Matthews | Malvern Hall - Stürme des Schicksals | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 849 Seiten

Matthews Malvern Hall - Stürme des Schicksals

Die Virginia-Love-Reihe in einem Band: »Der Traum von Malvern Hall« & »Das Vermächtnis von Malvern Hall«
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-113-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Die Virginia-Love-Reihe in einem Band: »Der Traum von Malvern Hall« & »Das Vermächtnis von Malvern Hall«

E-Book, Deutsch, 849 Seiten

ISBN: 978-3-98952-113-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein prächtiges Anwesen, eine mutige Frau, eine leidenschaftliche Liebesgeschichte DER TRAUM VON MALVERN HALL: Virginia im Jahre 1717. Nach dem Tod des Plantagenbesitzers Malcolm Verner soll die schöne Hannah McCambridge sein Erbe antreten, doch ihr schlägt nichts als Skepsis und Neid entgegen. Die Situation spitzt sich zu, als Malcolms vermeintlich verlorener Sohn Michael auftaucht. Hannah fühlt sich sofort von ihm angezogen, weiß jedoch auch um seine rätselhafte Vergangenheit ... Könnte ihre Liebe zum Verhängnis werden? DAS VERMÄCHTNIS VON MALVERN HALL: Virginia, 1737. Mit ihrer Tochter wohnt Hannah auf dem prächtigen Anwesen Malvern Hall. Doch ihr idyllisches Leben gerät ins Wanken, als Michele für ihre Ballettkarriere nach Paris abreist und Hannah einer beängstigenden Realität entgegen blicken muss: Der Plantage droht der finanzielle Ruin. Eine Ehe mit dem vermögenden Court Wayne könnte die Rettung sein. Doch ist seine stürmische Liebe ehrlich oder zielt er nur auf den Besitz von Malvern Hall ab? Die fesselnde zweibändige Familiensaga - jetzt in einem eBook vereint! Ein absolutes Lesehighlight für Fans von Noah C. Walker und Lonnie Coleman.

Patricia Matthews (1927-2006) wurde in San Francisco geboren, studierte in Los Angeles und lebte später viele Jahre in Prescott, Arizona. Nach dem Scheitern ihrer ersten Ehe begann sie, sich intensiv dem Schreiben zu widmen - so lernte sie nicht nur ihren zweiten Ehemann, den Schriftsteller Clayton Matthews kennen, sondern legte auch den Grundstein zu einer internationalen Karriere. Patricia Matthews, die unter zahlreichen Pseudonymen veröffentlichte, schrieb zwischen 1959 und 2004 über 50 Bücher, vom Liebesroman bis zum Krimi. Für ihr Werk wurde sie mit dem »Reviewers Choice Award« und dem »Affaire de Coeur Silver Pen Readers Award« ausgezeichnet. Bei dotbooks erschienen Patricia Matthews Romane »Das Lied des roten Landes«, »Wenn die Magnolien blühen«, »Der Wind in den Zypressen«, »Der Traum des wilden, weiten Landes«, »Der Stern von Mexiko«, »Das Lied der Mandelblüten«, »Der Himmel über Alaska«, »Die Brandung von Cape Cod«, »Der Duft von Hibiskusblüten«, »Die Jasmininsel«, »Wo die Anemonen blühen« und die »Virginia Love«-Saga mit den Einzelbänden »Der Traum von Malvern Hall« und »Das Vermächtnis von Malvern Hall«. Die Virginia-Love-Saga ist auch in dem Sammelband »Malvern Hall« erhältlich.
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Kapitel 2


Natürlich war Quint betrunken, als er nach Hause kam, und dabei war es erst Mittag. Mary Quint überraschte das gar nicht. Es war für sie sowieso eine Seltenheit, ihren Mann einmal nüchtern zu sehen. Schon am Hochzeitstag hatte er sich betrunken, er war betrunken, als er in der Hochzeitsnacht zu Bett ging, und seither, meinte Mary, sei er kaum einmal nüchtern gewesen.

Er lehnte am Türstock, hatte vom Trinken rote und dick verschwollene Augen und feixte sie an. »Ist also erledigt, Weib. Hannah wird lernen, was es heißt, selbst ihren Unterhalt zu verdienen.«

Mary sagte darauf nichts. Sie sah ihn nur aus trüben Augen an.

»He, hast du darauf gar nichts zu sagen?« stichelte er. »Und wie hast du den Mund aufgerissen, als ich dir’s zum erstenmal erklärte.«

Mary strich mit ihren abgearbeiteten Händen durch ihr ergrauendes Haar. »Was soll ich dazu sagen, Mr. Quint? Es ist doch, wie du sagst, erledigt.«

»Das ist richtig. Es ist auch erledigt. Und so sind wir viel besser dran.« Er schlurfte zum Schlafzimmer. »Ich schlaf jetzt ein bißchen. War mächtig harte Arbeit, dieses eigensinnige Luder dorthin zu schleppen. Schlimmer als ein Muli war sie. Und du, du gibst Ruhe, ich will schlafen.«

Mary rührte sich nicht, als er in das Schlafzimmer torkelte. Sie bewegte sich so lange nicht, bis sie hörte, wie das Bett protestierte, als er sich darauf warf. Sofort begann er zu schnarchen.

