Matthews | Das Lied des roten Landes | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 358 Seiten

Matthews Das Lied des roten Landes

Australienroman | Eine mutige Frau, die über ihr eigenes Schicksal bestimmt - und ihre Liebe
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-420-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Australienroman | Eine mutige Frau, die über ihr eigenes Schicksal bestimmt - und ihre Liebe

E-Book, Deutsch, 358 Seiten

ISBN: 978-3-98952-420-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Im Land der Hoffnung und Gefahren ... Ende des 18. Jahrhunderts. Bereits als Kind muss Hope Blackstock die beschwerliche Reise auf einem Sträflingsschiff in das ferne Australien antreten. Nur dank der Hilfe des jungen Christopher Starke gelingt es ihr, hier mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Charity ein neues Leben zu beginnen. Einige Jahre später stürzt ein erbitterter Kampf zwischen dem Gouverneur und der englischen Krone um das Alkohol-Monopol das Land ins Chaos. Um für sich und Charity eine bessere Zukunft zu sichern, soll Hope, die inzwischen zu einer schönen jungen Frau herangewachsen ist, einen reichen Mann heiraten - doch insgeheim schlägt ihr Herz schon seit Langem für Christopher. Als dieser im Krieg zwischen die Fronten gerät, muss Hope eine schwere Entscheidung treffen ... Ein mitreißender Australienroman für alle Fans von Elizabeth Haran und Ulrike Renk.

Patricia Matthews (1927-2006) wurde in San Francisco geboren, studierte in Los Angeles und lebte später viele Jahre in Prescott, Arizona. Nach dem Scheitern ihrer ersten Ehe begann sie, sich intensiv dem Schreiben zu widmen - so lernte sie nicht nur ihren zweiten Ehemann, den Schriftsteller Clayton Matthews kennen, sondern legte auch den Grundstein zu einer internationalen Karriere. Patricia Matthews, die unter zahlreichen Pseudonymen veröffentlichte, schrieb zwischen 1959 und 2004 über 50 Bücher, vom Liebesroman bis zum Krimi. Für ihr Werk wurde sie mit dem »Reviewers Choice Award« und dem »Affaire de Coeur Silver Pen Readers Award« ausgezeichnet. Bei dotbooks erschienen Patricia Matthews Romane »Das Lied des roten Landes«, »Wenn die Magnolien blühen«, »Der Wind in den Zypressen«, »Der Traum des wilden, weiten Landes«, »Der Stern von Mexiko«, »Das Lied der Mandelblüten«, »Der Himmel über Alaska«, »Die Brandung von Cape Cod«, »Der Duft von Hibiskusblüten«, »Die Jasmininsel«, »Wo die Anemonen blühen« und die »Virginia Love«-Saga mit den Einzelbänden »Der Traum von Malvern Hall« und »Das Vermächtnis von Malvern Hall«. Die Virginia-Love-Saga ist auch in dem Sammelband »Malvern Hall« erhältlich.
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Kapitel 1


Botany Bay, New South Wales, 1791

Der Hafen war unbestreitbar großartig. Die Bucht bestand aus vielen kleinen Einschnitten, in denen das Wasser vor der Meeresbrandung geschützt ruhte. Von der Küstenlinie stiegen sanfte Hügel zum Landesinneren an. Langsam näherte sich das Schiff der felsigen Landzunge von Sydney Cove.

Faith Blackstock drückte die zweijährige Charity enger an sich, die in ihren Armen schlief. Die fünfjährige Hope stand neben ihrer Mutter und zitterte vor Aufregung. Ein scharfer Wind trug die ersehnten Gerüche des Festlandes nach Erde, Feldfrüchten, Rauch von Holzfeuer heran. Trotz der tiefen Erschöpfung und der Niedergeschlagenheit fühlte Faith Blackstock, wie sich ihre Lebensgeister regten. Was auch immer sie in New South Wales erwarten mochte, es mußte besser sein als das, was sie während der scheinbar endlosen Seereise an Bord des Sträflingsschiffes erduldet hatten. Zum mindesten würden sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Faith Blackstock legte die Hand auf Hopes blondes Haar und betrachtete die Bucht, der sie immer näher kamen. Ein Felsvorsprung wies wie ein ausgestreckter Finger in die See hinaus. Zu seiner Linken ergoß sich ein Strom in die Bucht. Dahinter wurden mehrere Hütten von absonderlichem Aussehen sichtbar. Sie schienen aus Rinde, Blättern und Schlamm gebaut, im Gegensatz zu einigen größeren Gebäuden aus Holz, Stein und Ziegeln im Hintergrund. Gummibäume wuchsen bis zur Küste herunter. Buntgefiederte Vögel, wahrscheinlich Papageien, flogen kreischend von Ast zu Ast.

