Mather | Wohin mein Herz mich trägt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Digital Edition

Mather Wohin mein Herz mich trägt


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7515-0444-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Digital Edition

ISBN: 978-3-7515-0444-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das schillernde Manhattan hat für Olivia seinen Glanz verloren. Zuflucht sucht sie in der sanften Hügellandschaft ihrer englischen Heimat. Doch gleich am Flughafen holt die Vergangenheit sie ein: Ihr Exmann Joel Armstrong steht vor ihr. Und sofort sind all die widerstreitenden Gefühle von damals wieder da: Wut, Leidenschaft, überwältigendes Begehren. Sie weiß, dass sie nur glücklich wird, wenn sie sich ihrem Schicksal stellt.



Ich habe schon immer gern geschrieben, was nicht heißt, dass ich unbedingt Schriftstellerin werden wollte. Jahrelang tat ich es nur zu meinem Vergnügen, bis mein Mann vorschlug, ich solle doch meine Storys mal zu einem Verlag schicken - und das war's. Mittlerweile habe ich über 140 Romances verfasst und wundere mich manchmal, wie schnell alles ging. Obwohl ich als Kind und auch als Teenager praktisch ständig geschrieben habe, habe ich keine Story wirklich beendet. Wenn mein Zimmer zu chaotisch aussah, kam meine Mutter herein, sammelte alle bekritzelten Blätter ein und warf sie in den Müll. So kam es, dass das Buch, das ich verfasste, als meine Tochter ein Baby war, das erste Werk war, das ich tatsächlich abschloss. Ich fand es schwierig, zwischen dem Haushalt und dem Kind genug Zeit zu finden und schrieb in jeder freien Minute auf ein Stück Papier - nicht gerade professionell, aber so war es halt damals. Mittlerweile sind meine beiden Kinder erwachsen, und ich habe zwei entzückende Enkel, die vier und sechs Jahre alt sind.

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1. KAPITEL

Bitte anschnallen.

Automatisch überprüfte Olivia den Verschluss ihres Sicherheitsgurts, als der Hinweis über ihr aufleuchtete. Gleich darauf kam die freundliche Stimme einer Flugbegleiterin über die Lautsprecheranlage: „Meine Damen und Herren, in Kürze erreichen wir den internationalen Flughafen von Newcastle. Bitte versichern Sie sich, dass Ihr Handgepäck in dem Schließfach über Ihrem Sitz verstaut und das Tablett vor Ihnen hochgeklappt ist.“

Olivias Magen zog sich zusammen, als der Pilot zur Landung ansetzte. Schuld daran war jedoch nicht der viele Kaffee, den sie während des Flugs getrunken hatte, sondern das Bewusstsein, nach all den Jahren in ihr Heimatdorf Bridgeford zurückzukehren.

Die Landung verlief problemlos. Während die Maschine auf das Flughafengebäude zurollte, suchten die Passagiere ihre diversen Besitztümer zusammen und bereiteten sich zum Aussteigen vor. Gesprochen wurde nicht viel – von wenigen Touristen abgesehen handelte es sich bei den Fluggästen um Geschäftsreisende, die sich in Gedanken mit ihren bevorstehenden oder bereits abgeschlossenen Transaktionen befassten.

Olivia war weder zu ihrem Vergnügen noch geschäftlich unterwegs, und sie fragte sich erneut, ob es richtig gewesen war, diese Reise anzutreten. Trotz aller Versicherungen ihrer Schwester bezweifelte sie, dass ihr Vater großes Verlangen nach einem Wiedersehen mit ihr verspürte. Nachdem sie ihr Leben nicht einmal, sondern gleich zweimal verpfuscht hatte, durfte sie weder Mitgefühl noch Verständnis von ihm erwarten. Doch für derlei Überlegungen war es nun wirklich zu spät.

Die Kabinentüren wurden geöffnet, und jeder hatte es eilig, die Maschine zu verlassen. Nicht jedoch Olivia: Sie stieg als eine der Letzten aus. Fast wäre sie gestürzt, als sie sich mit einem ihrer Stilettoabsätze in der Metalltreppe verfing. Sie hätte flache Schuhe anziehen sollen, es wäre gescheiter gewesen. Aber ihr Stolz hatte wieder einmal über die Vernunft gesiegt, und um zu verbergen, wie elend sie sich fühlte, hatte sie sich besonders schick anziehen wollen.

