebene Sorgen über mögliche negative Konsequenzen machen. Die Schlafprobleme sollen darüber hinaus einen deutlichen Leidensdruck verursachen und sich störend auf Alltagsaktivitäten auswirken.

Derartige Schlafstörungen gehören zu den häufigsten psychosomatischen Beschwerden. Nach einer Übersicht von Weyerer und Dilling (1991) leiden 15 bis 35% der Bevölkerung in westlichen Industrienationen darunter. Eingegangen wird hier auf die Biofeedback-Anwendung bei Dyssomnien. In einem Übersichtsbericht der American Academy of SleepMedicine (Morin et al., 1999) zur nichtpharmakologischen Behandlung der chronischen Insomnie, in der 48 klinische Studien und zweiMeta-Analysen eingeschlossen wurden, kommen die Autoren zu folgendem Schluss: Nach den Kriterien der American Psychological Association wird Biofeedback neben der Schlafrestriktion und multimodalen kognitiven Verhaltenstherapie als wahrscheinlich effektives Behandlungsverfahren bei der Insomnie eingeschätzt. Als empirisch gesicherte Behandlungsverfahren gelten die Stimuluskontrolle, ProgressiveMuskelrelaxation und die Paradoxe Intention.

In dieser Studien-Übersicht erfüllten neun kontrollierte Studien zum Biofeedback die Einschlusskriterien (Freedman &, Papsdorf, 1976, Hughes &, Hughes, 1978, Coursey et al., 1980, Hauri, 1981, Hauri et al., 1982, Nicassio et al., 1982, Van der Plate &, Eno, 1983, Sanavio, 1988, Sanavio et al., 1990). Allein acht Studien davon konnten eine positiveWirkung von EMG-Biofeedback bei Einschlafstörungen zeigen. Zusätzlich zu der von Morin et al. (1999) aufgelisteten kontrollierten Studien zum Biofeedback existiert noch eine deutsche Studie (Engel-Sittenfeld et al. 1980). In Tabelle 1 werden die Originalstudien zur Evidenzbasierung der Biofeedback-Behandlung von Insomnie-Patienten aufgeführt.

Seit der letzten Studie von 1990 (Sanavio et al.) wurden keine weiterenUntersuchungen zurWirksamkeit von Biofeedback bei der Behandlung von Schlafstörungen durchgeführt (siehe auch die Aktualisierung der Übersichtsarbeit von Morin et al. (2006). Von den vorliegenden Studien konnten vier die Biofeedback-Effekte mit polysomnographischen Messungen belegen (Freedman &, Papsdorf, 1976, Coursey et al., 1980, Hauri, 1981, Hauri et al., 1982). In zwei einzelnen Studien (Hughes &, Hughes, 1978, Van der Plate &, Eno, 1983) zeigte sich Pseudofeedback genauso effektiv wie die richtige Feedback-Modalität, allerdings muss zumindest eine Studie davon (Hughes &, Hughes, 1978) aufgrund methodischer Mängel (unklare diagnostische Einschlusskriterien) einschränkend gewertet werden.

Insgesamt waren die Therapieerfolge in den von Morin et al. (1999) berücksichtigten Studien, mit denen von Standard-Entspannungsmethoden vergleichbar. So testeten Freedman und Papsdorf (1976) ein Frontalis-EMG-Biofeedback gegenüber Progressiver Muskelentspannung und einer Gymnastik-Kontrollgruppe («Williams Excercises»). Einschlusskriterien für die Studie waren das Vorliegen von insomnischen Beschwerden für mindestens 4 Nächte proWoche mit einer Einschlaflatenz von einer Stunde während des letzten halben Jahres. Gesichert wurde die Diagnose über polysomnographische Messungen im Schlaflabor.



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