Maybach | Du bist unmöglich! | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 140, 100 Seiten

Reihe: Der neue Dr. Laurin

Maybach Du bist unmöglich!

Der neue Dr. Laurin 140 - Arztroman
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98986-965-3
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der neue Dr. Laurin 140 - Arztroman

E-Book, Deutsch, Band 140, 100 Seiten

Reihe: Der neue Dr. Laurin

ISBN: 978-3-98986-965-3
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. »Wie geht es ihr heute?«, fragte Tabea Bauer, als sie die Station betrat, auf der ihre Oma Gisela seit einem halben Jahr wohnte. Friederike Eisenberg, von allen nur ?Fritzi? genannt und die Pflegerin, zu der Tabea das meiste Vertrauen hatte, lächelte. »Sie ist gut drauf, keine Sorge. Wir haben schon zusammen gesungen heute Morgen, danach hat sie beim Kartoffelschälen geholfen, zwischendurch ein Schläfchen gemacht, und jetzt freut sie sich auf den Kaffee mit dir und auf einen Spaziergang. Ich habe ihr gesagt, dass du kommst.« Tabea atmete erleichtert auf. Einer von den guten Tagen also - das war schon lange nicht mehr selbstverständlich. »Danke, Fritzi!« »Dafür nicht. Und, was machen deine Ballettkinder?« »Sie sind bester Dinge, die meisten jedenfalls. Sie üben fleißig und träumen davon, berühmt zu werden. Bei den anderen, die nur wegen ihrer Mütter bei mir sind, versuche ich, die Begeisterung erst noch zu wecken. Wir haben heute an der Haltung gearbeitet, das hat für viel Stöhnen gesorgt, aber am Ende waren sie alle ein bisschen gewachsen und haben sich gut gefühlt.« Tabea musste bei der Erinnerung lächeln. Seit man im Pflegeheim wusste, dass sie eine Ballettschule leitete, wurde sie ständig danach gefragt. Offenbar war das für viele ein exotischer Beruf, der ihr Interesse weckte. Tabea freute sich darüber. Sie sprach gerne über ihre Arbeit, denn sie liebte sie, und sie wusste, dass sie gut in dem war, was sie tat.

Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie 'Der kleine Fürst' in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Der zur Waise gewordene angehende Fürst Christian von Sternberg ist ein liebenswerter Junge, dessen mustergültige Entwicklung zu einer großen Persönlichkeit niemanden kalt lässt. Viola Maybach blickt auf eine stattliche Anzahl erfolgreicher Serien zurück, exemplarisch seien genannt 'Das Tagebuch der Christina von Rothenfels', 'Rosenweg Nr. 5', 'Das Ärztehaus' und eine feuilletonistische Biografie. 'Der kleine Fürst' ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken.
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»Wie geht es ihr heute?«, fragte Tabea Bauer, als sie die Station betrat, auf der ihre Oma Gisela seit einem halben Jahr wohnte.

Friederike Eisenberg, von allen nur ›Fritzi‹ genannt und die Pflegerin, zu der Tabea das meiste Vertrauen hatte, lächelte. »Sie ist gut drauf, keine Sorge. Wir haben schon zusammen gesungen heute Morgen, danach hat sie beim Kartoffelschälen geholfen, zwischendurch ein Schläfchen gemacht, und jetzt freut sie sich auf den Kaffee mit dir und auf einen Spaziergang. Ich habe ihr gesagt, dass du kommst.«

Tabea atmete erleichtert auf. Einer von den guten Tagen also – das war schon lange nicht mehr selbstverständlich. »Danke, Fritzi!«

»Dafür nicht. Und, was machen deine Ballettkinder?«

»Sie sind bester Dinge, die meisten jedenfalls. Sie üben fleißig und träumen davon, berühmt zu werden. Bei den anderen, die nur wegen ihrer Mütter bei mir sind, versuche ich, die Begeisterung erst noch zu wecken. Wir haben heute an der Haltung gearbeitet, das hat für viel Stöhnen gesorgt, aber am Ende waren sie alle ein bisschen gewachsen und haben sich gut gefühlt.« Tabea musste bei der Erinnerung lächeln.

Seit man im Pflegeheim wusste, dass sie eine Ballettschule leitete, wurde sie ständig danach gefragt. Offenbar war das für viele ein exotischer Beruf, der ihr Interesse weckte. Tabea freute sich darüber. Sie sprach gerne über ihre Arbeit, denn sie liebte sie, und sie wusste, dass sie gut in dem war, was sie tat. Und sie liebte die Kinder, die sie unterrichtete.

»Kommt es auch mal vor, dass jemand dabei ist, bei der oder dem du denkst: Das ist ein super Talent?«, fragte Fritzi.

