E-Book, Deutsch, Band 360, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
Mayerhofer Perry Rhodan Neo 360: In Velas Schatten
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8453-5560-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Staffel: Pulsar
E-Book, Deutsch, Band 360, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
ISBN: 978-3-8453-5560-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Im 25. Jahrhundert: Nach den Erschütterungen der jüngsten Zeit richten sich die Menschen auf eine friedliche Zukunft ein. Zusammen mit anderen Sternenreichen möchte man die Milchstraße erkunden und fremde Welten besiedeln. Doch dann werden Perry Rhodan und seine Gefährten durch einen Notruf aufgeschreckt. Das Signal führt sie in die Nähe des Pulsars Vela. Der hyperaktive Neutronenstern öffnet einen Riss in der Raumzeit - den Zugang in einen anderen Kosmos. Dort stoßen sie auf ein sonderbares Raumschiff, dessen Besatzung offenbar verschwunden ist. Die Fremden scheinen einem Bund hoch entwickelter Völker anzugehören, dem sogenannten Konzil. Diese Machtgruppe plant einen Angriff auf die Milchstraße - er soll in Velas Schatten beginnen ...
Autoren/Hrsg.
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1.
Die Höllenfahrt der IRONCLAD – Teil 1
Ein Ruck ging durch die Maxi-Space-Disk. Perry Rhodan sah, wie die Sterne draußen einen Sprung machten – wie sich der Raum um sie verschob.
Die Absorber halten, dachte er sowohl erschrocken als auch erleichtert. Sonst hätte es uns gerade zerquetscht. Was geschieht hier?
Routiniert griff er in einige Hologramme der Steuerkonsole, um die Navigation des kleinen Raumschiffs manuell zu übernehmen. Rhodan wusste, was er als Pilot konnte, und hoffte, erfolgreicher als sogar der schnellste Bordrechner zu reagieren. Doch die IRONCLAD setzte keinen seiner Befehle um – egal was er tat. Im Gegenteil. Sie beschleunigte mit so unglaublichen Werten, dass er sich fragte, wie das möglich war.
Als ob wir von außen gepackt würden, dachte er, während er versuchte, auf den Flugkurs Einfluss zu nehmen.
»Das kann nicht stimmen«, sagte Thora Rhodan da Zoltral, die neben ihm saß. »Die Messinstrumente müssen einen Fehler haben.«
Das Raumboot wurde ein weiteres Mal nach vorn gerissen. Nein, nicht gerissen – es war vielmehr, als würde es von etwas Unsichtbarem angesaugt.
»Was auch immer unsere Systeme beeinflusst, sorgt auch dafür, dass ich nicht dagegen steuern kann!«, rief Rhodan.
Thora beugte sich über die Datenholos der Externsensoren und wischte durch die Anzeigen. »Perry, die Instrumente behaupten, dass wir mit vielfacher Lichtgeschwindigkeit fliegen. Im Normalraum! Das ist physikalisch unmöglich.«
Als er selbst einen Blick auf die Holos warf, wurde ihm kurzzeitig schwindlig; die Meldungen verschwammen vor seinen Augen. Rhodan blinzelte einige Male, bis sich seine Sicht wieder normalisierte. Tatsächlich. Was brachte das Beiboot dazu, derart zu beschleunigen?
Die IRONCLAD wurde plötzlich zur Seite gezerrt. Instinktiv versuchte Rhodan, mit Schubstößen der Manövriertriebwerke zu kompensieren, erreichte damit aber nichts. Die Maxi-Space-Disk wurde in die andere Richtung gerissen, als ob Rhodan nichts getan hätte. Zwar spürte er es dank der Andruckabsorber kaum, doch die Fluglageholos verrieten ihm, dass sich das Schiff und seine Besatzung überschlugen. Es war, als gerieten sie in das Innere eines Strudels, der ihnen – wie ein Blatt im Wind, das mehrmals um die eigene Achse rotierte – die Kontrolle über die Steuerung raubte.
Etwas knackte verdächtig laut.
War das gerade der Bootsrumpf?, fragte sich Rhodan alarmiert. Bei einem so stark gepanzerten Raumboot wie der IRONCLAD? Ihm wurde übel.
