E-Book, Deutsch, 167 Seiten
Mattes Elfentausch
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7565-2809-7
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 167 Seiten
ISBN: 978-3-7565-2809-7
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Daniela Mattes hat ihre schriftstellerische Laufbahn 2005 mit einem Kinderbuch begonnen. Seither ist sie praktisch in jedem Genre vertreten und hat neben vielen Kinderbüchern auch historische Romane, Sachbücher und esoterische Bücher veröffentlicht.
Autoren/Hrsg.
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Langeweile
Tamara, Trixi und Tina langweilten sich. Ziellos flogen die drei kleinen Elfen durch ihr Wohngebiet und an den Zwergen vorbei durch den großen Herzoginnenwald bis hin zum Spiel- und Grillplatz, wo sie immer die Menschen beobachten konnten. Diese gingen gerne in den Wald, aber hielten sich meist nur an dessen Rand auf.
Es machte ihnen keinen Spaß, sich durch das schier undurchdringliche Dickicht zu kämpfen. Sie wanderten lieber auf dem schön angelegten Wanderweg und atmeten die herrliche Waldluft oder sie grillten mit ihren Familien auf einem der Spiel- und Grillplätze, die es zu beiden Seiten dieses Weges gab.
Deshalb hatten die Menschen auch nie zuvor die Elfen und Zwerge entdecken können, die tief im Unterholz wohnten. Und sogar wenn einige Leute sich durch das Unterholz gekämpft hätten – nur ganz, ganz wenige Menschen waren überhaupt fähig, die Naturwesen wahrzunehmen. Diese wohnten nicht alle zusammen, sondern jede Gattung hübsch für sich getrennt.
Das kann man sich vorstellen wie Städte bei den Menschen. Die Elfen wohnten in Elfenhausen, die Zwerge in Zwergenheim, die Trolle in Trolllingen und die Wichtel in Wichtelhofen, die Kobolde in Koboldheim und die Gnome in Gnomfurt.
Elfenhausen besteht hauptsächlich aus Blumen, die wie kleine Hütten oder Zelte arrangiert sind. Sie sind hübsch verflochten und verwoben, ohne ausgerissen worden zu sein. Denn sonst würden die Häuser der Elfen ständig welken. Im Winter, wenn es kälter wird, müssen die Elfen sich mit Moos und Laub kuschelige Eckchen in den Bäumen und Sträuchern bauen.
Aber nicht etwa, weil sie frieren würden, (Elfen sind anders als Menschen. Sie spüren Wärme und Kälte nicht), sondern weil es im Winter ja keine Blumen gibt. Und deshalb bauen sie sich einen hübschen Zweitwohnsitz aus Moos und Laub und allem, was sie in dieser Jahreszeit finden können. Diesen Winterwohnsitz können sie jedes Jahr wieder beziehen und neu gestalten. Wenn im Sommer dann die Blumen wieder blühen, bauen sie sich wieder neue Sommerhäuser.
In Zwergenheim und Wichtelhofen sieht es ähnlich aus. Die Zwerge und Wichtel bauen gerne mit Holz und suchen sich ausgehöhlte Baumstämme oder basteln sich selbst kleine Hütten. So sind Zwergenheim und Wichtelhofen bautechnisch beinahe zusammengewachsen. Aber das stört die Bewohner nicht. Außerdem brauchen sie dann im Sommer und im Winter nicht neu an ihren Häusern zu bauen. Holz ist ja sehr beständig, und so haben die fleißigen Zwerge und Wichtel genug Zeit, sich im Wald nützlich zu machen.
Die Kobolde hingegen bauen mit allem, was sie finden. Sie haben Stein- und Holzhäuschen. Notfalls stehlen sie sich die Baustoffe gar zusammen. Obwohl sie gerissen und manchmal gemein sind, sind sie doch nicht wirklich bösartig, und die anderen drücken meist ein Auge zu, wenn wieder Baumaterial verschwunden ist.