»Mama?«

Eine kleine Hand zupfte an Faith Blackstocks Kleid. Sie schaute in das Gesicht ihrer älteren Tochter, die zu ihr aufsah. Aschblondes Haar ringelte sich um das herzförmige Antlitz. Jetzt waren die Locken verfilzt und glanzlos, die Haut schmutzig und noch blasser als sonst. Die grünen Augen jedoch strahlten, und Freude erfüllte das Herz der Mutter. Inmitten der hungernden, unter elenden Bedingungen an Bord lebenden Menschen glich dieses Kind einer Blume, die sich zielstrebig durch die Dunkelheit ans Licht kämpfte, ohne etwas von der aufblühenden Schönheit zu verlieren. Acht Monate lang hatte die kleine Hope heftige Stürme, karge oft verdorbene Nahrung und den Mangel an Schlaf ertragen, ohne sich zu beklagen.

Überleben, das war die einzige Devise auf dem Schiff gewesen. Schlechtes Wetter hatte vorgeherrscht, Frischwasser war immer knapp gewesen, und die Ratten tummelten sich in den Schlafräumen. Zum Waschen mußten sie Salzwasser verwenden, das wie Feuer auf der Haut brannte. An die Säuberung der Kleider war nicht zu denken gewesen.

Viele Menschen waren auf der Überfahrt gestorben. Das Gerücht hielt sich hartnäckig, daß dies sogar den Kapitänen der dritten Flotte sehr gelegen käme. Es gäbe ihnen die Gelegenheit, die restlichen Rationen in Sydney Town mit hohem Gewinn zu verkaufen.

Während Faith und die kleine Charity gleich zahllosen anderen Passagieren unter der Seekrankheit und den anderen häufigen Übeln an Bord gelitten hatten, von denen kaum jemand verschont worden war, war Hope während der ganzen Reise gesund und munter geblieben.

»Mama«, wiederholte die Kleine, »werden wir hier an Land gehen und hier leben?«

Faith Blackstock lächelte. Sie versuchte, sich hoffnungsvoll zu geben, so wenig sie auch davon empfinden mochte. »Ja, Liebling, dies wird unsere neue Heimat werden. Natürlich wird alles hier für dich und Charity am Anfang ungewohnt sein und sonderbar. Aber das ist schnell vorbei. Laß dich nur nicht entmutigen.«

»O nein, Mama«, sagte das Kind beherzt. »Ich werde ganz tapfer sein, wie du es uns gesagt hast, als wir von zu Hause weggegangen sind.«

Die Mutter zog das kleine Mädchen enger an sich heran. Tränen trübten ihr den Blick, während sie auf die Küstenlinie blickte, die immer näher rückte. Faith Blackstock wußte nur zu gut, daß es mit Tapferkeit allein noch lange nicht getan sein würde.

Nun bewegte sich auch Charity und wimmerte leise. Faith streifte die Wangen des Kindes mit den Lippen, redete ihm zärtlich zu. Charity war gerade zwei Jahre alt gewesen, als sie England verlassen hatten. Faith Blackstock hatte gebangt, ihre Jüngere würde die äußerst anstrengende Überfahrt gar nicht überleben. Doch überraschenderweise war Hope eine große Hilfe gewesen. Immer, wenn die Mutter zu erschöpft war oder sich zu elend fühlte, sich um die Kleine zu kümmern, versorgte Hope ihre Schwester. Auch klagte Hope nie, wenn die Jüngere den größeren Anteil der überaus kargen Kost bekam. Nur so hatte Charity überleben können.

Faith Blackstock spürte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. Sie liebte ihre beiden kleinen Töchter über alles. Wenn sie ihnen nur ein besseres Schicksal hätte bieten können als dieses. Aus der Heimat vertrieben, wurde Faith Blackstock mit ihren Kindern übers Meer zu einer Sträflingssiedlung in einem fremden, fernen Land gebracht. Ein Leben lang würden die Schwestern gebrandmarkt sein als Töchter einer überführten Diebin, die in die Verbannung geschickt worden war.

Wann nur hatte diese unglückselige Verkettung unheilvoller Ereignisse überhaupt begonnen? Gewiß nicht erst, nachdem Luther Blackstock sie verlassen hatte. Wahrscheinlich war alles schon entschieden gewesen, als Faith ihn geheiratet hatte.

Jetzt noch klangen Faith die warnenden Worte ihres Vaters in den Ohren. Dabei fiel es ihr schwer, sich sein zorniges Gesicht vorzustellen.