Schließlich machte sie sich daran, die Hütte zu putzen, doch sie achtete sorgfältig darauf, keinen Lärm zu machen. Solange Quint schlief, konnte sie wenigstens ihren eigenen Gedanken nachhängen und hatte ein wenig Frieden. Die ganze Putzerei half ja auch nicht viel. Ein Regiment Putzweiber hätte sich die Hütte vornehmen können, und doch hätte nie der Schmutz beseitigt werden können, der sich an den Wänden und auf dem Boden immer wieder ansetzte. Putzen, das war für sie Gewohnheit. Da hatte sie etwas mit den Händen zu tun, körperliche Arbeit zu leisten.

Sechs Jahre lang war sie nun mit Silas Quint verheiratet, und in diesen sechs Jahren, schien es Mary, hatte sie nichts anderes getan als geputzt und gekocht, wenn es etwas zu kochen gab, und für Hannah hatte sie natürlich getan, was ihr möglich war. Quint hatte sie geheiratet, um ihrem zehnjährigen Mädchen einen Vater zu geben. Ein feiner Vater war er geworden! Ein fürsorglicher Vater, der seine Tochter in die Leibeigenschaft verkaufte, die auch kaum weniger schlimm war als Sklaverei.

Nein, nicht Quints Tochter! Heiliger Jesus, nein! Nicht Quints Tochter!

Marys Gedanken wanderten, wie so oft in letzter Zeit, in die Vergangenheit zurück.

Eigentlich und im gesetzlichen Sinn hatte Hannah keinen Vater. Mit Robert McCambridge war Mary ja nicht richtig verheiratet gewesen. Sie hatte ihn verzweifelt geliebt und er sie auch, doch Robert hatte sich beharrlich geweigert, sie zu seiner angetrauten Ehefrau zu machen. Er war der Sohn eines Plantagenbesitzers schottischer Abkunft in South Carolina und einer Sklavenmutter gewesen, und als seine Mutter starb, hatte man ihm die Freiheit geschenkt. Aber auch seine Mutter war keine reinblütige Afrikanerin gewesen. Ihr Vater war ein Weißer, so daß Robert nur zu einem Viertel farbiges Blut in sich hatte, also ein Quadrone war. War auch seine Haut von Olivfarbe, so hatte er doch von seinem Vater die aristokratischen Züge geerbt, und man hätte ihn durchaus für einen Spaniarden oder einen anderen etwas dunkelhäutigen Kaukasier halten können, solange man ihn nicht allzu genau musterte. Aber der Plantagenadel hielt eisern zusammen, und sehr viele wußten ja über seine Abstammung Bescheid. Heiratete ein Schwarzer oder ein Mulatte eine weiße Frau, so war die Folge die Verbannung aus den Kolonien für ewige Zeiten – für beide. Und nur allzu häufig kam es vor, daß man beide hängte. Aus diesem Grund hatte Robert sich geweigert, Mary zu heiraten.

Sie waren nach Norden gezogen in die Nähe der Grenze von Virginia, wo niemand sie kannte, und dort hatten sie eine kleine, verlassene Farm gefunden mit einer ziemlich windschiefen Hütte. Robert hatte begonnen, die Farm zu bewirtschaften.

Es waren harte Zeiten gewesen, und Geld hatten sie kaum jemals. Meistens war auch das Essen sehr knapp. Trotzdem waren sie glücklich. Hannah wurde ein Jahr später geboren, und Mary glaubte oft, soviel Glück nicht ertragen zu können. Manchmal ließ das Glück sie ganz vergessen, daß sie ja unverheiratet mit einem Mann zusammenlebte, also eine Sünderin war.

Robert betete seine kleine Hannah an, und Vater und Tochter waren unzertrennlich. Seit Hannah die ersten selbständigen Schrittchen machen konnte, folgte sie ihrem Vater überallhin. Sie lebten sehr isoliert, hatten keine unmittelbaren Nachbarn, und Robert ging immer allein zur zwanzig Meilen weit entfernten kleinen Stadt, wenn etwas eingekauft werden mußte. Sie waren beide der unausgesprochenen Meinung, daß es ein Fehler wäre, hätten sie enge Freunde, und das traf für beide Rassen zu.

Ironischerweise war es ein Neger, der Robert tötete, nicht ein Weißer. Einmal taumelte ein ausgerissener Sklave der McCambridge-Plantage spät nachts in ihre Hütte. Er war schwer verletzt und halb verhungert, ein Jammerbild von einem Mann. Sie nahmen ihn auf, pflegten ihn, versteckten ihn sogar, als die Kopfprämienjäger kamen und nach ihm suchten. Der Sklave, er hieß Isaiah, war einige Wochen lang ihr Gast und teilte mit ihnen das magere Essen und die winzige Hütte.

