E-Book, Deutsch, Band 437, 256 Seiten
Reihe: Historical
Matthews Zwischen Leidenschaft und Hochverrat
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7515-3173-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 437, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-7515-3173-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Auf keinen Fall will die junge Lady Arianwen den grausamen Greis heiraten, den ihr Stiefvater für sie ausgewählt hat! Sie schmiedet einen Plan: Wenn der hochgewachsene Sir Leopold, ein Ritter der Krone, sie zur fernen Burg ihres zukünftigen Gatten eskortiert, wird sie fliehen! Doch sie hat nicht mit der lodernden Leidenschaft gerechnet, die auf dem gefahrvollen Weg zwischen ihr und Leo entbrennt. Gemeinsam fliehen dürfen sie nicht, das wäre Hochverrat. Und noch bevor die verzweifelten Liebenden eine Lösung finden, wird Arianwen von den Schergen ihres Zukünftigen verschleppt ...
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1. KAPITEL
Wales, Juli 1337
Voll Verdruss knallte Sir Leopold die drei Humpen Ale, die er just geordert hatte, mit solchem Nachdruck auf den grob gezimmerten Schanktisch, dass das Bier herausschwappte.
„Pass doch auf“, murrte sein Freund Hugh, dessen Ärmel einen feuchten Schluck abbekommen hatte. Während Tristan nur schief grinste, wusste Leo sich doch sonst gewandter zu benehmen. Jetzt aber war ihm sein Zorn über die Bredouille, in der die drei Ritter schuldlos steckten, deutlich anzumerken.
Als die jungen Männer gleichzeitig ihre Krüge ergriffen, wie sie auch sonst alles gemeinsam angingen, war Leo sich sekundenlang des Glückes bewusst, durch ein festes Treueband mit seinen Kameraden verbunden zu sein. Er ahnte, wie unerträglich ihm die letzten vierzehn Jahre ohne sie gewesen wären, und hätte ohne Zögern sein Leben für sie gegeben. Seine Freunde, für die im Umkehrschluss dasselbe galt, hätten es wahrscheinlich weniger dramatisch ausgedrückt; Leo aber war eine leidenschaftlichere Natur eigen, die zu Überschwang neigte, wo seine Freunde Bodenhaftung besaßen.
„Nur ruhig Blut! Wenn wir unsere Aufträge ruckzuck erledigen, können wir unsere eigentlichen Ziele noch vor dem Herbst weiterverfolgen“, sagte Tristan beschwichtigend, indem er seine Kanne absetzte.
Seine gut gemeinten Worte trösteten Leopold aber nur wenig. Denn die drei jungen hochtalentierten Ritter, die darauf brannten, in die illustre Riege der Königsritter auf Windsor Castle aufzusteigen, waren von ihrem Schirmherrn mit langweiligen Aufträgen betraut worden, die sie genau davon abhielten.
„Wenigstens müssen wir den Anblick Lord Ormands nicht mehr ertragen“, murmelte Hugh mit zusammengezogenen Brauen, und seine Kameraden nickten dazu mit sauren Mienen. Auf ihren Patron, der sie von Kindesbeinen an zum Ritter erzogen hatte, waren sie inzwischen schlecht zu sprechen. Denn seit dieser seinen Schützlingen ihre Überlegenheit in allen Kampftechniken neidete und mit seiner Abneigung speziell gegen Leopold sogar dessen Eltern übertraf, die sich seit jeher wenig aus ihrem Zweitgeborenen machten und kaum Interesse an ihm zeigten, war mit ihm kaum noch auszukommen gewesen.
Mit finsterer Miene starrte der junge Ritter, der wusste, dass er zu schnell trank und sich besser gemäßigt hätte, in seinen halb leeren Bierkrug. Weil er aber im Geiste hörte, wie sein Vater ihn einen Versager nannte, nahm er voller Bitterkeit noch einen Schluck, um die herablassende Stimme zum Schweigen zu bringen. Die Meinung seiner lieblosen Eltern, er reiche nicht an seinen älteren Bruder heran, der ach so gelehrt, so fromm und so besonnen war, belastete ihn Zeit seines jungen Lebens, und er hätte sich geschämt, wenn sie Wind von seinen Schwierigkeiten bekommen hätten. Denn weil es ihm ein Herzensbedürfnis war, seiner Familie hocherhobenen Hauptes gegenübertreten zu können, stachelte das Bewusstsein seiner Schmach seine Trinklust einmal mehr an.