Die Gnome haben nicht gerne mit den anderen Naturwesen zu tun. Sie leben in Grashügeln oder Höhlen oder ganz unterirdisch. Sie sind die Bergwerker, die nach Erdschätzen suchen und bei den anderen dann gegen Nahrung eintauschen. Sie sind auch hervorragende Handwerker. Gnome arbeiten gerne mit Kobolden zusammen.
Die Naturwesen haben keine richtige Arbeit und deshalb viel Freizeit und Gelegenheit, sich einfach herumzutreiben. Die drei Elfen, die gerade auf dem Weg zum Grillplatz »Hasenblick« waren, steckten schon von klein auf zusammen und vertrieben sich die Tage mit süßem Nichtstun und Spielen. Meistens flogen sie daher, wie auch heute, zum Spielplatz am Waldrand. Hier konnten die Elfen nämlich unbemerkt die Menschen beobachten und viele merkwürdige Dinge über sie lernen.
Einmal hatte eine Gruppe Jugendlicher bei einer Geburtstagsparty sogar ein kleines Fernsehgerät dabei – was für die Menschen nichts Besonderes war, aber bei den Elfen für Entzücken sorgte. So etwas gab es in Elfenhausen nämlich nicht. Deshalb flogen die drei Freundinnen ganz dicht an den Bildschirm heran, um auch ja nichts von den bewegten Bildern zu verpassen.
Fasziniert hörten sie zu, als die Jugendlichen über Kino redeten – da gab es diese Filme, wie sie die Bilder nannten, in einem riesengroßen Format. Die Elfen konnten es überhaupt nicht fassen. Da Elfen sehr alt werden und die Freundinnen deshalb ausreichend Gelegenheit hatten, die verschiedensten Menschen auf dem Spielplatz zu beobachten, waren sie recht gut über die vielfältigen Musikrichtungen und Filme informiert und hatten auch schon Bekanntschaft mit Handys, Notebooks und Gameboys gemacht.
Während Trixi und Tina zwar alles faszinierend fanden, war aber Tamara so sehr begeistert, dass sie sich nichts sehnlicher wünschte, als selbst ein Mensch zu sein, um auch in den Genuss der vielen neuen Spielereien zu kommen. Sie hatte mit ihren besten Freundinnen schon oft darüber geredet und ihnen vorgeschwärmt, war allerdings auf wenig Gegenliebe gestoßen. Nicht jede Elfe wollte ein Mensch sein!
Heute hatten sie Glück – es war ein strahlender Augustnachmittag und eine Familie war gerade beim Grillen. Familie Busch kam sehr oft und gerne hierher. Sie wohnen direkt am Stadtrand, gerade in der Nähe der Stelle, wo der Wanderweg begann. Deshalb kamen sie im Sommer und im Herbst gerne mit ihren drei Kindern Evelin, Lutz und Axel zum Spielen und Grillen hierher. Sie hatten auch die rüstigen Großeltern mit dabei, die ebenfalls gerne an der frischen Luft spazieren gingen und die Zeit genossen, die sie mit ihren Enkeln verbringen konnten.
So waren sie auch an diesem Samstag wieder um die Mittagszeit losgewandert und hatten genügend Lebensmittel dabei, um den restlichen Tag gemütlich miteinander auf dem Grillplatz zu verbringen. Oma Busch hatte sogar für alle Fälle ein Rätselheft eingepackt, damit sie sich nicht langweilen würde, falls Opa nach dem Essen lieber ein Nickerchen in der Sonne machen wollte.
Die drei kleinen Elfen bemerkten ganz erfreut, dass Menschen da waren, setzten sich unbemerkt auf die leere Schaukel und schauten dem Treiben zu. Das Essen war schon beendet und die Kinder tobten herum. Das Mädchen spielte mit seinen beiden Brüdern gerade lautstark Fangen, während die Eltern und Großeltern um das Grillfeuer saßen und sich angeregt unterhielten, ohne die Kinder dabei aus den Augen zu lassen.
