Mayo | Das Cottage im Wald | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Mayo Das Cottage im Wald

Liebesreise nach Irland
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95576-099-1
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Liebesreise nach Irland

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-95576-099-1
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Was für ein unhöflicher Mensch, denkt Carin, als sie dem zurückgezogen lebenden Sean Savage das erste Mal begegnet. Doch je öfter sie ihn trifft, desto größer wird ihr Wunsch, das Geheimnis um den attraktiven Fremden zu lüften.



Margaret Mary Mayo wurde am 7. Februar 1935 in der Grafschaft Staffordshire, England, geboren und hat diese Region noch nie verlassen. Sie hatte nie vor Autorin zu werden, obwohl sie das Lesen liebte. Nachdem ihre beiden Kinder, Adrian und Tina, geboren waren und schließlich zur Schule gingen, nahm sie ihre Arbeit als Sekretärin wieder auf. Sie wollte nun ihre Karriere als Sekretärin voranbringen und besuchte eine Abendschule, um eine Fremdsprache zu lernen. Dort kam ihr plötzlich die Idee, selbst einen Liebesroman zu schreiben. Sie brauchte über zwei Jahre, um den Mut aufzubringen, ihre Bücher an einen Verlag zu schicken. Diese Angst war unbegründet, denn die beiden eingesandten Manuskripte wurden sofort angenommen. Seitdem hat sie mehr als 65 Romane veröffentlicht und findet es unglaublich, dass sie diese Millionen von Wörtern selbst geschrieben hat. Margaret Mary Mayo bezeichnet sich als hoffnungslose Romantikerin, die sich in jeden ihrer Helden verliebt und damit angibt, wie viele Affären sie auf diese Weise haben kann. Sie war einmal sogar so gefangen in dem Buch, an dem sie gerade schrieb, dass sie ihrer Tochter am Telefon sagte, sie könne sie unmöglich besuchen kommen, es sei viel zu neblig. Als sie aber von ihrem Schreibtisch auf und zum Fenster hinaus schaute, herrschte sonniges Wetter. Nur ihre Helden waren im Nebel verloren.

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1. KAPITEL


Verzweifelt hielt sich Carin an der Mähne ihres durchgehenden Pferdes fest. Der Wald wurde immer dichter, Äste und Zweige schlugen ihr ins Gesicht und verfingen sich in ihrem wehenden Haar und in den Kleidern. Carin lag flach auf dem Rücken der völlig verängstigten Stute, die mit angelegten Ohren und donnernden Hufen davonjagte.

Um nicht zu stürzen, presste Carin mit äußerster Kraft die Schenkel an die Flanken des Tieres. Ihre Arme schmerzten unter der ständigen Anspannung, doch sie vermochte das in Panik geratene Pferd nicht zum Stehen zu bringen.

Der Mann erschien wie aus dem Nichts. Ohne zu zögern, sprang er an das Pferd heran, bekam dessen Halfter zu fassen und stemmte sich gegen den Vorwärtsdrang der Stute. Er hatte schwarzes dichtes Haar und war sehr groß, das war das Einzige, was Carin in diesem Augenblick wahrnahm. Beruhigend sprach er auf das Pferd ein, während er noch einige Meter von ihm mitgezogen wurde. Schließlich schaffte er es tatsächlich, die Stute langsam zum Stehen zu bringen. Carin spürte, wie die Spannung allmählich aus dem Körper des Pferdes wich. Ihr selbst saß jedoch der Schreck noch so sehr in den Gliedern, dass sie kein Wort herausbrachte.

“Sie können jetzt absteigen”, forderte der Fremde sie auf, doch unfähig, sich zu rühren, blieb Carin wie angewurzelt sitzen.

Er verzog das Gesicht, fasste sie unsanft um die Taille, hob sie vom Pferd und stellte sie auf den Boden.

Die Beine drohten unter ihr nachzugeben, und sie musste sich unwillkürlich an dem wütenden Fremden festhalten.

Er schob sie ärgerlich von sich, und seine tiefblauen Augen funkelten zornig. “Ist Ihnen klar, dass Sie mit Ihrer Dummheit das Pferd hätten umbringen können?” Kein Wort über sie! “Wenn Sie nicht in der Lage sind, mit einem so reizbaren Tier umzugehen, sollten Sie nicht reiten.”

Carin war fassungslos. Wie redete dieser Mann eigentlich mit ihr? Merkte er denn nicht, dass ihr der Schock noch in den Gliedern saß? Sie hätte schließlich selbst umkommen können.

