E-Book, Deutsch, Band 3, 155 Seiten
Reihe: Weltenwandler
Mayerhofer Hunting Hope - Teil 3: Zerrüttete Träume
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95936-172-9
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
aus der Serie WELTENWANDLER
E-Book, Deutsch, Band 3, 155 Seiten
Reihe: Weltenwandler
ISBN: 978-3-95936-172-9
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Jacqueline Mayerhofer, 1992 in Wien geboren, schreibt seit frühsten Schuljahren. Ihr Schulausbildung hat sie 2012 erfolgreich mit der Matura (Abitur) des HAK-Aufbaulehrgangs abgeschlossen. Seit 2015 studiert sie Deutsche Philologie (Germanistik) an der Universität Wien, betätigt sich überwiegend mit dem Schreiben von Büchern und wirkt bei diversen Anthologien mit Kurzgeschichten mit. Zusätzlich lektoriert sie seit etlichen Jahren regelmäßig für Kunden und schreibt seit 2016 auch unter einem Pseudonym. Das erste Buch erschien 2008, die restlichen Jahre über folgten etliche weitere Veröffentlichungen (Romane, Kurzgeschichten) bei diversen Verlagen. Zusätzlich ist sie Videospielen seit frühster Kindheit maßlos verfallen. Außerdem hat sie ein Hobby-/Arbeitszimmer mit Vitrinen voller Figuren/Statuen aus Videospielen und Filmen sowie eine 2-Meter-Statue von Connor aus dem Spiel 'Assassin's Creed 3'. Ansonsten halten sie ihre beiden Katzen auf Trab, die Handys oder Computer mit Eifersucht behandeln.
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Kapitel 13
Die Kakophonie aus lautem Stimmengewirr, dem Klang von Besteck auf Tellern, dem Gelächter von Anwesenden, dazu die orgelähnlichen und geigenartigen Klänge seichter nedorianischer Klassik-Musik im Hintergrund, sorgten dafür, dass sich sämtliche Sinneseindrücke zu einem festen Ball in seinem Kopf zusammenflochten und ein Knäuel aus Anspannung in ihm entstehen ließen. Sein Blick glitt unruhig durch die Masse an Leibern im Saal, die allesamt in prunkvollen Kleidern steckten.
Es war laut. Zu laut für seinen Geschmack. Das Durcheinander und die angeregte Stimmung machten ihn nervös. Lieber wäre er zurück auf der gewesen, hätte sich mit Kavin angeregt über die unterschiedlichen Götter sowie verschiedene Welten unterhalten und versucht, bei einem Hundra-Kartenspiel den computerchipgesteuerten Verstand seines besten Freundes zu überlisten. Aber gerade Feynel wusste am besten, dass es nicht immer so kam, wie man es gerne hätte.
Eine unauffällige Kopfbewegung reichte, und seine Augen huschten zu seiner Begleiterin am großen Tisch, der mit einem weißen Tuch überzogen war und auf dem jede Menge Schmuckzeug zur Verzierung lag, dessen Herkunft Feynel unbekannt war. Zusätzlich standen dort zwei Flaschen sezrindroischen Edelweins sowie die letzten Reste des teuren Sechsgängemenüs – Stufe drei: das Lendenstück eines noch viel zu jungen Orni-Kalbes vom Planeten Villron Neun, und dazu gegrillte Jungkartoffeln mit Saisongemüse, obwohl sich ihm der Sinn entzog, wie künstlich angebautes und alle Tage des Jahres zur Verfügung gestelltes Gemüse sein konnte. Aber wer verstand schon die Gepflogenheiten der Elite der Reichsten der Reichen und der Einflussreichsten der Einflussreichen?
»Hast du gar keinen Appetit mehr?«, fragte sie direkt an seinem Ohr, für sein Empfinden viel zu nah. Feynel hob den Kopf und begutachtete sie: Ordiliah Brun Wan’Krohn aus einem der politisch wichtigsten Häuser des Tindon-Adels auf Gehlia, erstgeborene Tochter Senators Jinn Wan’Krohn, Mitglied des intergalaktischen Rates. Sie gehörte der Spezies der Tindonianer an, die bekannt für ihre hellgrüne Haut sowie für ihre spitzen Ohren waren, fast zweimal so lang wie Feynels. Sie verzog die dunkelblauen Lippen zu einem Lächeln. Ihr Blick aus gelben Augen mit senkrechten Pupillen himmelte ihn regelrecht an.
