Matthews | Die Brandung vor Cape Cod | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 359 Seiten

Matthews Die Brandung vor Cape Cod

Roman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96655-607-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 359 Seiten

ISBN: 978-3-96655-607-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Im Sturmwind leidenschaftlicher Gefühle: Der dramatische Liebesroman »Die Brandung vor Cape Cod« von Patricia Matthews jetzt als eBook bei dotbooks. Die raue Ostküste in der Mitte des 19. Jahrhunderts: Solange Marianna denken kann, gab es für sie nie etwas anderes als den Sturm und den Tod - die Strandräuber, bei denen sie leben muss, locken Schiffe auf Sandbänke und plündern sie aus. Als nach einem dieser Raubzüge der verletzte Phillip Courtright ans Ufer gespült wird, kann Marianna ihn nicht seinem Schicksal überlassen. Sie pflegt den attraktiven Anwalt gesund - und bringt sich damit selbst in größte Gefahr. Im letzten Moment können die beiden fliehen ... aber gibt es für Marianna eine Zukunft im noblen Boston? Als sie Adam Street kennenlernt, den Kapitän eines Walfangschiffes, ist sie hin- und hergerissen zwischen Festland und Meer, zwischen Kultiviertheit und raubeinigem Charme, zwischen dem, was Sicherheit bedeuten könnte und dem, was ihr Herz sich wünscht ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der fesselnde historische Liebesroman »Die Brandung vor Cape Cod« von Patricia Matthews. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Patricia Matthews (1927-2006) wurde in San Francisco geboren, studierte in Los Angeles und lebte später viele Jahre in Prescott, Arizona. Nach dem Scheitern ihrer ersten Ehe begann sie, sich intensiv dem Schreiben zu widmen - so lernte sie nicht nur ihren zweiten Ehemann, den Schriftsteller Clayton Matthews kennen, sondern legte auch den Grundstein zu einer internationalen Karriere. Patricia Matthews, die unter zahlreichen Pseudonymen veröffentlichte, schrieb zwischen 1959 und 2004 über 50 Bücher, vom Liebesroman bis zum Krimi. Für ihr Werk wurde sie mit dem »Reviewers Choice Award« und dem »Affaire de Coeur Silver Pen Readers Award« ausgezeichnet. Bei dotbooks erschienen Patricia Matthews Romane »Das Lied des roten Landes«, »Wenn die Magnolien blühen«, »Der Wind in den Zypressen«, »Der Traum des wilden, weiten Landes«, »Der Stern von Mexiko«, »Das Lied der Mandelblüten«, »Der Himmel über Alaska«, »Die Brandung von Cape Cod«, »Der Duft von Hibiskusblüten«, »Die Jasmininsel«, »Wo die Anemonen blühen« und die »Virginia Love«-Saga mit den Einzelbänden »Der Traum von Malvern Hall« und »Das Vermächtnis von Malvern Hall«. Die Virginia-Love-Saga ist auch in dem Sammelband »Malvern Hall« erhältlich.
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Kapitel 1


Der Wind versprühte peitschend die salzige Gischt, und Marianna Harper drehte dem Windstoß den Rücken zu, wobei sie ihr Kinn in den großen Kragen des Herrenmantels vergrub, den sie anhatte. Ihre Hände, die sie tief in die Manteltaschen gegraben hatte, waren bereits gefühllos geworden, und ihre Füße schmerzten trotz Gummistiefeln vor Kälte und Nässe.

Der Sturm tobte schon seit dem späten Nachmittag; er türmte die Wellen zu riesigen, gezackten Brechern auf, die sich gegen die Sandbänke warfen, als wollten sie sie zerstören. Der Wind wehte mit einer Geschwindigkeit von mindestens sechzig Knoten und heulte furchterregend über den Strand.

In der Hütte war es schon ungemütlich genug gewesen – durch das lecke Dach tropfte kaltes Wasser, der Wind drang durch jede Ritze und ging einem eisig kalt durch Mark und Bein – aber hier, vor der dunklen, tobenden Masse des Wassers, war es schier unerträglich, und nur Mariannas Angst vor Ezekial Throag und den anderen ließ sie auf ihrem Posten ausharren.

Von der tosenden See her konnte sie den Klang einer wild läutenden Schiffsglocke hören. Es hörte sich an wie ein schrecklicher Hilfeschrei.

Einen Moment lang verspürte Marianna heftiges Mitleid mit den armen Seelen auf dem Schiff, das jetzt gleich den Sandbänken zum Opfer fallen würde.

