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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 348 Seiten

Reihe: Die Schmuckmacher-Dynastie

May Kristallsterne

Das Geheimnis der Güldensteins
19001. Auflage 2019
ISBN: 978-3-492-98459-1
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das Geheimnis der Güldensteins

E-Book, Deutsch, Band 3, 348 Seiten

Reihe: Die Schmuckmacher-Dynastie

ISBN: 978-3-492-98459-1
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Glanz und Glück scheinen der Schmuckdynastie der Familie von Güldenstein aus dem Weserbergland sicher zu sein. Doch ein dunkles Ereignis aus der Vergangenheit droht alles zu zerstören... Die große Familien-Geheimnis-Saga für alle Fans von Lucinda Riley, Claire Winter und Jeffrey Archer Eigentlich wollte Tilda von Güldenstein die Renovierung ihres Erbschlosses und der Glashütte nur von einem versierten Fachmann managen lassen. Aber der charmante Glasdesigner Leon Berger entpuppt sich als unerträglicher Frauenheld, mit dem bald die Fetzen fliegen. Während der kräftezehrenden Renovierungsarbeit kommen sich die beiden jedoch näher ... Als Tilda das letzte Puzzleteil für das Brechen des Familienfluchs findet, beginnt ein verzweifeltes Rennen gegen die Zeit, bei dem sich bald die Frage stellt: Kann Tilda Leon überhaupt vertrauen? »Kristallsterne« ist das faszinierende Finale der mitreißenden Familien-Geheimnis Saga »Das Geheimnis der Güldensteins« - die Teile sind auch unabhängig voneinander zu lesen.

 Valentina May schreibt erfolgreich Liebesromane und Familiensagas der Gegenwart und Historie. Oft spielt die Natur in ihren Romanen eine wichtige Rolle. Ihre Geschichten spielen an Orten, die sie selbst besucht hat.  Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren Tieren im Weserbergland. Wenn sie nicht am Schreibtisch sitzt und sich neue Geschichten ausdenkt, reitet sie von ihren Hunden begleitet durch Wald und Wiesen, was sie zu neuen Romanideen inspiriert.
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1.


Der Schlüssel in ihrer Hand wog schwer. Sie hatte immer geahnt, dass es ein Geheimnis in ihrer Familie gab. So dunkel, dass alle darüber geschwiegen hatten. Nie war ihrem Vater eine Warnung über die Lippen gekommen oder ein Hinweis, worum es ging. Vielleicht wäre sonst alles anders verlaufen. Tilda sah die Szene deutlich vor sich, die sie damals durch den Türspalt beobachtet hatte. Ihr Vater hatte wie üblich hinter seinem klobigen Schreibtisch gethront und seine Zigarre gepafft, während sein bester Freund und Anwalt Günter Schmiedel eingehüllt von der Rauchwolke zu seiner Rechten im Ledersessel Platz genommen hatte.

»Du musst es finden, dann wären eure Probleme vom Tisch«, hatte Schmiedel zu Vater gesagt und den eisernen Schlüssel vor ihn hingelegt. »Hier. Er öffnet die Pforte in die Vergangenheit und zu weit mehr.« Aber Vater hatte den Kopf geschüttelt.

»Manchmal ist es besser, die Dämonen nicht zu wecken. Erdrückend ist die Schuld, die unser Schicksal bestimmt. Dafür müssen wir bis ins letzte Glied büßen.«

Erdrückend ist die Schuld, die unser Schicksal bestimmt. Dafür müssen wir bis ins letzte Glied büßen. Die Worte jagten ihr noch heute einen eisigen Schauder über den Rücken. Was meinte er damit? Und welche Dämonen wecken? Wofür sollten sie alle büßen? Sie hatten doch nichts Unrechtes getan.

Die Unterhaltung lag eine Ewigkeit zurück und war bei Tilda in Vergessenheit geraten, bis sie den Schlüssel neulich bei den ersten Aufräumarbeiten auf Herminenburg in einer von Großvaters Vitrinen wiedergefunden hatte. Er gehörte zu einer Tür im Palais. Das erkannte sie daran, dass alle Reiten die gleiche Form besaßen, ob groß oder klein. Aus welchem Grund befand er sich hier?

Er ragte über ihre Handfläche hinaus und war so sperrig und schwer, dass er damals ein Loch in ihre Jackentasche gerissen hatte. Der Rost am Bart war noch großflächiger geworden.

