E-Book, Deutsch, Band 1774, 160 Seiten
Reihe: Julia
Mather Der Preis der Liebe
1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-86295-791-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1774, 160 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-86295-791-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wer ist der geheimnisvolle Mann mit den grünen Augen, den Rosa auf der Fähre zu einer abgelegenen schottischen Insel trifft? Schon seine Blicke lassen sie erschauern, und als er sie einlädt, in seinem Schloss zu übernachten, erwachen erotische Fantasien in ihr. Doch dann erfährt sie, wer der faszinierende Fremde ist: der berühmte Schriftsteller Liam Jameson, und ahnt, dass es ein langer, dorniger Weg zum Glück werden wird. Nach einem tragischen Erlebnis hat Liam sich in die Einsamkeit zurückgezogen - und eine Mauer um sein verletztes Herz errichtet ...
Ich habe schon immer gern geschrieben, was nicht heißt, dass ich unbedingt Schriftstellerin werden wollte. Jahrelang tat ich es nur zu meinem Vergnügen, bis mein Mann vorschlug, ich solle doch meine Storys mal zu einem Verlag schicken - und das war's. Mittlerweile habe ich über 140 Romances verfasst und wundere mich manchmal, wie schnell alles ging. Obwohl ich als Kind und auch als Teenager praktisch ständig geschrieben habe, habe ich keine Story wirklich beendet. Wenn mein Zimmer zu chaotisch aussah, kam meine Mutter herein, sammelte alle bekritzelten Blätter ein und warf sie in den Müll. So kam es, dass das Buch, das ich verfasste, als meine Tochter ein Baby war, das erste Werk war, das ich tatsächlich abschloss. Ich fand es schwierig, zwischen dem Haushalt und dem Kind genug Zeit zu finden und schrieb in jeder freien Minute auf ein Stück Papier - nicht gerade professionell, aber so war es halt damals. Mittlerweile sind meine beiden Kinder erwachsen, und ich habe zwei entzückende Enkel, die vier und sechs Jahre alt sind.
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1. KAPITEL
Es war kalt. Viel kälter, als Rosa eigentlich erwartet hatte. Hier in Mallaig, an der Westküste Schottlands, war von der Hitzewelle nichts zu spüren, die für ganz Großbritannien im August vorhergesagt worden war.
Nur ungern verließ Rosa die gemütliche Frühstückspension, in der sie die Nacht verbracht hatte. Das lag nicht nur an dem nasskalten Wetter, sondern auch und hauptsächlich daran, dass ihr Weg von hier aus ins Ungewisse führte. Ihr Ziel war eine Insel, die in zwei Stunden Entfernung draußen im Meer lag. In Kürze würde sie an Bord der Fähre gehen. Dabei wusste sie nicht einmal, ob Sophie tatsächlich auf Kilfoil war.
Sie bedauerte es, dass sie ihren langen Ledermantel zu Hause gelassen hatte, der ihr bei dem kalten Wind auf dem Wasser gute Dienste geleistet hätte. Doch glücklicherweise hatte sie ein paar warme Sachen eingepackt. Damit würde sie die zweistündige Überfahrt hoffentlich, ohne zu frieren, überstehen.
Rosa ging die schmale Hauptstraße hinunter zum Fähranleger. Die Parkplätze füllten sich bereits mit Autos. Sie lief zum Ende der Landungsbrücke und blickte hinaus auf das Meer.
Fröstelnd rieb sie sich über die Arme. So kalt es hier auch war, der Blick aufs Meer war fantastisch. In einiger Entfernung war die Insel Skye zu sehen, und sie fragte sich, ob die violetten Berggipfel, die man schemenhaft erkennen konnte, die berühmten Cuillins waren.
Rosa wusste nicht viel über diesen Teil Schottlands. Vielleicht hätte sie den Norden erkunden sollen, als sie noch Gelegenheit dazu gehabt hatte. Doch sie war in England aufs College gegangen, hatte später einen Engländer geheiratet und lebte seitdem in Yorkshire. Sie war auch kein besonders abenteuerlustiger Mensch, und Colin hatte es im Urlaub immer nur nach Spanien gezogen, wo er in der Sonne rösten konnte.