Sie ging durch die Passkontrolle und dann zum Gepäckband, wo sie mit den übrigen Reisenden auf ihren kleinen Koffer wartete. Mehr hatte sie für den kurzen Aufenthalt, den sie plante, nicht dabei. Der Rest ihrer Sachen befand sich zur Aufbewahrung bei einer Lagerfirma in London, wo sie in Zukunft zu leben gedachte. Mit diesem Besuch in Bridgeford wollte sie sich selbst und ihrer Familie lediglich beweisen, dass sie keine Angst hatte, nach Hause zu kommen – trotz allem, was geschehen war.

Ihr Koffer war einer der ersten auf dem Gepäckband. Sie zerrte ihn herunter und machte sich langsam auf den Weg zur Ankunftshalle. Nun war es also so weit. Linda, ihre Schwester, hatte versprochen, sie abzuholen, und das war immerhin ein kleiner Trost – sie war die Verständnisvollste in der ganzen Familie.

Olivia musterte die Menschenmenge hinter der Absperrung. Viele der Wartenden hielten zur Identifizierung ein Namensschild in die Höhe, doch in der Richtung hatte sie keine Bedenken: Sie würde ihre Schwester sofort wiedererkennen. Ob das umgekehrt auch der Fall war, würde sich herausstellen.

Plötzlich blieb sie wie angewurzelt stehen. Der Koffer, den sie hinter sich herzog, stieß ihr gegen die Kniekehlen, ohne dass sie es merkte. Wie betäubt starrte sie auf den hochgewachsenen Mann, der ganz hinten in der Menge wartete und den Ausgang beobachtete – er konnte doch nicht ihretwegen hier sein! Unwillkürlich drehte sie sich um: Niemand folgte ihr; sie war inzwischen die Letzte.

Dann kam er auch schon auf sie zu. „Hallo, Olivia“, grüßte er, als er sie erreichte. „Hattest du einen guten Flug?“ Er griff nach dem Koffer.

Sie konnte es nicht glauben. „Was willst du hier?“, fragte sie nicht gerade höflich, aber das war ihr egal. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen, und das Blut rauschte ihr in den Adern. Was um alles in der Welt hatte Joel Armstrong hier zu suchen? Sie war überzeugt gewesen, dass er sie wie die Pest meiden würde. „W…wo ist Linda?“

„Daheim.“ Er ging voran, und es blieb ihr nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. „Dein Vater hat einen schlechten Tag. Sie wollte ihn nicht allein lassen.“

Olivia blinzelte. Soweit sie sich erinnern konnte, hatte ihr Vater nur schlechte Tage, aber sie schob den Gedanken gleich wieder beiseite. Ihr Kopf schwirrte, während sie versuchte, mit dem Mann neben ihr Schritt zu halten. Von dem Zwanzigjährigen, den sie vor fünfzehn Jahren das letzte Mal gesehen hatte, war kaum noch etwas zu erkennen.

Sie musterte ihn verstohlen: Die Größe hatte sich nicht geändert, doch die Schultern unter der schwarzen Lederjacke waren viel breiter als damals. Das dunkle Haar war kürzer, als sie es in Erinnerung hatte, aber noch genauso rebellisch. Ein bläulicher Bartschatten ließ das eckige Kinn noch markanter erscheinen. Was sie jetzt sah, war ein ausgesprochen männliches, ein wenig harsches Gesicht mit winzigen Falten in den Augenwinkeln und deutlich ausgeprägten Linien um den schmallippigen Mund.

Er sieht fantastisch aus, dachte sie mit einem Anflug der alten Faszination; er ist noch anziehender als früher. War sie wirklich einmal mit ihm verheiratet gewesen? Unwillkürlich fragte sie sich, ob alles anders gekommen wäre, hätte sie damals ihren Stolz unterdrückt und versucht, die Ehe zu retten.

Als sie das Flughafengebäude verließen und in den milden Aprilmorgen hinaustraten, stolperte sie und verwünschte aufs Neue ihre Aufmachung. Warum hatte sie Linda unbedingt mit ihrer schlanken Figur, dem superkurzen Designerkostüm und den hochhackigen Schuhen, in denen sie kaum laufen konnte, beeindrucken wollen? Zum Friseur war sie auch noch gegangen und ein kleines Vermögen losgeworden für die hellen Strähnchen in dem honigblonden Haar. Was wollte sie damit beweisen?