Tildas Gedanken wanderten zu dem Tag zurück, an dem sie sich mit ihrer Freundin Daria heimlich in den Gewölbekeller des Palais’ geschlichen hatte …

1994 Palais von Güldenstein

Die Schatten an den Wänden waren gespenstisch. Jede Ecke leuchteten sie aus, und bei jedem noch so kleinen Geräusch zuckten die beiden Freundinnen zusammen. Irgendwo tropfte Wasser auf Stein. Manchmal huschte ein Tier quiekend an ihren Füßen entlang und verschwand in der Dunkelheit. Es roch nach brackigem Wasser und Fäkalien.

Nach dem Gespräch zwischen Vater und seinem Freund hatte Tilda tagelang in den Familienchroniken gelesen und nahm felsenfest an, dass Vater nur den Schmuck der Dynastiebegründer gemeint haben konnte und dass der im Kellergewölbe zu finden sei. Sie hatte gehört, wie verzweifelt Vater geklungen hatte. Ehrgeiz hatte sie gepackt, den Schmuck zu finden, der die Probleme lösen könnte. Die Sehnsucht, dem Vater zu beweisen, dass sie ihm die Lösung präsentieren könnte, trieb sie an. Hier unten herrschte Eiseskälte, der Atem schwebte in weißen Wolken vor ihren Gesichtern. Fröstelnd zog Tilda den Kragen ihrer Jacke enger um den Hals. Schwer schlug ihr Herz gegen die Rippen, als ihre Schritte durch die Gänge hallten. Hinter ihr klapperte Daria mit den Zähnen. Der Schlüssel schien mit jedem Atemzug schwerer zu werden. Neulich hatte sie beobachtet, wo Vater ihn versteckt hielt, im Schrank hinter den Büchern, weil er nicht wollte, dass sie oder einer ihrer Brüder in den Gewölbekeller hinabstiegen, wie er Günter gestanden hatte.

»Ist es noch weit?«, unterbrach die Freundin mit weinerlicher Stimme ihre Grübeleien.

Tilda blieb stehen und wandte sich zu ihr um.

»Hast du Schiss? Ich bin doch bei dir«, versuchte sie Daria zu beruhigen, obwohl auch sie sich fürchtete, doch mehr wegen einer drohenden Strafe ihres Vaters. An Umkehr war nicht zu denken, so weit wie heute war sie noch nie gekommen. Tröstend fasste sie nach Darias Hand und zog sie weiter. In gewissen Abständen blieb sie immer wieder stehen, um den Kaugummi aus dem Mund an die Mauer zu kleben, der ihnen den Rückweg sichern sollte. Schon schob sie den nächsten zwischen die Lippen.

»Mir ist so … unheimlich.« Darias Finger umklammerten Tildas Hand.

»Wir haben keinen Schlossgeist. Nur Spinnen und Mäuse«, antwortete Tilda kichernd. Es bereitete ihr Spaß, andere zu necken.

»Iiih!«, schrie die Freundin auf und schüttelte sich. Neulich war sie in der Schule mitten im Unterricht auf den Stuhl gestiegen und hatte laut geschrien, weil eine Spinne über ihr Pult gekrabbelt war. Tilda verkniff sich ein Grinsen. Eine Gänsehaut war so aufregend, solange die Viecher nicht sie selbst berührten.

»Nun komm schon, es ist nicht mehr weit. Wenn wir den Schmuck finden, dann bekommen wir vielleicht von meinem Vater dafür eine Belohnung.« Die Aussicht schien Darias Furcht für den Moment zu verdrängen.

Nur noch zweimal nach rechts abbiegen, dann wären sie am Ziel. Staub rieselte aus den Fugen des gemauerten Gewölbes auf sie herab. Sie mussten sich jetzt unter der Schlosseinfahrt befinden. Ihr Herz galoppierte in der Brust, als sie ihre Freundin immer tiefer durch das Kellerlabyrinth des elterlichen Schlosses führte. Es war so aufregend etwas Verbotenes zu tun und dabei etwas zu entdecken, anstatt wie ihre Brüder stets brav Vaters Anordnungen zu befolgen.

Hätte sie Daria erzählt, dass in einem der Kellerräume jemand im Krieg versteckt gehalten worden und an Pocken gestorben war, hätte die Freundin sie sicher nicht bei diesem Ausflug begleitet.

Je mehr sie sich dem besagten Kellerraum näherten, desto feuchter wurden Tildas Hände.

»Du hast gesagt, wir sind gleich da«, beklagte sich Daria mit zittriger Stimme.

»Sind wir ja auch«, antwortete Tilda und hoffte inständig, sich nicht geirrt zu haben. Es hatte lang gedauert, bis sie sich hier unten zurechtgefunden hatte.

Endlich standen sie vor der massiven Eichentür mit dem Eisenbeschlag. Tildas Beine zitterten vor Aufregung.

