E-Book, Deutsch, Band 31, 100 Seiten
Reihe: Der neue Dr. Laurin
Maybach Erst die Party - dann die Krise ...
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7409-6979-0
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der neue Dr. Laurin 31 - Arztroman
E-Book, Deutsch, Band 31, 100 Seiten
Reihe: Der neue Dr. Laurin
ISBN: 978-3-7409-6979-0
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie 'Der kleine Fürst' in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Der zur Waise gewordene angehende Fürst Christian von Sternberg ist ein liebenswerter Junge, dessen mustergültige Entwicklung zu einer großen Persönlichkeit niemanden kalt lässt. Viola Maybach blickt auf eine stattliche Anzahl erfolgreicher Serien zurück, exemplarisch seien genannt 'Das Tagebuch der Christina von Rothenfels', 'Rosenweg Nr. 5', 'Das Ärztehaus' und eine feuilletonistische Biografie. 'Der kleine Fürst' ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken.
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»Es dauert nicht lange, Beate«, sagte Alice Hausen zu ihrem Töchterchen, bevor sie das Sprechzimmer von Dr. Laurin betrat.
»Wir werden uns schon die Zeit vertreiben«, meinte Hanna Bluhme, die Sekretärin des Chefarztes der Prof.-Kayser-Klinik, lächelnd.
Beate war vor vier Jahren in der Prof.-Kayser-Klinik zur Welt gekommen, und während ihre hübsche Mutter, die kurz vor der Geburt ihres zweiten Kindes stand, Dr. Laurin fröhlich begrüßte, setzte sich Beate neben Hanna.
»Hoffentlich wird es ein Junge«, sagte drinnen im Sprechzimmer Alice Hausen zu Dr. Laurin. »Wir sind ganz darauf eingestellt. Es geht mir auch viel besser als bei Beate.«
Wenn man immer nur danach gehen könnte, wäre es einfach, dachte Dr. Laurin.
»Jedenfalls ist alles in bester Ordnung«, sagte er. »Übrigens noch meine Gratulation für Ihren Mann. Meine Frau sagte mir, daß er zum Bankdirektor avanciert ist.«
»Ja, das war eine Freude. Nun hat Phil erreicht, was er wollte. Wir sind restlos glücklich.«
Man sah es ihr an. Dr. Laurin freute sich mit ihr.
Sie blieb die schlichte, natürliche Alice Hausen, die sie ihrer Bescheidenheit wegen alle ins Herz geschlossen hatten, als sie vor vier Jahren ihre kleine Beate zur Welt gebracht hatte, die anfangs ein Sorgenkind gewesen war. Allerdings war davon jetzt nichts mehr zu spüren, denn Beate hatte sich prächtig entwickelt und war kerngesund und geistig sehr rege.
Sie hatte sich mit Hanna unterhalten, sich eingehend erkundigt, wie viele Babys jetzt in der Klinik waren, und begrüßte den Onkel Doktor wie einen guten Freund.
»Du sagst doch auch, daß es ein Brüderchen wird, Dr. Laurin?« fragte sie erwartungsvoll.
»Das wollen wir doch sehr hoffen«, erwiderte er. »Aber bald werden wir es ja ganz genau wissen.«
Beate legte den Kopf schief. »Ich möchte wirklich lieber ein Brüderchen haben«, sagte sie mit Nachdruck.
»Jetzt aber werden wir Dr. Laurin nicht mehr die Zeit stehlen, und unseren Papi wollen wir auch noch abholen«, sagte Alice Hausen.
Der fröhliche Abschied ließ keine Ahnung aufkommen, wie dramatisch sich dieser Tag für Alice Hausen, Beate und den Bankdirektor Philipp Hausen wie auch für Dr. Leon Laurin entwickeln sollte.
*
Es war ein Freitag, und es herrschte starker Verkehr in der Stadt. Auch in den Geschäften war Alice Hausen aufgehalten worden.
Damit ihr Mann nicht auf sie warten mußte, nahm sie ein Taxi, um die Bank im Westen der Stadt rechtzeitig zu erreichen.
»Papi wartet schon«, sagte Beate. »Ich habe Hunger, Mami.«
»Wir gehen dann gleich zum Essen, Atikind«, vertröstete sie die Kleine.