»Leute, seht euch das an!«, rief Gucky mit einem Mal. Der Mausbiber trat nach vorn zu Rhodan und Thora. Sein pelziges Gesicht wirkte angespannt. Er hielt sich mit einer Hand am Pilotensessel fest, da die IRONCLAD trotz funktionierender Trägheitskompensatoren bedenklich schwankte.
Rhodan hätte sich am liebsten auch irgendwo festgehalten. Es war zwar bloß reine Psychologie, das wusste er, doch in seiner Wahrnehmung ruckte und wackelte alles. Und da suchte man eben Halt. Als Pilot, der für die Besatzung verantwortlich war, war ihm dieser Luxus allerdings nicht vergönnt.
Mit der freien Hand zeigte Gucky auf die transparente Kuppel, die sich über ihren Köpfen spannte. »Hab ich Halluzinationen, oder verändern sich die Sterne gerade?«
Obwohl Rhodan noch immer mit der Navigation der IRONCLAD kämpfte, um das Raumfahrzeug endlich auf Kurs zu bringen, folgte er Guckys Hinweis. Das Licht verhielt sich ungewöhnlich, die Sterne wirkten verschwommen, pulsierten, erloschen und tauchten wieder auf. Danach verzerrten sie sich so stark, als spanne man ein Gummiband, um es anschließend zurückschnalzen zu lassen.
Wenn sie wieder zu ihrer richtigen Form wechselten, präsentierten sie Farbspektren, die es so nicht geben dürfte. Spiralen und feuerwerksähnliche Eruptionen, die sich in sämtliche Richtungen ausbreiteten, schienen die Raum-Zeit zerreißen zu wollen.
»Du träumst nicht, Kleiner«, sagte Rhodan. Er beugte sich über sein Steuerpult und betätigte unter den Hologrammen einen haptischen Schalter. Nichts geschah.
Fragend schaute er zu Thora. Seine Frau erwiderte den Blick irritiert.
Dann wurde der Schaltbefehl mit einem Mal doch umgesetzt. Eine Warnmeldung wurde zwischen sie projiziert – einer der drei Fusionsreaktoren war ausgefallen.
»Was tust du da, Perry?«, fragte Thora beunruhigt.
»Ich wollte den Energieverbrauch reduzieren, weil die Systeme zu überhitzen drohen.« Wie konnte das sein? Sein Befehl hätte die Reaktoren unterstützen und entlasten sollen, stattdessen war das genaue Gegenteil passiert.
Thora sprang ihm weiterhin als Co-Pilotin zur Seite. Ihre Finger huschten durch die Hologramme, während sich Rhodan abmühte, die IRONCLAD stabil zu halten. Unzählige physikalische Widersprüche prasselten auf die Messinstrumente ein, die nur noch chaotisch unsinnige Werte anzeigten. Die Gravitationskonstante nahm unnatürlich zu, trotzdem hatte Rhodan den Eindruck , als würde er immer leichter. Er befürchtete, jeden Moment aus dem Sitz gehoben zu werden, obwohl er sich eher hineingepresst fühlen sollte.
Die IRONCLAD wurde von Neuem durchgeschüttelt.
Plötzlich stürmte Aveline Celestaris in die Zentrale. Die junge Frau mit den langen, schwarzen Haaren und der dunklen Kleidung hatte sie zuvor noch über Bordfunk zu erreichen versucht.
»Was passiert da gerade?« Sie klang nervös, ihre Stimme zitterte. Die dunkle Schminke in ihrem Gesicht betonte ihre derzeitige Blässe. »Ich bin vorhin durch eine Wand gefallen!«
Rhodan war überrascht, hatte aber keine Zeit, etwas darauf zu erwidern. Die Externsensoren lieferten einen absurden Wert für die magnetische Feldkonstante. Demnach nahm die magnetische Flussdichte des Vakuums ab, stattdessen stieg die Feldstärke.
Das ergibt keinen Sinn!, dachte er. Sein Herzschlag beschleunigte sich ungewohnt schnell. Die Ortung entdeckt keinerlei ungewöhnlichen Magnetfelder in unserer Umgebung. Was ist es dann, das uns in seinem Sog festhält? Und vor allem: Wo ist es?
