E-Book, Deutsch, Band 3, 325 Seiten
Reihe: Gestüt Abendroth
May Das Erbe der Abendroths - Frühlingserwachen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-528-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Gestüt Abendroth 3
E-Book, Deutsch, Band 3, 325 Seiten
Reihe: Gestüt Abendroth
ISBN: 978-3-98952-528-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Valentina May hat bereits an vielen verschiedenen Orten gelebt und gearbeitet und ist viel durch die Welt gereist. Sie liebt die Natur, Flora und Fauna gleichermaßen. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren Tieren auf einem idyllischen Bauernhof im Weserbergland. Die meisten ihrer Ideen entstehen auf dem Rücken der Pferde oder bei den Spaziergängen mit den Hunden. Die Website der Autorin: valentina-may.com Die Autorin auf Facebook: facebook.com/Abendroth2017 Bei dotbooks veröffentlichte Valentina May ihre DAS ERBE DER ABENDROTHS-Reihe mit den Romanen »Herbstzeit«, »Winterdämmern« und »Frühlingserwachen«.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
Als Stephanie wenig später die exklusive Penthousewohnung von Dorian betrat, kam ihr Tigger freudig entgegengesprungen. Sie lächelte, als der schwarz-weiße Jack-Russell-Terrier bellend an ihr hochsprang. Dorian hatte den Hund von einem zufriedenen Kunden geschenkt bekommen. Der Name Tigger passte so gar nicht zu dem quirligen Kerl. Weder vom Aussehen noch vom Temperament. Es war Dorians Idee gewesen, ihn nach einer Comicfigur zu benennen.
Auch wenn ihr Freund den Hund mochte, das Kümmern überließ er lieber ihr. »Du kommst doch vom Gut und kennst dich ja mit so was aus«, waren seine Worte gewesen. Hier in London verbrachte Tigger die meiste Zeit des Tages in der Wohnung. Regelmäßig dreimal am Tag kam der Dogsitter zum Gassigehen. Was für ein beschränktes Hundeleben. Auf Abendroth hätte der Terrier viel Auslauf gehabt, das hätte sie ihm gegönnt. Aber Dorian hasste das Landleben.
Stephanie bückte sich und streichelte das Tier, bevor sie die breite Tür zur Dachterrasse aufschob, auf der Tigger sein Geschäft verrichten konnte. Anschließend ging sie in die Küche und öffnete eine Dose Hundefutter.
Mit dem gefüllten Napf ging auch sie auf die Dachterrasse hinaus. Tief atmete sie die klare Luft ein. Die Tage wurden milder und länger. Die Sonne versank langsam am Horizont und tränkte ihn blutrot. Nach dem eisigen Winter schien sich nun endlich der langersehnte Frühling anzukündigen.
Während Tigger fraß, schaute Stephanie über die Dächer Londons. Von hier oben war der Blick atemberaubend. Die dicht aneinandergereihten Häuser wirkten wie Spielzeugvillen. Fast zum Greifen nahe waren die zartgrünen Baumkronen des Hyde Parks, in dem sie oft joggte. Kinderstimmen unter ihr an der Bushaltestelle weckten ihre Aufmerksamkeit. In Schuluniformen gekleidet, schlenderten sie schnatternd und kichernd an den strahlend weißen Häuserzeilen mit den schwarzen schmiedeeisernen Zäunen vorbei. In Eggendorf war alles so ganz anders, ruhiger, und die Kinder trugen keine Uniformen. Ihr Freigeist hätte sich sicher gegen eine solche gewehrt, denn Individualismus war ihr wichtig.
Aus der Ferne hörte sie den 6-Uhr-Westminster-Schlag von Big Ben. Bald würde Dorian nach Hause kommen. Sie mochte London mit dem quirligen, freakigen Leben, die unzähligen Galerien und Modeevents, nicht zu vergessen die Shoppingmeilen. Dennoch sehnte sie sich immer öfter nach einem ruhigeren Ort wie Abendroth zurück. Es wurde Zeit, ihren Schwestern endlich wieder einmal einen Besuch abzustatten. Spätestens im Sommer. Vielleicht würde Dorian sie endlich begleiten. Schon seit Langem hatte er ihr versprochen, mit ihr nach Abendroth zu reisen und genauso oft war ihm etwas Geschäftliches dazwischengekommen, sodass sie jedes Mal allein gefahren war. Dabei hätte sie ihrem Freund wirklich sehr gern ihre Heimat gezeigt. Als begeisterter Jäger hätte er dort sicher seinen Spaß gehabt. Sie hingegen hatte die Jagd noch nie ausstehen können. Das Opfer hatte doch kaum eine Chance zu entkommen. In Kent hatte sie Dorian im vergangenen Jahr zur Jagd begleitet.
