Mattes | Keshira | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 312 Seiten

Mattes Keshira

Die Ausgestoßene
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7407-2205-0
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Ausgestoßene

E-Book, Deutsch, 312 Seiten

ISBN: 978-3-7407-2205-0
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die junge Mondhexe Keshira ist mit ihrem Bruder Mischka auf einer geheimen Mission unterwegs, als dieser von den Bauern von Okep gefangengenommen und gefoltert wird. Um ihn zu befreien, löscht sie das gesamte Dorf aus - ein Sakrileg für die friedlichen Hexen. Daher wird sie auch unmittelbar nach der Tat zur Strafe verbannt und darf nie wieder nach Hause zurückkehren. Auf der Suche nach einem Unterschlupf gerät sie in die Fänge einer Bande Nekromanten, die gerade mithilfe eines uralten Relikts den mächtigsten bösen Zauberer aller Welten wiedererwecken wollen, um das Land unter ihre Kontrolle zu bringen. Keshira kann jedoch mit dem Relikt fliehen - und wird von da an von den Nekromanten gejagt. Zuflucht bietet nur der dunkle Wald, in dem sie sich verstecken und verteidigen muss - bis zum Tag der Großen Schlacht, in der alle 12 weißmagischen Völker gegen die Schwarzmagier antreten müssen ...

Daniela Mattes, geb. 1970, Diplom-Verwaltungswirtin (FH) hat ihre schriftstellerische Laufbahn 2005 begonnen. Seither ist sie praktisch in jedem Genre vertreten und hat neben Zeitungsartikeln auch in verschiedenen Verlagen Kinderbücher, Fantasybücher, historische Romane und esoterische Bücher veröffentlicht. Für den Ancient Mail Verlag hat sie bereits einige Bücher ins Deutsche übersetzt.
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DAMALS …


DIE MISSION


© Martina Nowak)

Keshira rannte keuchend durch den dunklen Wald und ihr Atem bildete in der Kälte kleine Dampfwölkchen vor ihrem Mund. Sie hörte die stampfenden Schritte und die wütenden Schreie der Dorfbewohner immer näher kommen.

Bestimmt würde sie das Tempo nicht mehr lange durchhalten. Mit letzter Kraft warf sie sich ins dichte Gebüsch und zerrte mit klammen Fingern an ihrem Lederbeutel.

Rasch holte sie das kleine Stück Mondstein hervor, das sie neben der Eulenfeder stets bei sich trug. Ihre linke Hand schloss sich eng um den Stein, der in ihrer Hand zu glühen begann, und sie murmelte rasch die notwendigen Zauberworte. Sekunden später war sie für ihre Verfolger unsichtbar.

Die Dorfbewohner stampften mit Laternen und Fackeln an ihrem Versteck vorbei, ohne sie zu entdecken. Erst als es um sie herum still geworden war, packte sie den Mondstein wieder in den Beutel und zwängte sich durch das Gebüsch auf den schmalen Waldweg zurück.

Sie taxierte die Umgebung. Auf dem Weg konnte sie nicht stehen bleiben, das wäre Selbstmord. Trotz der Kälte riss sie sich zusammen und kletterte behände auf die nächste hohe Eiche.

Kraft für eine Verwandlung hatte sie nach dem Unsichtbarkeitszauber nicht mehr. Also konnte sie nur hoffen, dass sie hoch genug im Geäst saß, um den Menschen nicht weiter aufzufallen. Sie setzte sich mit dem Rücken gegen den Stamm und schlug den gefütterten Mantel enger um sich. Ihr Blick suchte den Mond.

Trotz der 12jährigen Ausbildung, die sie und ihr Bruder seit frühester Kindheit genossen hatten, war ihre Mission, die Nachfolgerin der altehrwürdigen Mutter zum Rat der Zwölf zu geleiten, gescheitert.

Dabei waren die Eltern der beiden Mondhexen so stolz darauf gewesen, dass gleich beide Kinder dazu auserwählt worden waren, und hatten sie bei der Ausbildung in Kampfkunst, Verwandlung, Heilung und allgemeiner Zauberei stets unterstützt.

Die Geschwister waren dadurch stärker zusammengewachsen, denn nur wenn sie ein eingespieltes Team waren, konnten sie allen Gefahren trotzen und später einmal ihre Aufgabe erfolgreich erfüllen.

Während sie aufmerksam auf die Geräusche im Wald unter sich lauschte, schweiften ihre Gedanken ab, und sie erinnerte sich daran, wie alles begonnen hatte und wie stolz sie darauf gewesen war, auserwählt worden zu sein.

Die Kehrseite der Medaille hatte sie immer erfolgreich verdrängt. Oberstes Gebot war es nämlich, die Mission auf jeden Fall erfolgreich durchzuführen, auch wenn dabei der Partner auf der Strecke blieb.