Inzwischen gab es keinen Colin mehr in ihrem Leben. Als sie vor drei Jahren herausgefunden hatte, dass er sie mit der Sekretärin seines Chefs betrog, hatte sie nicht lange gezögert und die Scheidung eingereicht. Colin hatte sie angefleht, sich diesen Schritt noch einmal gut zu überlegen und nicht fünf Jahre Ehe wegen eines einzigen Seitensprungs zu zerstören. Doch sie hatte sich nicht darauf eingelassen. Sie wusste, dass er sie nicht zum ersten Mal betrogen hatte, und sie bezweifelte, dass es das letzte Mal gewesen war.
Rosa hatte sich immer Kinder gewünscht, aber sie war einfach nicht schwanger geworden. Sie wusste nicht, ob es an ihr oder an Colin gelegen hatte. Jetzt war sie froh, dass sie keine hatten, denn sie wären bei der Scheidung nur die Leidtragenden gewesen.
Natürlich hatte Colin ihr die Schuld an seiner Untreue gegeben. Hätte sie mehr Zeit mit ihm statt mit ihren Schulkindern verbracht, dann hätte ihre Ehe noch eine Chance gehabt, war seine Ausrede gewesen. Doch ohne ihr Einkommen als Englischlehrerin hätte Colin sich die regelmäßigen Urlaubsreisen zum Festland gar nicht leisten können.
Das alles gehörte nun der Vergangenheit an. Manchmal schmerzte es noch ein wenig, was Colin ihr angetan hatte, doch im Großen und Ganzen war sie darüber hinweg und hatte ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Bis dann gestern der Anruf von ihrer Mutter gekommen war. Sie war vor Sorge um Sophie so außer sich gewesen, dass Rosa schließlich zugestimmt hatte, sich auf die Suche nach ihrer jüngeren Schwester zu machen.
Rosa legte die Hände aufs Geländer und seufzte. Was wäre, wenn Sophie sich gar nicht auf dieser Insel aufhielt? Sie konnte nur hoffen, dass es auf Kilfoil eine Unterkunftsmöglichkeit gab, da sie erst am nächsten Tag mit der Fähre wieder zurückfahren konnte.
Man hatte ihr gesagt, dass der Ticketschalter um neun Uhr öffnete und dass sie keine Probleme haben sollte, eine Passage nach Kilfoil zu bekommen. Offenbar ging der Hauptverkehr nach Armadale auf der Insel Skye.
Sie dagegen würde die Fähre nehmen, die zu den weiter entfernten Inseln fuhr. Sie schienen ziemlich einsam und abgelegen zu sein. Beinahe wünschte sie, ihre Mutter wäre mitgekommen. Sie wäre so froh, wenn sie jemanden zum Reden hätte.
Liam fuhr seinen Audi auf das Parkdeck und stieg aus. Ein kalter Wind schlug ihm entgegen, doch er spürte ihn kaum. Er war das raue Klima gewöhnt, auch wenn er in Hampstead aufgewachsen war. Seit zehn Jahren lebte er schon in Schottland. Genauer gesagt, seit sein erstes Buch zu einem Bombenerfolg geworden war. Ein berühmter Hollywood-Regisseur hatte es gelesen und zu einem Filmerfolg gemacht. Das war in jener Zeit gewesen, als das Leben in London angefangen hatte, für ihn unerträglich zu werden, um nicht zu sagen, lebensgefährlich.
Er fuhr sich mit der Hand über den Schenkel. Selbst durch den Stoff seiner abgewetzten Jeans konnte er die harte Narbe spüren. Er hatte wirklich großes Glück gehabt. Von allen Stichwunden, die dieser Verrückte ihm zugefügt hatte, hätte diese ihn das Leben kosten können. Das Messer hatte seine Oberschenkelschlagader durchtrennt und war durch so viele Nervenstränge und Sehnen gedrungen, dass er immer noch Probleme mit seinem Bein hatte und diese vermutlich auch nie mehr loswerden würde. Doch trotz des enormen Blutverlustes hatte er überlebt. Sein Angreifer dagegen war an den Messerstichen gestorben, die er sich anschließend selbst zugefügt hatte.
Energisch verbannte Liam alle Gedanken an dieses schreckliche Erlebnis. Das alles lag schon lange Zeit zurück. Tief atmete er die kalte Seeluft ein. Er war froh, dass er letzte Nacht noch von London zurückgefahren war und die erste Fähre nach Kilfoil nehmen konnte. Die nächste Fähre ging erst am Donnerstag, und er konnte es nicht erwarten, nach Hause und zu seiner Arbeit zurückzukehren.