»Meinst du wirklich, dass da drinnen ein Hinweis zum verschollenen Schmuck verborgen ist?«

»Ja, mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich mich nicht irre.« Vor Tildas geistigem Auge entstand das Bild einer Schatzkammer wie im Märchen von Aladin. Diamanten, Rubine, Smaragde und Opale, goldene Broschen, Armbänder, Ringe vielleicht auch Perlenketten, die um die Aufmerksamkeit des Betrachters wetteiferten.

Mit zittrigen Fingern zerrte Tilda den Schlüssel aus der Jackentasche. Dabei zerriss ratschend das Seidenfutter. Es kümmerte sie nicht. Sie steckte den Schlüssel ins Loch und drehte ihn mit einem Ruck herum. Knarrend sprang die Tür auf. Der muffige Geruch, der ihnen entgegenströmte, verschlug ihnen den Atem.

»Boah, das stinkt wie im Keller meiner Oma nach dem Unwetter mit dem vielen Schlamm«, rief Daria und hielt sich die Nase zu.

Tilda trat vor und leuchtete den Kellerraum aus, der vollgestopft war mit allen möglichen Dingen. Ein wahres Sammelsurium von Möbeln, Teppichen und prall gefüllten Regalen.

»Sieht aus wie ein normaler Abstellraum«, bemerkte Daria, die neben sie getreten war. »Wo soll denn hier Schmuck sein? In einem der Schränke? Ich glaube, du hast mich angelogen.« Auch Tilda war enttäuscht von dem, was sie vorfanden. Sie hatte sich alles viel aufregender, spannender vorgestellt. Eine Schatzkammer oder zumindest eine Holztruhe randvoll gefüllt mit Schmuckstücken. Sie wollte sich ihre Enttäuschung jedoch vor der Freundin nicht anmerken lassen.

»Irgendwo da drinnen muss zumindest ein Hinweis auf den Schmuck sein. Ich spüre das«, antwortete sie fest und betrat den Raum. »Lass uns alles durchsuchen.«

Sie stürmte vor und klappte den hölzernen Globus auf, der mitten im Raum stand, während Daria sich noch immer nicht von der Stelle rührte.

»Hier ist doch nichts zu finden, Tilda. Lass uns lieber wieder nach oben gehen. Meine Taschenlampe gibt bald den Geist auf.« Daria klopfte mit dem Finger gegen das Gehäuse, als das Licht flackerte.

»Jetzt noch nicht. Wir haben ja immerhin noch meine.« Tilda hielt lächelnd ihre Taschenlampe hoch.

Seufzend fügte sich Daria in ihr Schicksal und begann die Suche in einer der Schubladen.

Im Globus fand Tilda nur eine verstaubte, leere Flasche Whiskey. Aber hier musste es etwas geben. Ihr Bauchgefühl hatte sie noch nie getrogen.

»Dein Vater hat doch auch nichts gefunden, wie du gesagt hast«, maulte Daria bei der Suche.

»Weil er sicher nicht richtig gesucht hat.« Ihr Vater war recht ungeduldig in solchen Dingen und gab schnell auf.

Sie durchsuchten verschiedene Möbel, manche sogar ein zweites Mal, ohne einen Hinweis zu finden, bis Daria sie zu sich rief.

»Was ist denn?« Sofort war Tilda an ihrer Seite.

»Hier ein Buch mit einem … Loch drin! Komisch. Ein Geheimversteck?« Daria wies auf ihren Fund.

In der Mitte der Buchseiten klaffte tatsächlich ein quadratisches Loch. Die Ränder waren so glatt, als hätte jemand sie mit einer Maschine gestanzt. Im Loch lag ein gebogenes Stück Metall, das an den Öffner einer Fischdose erinnerte.

»Was ist das denn?«, fragte Daria.

Tilda zuckte mit den Achseln. »Keine Ahnung.« Sie nahm der Freundin das Buch aus der Hand und betrachtete den Einband. Vermutlich irgendeine Kuriosität, von denen es einige in Vaters Sammlung gab.

»Nichts Besonderes. Hier muss noch was anderes sein«, fuhr Tilda fort, die sich mit dem Ergebnis nicht zufriedengeben wollte. »Lass uns weitersuchen. Irgendwas müssen wir finden, da bin ich mir sicher.« Hatte sie sich doch getäuscht?

Ihre Suche durfte nicht umsonst sein. Enttäuscht pfefferte sie das Buch in den Raum. Dabei flog das metallene Stück heraus und landete irgendwo inmitten des Sammelsuriums klirrend...



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