Für gewöhnlich bemühte sie sich, nicht an so etwas zu denken, weil es nur verwirrte und unglücklich machte; aber manchmal, wenn sie so wie jetzt wartete und ihren Gedanken freien Lauf lassen konnte, konnte sie nicht umhin, an die armen Menschen dort draußen zu denken, die jetzt ertrinken mußten, oder – sollte das Meer sie verschonen – von Ezekial Throag und den anderen erschlagen werden würden. Schließlich waren das Menschen genau wie sie, und sie mußte einfach daran denken, wie ihnen wohl zumute war, wenn ihr Schiff unter ihnen zerbrach. Marianna wußte, was Ezekial Throag und die anderen zu solchen Gedanken sagen würden. Sie würden sie für verrückt halten und sie verspotten und quälen. Aber trotzdem wurde ihr oft bewußt, daß das, was sie taten, großes Unrecht war.

Sie fragte sich auch oft, wie Ezekial Throag es schaffte, die Ankunft eines Schiffes immer rechtzeitig zu erahnen – er irrte sich so gut wie nie. Es war beängstigend – es schien fast, als besäße er einen furchterregenden, geheimnisvollen sechsten Sinn, der ihm alle Schiffe ankündigte, die in der Nähe der Sandbänke vorbeikamen.

Marianna lugte hinter dem Felsen vor, hinter dem sie vor dem schneidenden Wind Schutz gesucht hatte. Etwa fünfzig Meter südlich konnte sie am Strand das gelbe Leuchten der riesigen Öllampe sehen, die im Wind flackerte.

Von diesem Licht würden die Schiffe Abstand halten, weil sie es für das warnende Feuer eines Leuchtturmes hielten. Dadurch liefen sie unweigerlich auf die gefährlichen Sandbänke auf, der untere Teil des Schiffes zerbarst, und Passagiere und Ladung wurden in das eisige Wasser geschleudert.

Das war dann der Augenblick, in dem Marianna und die anderen sich an die Arbeit machten. Sie alle – Männer, Frauen und Kinder – wateten dann in die Brandung und zogen alles an Land, wofür sie zerstört und getötet hatten. So sorgten sie für ihren Lebensunterhalt. Sie waren Strandräuber.

Plötzlich klang die Schiffsglocke verblüffend nah; ihr Läuten wurde von einer Windbö herangetragen. Und dann glaubte Marianna trotz des Heulens des Sturmes den letzten Todesschrei des Schiffes zu hören – das laute, ächzende Geräusch zerberstenden Metalls und splitternden Holzes.

Auf Throags donnerndes Kommando hin flammten entlang des Ufers große Feuer auf. Das war das Signal. Jetzt mußte sie sich an die Arbeit machen.

Sie konzentrierte sich darauf, nur an die vor ihr liegende Arbeit zu denken, nahm die Hände aus den immerhin etwas wärmeren Taschen und stapfte zum Ufer, wo sie die Dunkelheit nach treibenden Kisten, Truhen oder anderen Dingen absuchte.

Das Wasser war eisig, und sie wagte sich nicht zu nahe heran, weil sie Angst davor hatte, selbst ins Meer gespült zu werden. Dort! Auf der weißen Schaumkrone eines Brechers kam ein Fäßchen angetrieben.

Geschickt fischte Marianna es mit ihrem Haken heraus, packte es und schleppte es so weit auf den Strand, daß die Wellen es nicht mehr erreichen konnten. Über den Strand verteilt konnte sie verschwommen die anderen Strandräuber erkennen, die ihrer Arbeit nachgingen. Marianna ließ das Fäßchen am Strand zurück und seufzte leise. Wenn alles vorbei war und sie alles eingesammelt hatten, würden sie zu ihren Hütten zurückkehren, und sie wußte schon, was sie dann erwartete.

Nach einem Plünderzug war Jude Throag immer lüstern wie ein Bock. So müde und durchnäßt sie auch war, er würde sie haben wollen. Er nahm sie ohnehin fast jede Nacht, aber nach einem erfolgreichen Fischzug – der ihn auf rätselhafte Weise zu erregen schien – war er immer unersättlich, nahm sie drei- oder viermal und setzte ihrem Körper so lange zu, bis sie glaubte, es nicht länger ertragen zu können.

Manchmal wünschte Marianna, sie wäre nie erwachsen geworden. Als Kind war alles viel leichter gewesen. Damals mußte sie nur ihre Arbeit tun und den Mund halten, um ihren Frieden zu haben. Aber jetzt, jetzt war alles anders. Letztes Jahr war sie vierzehn geworden, und ihr Körper hatte sich verändert. Ihr Busen war gewachsen, sie hatte an bisher glatten und bloßen Stellen Haare bekommen, und ihre Hüften hatten sich gerundet.

Da hatten die Männer plötzlich Notiz von ihr genommen. Ihr Benehmen ihr gegenüber hatte sich verändert; sie verscheuchten sie nicht mehr wie ein Kind, sondern machten häßliche, vulgäre Scherze und kniffen sie, wenn sie sich zeigte. Wie sie die Kneiferei haßte!