Isaiah erholte sich allmählich, und da begann er Mary Augen zu machen. Mary bemerkte es natürlich und ging ihm so gut wie nur möglich aus dem Weg. Robert schien das zu entgehen, was sich da abspielte, und Mary wagte es ihm nicht zu sagen. Er war zwar ein sehr sanftmütiger und gutherziger Mann, doch wenn man seinen Zorn herausforderte, konnte er schrecklich sein.

Eines Nachmittags, als Robert mit Hannah auf den Feldern arbeitete – das Mädchen war damals acht Jahre alt und spielte in der Nähe des Vaters –, fiel der flüchtige Sklave in der Hütte über Mary her, warf sie zu Boden und riß ihr die Röcke herunter. Sie wehrte sich erbittert, und da schlug er sie mit der Faust ins Gesicht. Sie wurde kurz ohnmächtig, und als sie wieder zu sich kam, kniete er, die Hosen heruntergelassen, zwischen ihren Schenkeln und wollte sie vergewaltigen. Marys schrille Schreie gellten durch die Hütte.

Dann wußte sie nur noch, daß Isaiah verschwand, ehe er in sie hatte eindringen können, so etwa, als sei ein Racheengel zu ihrer Rettung gekommen.

Mary setzte sich auf und sah Robert. Sein dunkles Gesicht war vor Wut verzerrt, seine Augen sprühten Feuer. Dieser sanfteste aller Männer, der sie nie geschlagen, der niemals auch nur die Stimme gegen sie erhoben hatte, raste nun vor Zorn.

Er sprach mit Donnerstimme, und da fiel ihr alles wieder ein, als sie in die Hüttenecke schaute, wohin Robert den Sklaven wie einen Kornsack geschleudert hatte.

»Du, der du dich Isaiah nennst, kamst zu uns, dem Tode nah. Wir haben dir Unterkunft und Essen gegeben und deine Wunden gepflegt. Wir haben dich als Bruder aufgenommen, und du vergreifst dich zum Dank dafür an meiner Frau!«

Isaiah schob sich langsam in die Höhe und zog seine Hosen hoch. »Deine Frau?« fragte er. »Du meinst wohl, dein weißes Weibstück!« Der Schwarze feixte. »Du weißt doch, was die Weißen sagen. Wenn eine von ihren Frauen mit einem Nigger schläft, dann ist sie selbst ein Nigger. Und daß du weißes Blut in dir hast, Squire McCambridge, rettet dich auch nicht. Du bist und bleibst ein Nigger, und was ist jetzt sie?«

Zitternd vor Wut ging Robert auf ihn los. »Isaiah, dafür bring ich dich um.«

»Du bringst keinen um, Nigger.«

Und dann blitzte das große Fleischmesser aus Marys Küche in Isaiahs Hand.

Der Schwarze mußte es irgendwo an sich selbst versteckt gehabt haben, dachte Mary, und dann schrie sie Roberts Namen, als Isaiah sich duckte, um Robert anzuspringen.

Robert stand da, locker und bereit, die Fäuste an den Seiten. Und dann bewegten sich beide Männer mit der Geschwindigkeit kämpfender Katzen. Sie prallten so aufeinander, daß die ganze Hütte bebte. Robert hatte eine große Hand um das Gelenk der Hand gelegt, in der das Messer war. Sie rangen und kämpften, so daß Möbel umstürzten. Mary kauerte sich an die Wand. Sie war starr vor Angst um Robert. Er war zwar größer als der andere Mann, doch der war jünger und schneller.

Sie kämpften schweigend und verbissen. Dann gelang es Isaiah, ein Knie hochzuziehen und in Roberst Leistengegend zu stoßen. Robert schrie vor Schmerz, ließ die Messerhand los und krümmte sich zusammen.

Blitzschnell wie eine Schlange stieß das Messer zu, noch einmal und ein drittes Mal, und jedesmal kam es rot von Roberts Blut wieder heraus.

Dann sank Robert zusammen. Er fiel nach vorn auf sein Gesicht und blieb still am Boden liegen.

Keuchend und wildäugig wie ein in die Ecke gedrängtes Tier stand Isaiah über ihm und wartete. Robert bewegte sich nicht mehr.

Wie betäubt schaute sich Isaiah dann um. Seine Augen fanden Mary. Er trat auf sie zu. Mary schrie.

Da wirbelte Isaiah herum und rannte zur Hütte hinaus. Das bluttriefende Messer hatte er noch in der Faust.

Mary lief zu Robert McCambridge und rollte ihn auf den Rücken. Sein Bauch war aufgeschlitzt, die Gedärme quollen heraus, hellrotes Blut spritzte.

Seine Augen öffneten sich flatternd. Er schaute sie an. »Mary, meine Liebe. Mary …«, flüsterte er. Dann war er tot.

Da kniete nun Mary. Innerlich starb sie vor Trostlosigkeit und Verzweiflung. In einem Augenblick grausamster Gewalttätigkeit war ihr Lebensinhalt ausgeblasen worden wie eine Kerze. Sie blieb auf den...



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