E-Book, Deutsch, 250 Seiten
Mayer Die E-Zigarette
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-903229-24-2
Verlag: Delta X Verlag e.U.
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Fakten und Mythen
E-Book, Deutsch, 250 Seiten
ISBN: 978-3-903229-24-2
Verlag: Delta X Verlag e.U.
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die E-Zigarette erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Viele Raucherinnen und Raucher, die sie einmal probierten, sind dabei geblieben. Sie erfreuen sich nun am „Dampfen“, das – wie viele Studien zeigen – die weitaus harmlosere Alternative zum Rauchen von Tabakzigaretten ist.
Dieser Trend wird in einigen Ländern, wie etwa Großbritannien, auch von öffentlichen Stellen unterstützt. Man verspricht sich damit einen Rückgang von Krebs oder anderen schweren Erkrankungen, die mit dem Tabakrauchen assoziiert sein können.
In anderen Ländern wie in Deutschland oder Österreich, werden E-Zigaretten aber immer wieder geradezu „verteufelt“. Selbsternannte Experten warnen eindringlich vor ihrem Gebrauch und Horrorstudien versuchen der E-Zigarette gleich große, wenn nicht größere Schädlichkeit als Tabakzigaretten anzudichten.
Der Pharmakologe und Toxikologe Bernd Mayer von der Universität Graz hat sich nun dieses Themas angenommen und erklärt in seinem Buch in verständlicher Form die Fakten und Mythen rund um die E-Zigarette. Dabei entlarvt der Experte die Argumente gegen den Umstieg auf das Dampfen als nicht durch Wissenschaft gestu¨tzte Behauptungen bestimmter Interessensgruppen, allen voran der pharmazeutischen Industrie und dem eng mit der Industrie vernetzten öffentlichen Gesundheitswesen.
Ein empfehlenswertes Buch für alle, die die E-Zigarette als Alternative zum Rauchen in Erwägung ziehen – und dabei bleiben wollen.
Zielgruppe
Raucher und Ex-Raucher
Jugendliche
Junge Wissenschaftler/Studierende aus dem Bereich der Toxikologie/Pharmakologie
Studierende der Medizin
Ärzte/Fachärzte
Apotheker
Trafikanten
Dampfer
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. EINLEITUNG Seite 10
2. RAUCHEN Seite 14
2.1 Schädlichkeit Seite 14
2.2 Raucherquoten, Abhängigkeit und Entwöhnung Seite 14
2.3 Schadensminimierung Seite 17
2.4 E-Zigaretten:
Alternative fu¨r Raucher zur Schadensminimierung Seite 19
3. NIKOTIN Seite 20
3.1 Biologische Effekte Seite 21
3.2 Toxizität Seite 24
3.3 Tödliche Dosis Seite 28
3.4 Hohes Suchtpotential? Seite 30
3.5 Nikotinsalze Seite 41
4. FUNKTION VON E-ZIGARETTEN Seite 44
5. VERDAMPFUNG STATT VERBRENNUNG Seite 53
5.1 Schadstoffe im Dampf Seite 56
5.2 Exkurs Tabakerhitzer Seite 63
6. BELASTUNG DER RAUMLUFT UND PASSIVDAMPFEN Seite 69
7. AROMASTOFFE – GEFÄHRLICH BEI INHALATION? Seite 78
7.1 Entfall des Metabolismus in der Leber Seite 79
7.2 Toxizität von Pyrolyseprodukten: Beispiel Sucralose Seite 80
7.3 Direkte Toxizität auf Lungenepithelzellen: Beispiel Diacetyl Seite 82
7.4 Toxizität von Aromastoffen
gemäß CLP-Verordnung der EU Seite 87
7.5 Menthol Seite 88
7.6 Fette und Öle (Lipide) Seite 92
7.7 Schädigung von Herz und Blutgefäßen? Seite 93
7.8 Toxizitätstests an Zellen zur Qualitätssicherung? Seite 95
7.9 Fazit zur möglichen Schädlichkeit von Aromastoffen Seite 96
8. STUDIEN ZU DEN EFFEKTEN DES DAMPFENS
AUF DIE GESUNDHEIT Seite 98
8.1 Lunge Seite 100
8.2 Herz und Blutgefäße Seite 104
8.3 Schwangerschaft Seite 105
8.4 Alles andere Seite 106
Die E-Zigarette – Fakten & Mythen 7
9. UM WIEVIEL WENIGER SCHÄDLICH? Seite 108