»Ich glaube, ich wäre auch gerne ein Mensch«, sagte Tamara seufzend zu ihren Freundinnen. Diese kannten das Thema schon und verdrehten gereizt die Augen, was so viel heißen sollte wie »Nicht schon wieder!«
»Die haben es irgendwie gut«, fuhr Tamara fort. »Deren Leben ist doch viel interessanter. Sie können reisen, sie können ins Kino gehen, sie haben Discos ...«
»Klar«, sagte Trixi, »und sie müssen arbeiten und haben kaum Freizeit und leben in engen Häusern ...«
»Und sie können nicht einmal fliegen!«, warf Tina ein. »Da ist unser Leben doch viel spannender.« Doch mit diesen Argumenten konnten sie Tamara nicht überzeugen. Nachdenklich ließ sie den Kopf hängen und wippte mit den Beinen.
»Wenn ihr meint«, erwiderte sie daher nur. Das Gespräch verlief einfach jedes Mal genau auf dieselbe Weise. Die Freundinnen würden sie wohl nie verstehen. Sie alle waren schon 135 Jahre alt – alt genug, um genau darüber nachzudenken, was man gerne wäre. Das war zumindest Tamaras Meinung. Und sie wäre eben gerne ein Mensch.
Während die Elfen noch abwechselnd diskutierten und den Kindern beim Spielen zusahen, wurde es langsam immer später. Man hatte den Eindruck, dass die Zeit wie im Flug verging. Familie Busch machte sich allmählich wieder zum Aufbruch bereit und die Eltern riefen ihre drei Kinder zusammen. Es begann schon dunkel zu werden und man musste ja noch nach Hause laufen! Opa verkündete noch: »Beeilt euch, ich will nachher noch Fußball anschauen!«
Johlend rannten die Kinder aus dem Sandkasten den Eltern hinterher, welche die Picknicktaschen bereits gepackt hatten, und die drei kleinen Elfen blieben ganz allein auf der Schaukel zurück, die von einem lauen Wind sachte hin und her bewegt wurde – kaum merklich für einen Menschen, aber genug für eine Elfe. Gemütlich ließen sich die Elfen auf der Schaukel hin- und herschwingen und genossen diese ungewohnte Beschäftigung.
»Was meint ihr«, fragte Tamara. »Wie könnte ich es anstellen, ein Mensch zu werden?«
»Jetzt fängt die ja schon wieder an«, meinte Trixi missmutig. »Wieso willst du das denn unbedingt? Und wie solltest du das machen? Niemand kann einfach etwas anderes werden als das, was er bereits ist!«
»Naja«, gab Tina zu bedenken. »Ich habe gehört, dass die alte Sumpfhexe hinter dem Donnerberg auch die seltsamsten Wünsche erfüllen kann ...«
»Die Sumpfhexe?«, fragte Tamara ängstlich und bekam eine leichte Gänsehaut. »Und wie soll ich sie finden? Wird sie mir überhaupt helfen, wenn ich sie darum bitte? Und will sie eine Belohnung haben, falls sie mich verwandeln kann?«
»Woher soll ich das alles wissen?«, fragte Tina entgeistert. »Meinst du, ich wäre mit der Hexe befreundet? Ich habe das auch nur gerüchtweise von der alten Elfenoma Stella gehört, die angeblich vor 800 Jahren ein Mal die Hexe getroffen hat. Aber ich habe auch gehört, dass es gefährlich ist, zu ihr zu gehen und deshalb würde ich dir unbedingt davon abraten. Du bist doch eine Elfe und das ist gut so. Warum solltest du das ändern? Und überhaupt, du könntest so eine gefährliche Reise niemals allein unternehmen!«
»Würdest du etwa mitkommen?«, fragte Tamara hoffnungsvoll.
»Natürlich nicht, ich bin ja nicht verrückt! Und außerdem bin ich...