»Au fein«, freute sich Beate.
Alice atmete erleichtert auf, als das Taxi vor der Bank hielt.
In der Schalterhalle befanden sich nur noch wenige Kunden. Freundlich grüßend ging Alice, ihr Töchterchen an der Hand, an den Angestellten vorbei zum Büro ihres Mannes. Sie fing einen Blick von Susi Kern, die erst vor sechs Wochen eingestellt worden war, auf, der sie seltsam berührte.
Irgendwie befremdete sie dieser Blick des hübschen Mädchens, in dem sie ein Erschrecken zu bemerken vermeinte.
Sie dachte nicht mehr darüber nach, als sie von ihrem Mann zärtlich in die Arme genommen wurde. Beate wollte ihrem Papi auch ein Bussi geben. Bevor sie noch ein Wort wechseln konnten, war die Hölle los.
Es ging alles so rasend schnell, daß sie sich momentan der Gefahr gar nicht bewußt wurden, in der sie von der nächsten Minute an schwebten.
»Alarm!« stieß Philipp Hausen zwischen den Zähnen hervor. Er war blaß geworden, und als die Tür aufsprang, stellte er sich schützend vor seine Frau. Ein maskierter Mann, eine Pistole in der Hand haltend, stand im Türrahmen.
»Keine Bewegung«, sagte er mit heiserer Stimme, während aus dem Schalterraum Schreckensrufe und die drohende Stimme eines zweiten Mannes drangen.
Philipp Hausen dachte im Augenblick nur an die Sicherheit seiner Frau und seines Kindes. Erst als der Maskierte näher auf ihn zutrat, wurde ihm bewußt, daß der Kassierer noch den Alarm ausgelöst hatte, und schon jetzt war das Martinshorn eines Streifenwagens zu hören.
Der Bankräuber war nur für den Bruchteil einer Sekunde irritiert.
»Pech für Sie«, zischte er.
Alice klammerte sich an ihren Mann.
»Nicht schießen«, flehte sie.
»Lassen Sie meine Frau und mein Kind in Ruhe«, sagte Philipp Hausen mit einer Stimme, die ihm nicht gehorchen wollte.
»Wir werden sie jetzt noch brauchen«, sagte der Maskierte zynisch.
»Was will der böse Mann, Papi?« jammerte Beate.
»Sei ruhig, mein Kleines«, murmelte Philipp Hausen. »Du mußt jetzt ganz brav sein.«
Seine Gedanken arbeiteten fieberhaft, aber er fühlte sich machtlos, als er zum Ausgang blickte und bemerkte, daß das Gitter herabgelassen worden war.
Er zwang sich zur Ruhe.
*
Hanna Bluhmes Mittagspause neigte sich dem Ende zu. Sie hatte das Radio angestellt.
Plötzlich wurde die Musik unterbrochen.
»Eine Polizeidurchsage«, tönte eine Männerstimme aus dem Apparat.
Schreckensbleich wurde sie, als sie lauschte, und erregt sprang sie auf, als Dr. Laurin eintrat.
»Es ist die Bank, in der Herr Hausen Direktor ist«, stieß sie bebend hervor.
»Was ist damit?« fragte Dr. Laurin überstürzt.
»Banküberfall. Die Räuber haben Frau Hausen und Beate und vier Kunden als Geiseln genommen und verlangen zwei Millionen Lösegeld und freien Abzug.«
Entsetzt starrte Dr. Laurin sie an.
»Dieser Wahnsinn«, murmelte er heiser. »Der Schrecken kann eine Frühgeburt auslösen. Ich werde mich gleich mal informieren.«
Als er sich mit dem Polizeipräsidenten in Verbindung setzte, sagte man ihm nur, daß bisher kein Blut geflossen sei, und daß mit den Bankräubern verhandelt würde.
»Verhandelt«, sagte er grimmig, als er den Hörer aufgelegt hatte.
»Diese Gangster bringen alles fertig«, sagte Hanna. »Nirgends ist man seines Lebens sicher.«
Wie ein Lauffeuer machte die Schreckensnachricht ihre Runde. Antonia Laurin rief ihren Mann an. Sie kannte Philipp und Alice Hausen.