»Hör mir gut zu, Mädchen«, hatte er hart gesagt, »heirate diesen Mann, aber du wirst diesen Tag noch einmal verfluchen. Wer aus der Gosse kommt, aus den Elendsvierteln von London, an dem bleibt für immer etwas hängen. Jetzt will er dich nur haben, um nach oben zu gelangen. Später wird er dich schwängern und dich verlassen, ohne dir auch nur einen Penny zu geben. Glaube ja nicht, daß du dann zu mir zurückkehren kannst. Ich habe dich gewarnt. Du hast nicht hören wollen. Alles andere ist einzig und allein deine Sache!«

Ein trauriges Lächeln huschte jetzt über Faiths Gesicht. Bis zu dieser Stunde wußte sie nicht, ob ihr Vater wirklich eine so tiefe Menschenkenntnis besessen hatte oder einfach nur pessimistisch gewesen war. Jedenfalls war alles genauso gekommen, wie er es vorausgesehen hatte. Als Tochter eines wohlhabenden Kaufmannes in Bath war Faith mit einem gewissen Komfort aufgewachsen. Ihre Mutter war an den Pocken gestorben, als Faith gerade fünfzehn Jahre alt gewesen war. Danach hatte Faith es fertiggebracht, ihrem verwitweten Vater die Wirtschaft zu führen. Er hatte keine Anstalten gemacht, ein zweites Mal zu heiraten. Faiths einziger Bruder, mit dem sie sich nie recht verstanden hatte, war zur See gegangen. Das Leben im Haus des Vaters war somit ruhig verlaufen, geprägt von bescheidenem Wohlstand.

Nach der Hochzeit mit Luther Blackstock freilich hatte sich alles schlagartig verändert. Dieser Mann hatte die unerfahrene Faith mit seinem guten Aussehen geblendet, mit seinem Charme für sich eingenommen. Als er sie verließ, trug Faith ihr zweites Kind unter dem Herzen. Er gab ganz ungeniert zu, daß er immer damit gerechnet hatte, ihr Vater würde ihr eines Tages verzeihen. Luther Blackstock war ganz sicher gewesen, daß der alte Mann nach geraumer Zeit einlenken und seiner Tochter ein zwar verspätetes, doch beachtliches Einkommen aussetzen würde. Darin hatte sich Luther Blackstock freilich geirrt. Der unversöhnliche Vater starb zwei Jahre später an einem Blutsturz, ohne seiner Tochter einen Penny zu hinterlassen.

Faiths Ehemann hatte sie sitzenlassen, ohne auch nur einen Moment zu zögern. Es hatte keinen Ort gegeben, wohin sie sich hätte flüchten, kein Geld, von dem sie sich und die Kinder hätte ernähren können.

Faith schüttelte den Kopf, als könnte sie damit die Erinnerung aus jenen Tagen verscheuchen. Doch das würde ihr nie gelingen, und sie wußte es auch. Niemals konnte Faith die schmutzige, entwürdigende Fron vergessen, wenn sie Arbeit gefunden hatte, niemals die Zeit, als sie schwanger gewesen, und später als Mutter zweier hungriger Kinder gestohlen hatte, um überleben zu können.

Heißer Zorn stieg jetzt noch in ihr auf, wenn sie daran dachte, welchen Preis sie dafür hatte bezahlen müssen. Sie hatte nicht gestohlen, um sich zu bereichern oder ihre Gier zu stillen, sondern nur, um ihre kleinen Töchter nicht verhungern zu sehen. Ein einziger Laib Brot, der beinahe nichts gekostet hätte, hatte Faith Blackstock der Freiheit beraubt.

Nie würde sie die Worte jenes strengen Richters mit dem geröteten Gesicht vergessen. »Faith Blackstock, schuldig und zur Deportation für fünfzehn Jahre verurteilt.«

Ein Laib Brot! Verbannung aus der Heimat war der Preis gewesen, den eine Mutter dafür bezahlen mußte, daß sie ihre Kinder vor dem Hungertod hatte retten wollen. Immer noch quälte sie die Scham, wenn sie an die Stunden dachte, die sie mit ihren Töchtern an den Docks gewartet hatte, bevor sie an Bord des Sträflingsschiffes gehen konnten, umgeben von johlenden Gassenbuben, die sie mitleidlos verspottet und verhöhnt hatten. Diebesgesindel, Räuber, Verbrecher, dafür bestimmt, über das Meer zu segeln in die Strafkolonie von Botany Bay in New South Wales.

Charity stieß einen spitzen Schrei aus, und die Mutter begriff, daß sie wohl unwillkürlich das Kind zu heftig an sich gedrückt hatte. Sie versuchte, die Kleine zu beruhigen. Im Gegensatz zu Faith und Hope, die beide blond waren und regelmäßig geschnittene Gesichter hatten, war Charity dunkel wie der Vater. Die Züge erinnerten Faith an ihre eigene Mutter, die hübsch, doch schwach und hinfällig gewesen war. Obwohl Charity recht klein war für ihr Alter, spürte die erschöpfte Faith doch das Gewicht des Kindes....



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