9.1 Risikoabschätzung durch Public Health England (PHE) Seite 109
9.2 Krebsrisiko Seite 112
9.3 Missverständnisse rund um die Risikoabschätzung von PHE Seite 116
9.4 Risiko fu¨r Nichtraucherinnen und Nichtraucher? Seite 118
9.5 Risiko durch Alkohol in Liquids? Seite 120
9.6 Risiko bei Übergewicht oder Diabetes mellitus? Seite 121
10. MYTHEN Seite 123
10.1 Dampfen renormalisiert das Rauchen Seite 125
10.2 Nikotin ist ein tödliches Sucht- und Nervengift Seite 128
10.3 Durch den Umstieg tauscht man eine Sucht gegen eine andere Seite 132
10.4 E-Zigaretten sind nicht harmlos Seite 133
10.5 Die Unschädlichkeit des Dampfens ist nicht bewiesen Seite 135
10.6 Es gibt noch keine Langzeitstudien Seite 137
10.7 E-Zigaretten erzeugen gesundheitsschädliche Partikel Seite 140
10.8 Tote durch E-Zigaretten Seite 141
10.9 Dampfen beeinträchtigt das Immunsystem
und fördert Sars-Cov-2-Infektionen Seite 149
10.10 E-Zigaretten fördern den Ausstieg nicht,
sondern behindern ihn (dual use) Seite 155
10.11 E-Zigaretten sind Einstiegsdrogen fu¨r Jugendliche Seite 161
10.12 Absurdes Seite 176
11. DIE KONTROVERSE Seite 180
11.1 Wer verdient am Rauchen? Seite 181
11.2 Tabakkontrolle und Public Health –
ein geschlossenes System Seite 187
11.3 Ausgrenzung der Tabakindustrie Seite 192
11.4 Beihilfe zur Desinformation durch die Medien Seite 197
12. AUSBLICK Seite 200
Glossar und Abku¨rzungen Seite 202
Danksagungen Seite 210
Abbildungsverzeichnis Seite 212
Literaturverzeichnis Seite 213
Zum Autor Seite 247
1. Einleitung
Ende Februar 2006 suchte mich am Institut ein gewisser Renatus (alias
René) Derler, wohnhaft etwa 50 Kilometer nördlich von Graz, auf und
präsentierte mir eine sehr dekorativ mit chinesischen Zeichen beschriftete
Holzschachtel. Der Inhalt entpuppte sich als zigarrenähnliches Teil, das
man mit Filterdepots bestu¨cken konnte, die mit nikotinhaltiger Flu¨ssigkeit
getränkt waren. Dieses Gerät, das René als „elektrische Zigarette“ bezeichnete,
erzeugte mittels eines Akkus einen Nebel, den man ähnlich wie den
Rauch von Tabakzigaretten inhalieren konnte. Als damals starker Raucher
war ich von dem Gerät begeistert und wagte die Prognose, dass aufgrund
dieser Erfindung das Rauchen binnen 15 Jahren ausgerottet sein wu¨rde.
Dass diese Prognose hoffnungslos optimistisch war, liegt wohl vor allem an
dem in meiner Naivität nicht erwarteten massiven Gegenwind, der diesen
Geräten von verschiedenen Seiten entgegen bläst und der ein wichtiges
Thema dieses Buchs sein wird.
Wie sich herausstellte, hat René Derler die von der Firma Ruyan damals in
China vertriebene E-Zigarette auf einer Asienreise entdeckt und beschlossen,
sie in Europa zu vermarkten. Dazu bekam er von Ruyan die Generalvollmacht,
wollte sich aber bei der in Österreich dafu¨r zuständigen Agentur
fu¨r Ernährungssicherheit (AGES) mit einem toxikologischen Gutachten
absichern, wozu er mich beauftragte. Als Grundlage fu¨r mein Gutachten
hatte ich die Patentschrift der Firma Ruyan, aus der das Funktionsprinzip
ersichtlich war, eine Liste von Inhaltsstoffen der „Depots“ und nicht zuletzt
meinen Hausverstand zur Verfu¨gung. Studien u¨ber E-Zigaretten gab
es damals natu¨rlich noch keine. Allerdings war seit langem bekannt, dass
die schädlichen Wirkungen des Rauchens auf den Verbrennungsprodukten
im Rauch beruhen. Außerdem gab es einige wenige tierexperimentelle Studien,
die die Unbedenklichkeit der Inhalation der Hauptbestandteile der
verdampften Flu¨ssigkeiten, Glycerin und Propylenglykol (PG), belegten.