*
Die beiden maskierten Männer hatten die Angestellten in Philipp Hausens Büro gedrängt. Einer von ihnen, der größere, bewachte es, während der zweite die übrigen vier Geiseln im Schalterraum in Schach hielt.
Philipp Hausen kannte die Forderung der Räuber. Er dachte nicht an die riesige Summe, die sie forderten. Ihm war nur das Leben der Menschen wichtig.
Beate schmiegte sich, vollkommen eingeschüchtert, an ihre Mutter, die sich hinsetzen durfte. Wenigstens das hatte man gestattet, wenngleich Philipp Hausen sicher war, daß man gerade seine Frau und sein Kind als größtes Druckmittel gegen ihn und auch die Polizei betrachtete. Die Gangster hatten ihn gezwungen, mit der Polizei zu telefonieren, und nun wurde verhandelt.
Voller Sorge bemerkte Philipp Hausen, daß Alice immer blasser wurde und daß sie schmerzhaft das Gesicht verzog.
Drei Stunden befanden sie sich nun schon in diesem Raum. Die Luft war stickig. Alice kämpfte tapfer gegen die Übelkeit an und gegen die Schmerzen, die immer stärker wurden. Ab und zu kam aber doch ein Stöhnen über ihre Lippen.
»Meine Frau erwartet ein Kind«, sagte Philipp Hausen rauh.
»Was Sie nicht sagen«, entgegnete der Maskierte kaltblütig. »Dann werden Sie ja daran interessiert sein, daß unsere Forderungen schnell erfüllt werden.«
»Was kann ich noch tun?« fragte Philipp Hausen verzweifelt.
»Den Mund halten«, wurde ihm barsch erwidert.
»So geht es doch nicht!« schrie Susi Kern plötzlich auf. »Wenn das Kind nun…«
»Verdammt noch mal! Ruhe!« brüllte der Mann sie an.
Am ganzen Körper zitternd, lehnte sich Susi Kern an die Wand. Flehend hingen ihre Blicke an dem Maskierten.
»Gestatten Sie meiner Frau doch wenigstens, daß sie sich hinlegt«, sagte Philipp Hausen.
»Wo denn?« fragte der Gangster sarkastisch.
»In der Schalterhalle sind Bänke«, mischte sich Susi Kern wieder ein. »Macht doch keinen Blödsinn!«
Aller Blicke richteten sich voller Mißtrauen auf sie. Ihre Augen schlossen sich, ihre Lippen preßten sich zusammen.
»Schwatzhafte Person!« sagte der Maskierte. »Ich werde ihr den Mund stopfen. Gut, Ihre Frau kann sich auf ein Sofa legen.«
»Ich will bei dir bleiben, Phil«, sagte Alice mit erstickter Stimme.
»Mami soll nicht fortgehen«, wimmerte Beate.
Mit einem schmerzvollen Stöhnen preßte Alice Hausen die Hände auf ihren Leib.
»Raus mit euch«, sagte der Maskierte drohend. »Aber laßt euch gesagt sein, mein Kumpel hat nicht so gute Nerven wie ich. Er macht kurzen Prozeß.«
In der Schalterhalle war bessere Luft. Der zweite Gangster stand hinter einer älteren Dame an der vergitterten Tür, durch deren Glasscheiben man einen Polizisten erkennen konnte. Die Dame wandte sich um.
»Das ist ja eine schöne Bescherung, Herr Hausen«, sagte sie mit frappierender Gelassenheit. »Nun fuchteln Sie mal nicht so nervös mit Ihrer Pistole herum, junger Mann.«
Ihre Ruhe schien selbst auf den Maskierten Eindruck zu machen.
Philipp Hausen war diese Kundin wohlbekannt. Frau Derck war eine vermögende Witwe, die alle ihre Geschäfte über diese Bank abwickelte, und so besonnen, wie sie mit ihrer Geldanlage war, schien sie auch in dieser gefährlichen Situation zu sein. Während die anderen drei Bankkunden, ein Herr mittleren Alters, ein Jüngerer und ein junges Mädchen sich recht ängstlich an die Wand drängten, ging Frau Derck jetzt...