“Ich bin eine erfahrene Reiterin”, erwiderte sie kühl. “Es war nicht meine Schuld, dass die Stute durchging.”

“Aber es war Ihre Schuld, dass Sie sie nicht unter Kontrolle hatten.” Ärger zeichnete sich auf den Zügen des Fremden ab und verzerrte sein sonst so hübsches Gesicht. “Und warum tragen Sie keinen Helm?”

Sein eisiger Blick schien Carin förmlich zu durchbohren. Der Mann trug eng anliegende Jeans, die seine langen, kräftigen Beine betonten, und die hochgekrempelten Ärmel seines Hemdes gaben seine muskulösen Arme frei.

Carin mochte nicht zugeben, dass sie aus einer Laune, einem Impuls heraus auf das ungesattelte Pferd gesprungen und übers Moor geritten war. Es war einfach wunderbar gewesen, auf dem bloßen Pferderücken dahinzugaloppieren, sich ganz eins mit dem Pferd zu fühlen. Bis Sandy plötzlich ohne jeden ersichtlichen Grund gescheut hatte und daraufhin wie vom Teufel besessen davongejagt war. Unfähig, die Stute zum Halten zu bringen, hatte Carin ihre ganze Kraft darauf verwenden müssen, sich oben zu halten.

“Das ist wohl meine Sache”, gab sie schließlich patzig zurück, obwohl sie wusste, dass sie sich eigentlich hätte bedanken müssen.

“Haben Sie es weit bis nach Hause? Wollen Sie auf der Stute zurückreiten?”

“Natürlich reite ich sie. Was denn sonst?”

“Sie muss trocken gerieben werden, und zwar möglichst bald, sonst wird sie sich erkälten”, erklärte der Fremde unfreundlich. “Am besten machen Sie sich gleich auf den Weg. Reiten Sie immer ohne Sattel? Es ist ganz schön gefährlich und ein Wunder, dass Sie sich nicht wundgeritten haben.”

“Ich finde es eben schön, mein Pferd unter mir zu spüren. Komm, mein Mädchen.” Carin tätschelte der Stute den Hals und sah sich nach einem Baumstumpf oder einer anderen geeigneten Stelle um, wo sie aufsitzen konnte.

Ohne ein Wort zu sagen, bildete der Fremde mit den Händen einen Steigbügel, und ebenso schweigend trat Carin hinein und schwang sich in den Sattel.

“Sollte ich nicht besser mitkommen?”, fragte er und sah Carin immer noch unfreundlich an. “Ich möchte nämlich nicht, dass diese schöne Stute noch einmal in Angst und Schrecken versetzt wird.”

Anscheinend hat er was gegen Frauen, dachte Carin. “Es war ein einmaliger Zwischenfall”, konterte sie. “Es besteht wirklich kein Grund zur Sorge.”

Der Mann nickte kurz, ihre Blicke trafen sich und hielten sich sekundenlang wie gebannt fest. Schließlich drückte Carin die Knie in die Flanken, und die Stute setzte sich gehorsam in Bewegung. “Danke für Ihre Hilfe”, rief sie dem Fremden über die Schulter hinweg zu und sah noch aus dem Augenwinkel, wie er dastand, groß und furchterregend, und ihr mit zusammengekniffenen Augen nachschaute.

Wahrend Carin langsam nach Hause ritt, kreisten ihre Gedanken unentwegt um den eigenartigen Fremden. Er war grob und unfreundlich gewesen, und doch umgab ihn etwas Besonderes, etwas Rätselhaftes – vielleicht lag es am bezwingenden Blick seiner blauen Augen –, was ihn unvergesslich machte.

John runzelte missbilligend die Stirn, als Carin auf der schweißnassen Stute in den Reiterhof einritt, und erkundigte sich sofort, warum sie das Pferd so schnell geritten habe. “Ein bisschen mehr Vernunft hätte ich dir schon zugetraut, Carin.”

“Es war nicht meine Schuld. Sandy hat sich plötzlich erschreckt und ist durchgegangen. Ich habe keine Ahnung, wovor. Jedenfalls ist mir nichts aufgefallen, aber ich konnte sie einfach nicht anhalten.”

“Wo warst du?”

Carin beschrieb ihm den Ort, und John schwieg nachdenklich.

“Was ist los, John? Woran denkst du?”