»Ich bin kleinere Portionen gewohnt«, antwortete er endlich und zwang sich ebenfalls zu einem Lächeln. Clara Sinngold hatte der Senatorentochter eine Menge Kryptowährung-Einheiten für seinen Begleitdienst abgeknöpft, die diese bereitwillig für ihn bezahlt hatte. Es war das vierte Mal, dass sie ihn gebucht hatte, und mittlerweile war allgemein bekannt, dass sie einen Narren an ihm gefressen hatte – mehr, als sie sollte.
»Sie halten euch gut in Form, das stimmt«, gluckste sie und fuhr ihm in lasziver Weise über den Oberarm, der wie der Rest von Feynel in einer der Festivität angemessenen Uniform steckte. Er fühlte, wie sich etwas in seinem Inneren zusammenzog. Er wollte sie loswerden, doch er musste sich benehmen. Also schwieg er und starrte sie einfach nur an, blendete alles um sich herum aus. Zwar stand gerade jemand vor einem höhergelegenen Podest und sprach in einen Stimmenverstärker, weshalb seine Worte durch den gesamten, vollgepackten Saal drangen, dessen Besucher allen möglichen Spezies angehörten, doch das alles interessierte Feynel nicht im Geringsten. Es handelte sich hierbei auch nicht bloß um Teilnehmer, sondern um Galabesucher aus sämtlichen Organisationen, Firmen und politischen Gefilden der höchsten Ränge, die sich in ihrer angeblichen Wichtigkeit geradezu suhlten. Feynel kotzte diese Selbstgefälligkeit an. Er hasste ihren Reichtum, der sie glauben ließ, ihnen wäre dadurch alles erlaubt – vor allem, was den Umgang mit gebuchten Leuten aus dem Eskortdienst betraf.
Feynel murrte bei diesen Gedanken in sich hinein, woraufhin Ordiliah besorgt die Augenbrauen zusammenzog und ihm ihre Hand ans Gesicht legte. Sie fuhr mit dem Daumen über seine Wange, glitt die kaum sichtbare Narbe des Streifschusses entlang, den er damals bei seiner Flucht auf Sekpton davongetragen hatte, und strich eine silberne Haarsträhne hinter sein Ohr. Er drehte den Kopf von ihr fort. Ihre Hand legte sich nun auf seine. Seine Finger verkrampften sich um die Gabel, die er hielt.
»Dir behagen solche politischen, allen voran gesellschaftlichen Anlässe nicht, hm? Ist mir schon die letzten Male aufgefallen. Wenn du willst, hauen wir nach dem vierten Gang ab.«
Das war ja mal interessant. Wieder etwas versöhnlicher gestimmt, konzentrierte er sich auf ihre großen, hellen Augen. Sie war hübsch und freundlich zu ihm, dagegen konnte er nichts sagen. Dennoch, was er prinzipiell alles für Kunden tun musste, die ihn , ekelte ihn an. Kavin pflegte zwar stets zu sagen, dass er sich während solcher Dienste psychisch in den Kreis seiner innersten Welt zurückziehen sollte, doch so einfach war das auch nicht immer. Aber wie konnte ein Androide das schon verstehen?
»Deine Anwesenheit hier ist wichtig«, antwortete er lakonisch, da er nicht wusste, was er sonst hätte sagen sollen. Ollvya hätte sich ins Fäustchen gelacht, wäre sie noch an seiner Seite gewesen und hätte dabei zugesehen, wie unbeholfen er trotz allem, was er über die Jahre erlebt hatte, sein konnte. Andererseits hätte sie auch jedem eine ihrer durchaus überzeugenden Predigten gehalten, der Hand an Feynel gelegt hätte. Bis auf Bish hatte sie sich noch jedem gegenüber behaupten können, war für ihn eingesprungen wie er für sie.
Er vermisste sie jeden einzelnen Tag, glaubte sie unter Mengen von verschiedenen Spezies immer und immer wieder zu sehen – auch an Orten, an denen sie nicht sein konnte. Die Trauer endete nie, aber ein Teil von ihm hatte sich zumindest meistens damit abgefunden.