„Was blickst du so trübe aus der Wäsche, Leo?“, fragte Hugh. „Du hast mit deiner Aufgabe doch noch Glück gehabt! Eine Braut zu ihrem Bräutigam zu begleiten, dürfte weder Schwierigkeiten machen noch länger als eine Woche in Anspruch nehmen.“
„Ich fühle mich nun einmal herabgewürdigt.“
Seine Ausbilder hatten ihm immer viel Lob für sein großes Talent in allen Waffengattungen gespendet, wie auch für den Elan, hart an sich zu arbeiten. So empfand er es als beschämend, von Lord Ormand anderweitig beschäftigt zu werden. Viel lieber hätte er sich umgehend als junger Ritter bewährt, als den er sich seit Kurzem bezeichnen durfte. Seinem Auftrag konnte er nichts weiter abgewinnen, als dass die Angelegenheit wohl schnell abzuwickeln war. Denn lieferte er Lady Arianwen, die er eskortieren musste, erst bei ihrem zukünftigen Gatten ab, hinderte niemand ihn daran, anschließend Tristan bei dessen Aufgabe zu helfen. Sobald dann Hugh zu ihnen stieß, konnten sie nach Windsor reiten und dort mit weniger Verspätung ankommen als von Lord Ormand beabsichtigt.
Leo vermutete, die junge Lady sei des Reitens unkundig, sodass er mit ihr nur im Schritt vorwärtskäme. Doch war Wales schließlich nicht aus der Welt gefallen, und hielten die drei Freunde hartnäckig an ihren Zielen fest, würden sie zu guter Letzt doch triumphieren. Wer zuletzt lacht, lacht immer noch am besten, dachte er, indem er unwillkürlich die Fäuste ballte. Ich lasse mich nicht entmutigen!
Stirnrunzelnd hob er den Kopf. „Wir dürfen uns nicht den kleinsten Fehler mehr erlauben“, mahnte er.
„Wir haben uns doch gar nichts zuschulden kommen lassen!“, erinnerte Tristan ihn.
„Darin besteht ja gerade die Ungerechtigkeit“, versetzte Hugh mit saurer Miene.
Leo aber wusste es besser. „Immerhin unterschätzten wir die Eifersucht Lord Ormands und die Missgunst Roberts, dieses missgünstigen Wichts, oder etwa nicht?“ Er leerte seinen Krug bis zur Neige. „In Zukunft müssen wir vorsichtiger sein.“
„Mir war ja klar, dass sie mich nicht mögen“, gab Tristan zurück, indem er sich erhob. „Ich hätte aber nicht gedacht, dass sie euch ebenfalls verabscheuen.“
„Welch ein Jammer, dass du solch ein unverschämt hübsches Gesicht hast“, stichelte Leopold, und Hugh grinste breit. Ihren Kameraden mit seinem guten Aussehen aufzuziehen, war ein lohnender Spaß, der stets verfing. Und auch jetzt entlockte der harmlose Jux Tristan finstere Blicke, über die seine Kameraden sich vor Lachen ausschütteten.
„Er kann ja nichts dafür, dass nicht nur Lady Cassandra sich in ihn vergaffte, sondern ihre Tochter dazu“, setzte Hugh nach, worauf sein gut aussehender Freund entnervt die Augen gen Decke schlug und sich trollte, um eine neue Runde Ale zu ordern. „Immerhin gingst du ihnen nach Kräften aus dem Weg“, rief sein Freund ihm einlenkend hinterher, wie stets ums rechte Maß bemüht.