Gucky stieß einen Pfiff aus. »Doch, Aveline. Es betrifft sämtliche Naturkonstanten. Die Daten sind irre.«
Rhodan bemerkte, dass er während seiner Überlegungen wohl einen zwischenzeitlichen Wortwechsel verpasst hatte. Kurz blickte er zurück zu Celestaris. Sie wirkte zutiefst verstört. Er konnte sie verstehen; er empfand die Lage selbst als verfahren.
»Was verursacht diese Störungen?«, fragte die junge Frau fassungslos.
Thora wollte gerade etwas an ihrer Positronikkonsole einstellen, als ihre Hand darin einsank. Sie zuckte zurück, probierte es erneut – und stieß diesmal wie gewohnt auf Widerstand.
Irritiert schüttelte sie den Kopf. »Wir sind dabei, es herauszufinden.«
Celestaris kam zu Rhodan und Thora und blieb neben dem Ilt stehen, der sich mit seinem breiten Biberschwanz auf dem Boden abstützte. Sie überflog gerade die Statusholos der IRONCLAD, als es abermals besorgniserregend laut knackte.
»Was war das?«, rief sie.
»Der Bootsrumpf«, antwortete Rhodan.
»Ich dachte, die Panzerung der IRONCLAD ist stabiler als bei anderen Space-Disks?«
»Ist sie auch.«
»Wieso ...« Celestaris wurde von einem lang gezogenen Quietschen unterbrochen, das wie Metall klang, das aneinanderrieb.
Im nächsten Moment ertönte ein Krachen. Weitere Warnmeldungen flammten in den Hologrammen auf.
»Sagt mir, dass ich mich täusche und es nur so scheint, als würde die IRONCLAD unter der Belastung nachgeben«, sagte sie gehetzt. »Sie bricht nicht wirklich auseinander, oder?«
Auf einmal ging ein so heftiger Ruck durch die Maxi-Space-Disk, dass es Rhodan nach vorn gegen sein Steuerpult warf.
Die Andruckabsorber!, dachte er panisch. Jetzt versagen sie also doch?
Aber nur eine Sekunde später machte er sich klar, dass es sich nur um einen extrem kurzen Teilaussetzer gehandelt hatte. Andernfalls wären wir alle tot, dachte er.
Aus dem Augenwinkel registrierte er, dass seine Freunde mit ähnlichen Problemen kämpften. Celestaris taumelte durch die Zentrale. Gucky hob sich telekinetisch in die Luft, und Thora klammerte sich in ihrem Sessel fest, um nicht herauskatapultiert zu werden.
Rhodan ächzte und stützte sich ab, war sofort wieder Herr der Lage. »Passt auf, die ...«
Ein schrilles Quietschen, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Knall, unterbrach seine Warnung. Die IRONCLAD wurde scharf zur Seite gerissen. Neue Warnanzeigen prangten in den Hologrammen. Das Raumboot war am Heck von einer immensen mechanischen Belastung zerdrückt worden. Der starke externe Sog, der die Maxi-Space-Disk gefangen hielt, hatte das beschädigte Stück abgerissen, und es war für immer im Weltraum verloren gegangen.
»Das reicht – ich erhöhe die Leistung der Energiegeneratoren wieder!«, beschloss Thora und tätigte die erforderlichen Einstellungen. »Wir müssen aus diesem Mahlstrom raus. Dringend.«
»Wir haben schon einen Fusionsreaktor verloren!«, erinnerte Rhodan sie. »Wenn ein weiterer ausfällt, verschlimmert das nicht nur den Zustand der IRONCLAD. Wir sind dann schnell auch selbst geliefert.«
»Dann leite die Antriebsenergie um! Ich schalte einstweilen sämtliche Systeme ab, auf die wir verzichten können, um Energie zu sparen.«
»Ich bin schon dabei, Thora.« Rhodan bemühte sich weiterhin, ruhig zu bleiben. Er nahm es seiner Frau nicht übel, dass ihr Tonfall schärfer war als sonst. Auch er hörte vor Aufregung sein Blut in den...