Joel war stehen geblieben, um auf sie zu warten. „Hast du dir wehgetan?“

„Nein, ich bin okay“, erwiderte sie schnell. „Wo hast du geparkt?“

„Dort drüben.“ Er ging ein wenig langsamer, um sich ihr anzupassen. „Wir können von Glück reden, dass es nicht mehr regnet. Heute Morgen war es ziemlich nass.“

„Ach ja?“ Sie schwieg. Nach fünfzehn Jahren fiel ihm nichts Besseres ein, als über das Wetter zu reden, und er fand das anscheinend auch ganz normal. Im Gegensatz zu ihr war er völlig entspannt.

Wie sehr er sich verändert hat! ging es ihr durch den Kopf. Und nicht zu seinem Nachteil.

Sie erinnerte sich, dass er nach dem Abitur, trotz hervorragender Noten, sofort auf der Farm ihres Vaters angefangen hatte, weil sie so schnell wie möglich heiraten wollten. Bei der Hochzeit ein Jahr später war sie achtzehn und er ein paar Monate über neunzehn gewesen, und jeder im Dorf hatte erwartet, dass es fürs Leben war, sie und Joel am allermeisten. Zumindest war es ihr damals so vorgekommen. Jetzt, fünfzehn Jahre später, überlegte sie, ob sie sich nicht von Anfang an in ihm getäuscht hatte, ob es nicht eine der vielen Fehlentscheidungen in ihrem Leben gewesen war.

„Wie … wie ist es dir ergangen?“, fragte sie, um das Schweigen zu überbrücken. Ihre Füße schmerzten, während sie über den Parkplatz gingen und zwischen den Autoreihen nach seinem Wagen suchten. „Es ist ein Weilchen her, seit wir uns zuletzt gesehen haben.“

Joel warf ihr einen ironischen Blick zu. Auch das war neu – früher hätte er sie nie so angesehen. Es war, als mache er sich insgeheim über sie lustig. „Du siehst gut aus. Das Leben in den Staaten scheint dir zu bekommen.“

Er irrte sich, doch das behielt sie für sich. Sonst hätte sie womöglich erklären müssen, dass ihre schlechte Verfassung nicht an dem Land selbst lag, sondern an dem Mann, dem sie dorthin gefolgt war.

Vor einem imposanten Geländewagen blieb er stehen und öffnete die Hecktür, um ihren Koffer zu verstauen. Beeindruckt betrachtete sie das luxuriöse Fahrzeug und fragte sich, ob es ihm oder der Farm gehörte. In beiden Fällen bedeutete es, dass zumindest finanziell alles zum Besten stand.

Er ging nach vorn und öffnete die Beifahrertür.

„Nicht schlecht“, bemerkte sie, während sie ungeschickt auf den hohen Sitz kletterte, wobei ihr Minirock mehr von den Schenkeln enthüllte, als ihr lieb war. Sie wünschte, Joel würde anstatt auf ihren Rücken anderswo hinschauen – sein mokantes Lächeln war ihr nicht entgangen.

„Mir gefällt er.“ Er schlug die Tür hinter ihr zu und ging zur Fahrerseite. Mit seinen langen Beinen bereitete ihm das Einsteigen natürlich keinerlei Beschwerden. „Bist du so weit?“

Ein wenig verstimmt nickte sie. Als er nach dem Lenkrad griff, bemerkte sie den Ehering an seiner rechten Hand. Nicht den, den sie ihm damals an den Finger gesteckt hatte, sondern einen neuen, breiteren. Er musste einiges gekostet haben. Bei dem Anblick verspürte sie ein seltsames Ziehen in der Magengegend.

„Bist du verheiratet?“

Sie biss sich auf die Zunge. Die Frage war unangebracht – sein Privatleben ging sie nichts an. Außerdem war es ihr auch völlig gleichgültig. Er hatte sie also ersetzt – na und?

„Stört es dich?“

„Warum sollte es?“ Sie spürte, wie ihr das Blut in die Wangen stieg, und wandte sich ab, um einem Flugzeug beim Landemanöver zuzuschauen. „Hier scheint ziemlich viel Betrieb zu sein – mehr, als ich in Erinnerung hatte.“

„Die Zeiten ändern sich.“ Geschickt lenkte er das wuchtige Fahrzeug aus der Parklücke und steuerte dem Ausgang zu. „Falls es dich interessiert – ich bin auch wieder geschieden....



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