Daraus folgte fu¨r mich zwingend, dass E-Zigaretten, in denen keine Verbrennung
stattfindet, um ein Vielfaches weniger schädlich sind als Tabakzigaretten.
Heute findet man in der Fachliteratur mehrere tausend Publikationen
zu dem Thema – meine damalige Schlussfolgerung wurde aber bis
heute nicht widerlegt.
In meinem Gutachten habe ich Rauchern dieses Produkt vorbehaltlos zur
Entwöhnung empfohlen. Da ich bis dahin mit den ideologischen Konzepten
der Tabakkontrolle nicht vertraut war, hatte ich nicht vorhergesehen,
dass diese Empfehlung bei Gesundheitsbehörden sofort den „Arzneimittel-
Reflex“ auslösen wu¨rde. Raucherentwöhnung war – und ist bis heute – ein
therapeutisches Verfahren zur medizinischen Behandlung von Rauchern.
Wu¨rde man Gummibärchen zur Raucherentwöhnung empfehlen, mu¨ssten
die Hersteller diese Produkte vermutlich als Arzneimittel registrieren lassen
– und du¨rften sie nur mehr in Apotheken verkaufen. Fu¨r mich war
– und ist nach wie vor – jeder Ausstieg aus dem Rauchen eine Form der
Raucherentwöhnung, und zwar unabhängig davon, ob man mit Nicorette®,
einem Stressball, Gummibärchen oder eben E-Zigaretten aussteigt. Diese
Auffassung wird leider von den meisten Gesundheitsorganisationen und
Behörden nicht geteilt. Jedenfalls haben in Österreich sowohl die AGES als
auch das Gesundheitsministerium die E-Zigarette von Ruyan als Medizinprodukt
und nikotinhaltige Liquids als registrierungspflichtige Arzneimittel
eingestuft.
Da das Meinungsäußerungen ohne gesetzliche Bedeutung waren, startete
René Derler im Fru¨hsommer 2006 mit dem Direktvertrieb von Ruyan
E-Zigaretten in Österreich und hielt diesen bis Mitte 2007 aufrecht. Viele
österreichische Händler wagten es jedoch aufgrund der Verlautbarungen
des Gesundheitsministeriums lange Zeit nicht, nikotinhaltige Liquids
zu verkaufen. Erst 2014 sorgte die Europäische Tabakproduktrichtlinie
(TPD2) fu¨r seit langem fällige Rechtssicherheit betreffend den Handel nikotinhaltiger
Liquids außerhalb des Arzneimittelgesetzes.
Warum habe ich die E-Zigarette von Ruyan damals euphorisch begru¨ßt
und empfehle Rauchern auch heute noch ebenso euphorisch den Umstieg?
Wie viele andere habe ich im zarten Alter von 13 Jahren mit dem Rauchen
begonnen – richtig coole Männer rauchen, und selbstverständlich wollte
ich dazugehören. Als ich später erkannte, dass ich damit nicht nur meine
Geldbörse, sondern vor allem meine Gesundheit nachhaltig schädige, war
es zu spät. Unzählige Entwöhnungsversuche mit Hilfe von Nicorette®, Allen
Carr, eisernem Willen, Gruppendynamik und anderem waren allesamt
nach spätestens sechs Monaten gescheitert. Irgendwann hatte ich mich
selbst aufgegeben und meinen zunehmend schlechteren Gesundheitszustand
als unveränderlich akzeptiert. Wenn mein ju¨ngster Sohn sich beim
abendlichen Vorlesen in seinem Bett beklagt hatte, ich wu¨rde entsetzlich
stinken, sagte ich ihm er solle nicht so zimperlich sein. Als Raucher hatte
ich meine Gesundheit schwer geschädigt und Familie, Freunde und Arbeitskollegen
durch permanenten Gestank belästigt.
Und dann bin ich eben u¨ber E-Zigaretten gestolpert. Anfangs waren die
Geräte unzuverlässig und wenig effizient. Weder die von Ruyan, noch ihre
kaum verbesserten Nachfolger benutzte ich regelmäßig und hatte stattdessen
weiterhin geraucht. Anfang 2012 schickte mir jedoch Kollege Ju¨rgen
Ruhlmann ein Starterset der von ihm entwickelten Snoke® fu¨r ein Gutachten.