Nie hätte sie damit gerechnet, dass es tatsächlich einmal so weit kommen würde. Und jetzt? Ihr Partner war immerhin nicht nur ihr Partner bei einer Mission, sondern ihr Bruder, ihr Vertrauter aus Kindertagen und ihr bester Freund. Eine tiefere Liebe zwischen zwei Geschwistern hatte es wohl noch nie zuvor gegeben. Sie hätte alles für ihren Bruder getan und er für sie.

Und jetzt? Ihr Bruder war gefangen, die Nachfolgerin verschwunden und sie saß, unfähig, sich zu verwandeln, auf einem Baum fest. Sie hätte vor Wut weinen und schreien können. Doch sie nahm sich zusammen und blieb ruhig. Sie würde einen Weg finden, alles wieder in Ordnung zu bringen. Sie musste nur erst ihre Gedanken ordnen.

Keshira schlang den Mantel enger um sich und versuchte, keine Bewegung und kein Geräusch zu machen, in der Hoffnung, dass die Dorfbewohner sie übersehen würden. Noch ging ihr Atem zu schnell, daher konzentrierte sie sich darauf, ihn tiefer und ruhiger werden zu lassen.

Sie senkte den Kopf und versuchte, nach unten, in den Kragen ihres Mantels, auszuatmen, um die kleinen Wölkchen zu verstecken, die sich beim Ausatmen bildeten. Sie zog die Beine nahe an den Körper, versuchte, das Gleichgewicht zu halten und legte dann die Stirn auf die Knie. Sie schlang den Mantel erneut um sich, sodass sie aussah wie eine große Kugel, und umklammerte mit den Armen ihre Beine.

So blieb sie unbeweglich sitzen, bis sie von einem leisen Geräusch aufgeschreckt wurde. Sie lauschte angespannt genauer in die Dunkelheit hinein.

hörte sie es von Weitem und ihr Herz machte einen freudigen Satz. Sie antwortete in der Eulen-Sprache und gab dadurch ihre Richtung bekannt. Das Flügelschlagen kam näher und dann spürte sie das Gewicht der Mond-Eule auf ihrer rechten Schulter. Durch die Berührung war es ihr möglich, sich mit ihr auf telepathische Weise zu verständigen.

Keshira war froh, dass die Gebieterin, wie der Titel der noch nicht ins Amt eingesetzten Altehrwürdigen Mutter lautete, wieder aufgetaucht war. So hatte sie schon einmal ein Problem weniger zu lösen.

forderte die Mondhexe sie auf. Mit großen Augen starrte die zukünftige Herrscherin über das Volk der Mondhexen sie an.

Die Mondhexen-Eule plusterte sich kurz auf, um das Gefieder zu ordnen.

sagte sie kopfschüttelnd.

Die Gebieterin musste sich sehr wundern, dass die Kinder sich nicht richtig versteckt hatten, so wie sie selbst, und anscheinend vor Angst ihre gute Ausbildung völlig ausgeblendet hatten. Ja, sie waren noch jung, jünger als die Begleiter normalerweise waren, aber dennoch hätte das nicht passieren dürfen.

Und vor allem nicht, sich so ungünstig zu verstecken, dass man sich gleich noch mit Mensch und Tier anlegte. Denn die Gebieterin hatte sehr wohl vor ihrem geistigen Auge gesehen, was geschehen war. Sie wollte es aber von Keshira persönlich erfahren.

Der Vorwurf in der Stimme der Gebieterin war unüberhörbar. Keshira ließ den Kopf sinken.

flüsterte sie leise.

Keshiras Augen füllten sich mit Tränen der Wut und Verzweiflung beim Gedanken an die Szene, die sich kurz zuvor im Dorf abgespielt hatte. Sie war zwar während der Ausbildung auf alles vorbereitet worden und wusste, dass die Mission über allem stand, aber sie vermisste ihren Bruder und es war ihr nicht leicht gefallen, ihn zurückzulassen. Lieber wäre sie bei ihm geblieben und hätte ihn in Sicherheit gebracht. Doch sie musste auch an ihr Volk denken!

Unter dem neugierigen Blick der Mondhexe erzählte sie stockend, wie es weitergegangen war.

Keshira wischte sich mit dem Ärmel des Mantels die Tränen aus dem Gesicht, bevor sie weiter erzählte.

Sie schluchzte kurz auf, konzentrierte sich jedoch sofort wieder darauf, ruhig zu sein. Sie wollte die Verfolger nicht auf ihre Spur locken. Sie würde damit leben müssen, dass sie ihren Bruder zurückgelassen hatte.

Obwohl sie doch ganz genau wusste, was ihm blühte. Denn einige Bewohner des Landes der sieben Monde waren immer erpicht darauf, eine Mondhexe zur Strecke zu bringen, um ihr ihre Zauberkräfte abzunehmen.

Falls möglich unter Gewaltandrohung oder Folter. Wenn nötig, wurde die Hexe einfach getötet und ihr Blut getrunken, um zumindest einen Teil der Kräfte für kurze Zeit zu erhalten.

Denn nur...



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