»Ach, wir sind bereits lange genug hier und ich habe mich mit allen unterhalten, die in irgendeiner Art von Wichtigkeit für meine Familie sind. Außerdem hab ich diesmal echt viel für dich bezahlt, also würde ich auch gerne ein bisschen davon haben. Mir geht es nicht nur darum, in hübscher Begleitung herumzulaufen.« Die Tindonianerin sah ihn so hingebungsvoll an, dass er ein ums andere Mal nicht umhin kam, festzustellen, dass sie wohl mehr für ihn empfand, als ihm lieb war – vor allem mehr, als gut für war. Er war nicht frei. Er war ein Sklave, niemand von hohem Rang, der ihrem Vater genügt hätte. Abgesehen davon, dass er sich nicht für sie interessierte, auch wenn er sie attraktiv fand. Das war wohl auch gut so – immerhin waren ihm die Pflichten seiner Buchung somit zumindest ab und an nicht lästig. Das war ohnehin zu oft der Fall, und an die Kerle wollte er gar nicht erst denken.
Feynel fühlte, wie sich sein Inneres bei diesen Erinnerungen zusammenzog. Er räusperte sich, um sich davon abzulenken, und sah auf das Lendenstück des Orni-Kalbes auf dem Teller. Ordiliah lachte.
»Du bist verdammt süß, Feynel. Vor allem, wenn du betreten bist.« Mit einem Mal stand sie auf. »Komm, sei es um den vierten Gang.« Sie hielt ihm ihre Hand entgegen und strahlte regelrecht. Feynel blickte auf und runzelte die Stirn, sagte jedoch nichts, sondern legte das Besteck beiseite und dann seine Hand zögerlich in ihre. Er stand auf. Ihre Augen leuchteten so intensiv vor Vorfreude, dass er sachte lächelte. Danach folgte er ihr. Sie umrundeten zusammen den Tisch und wichen einigen Besuchern aus, während sie sich auf den Weg zum Ausgang machten.
Ordiliah führte Feynel immer noch an der Hand durch den Galasaal, als ihm eine Menschenfrau mit hohem Dutt auffiel, die ihn keines Blickes würdigte, sondern, wie so viele andere der Besucher, den Worten des Reptiloiden am Podest lauschte, der gerade von irgendwelchen neuen Beschlüssen des Rats sowie der Tochtergesellschaft irgendeiner großen Firma sprach. Feynel konnte nicht verstehen, wie diese Belange die Anwesenden derart faszinieren konnten, also blickte er wieder nach vorne, wich einem mit dem Kopf hin und her wackelnden Tungrari aus und beobachtete anschließend wieder das lange, dunkelblaue Haar Ordiliahs, das bei jedem ihrer energischen Schritte flatterte.
Bald schon passierten sie schmuckvoll verzierte Stützsäulen, die restlichen Tische der Besucher sowie einige mehr oder minder gelangweilt wirkende Wachen, die überall an den Wänden im Saal standen und als Aufpasser für die anwesenden Höchsten und Reichsten der Gesellschaft fungierten.
Ordiliah steuerte auf einen offenen Torbogen zu, der nach draußen zu den Balkonen führte – an die frische Luft. Kurz bevor sie jedoch hinaustreten und sämtliche Eindrücke des Galafestes hinter sich lassen konnten, trat ihnen jemand in den Weg. Es handelte sich um zwei junge Frauen: eine davon gehörte der Spezies Mensch an, die andere war wie Ordiliah eine Tindonianerin.
»Wohin des Weges? Du verpasst ja noch die anschließende Verlosung«, sagte ihre Artgenossin und schmunzelte dabei selbstgefällig. Ihr Blick glitt zu Feynel hinüber und Ordiliah ließ seine Hand los.
»Oh, ich verstehe. Du möchtest mehr Zeit mit deinem Spielzeug verbringen, nicht wahr?«
Feynel betrachtete sie abfällig, ließ sich allerdings nicht provozieren. Wenn er eines gelernt hatte, dann war es, in solchen Fällen zu schweigen. Das hier ging ihn alles nichts an. Vor allem gehörte er nicht hierher, nicht zur Elite des Hauptplaneten der Intergalaktischen Ordnung. Gehlia war schön und aufregend, aber solche...