Nie würde sie die wunderschönen samtbraunen Augen des Rehs vergessen, die sie im Visier gesehen hatte. Voller Leben, das im nächsten Moment erlosch, als der Knall die Stille zerschnitt. Sie hasste das Töten. Ihr Mitleid für das Tier hatte Dorian belächelt. In diesem Moment waren ihr Zweifel gekommen, ob er wirklich der Mann ihres Lebens war. Vielleicht würde sie nie den Mann finden, mit dem sie gemeinsam alt werden wollte. Ihre Gedanken schweiften zu ihren Schwestern. Auch Jennifer hatte einst geglaubt mit Michael glücklich zu sein, bis sie Dave wiederbegegnet war. Und Miriam hatte sich eingestehen müssen, dass es für ihre Ehe mit Paul keine Zukunft mehr gab und ihr Glück bei Robert gefunden. Die Wege der Abendroths waren nie geradlinig gewesen, sondern steinig und verschlungen. Schritte erklangen hinter ihr.
»Ach, hier bist du, Steph.« Dorian trat hinter sie und küsste sie zärtlich in den Nacken. Ganz in ihren Grübeleien versunken, hatte sie ihn nicht gehört. »Hallo, Dorian. Gut, dass du schon zu Hause bist. Wir müssen noch ...« Weiter kam sie nicht, denn er knabberte an ihrer Haut, was ihr eine Gänsehaut bereitete. Langsam drehte sie sich zu ihm um, schlang die Arme um seinen Nacken und küsste ihn voller Verlangen auf den Mund. Die Hände ihres Freundes, die eben noch auf ihrem Rücken gelegen waren, wanderten tiefer und legten sich besitzergreifend auf ihr Gesäß. Ohne dass sie es wollte, schweiften ihre Gedanken im selben Moment zu dem Fremden ab. Erschrocken über ihre Fantasien löste sie sich aus der Umarmung.
»Was ist?« Ihr Freund sah sie besorgt an.
Wie könnte sie ihm gestehen, bei dem Kuss an einen anderen gedacht zu haben! Sie fühlte sich mies. »Alles gut.« Sie rang sich ein Lächeln ab.
»Wirklich?« Dorian klang besorgt.
»Ja, alles in Ordnung. Ich habe nur daran gedacht, dass ich heute einen Termin habe platzen lassen«, log sie und vermied es, ihren Freund anzusehen.
»Gegen Frust weiß ich ein gutes Mittel.« Lächelnd nahm Dorian ihre Hand und zog sie mit sich. Tigger beäugte sie misstrauisch, als wäre er eifersüchtig.
»Tigger, hopp, ab mit dir auf die Dachterrasse.« Dorian beugte sich zu seinem Hund hinunter und schob ihn in Richtung Terrassenausgang. Tigger sah fragend zu Stephanie auf.
»Na, lauf schon«, sagte sie und folgte Dorian ins Schlafzimmer. Der Hund sah ihnen nach, bis die Tür hinter ihnen zufiel.
Das Schlafzimmer bestand aus einem herzförmigen Bett, das vom Polster bis zur Bettwäsche in Rot gehalten war. Stephanie begann sich langsam auszukleiden ...
Eine Stunde später stand sie in der Küche und bereitete sich einen Cappuccino zu, während sie über ihre Beziehung nachgrübelte. Im Laufe der Monate hatte sich die Routine bei ihnen eingeschlichen, auch beim Sex. Jeder Tag im Leben der beiden war minutiös durchgeplant, selbst die Momente der Zweisamkeit. Am Sonntag organisierten sie die Woche, neben den vielen Geschäftsterminen auch die privaten. Einmal in der Woche zusammen Lunch, alle vierzehn Tage ein Dinner in ihrem Lieblingsrestaurant und einmal pro Woche Sex. Sie fühlte sich in ein Korsett gepresst. Wenn sie Dorian darauf ansprach, war er der Ansicht, dass die beruflichen Interessen höchste Priorität besaßen. Seit einer Weile fühlte sie sich in ihrer Beziehung unwohl. Spontaneität und Gelöstheit waren verloren gegangen. Es fehlte ihr das sehnsuchtsvolle Ziehen, wenn sie an Dorian dachte, die Freude darauf, die wenige Freizeit, die ihnen gegeben war, gemeinsam zu verbringen. Dinge, die ihren Schwestern vergönnt waren.