Carins Bruder zuckte die Schultern. “Es gibt da eine Geschichte. Ich habe nie so recht daran geglaubt, aber vielleicht ist ja doch was Wahres dran. Vor über hundert Jahren soll im Moor einmal ein Pferd erschossen worden sein, und seitdem, so sagt man, spukt es dort. Jedes Mal, wenn ein Reiter an diese Stelle kommt, bricht sein Pferd in Panik aus. Du hattest Glück, dass du Sandy stoppen konntest. Ich habe schon von Pferden gehört, die so lange liefen, bis sie vor Erschöpfung zusammenbrachen.”

“Ich habe sie nicht angehalten”, gab Carin widerstrebend zu. “Ein Mann tauchte plötzlich aus dem Wald auf und hielt sich an ihr fest, bis sie schließlich stehen blieb. Vielleicht war er ja auch ein Geist”, setzte sie ironisch hinzu.

“Was für ein Mann?”

Carin zuckte die Schultern. “Keine Ahnung. Er hat mir seinen Namen nicht genannt. Er war sehr groß und stark, hatte schwarzes gewelltes Haar und ein mürrisches Gesicht. Du hättest mal hören sollen, wie er mich beschimpfte. Er meinte, ich solle nicht reiten, wenn ich mit dem Pferd nicht umgehen könne.”

John schmunzelte. “Ich glaube, ich weiß, wen du meinst. Dieser Mann lebt in einem alten Cottage am Waldrand. Es wurde früher als Ferienhaus genutzt. Er wohnt erst seit Kurzem dort, und zwar völlig zurückgezogen. Niemand weiß etwas von ihm. Er scheint ein ziemlich rätselhafter Mensch zu sein.”

“Da hat man nicht viel verpasst”, meinte Carin verächtlich. “Er schien sich um Sandy mehr Sorgen zu machen als um mich.”

“Wie sollte er denn wissen, dass du fast schon so lange reitest, wie du laufen kannst. Komm, steig ab, einer der Jungs wird sich um Sandy kümmern. Leg dich ein bisschen hin, du siehst ziemlich mitgenommen aus.”

Mitgenommen ist gar kein Ausdruck, dachte Carin. Mühsam ging sie die Treppen zu ihrem Zimmer hinauf. Sie fühlte sich völlig erschöpft, wusste jedoch nicht, ob ihr Abenteuer mit dem Pferd der Grund dafür war oder der geheimnisvolle Fremde. Er ging ihr einfach nicht mehr aus dem Sinn. Ständig sah sie die blauen Augen mit dem durchdringenden Blick vor sich und stellte sich dabei seinen kraftvollen, muskulösen Körper vor. Es irritierte sie, dass dieser Mann einen solchen Eindruck auf sie gemacht hatte. Seit ihrer Enttäuschung mit Karl hatte sie sich für keinen Mann mehr interessiert.

Obwohl Carin und John Geschwister waren, sahen sie sich nicht im Geringsten ähnlich. Sie war klein und blond, hatte leuchtendgrüne Augen, während ihr fünf Jahre älterer Bruder ein hochgewachsener, ernsthaft wirkender Mann war, mit dunkelbraunem Haar und haselnussbraunen Augen. Nach seiner Scheidung vor zwei Jahren hatte er den Reiterhof im Süden Irlands gekauft. Zu der Anlage gehörte ein großes geräumiges Haus, an dessen Rückseite ein Büro angebaut war. Jenseits des breiten Hofes befanden sich die Stallungen und die Sattelkammer, dahinter die Koppeln, auf denen die Pferde die meiste Zeit des Tages verbrachten.

Ihre Eltern hatten früher eine große Farm in Dorset in England besessen, die man am besten auf dem Pferderücken durchstreifen konnte. Carin war eine sehr gute Reiterin, aber etwas so Unheimliches wie heute im Moor, als Sandy in Panik geraten war, hatte sie noch nie erlebt. Sie hatte Todesängste ausgestanden.

Nachdem Carins Vater plötzlich gestorben war, hatte ihre Mutter die Farm verkauft und war zu Carins Tante auf die Scilly Inseln gezogen. Carin war nach London gegangen, da sie gedacht hatte, dort sei es interessant und aufregend, aber sie hatte sich getäuscht … Nach ihrer Sekretärinnenausbildung konnte sie sich an das Leben in der Stadt nie so recht gewöhnen. Als die Werbeagentur, bei der sie arbeitete, von einem Konzern übernommen wurde und sie ihren Job verlor, nahm sie die Gelegenheit wahr, ihrem Bruder den lange versprochenen Besuch abzustatten. Dabei hoffte sie sogar, bei ihm möglicherweise eine neue Arbeit zu finden.

Nun war sie schon seit mehr als zwei Wochen hier, doch da John über genügend Personal verfügte, gab es für sie...



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