»Einmal bisher«, sagte Tabea. »Das war für mich ganz toll, aber auch ein bisschen traurig, weil ich wusste, der Junge bleibt nicht lange bei mir. Er braucht eine ganz andere Förderung, als er sie in einer normalen Ballettschule bekommen kann.«

»Und du selbst?«, fragte Fritzi. »Hattest du nie den Wunsch, die ganz große Karriere zu machen?«

»Doch, natürlich. Aber mein Körper hatte andere Pläne.«

»Wieso dein Körper? Du bist doch ganz schmal …«

»Ja, aber ich bin zu groß. Zum Glück bin ich schnell gewachsen, sodass mir schon als Teenager klar war: Eine Primadonna werde ich nicht. Ich musste also meine Pläne schon früh ändern, und das hat mir geholfen.«

»Aber du bist dann doch beim Ballett geblieben.«

»Es ist meine große Liebe«, sagte Tabea ganz ruhig. »Und seine große Liebe verlässt man doch nicht, oder?«

Fritzi legte den Kopf leicht schief, während sie Tabea betrachtete wie ein seltenes Insekt, aber durchaus wohlwollend. »Da hast du wohl Recht«, sagte sie.

Aus einem der Zimmer ertönte eine jammernde Stimme: »Fritzi, wo bist du denn? Fritzi!«

»Frau Seeger«, seufzte Fritzi. »Sie gibt heute gar keine Ruhe. Bis gleich beim Kaffee, Tabea.«

»Ja, bis gleich.« Tabea ging weiter zum Zimmer ihrer Oma Gisela Ohldorf, die aufblickte, als sie eintrat und mit strahlendem Lächeln sagte: »Da bist du ja endlich, Tini!«

Es war nicht das erste Mal, dass sie Tabea mit ihrer Mutter Bettina, die Giselas Tochter war, verwechselte. Am Anfang hatte Tabea sie verbessert und versucht, ihr klarzumachen, dass sie Giselas Enkelin war, nicht ihre Tochter. Das hatte jedoch nur zu Tränen und Verzweiflung bei ihrer Oma geführt.

Fritzi hatte es ihr dann erklärt: »Du machst sie unglücklich, weil sie merkt, dass sie einen Fehler gemacht hat, aber nicht genau versteht, welchen. Wenn sie dich für deine Mutter hält: Lass sie in dem Glauben und spiel mit, das ist für euch beide besser.«

Diese Erklärung hatte Tabea eingeleuchtet, deshalb sagte sie jetzt nur: »Ja, da bin ich!« und küsste ihre Oma zur Begrüßung.

Die war, wie Fritzi gesagt hatte, gut drauf, sie erzählte viel, sprang dabei von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück und ging schließlich hochzufrieden mit Tabea zum Kaffeetrinken in den ›Salon‹. Wer den Speiseraum zuerst so genannt hatte, wusste niemand mehr, aber die Bezeichnung hatte allgemein Anklang gefunden, seitdem gab es auf der Station für Demenzkranke einen ›Salon‹.

Nach dem Kaffeetrinken gingen sie spazieren, bis Tabea merkte, dass ihre Oma müde wurde. »Sollen wir zurückgehen, Omi?«, fragte sie.

Gisela blieb stehen und sah Tabea verwirrt an. Sie öffnete den Mund, als wollte sie etwas sagen, schloss ihn dann aber wieder, um nachzudenken. Schließlich sagte sie. »Ich bin müde.«

»Dann gehen wir zurück, du legst dich hin und schläfst ein bisschen – und wenn aufwachst, gibt es schon bald Abendessen.«

Gisela nickte müde, ihre Energie schien schlagartig verbraucht zu sein. Tabea brachte sie zurück in ihr Zimmer und half ihr, sich hinzulegen. Ihre Oma schlief schon, bevor sie die Tür hinter sich geschlossen hatte.

Sie verabschiedete sich von Fritzi, sah noch kurz bei der immer noch jammernden Frau Seeger vorbei und lief danach mit schnellen Schritten nach Hause. Früher war sie immer total deprimiert gewesen nach einem Besuch auf der Demenzstation. Das war nicht mehr so. Mittlerweile konnte sie besser damit umgehen.

Aber schwer war es schon immer noch, denn bis vor zwei, drei Jahren war ihre Oma eine unternehmungslustige, energische, tatkräftige Frau gewesen, sehr selbstständig zudem. Tabea hatte sie immer als ihr Vorbild gesehen: So wollte sie auch einmal alt werden. Und dann, schleichend, hatte sich die Demenzerkrankung bemerkbar gemacht, bis eines Tages klar gewesen war, dass Gisela Ohldorf nicht mehr allein für sich sorgen konnte. Das waren schlimme Wochen gewesen, damals, vor der Entscheidung, dass ihre Oma ins Pflegeheim umziehen musste. Aber jetzt fühlte sie sich dort wohl, jedenfalls meistens. Es gab die weniger guten Tage, aber sie waren in der Minderzahl, zum Glück.