Neulich hatten Jennifer und Miriam ihr im Anhang der E-Mail Fotos zugesandt. Das Strahlen in den Augen der Schwestern hatte schon ein wenig Neid in ihr geweckt, obwohl sie den beiden das Glück von Herzen gönnte.
Wenn sie an Jennifers Hochzeit dachte, wurde ihr das Herz schwer. Jeder Augenblick war berührend gewesen. Voller Euphorie hatte sie nach ihrer Rückkehr Dorian davon erzählt und war schockiert gewesen, weil er Heiratswillige als hoffnungslose, versponnene Romantiker bezeichnet hatte.
»Ich hätte nie gedacht, dass du auf so etwas Wert legst. Ich brauche keinen Trauschein, um aller Welt zu beweisen, dass wir ein Paar sind.«
Seine Worte klangen noch in ihren Ohren. Hätte er die innigen Momente miterlebt, würde er vielleicht anders denken.
Sie nippte an ihrem Cappuccino und leckte den Schaum von ihrer Oberlippe. Manchmal vermisste sie die Nähe zu ihren Schwestern. Was war nur mit ihr los? Nur nicht wieder deprimiert sein! Sie musste sich ablenken. Vielleicht würde die Party sie aufmuntern. Während sie die Tasse in den Geschirrspüler stellte, endete das Rauschen der Dusche. Sicher war Dorian schon dabei, sich anzukleiden. Es war Zeit, dass auch sie sich für die Party umzog.
Als sie das Ankleidezimmer betrat, schlüpfte er gerade in die Hose seines selbst entworfenen Anzugs. Sein kurzes Haar war noch feucht und streng zurückgekämmt. Rote Flecken zeichneten sich auf seinem glattrasierten Gesicht ab. Während sie ihn betrachtete, wurde ihr klar, weshalb so mancher Kunde ihn mit einem Sohn Donald Trumps verwechselt hatte. Am Kleiderständer hing ihr rotes Kleid mit den Spaghettiträgern. Es war sehr figurbetont geschnitten und auch sehr kurz. Einer von Dorians Designern hatte es auf Wunsch ihres Freundes für sie entworfen. »Nenne es Kundenfang-Outfit«, hatte er zu ihr gesagt, als er es ihr überreicht hatte. Es kam nicht selten vor, dass ihr Freund ein Outfit vorschlug. Oft traf er tatsächlich ihren Geschmack. Heute hingegen ärgerte es sie, dass er sich in ihre Kleidungswahl einmischte. Sie stöhnte innerlich auf. Oft genug hatte sie seinem Wunsch nachgegeben, um des Frieden Willens. Aber heute würde sie das nicht tun. Kommentarlos hängte sie das Kleid auf die Stange zurück. Dorian, der gerade seine Manschettenknöpfe zuknöpfen wollte, hielt in der Bewegung inne. Seine Brauen zogen sich verärgert zusammen. »Was machst du, Darling? In diesem Kleid siehst du sexy aus. Denk ans Geschäft. Benson ist heute vermutlich auch da. Du weißt genauso wie ich, dass er einer meiner besten Kunden ist.« Craig Benson produzierte weltweit Gourmet-Hundefutter. Er war es auch gewesen, der Dorian Tigger geschenkt hatte. Für zwei handbestickte Designerbademäntel aus Dorians Kollektion. Benson galt als extrem launisch, unberechenbar und sehr anspruchsvoll, besonders, was das weibliche Geschlecht anbetraf. Seine Vorliebe für blutjunge Frauen, bildhübsch und sexy, war über die Grenzen hinaus bekannt. Aber Stephanie wollte keine Geschäfte wegen ihres Aussehens abschließen, sondern weil sie besondere Fähigkeiten besaß und den gewissen Spürsinn einer talentierten Maklerin.
»Ich...