Ohne es zu bemerken hatte ich den ganzen Tag an dieser kleinen, relativ
schwachbru¨stigen E-Zigarette gezogen und statt 30 plötzlich nur mehr
drei bis vier Zigaretten täglich geraucht. So ging das etwa drei Wochen
lang, bis mein Vorrat an Tabakzigaretten erschöpft gewesen war und ich
mich entscheiden musste. – Ich habe mich damals gegen eine neue Stange
Tabakzigaretten und stattdessen fu¨r eine leistungsstärkere E-Zigarette entschieden.
Das war Anfang Februar 2012. Seither habe ich, abgesehen von
der einen oder anderen ekelhaften „Testzigarette“, nicht mehr geraucht.
Meine damals schwerwiegenden gesundheitlichen Probleme, vor allem nahezu
permanente Infektionen der Atemwege und schwerer Husten, waren
innerhalb weniger Wochen verschwunden. Ich war ein neuer Mensch!
Durch E-Zigaretten wurde ich trotz offensichtlich extremer Abhängigkeit
von Tabakzigaretten zwang- und schmerzlos zum Nichtraucher. Und Millionen
Umsteiger weltweit erzählen ähnliche Geschichten.
In diesem Buch werde ich versuchen, die Vorteile des Umstiegs vom Rauchen
auf das Dampfen anhand der verfu¨gbaren Fakten darzulegen. In der
biomedizinischen Datenbank Medline findet man zurzeit etwa 26.000 Publikationen
zum Thema Tabak, Nikotin und E-Zigaretten. Bei Einschränkung
auf E-Zigaretten sind es noch immer u¨ber 5.000 Arbeiten. Das zeigt
uns erstens, dass die Aussage, u¨ber E-Zigaretten sei noch wenig bekannt,
nicht zutreffend ist. Und zweitens zeigt das, dass es unmöglich ist, das verfu¨gbare
Wissen auch nur annähernd vollständig in einem schmalen Band
wiederzugeben. Ich musste daher eine Auswahl treffen. Aufgrund meiner
persönlichen Erfahrung, die man auch als Befangenheit werten könnte,
ist diese Auswahl naturgemäß subjektiv. Kritiker mögen das als cherry picking
bezeichnen, allerdings habe ich durchwegs verlässliche Studien mit
Aussagekraft ausgewählt und werde auch die Argumente der Gegner anfu¨hren
und diskutieren. Die Gru¨nde warum ich diese fu¨r wenig u¨berzeugend
halte, sollten aus dem Text hervorgehen. Von den finanziellen und
ideologischen Motiven der Gegner kann ich nur die Oberfläche freilegen,
fu¨r eine eingehende Analyse ist dieser Sumpf zu tief.
Viele Themen, die fu¨r Dampferinnen und Dampfer von Interesse sein könnten,
muss ich aus Gru¨nden mangelnder Kompetenz und Zuständigkeit weglassen.
Das sind wirtschaftliche Aspekte wie Markttrends, Verkaufszahlen,
Umsätze einzelner Firmen und dergleichen. Ebenso ausklammern werde
ich soziologische Aspekte, also Fragen nach den Motiven bestimmter Kohorten
E-Zigaretten zu nutzen oder das nicht zu tun und Fragen nach dem
Zusammenhang von Geschlecht, Alter, Sozialstatus usw. mit der Prävalenz
des Dampfens. Und zuletzt möchte ich betonen, dass die Vor- und Nacheile
bestimmter Geräte oder die Beurteilung des Geschmacks von Liquids nicht
Thema dieses Buchs sind. Ich biete auch keine technischen Anleitungen
zum Betrieb von E-Zigaretten, zur Akkusicherheit oder zur Anfertigung
schicker Wicklungen. Dazu verweise ich meine Leserinnen und Leser auf
die diversen deutschsprachigen Dampferforen, Facebook-Usergroups und
unzählige informative Youtube-Videos und Blogs. Im Herbst 2019 hat der
Suchtforscher Professor Heino Stöver einen Sammelband mit dem Titel
„Ratgeber E-Zigarette: Einsteigen, Umsteigen, Aussteigen“ herausgegeben,
in dem 15 Fachleute, darunter auch Nutzer von E-Zigaretten ihre jeweiligen
Positionen darlegen [1]. Die Darstellung des Themas wird daher in
dem Ratgeber ausgewogener erscheinen, und dort findet man auch zahlreiche
nu¨tzliche Tipps und Informationen rund um das Dampfen. Das vorliegende
Buch kann und soll diesen Ratgeber nicht ersetzen.