Ihre Gedanken glitten weiter, zum nächsten Tag, an dem sie wieder in ihrem Ballettsaal stehen und Unterricht geben würde. Sie freute sich schon darauf.

Und wenn sie gleich zu Hause war, würde sie noch einen Clip aufnehmen und veröffentlichen. Sie hatte vor einiger Zeit angefangen, sich auch im Internet zu präsentieren, was ihrer Ballettschule sehr zugutegekommen war. Sie tanzte vor, erklärte die Schrittfolge und präsentierte sich auf diese Weise auch selbst – und natürlich wusste sie, dass sie die beste Werbung für ihre Schule war: Sie war das klassische Bild der schönen Ballerina mit ihren schwarzen Haaren, die beim Tanzen zu einem strengen Knoten gefasst waren, den großen blauen Augen und dem schlanken, geschmeidigen Körper. Da sie in ihren Videos allein tanzte, ohne Partner oder andere Tänzerinnen, fiel nicht auf, dass sie einige Zentimeter zu groß war für eine klassische Ballerina …

Sie lief schneller. Ja, nach dem Besuch bei ihrer Oma hatte sie Lust zu tanzen und ein Video aufzunehmen – und genau das würde sie tun, sobald sie in ihrer Wohnung angelangt war.

*

Markus Wille genoss die Dusche nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag. Er war Installateur, noch angestellt, aber demnächst würde er sich selbstständig machen. Seinen Meister hatte er in der Tasche, er beherrschte sein Handwerk, und er hatte beste Beziehungen in der Stadt. Was ihm noch fehlte, war das nötige Geld für den Start in die Selbstständigkeit. Aber er war ja noch jung, auf zwei oder drei Jahre kam es ihm nicht an, zumal er ja jeden Tag Erfahrungen sammelte und immer noch etwas dazulernte. Sein Chef wusste, dass er nicht für immer bei ihm bleiben würde, da gab es keine Heimlichkeiten. Sie kamen gut miteinander aus.

Er verließ die Dusche, trocknete sich ab und betrachtete sich zufrieden im Spiegel. Doch, er konnte sich sehen lassen. Blond war er, sehr groß, klassisches Profil, mit einem großen Mund und interessanten dunkelgrauen Augen mit grünen Einsprengseln.

Markus war froh, dass er keine blauen Augen hatte, das klang immer so nach Klischee: blond und blauäugig … Dem entsprach er schon einmal nicht.

Die meisten seiner Freunde hatten feste Freundinnen, er selbst verspürte noch keine Lust, sich zu binden. Ihm gefiel es, allein zu leben. Ab und zu hatte er eine Freundin, aber lange hielten seine Beziehungen nicht, weil er immer recht schnell klar machte, dass er sein ungebundenes Leben liebte.

Er beschloss, irgendwo essen zu gehen, er hatte keine Lust, sich etwas zuzubereiten, zumal er dafür erst noch hätte einkaufen gehen müssen. Darauf hatte er erst recht keine Lust.

Also ging er in ein Restaurant in der Nähe seiner Wohnung, wo er öfter aß an solchen Abenden, und dort stieß er auf einen Mann, der allein an einem Tisch saß und bei seinem Anblick erfreut grinste: ein mittelgroßer schmaler Dunkelhaariger mit wachen dunklen Augen. Der Amerikaner Spencer Johnson war vor Jahren nach München gekommen, für ein Auslandssemester an der Universität. Er hatte sich in München verliebt, in eine Frau – und sein Studium geschmissen.

»War sowieso nicht das Richtige für mich«, hatte er einmal zu Markus gesagt. Er war Schreiner geworden – ein sehr guter – und Münchner. Mit der Frau von damals war er schon lange nicht mehr zusammen, aber in die USA wollte er auf keinen Fall zurück. Er sprach Deutsch noch immer mit amerikanischem Akzent. Markus hatte ihn im Verdacht, dass er das absichtlich machte, weil er dadurch interessanter wirkte. Spencer und er waren auf lockere Art und Weise befreundet. Sie hatten sich von Anfang an gemocht, aber richtig eng war ihr Verhältnis trotz aller Sympathie nie geworden, was vielleicht auch daran lag, dass Spencer sehr, sehr viele Menschen kannte, mit denen er auf dieselbe lockere Art befreundet war.

»Ich hatte gehofft, dass jemand herkommen würde, den ich...



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