„Ich mache ihm ja gar keinen Vorwurf“, murmelte Leopold und meinte, was er sagte. Allerdings wurde die Missgunst der Männer, mit denen sie trainierten, von Tristans unbestreitbarer Anziehungskraft auf Frauen jeden Alters weiter angestachelt, als hätte es nicht schon gereicht, dass Leo als bester Kämpfer und Hugh als klügster Kopf weit und breit galten.
Auch der ohnehin schon neidische Lord Ormand ärgerte sich maßlos, als seine Gemahlin wie auch seine Tochter Tristan offen anschmachteten. Dazu suchte Robert – selbst nur ein Schildknappe – dem schönen Mann zu schaden, weil er selbst ein Auge auf das holde Fräulein geworfen hatte.
Damit nicht genug, ereignete sich am Tag nach der Schwertleite der drei Freunde ein veritabler Skandal. Der Burgherr hatte ein kostbares Geschenk für King Edward fertigen lassen, um sich bei diesem lieb Kind zu machen, doch wurde es zum allgemeinen Entsetzen noch vor der Übergabe an den Monarchen zerstört. Zwar wären die drei Freunde nicht so ehrvergessen gewesen, das infame Delikt zu begehen, und es gab auch keinen einzigen Beweis gegen sie. Aufgrund des feindseligen Klimas gegen sie wurde ihnen die Missetat aber trotzdem angelastet.
Leopold hielt insgeheim Robert für den Schuldigen, der auf diese Weise ihre guten Namen in den Schmutz zu ziehen suchte, konnte ihm aber nichts nachweisen. Und Lord Ormand kühlte sein Mütchen an den jungen Männern, anstatt den wahren Schuldigen ausfindig zu machen. Denn sie waren ihm als Sündenböcke gerade recht.
Allein die gute Herkunft der drei Freunde bewahrte sie vor ehrabschneidender Verbannung, was Leopold auf grimmige Weise amüsierte, fühlte er sich von seiner Familie doch seit Langem fallen gelassen. Doch musste er fürchten, im Falle eines offiziellen Schuldspruchs enterbt zu werden. Sein Vater hätte es ihm nie durchgehen lassen, Schande über die Familie gebracht zu haben.
„Wir können froh sein, dass Sir Benedictus uns seiner Unterstützung versichert hat“, fuhr er fort, der den Anführer der königlichen Ritter, einen der mächtigsten Männer im Lande, klugerweise in einem Brief um Schutz gebeten hatte. „War seine Antwort auch kurz, so doch ermutigend.“
„Sein freundliches Antwortschreiben ist ein Segen für uns, Leo“, versetzte Hugh mit Nachdruck.
„Enthebt uns aber nicht der Pflicht, Lord Ormands Aufträge auszuführen.“
„Herrje, Sir Benedictus kann sich wohl kaum gegen unseren Schirmherrn wenden. Das solltest sogar du verstehen.“
Leopold nahm den leisen Tadel wortlos hin, wusste er doch selbst, was für ein Hitzkopf er oft war. Mit seinen wachen Sinnen und schnellen Reflexen aber hatte er dem Dreiergespann schon oft aus der Patsche geholfen, was seine Unbedachtheit, die sich ohnehin nur sporadisch auswirkte, wiedergutmachte. Im Grunde verstand er sehr gut, dass Sir Benedictus momentan nichts für sie tun konnte, und rechnete es diesem hoch an, sie nach Ableistung ihrer Pflichten gegenüber Lord Ormand zu einer vorurteilsfreien Beurteilung ihrer kämpferischen Fähigkeiten auf Windsor Castle empfangen zu wollen. Sollte diese zufriedenstellend ausfallen, wollte er sie in seine Dienste übernehmen, was mehr war, als Leopold sich zur Zeit seiner Bittstellung hatte ausmalen können. Die Anordnung ihres zukünftigen Gönners aber, gemeinsam eintreffen zu müssen, verkomplizierte ihre Anreise erheblich. Mussten sie doch erst alle drei ihre Aufgaben zu Ende führen, bevor sie sich nach Windsor begeben durften.
Er grinste, als er den sehnsuchtsvollen Blick bemerkte, den die Schankmagd Tristan hinterherschickte,...