Und dann war sie fünfzehn geworden, und Jude – Ezekial Throags Sohn und Stellvertreter – hatte sie sich als Frau ausgesucht. Mariannas Mutter hatte ihrer Tochter an ihrem fünfzehnten Geburtstag ohne Umschweife erklärt, daß sie Judes Frau werden sollte. Der Gedanke hatte sie zugleich erschreckt und abgestoßen. Jude war alt, mindestens dreißig, und ein großer, pöbelnder Prahlhans. Außerdem hatte er schon eine Frau, den Rotschopf Jenny, die mehrere Jahre mit ihm gelebt hatte.

Aber ihre Mutter hatte auf ihre Einwände nur den Kopf geschüttelt. »Jenny soll gehen«, beharrte sie. »Das hat mir Jude selbst gesagt. Er will dich, Mädchen. Du solltest dich freuen. Er ist der Sohn des Anführers. Er ist stark, und wenn Ezekial abtritt, wird Jude seinen Platz einnehmen. Dann wirst du die Frau des Anführers sein.«

Dabei hatte sich der Mund ihrer Mutter zu einem widerlichen Lächeln verzogen, und Marianna hatte gewußt, daß ihr keine Wahl bleiben würde.

So hatte man sie also Jude Throag überlassen, der sie im Schlafzimmer ihrer Mutter lieblos und brutal entjungfert hatte, während die anderen im Nebenzimmer getrunken und gelacht hatten. Es hatte weh getan, und Marianna hatte es nicht gemocht. Sie verstand nicht, warum die rothaarige Jenny geweint und sie haßerfüllt angesehen hatte. Jenny hätte doch eigentlich froh sein müssen, daß sie ihren Frieden hatte und jemand anderer ihren Platz einnahm. Später hatte Marianna versucht, mit Jenny zu reden, aber Jenny hatte den Abdruck ihrer Hand auf Mariannas Gesicht hinterlassen und war davonmarschiert. Eine der anderen Frauen, die alte Mary, hatte Marianna schließlich erklärt, daß Jenny eifersüchtig und traurig darüber sei, ihren Mann an eine andere verloren zu haben. Marianna hatte es damals nicht verstanden, und sie verstand es bis heute nicht. Natürlich hatte sie über Sex Bescheid gewußt – so wie sie lebten, bekam man so etwas unweigerlich mit –, aber irgendwie hatte sie dieses Wissen nie berührt. Sie hatte nie damit gerechnet, daß sie selbst irgendwann damit konfrontiert werden würde. Und es war so schrecklich! Sie war so klein, fast noch wie ein Kind, und Jude war so riesig, besonders der Körperteil, den sie mittlerweile als seine Waffe betrachtete; denn so benutzte er ihn – wie einen Rammbock. Sie war immer wund, und alles tat ihr weh.

Jetzt fischte sie mit ihrem Haken eine kleine Kiste aus dem Wasser, die die Wellen gerade an den Strand gespült hatte. Dabei dachte sie an die Strafe, die ihrem zarten Körper in dieser wilden Nacht noch bevorstand.

Der Wind hatte sich gelegt und stürmte nur noch gelegentlich auf die Hütte ein, und der Regen hatte fast aufgehört.

Im Hauptzimmer von Throags Hütte brannte ein knisterndes Feuer, das die Knochen derer wärmte, die sich darum versammelt hatten. Die Luft im Zimmer war schlecht, aber Marianna war so daran gewöhnt, daß sie es kaum noch bemerkte. Wie die anderen trank sie ihren Schluck Rum; dabei betete sie insgeheim, Jude möge soviel trinken, daß er außerstande sein würde, sich ihr zu nähern. Die anderen Strandräuber lachten, sangen derbe Lieder oder erzählten sich Geschichten.

Marianna verhielt sich so ruhig wie möglich, in der Hoffnung, man würde sie in Ruhe lassen. Sie war todmüde und trotz des Feuers noch ganz verfroren.

Sie zwängte sich zwischen die übelriechenden Leiber der alten Mary und ihrer eigenen Mutter und machte sich so klein wie möglich, in der Hoffnung, daß Jude sie vielleicht übersah.

Der Rum hatte Jude laut werden lassen, und er unterhielt sich lebhaft mit seinem Vater. Wie ähnlich sie sich sehen, dachte Marianna. Obgleich sie Vater und Sohn waren, schienen sie altersmäßig nicht weit auseinander zu sein. Ezekial war, wie sein Sohn, ein riesiger Kerl mit gewaltigem Brustkorb und muskulösen Armen. Sein pechschwarzes Haar zeigte noch keine Spur von Grau, obgleich er über fünfzig sein mußte.

Marianna haßte und fürchtete Ezekial Throag. Er bestimmte mit harter und ehrfurchtgebietender...



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