Er hatte gerade seinen Wagen abgeschlossen, als seine Aufmerksamkeit von einer jungen Frau angezogen wurde, die am Ende des Docks am Geländer lehnte. Sie besaß eine Fülle rotbrauner Locken, die sie mit einem Band im Nacken zusammenhielt. Angestrengt blickte sie zur Insel Skye hinüber, deren Hügel in Regenwolken gehüllt waren.
Offensichtlich eine Touristin, ihrer leichten Kleidung nach zu schließen, dachte er bei sich. Auch wenn die Sommer hier ziemlich warm werden konnten, im Moment waren die Temperaturen eher herbstlich und bewegten sich um die fünfzehn Grad herum.
Jack Macleod, der Segelboote an Touristen vermietete, winkte Liam zu, als er von seinem Wagen zum Terminal hinüberging.
„Na, sieht man dich auch einmal wieder“, sagte er mit einem breiten Grinsen. „Wir fürchteten schon, dass du es dir mit dem Zurückkommen noch einmal überlegt hättest.“
Lässig hakte Liam die Daumen in die Gesäßtaschen seiner Jeans. Sein Baumwollhemd stand am Hals offen und gab den Blick auf sein dunkles Brusthaar frei.
„So leicht werdet ihr mich nicht los“, erwiderte er. „Mich zieht es wieder auf die Insel. Großstädte haben für mich ihren Reiz verloren.“
„Ich habe gehört, dass du nach London gefahren bist, um einen Arzt aufzusuchen?“ Jack musterte den Freund prüfend. „Doch hoffentlich nichts Ernstes?“
„Nur ein Check-up“, erwiderte Liam. Er wollte nicht in aller Öffentlichkeit über seine privaten Probleme reden. Die junge Frau am Dock schaute ohnehin schon zu ihnen herüber.
Rasch wandte sie wieder den Kopf, als wäre ihr gerade bewusst geworden, dass man ihre Blicke bemerkt hatte. Liam hatte jedoch noch ein schmales Gesicht und dunkle Augen erkennen können. Sie war ziemlich groß und sehr schlank.
„Und nun willst du also die Morgenfähre nehmen“, hörte er Jack sagen.
„Falls ich noch mitgenommen werde“, meinte Liam. Doch Jack versicherte ihm, dass Angus Gallagher ihn ganz bestimmt niemals abweisen würde.
Als Liam anschließend wieder einen Blick zum Dock warf, war die Frau verschwunden.
Unterdessen hatte Rosa sich vor dem Ticketschalter angestellt, um ihre Passage nach Kilfoil zu buchen. In ihren Jeans, den Freizeitschuhen und dem Rucksack über der Schulter hielt man sie sicher für eine Touristin. Jedenfalls schenkten ihr die anderen Touristen, die in der Warteschlange standen, keine weitere Beachtung. Im Gegensatz zu den beiden Männern, die sie vorhin auf dem Parkplatz gesehen hatte. Zumindest der eine von ihnen hatte sie sehr gründlich gemustert. Er hatte nicht übel ausgesehen mit seiner hochgewachsenen Gestalt und den breiten Schultern, die sein zerknittertes Hemd ausfüllten. Sie nahm an, dass er ein Fischer war. Wie ein Tourist hatte er jedenfalls nicht ausgesehen, und der andere Mann hatte Wattstiefel getragen.
Bestimmt waren sie Einheimische. Ob sie sich vielleicht an ein hübsches blondes Mädchen erinnerten, das letzte Woche nach Kilfoil gefahren war? Aber besser fragte sie den Kapitän oder das Personal auf der Fähre danach.
Nach Liam Jameson selbst wollte sie lieber nicht fragen. Der Mann war angeblich ein Einsiedler. Aber warum hatte er dann ein Pop-Festival in Glastonbury besucht? Um zu recherchieren? Sie bezweifelte es.
Rosa konnte immer noch nicht fassen, was Sophie sich da wieder einmal geleistet hatte. Sie hatte gehofft, dass ihre Schwester endlich ruhiger wurde und mit Mark Campion zusammenblieb. Doch nun war alles wieder infrage gestellt, weil Sophie auf diesem Pop-Festival einen anderen Mann kennengelernt hatte.
Rosa erstand ihr Ticket und ging wieder nach draußen. Die Regenwolken hatten sich ein wenig gelichtet, und zaghaft drängten sich einige Sonnenstrahlen hindurch.
Als sie am Kai wartete, sah sie den Mann wieder. Er stand mit seinem Auto in der Reihe der Wartenden. Rosa spürte, wie ihr Pulsschlag sich beschleunigte. Was für ein Zufall! Aber...




