Mayo | Entscheidung unter spanischer Sonne | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 114 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Mayo Entscheidung unter spanischer Sonne


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7457-5360-8
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 114 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-7457-5360-8
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Übermütig wie in ihrer Studentenzeit genießen Kirstie und der Multimillionär Lucio ihre wiedergefundene Liebe in Spanien. Bis seine offenbar sehr 'persönliche' Assistentin auftaucht ...

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2. KAPITEL

Je näher sie Lucios Haus kam, desto intensiver wurde das flaue Gefühl in Kirsties Magen. Lucio hatte auf einem Besuch bestanden. Er hatte das Gespräch weder am Telefon fortsetzen noch sich in einem Restaurant mit ihr treffen wollen, sondern in seinem Haus. Es war ein palastartiges Anwesen, das nur zu deutlich den Reichtum seines Besitzers verkündete!

„Ich kann das Meeting nicht absagen“, hatte er geknurrt, als er endlich verstand, dass sie die Wahrheit sagte. „Aber meine Verabredung zum Dinner heute Abend lässt sich verschieben. Um sieben Uhr in meinem Haus. Ich schicke dir einen Wagen.“

Dann war die Leitung tot.

Glücklicherweise war Becky selbst verabredet. Sie war nach der Schule gar nicht erst nach Hause gekommen, sondern gleich zu ihrer Freundin gegangen. Insofern bestand wenigstens keine Gefahr, dass Kirstie die Fragen ihrer Tochter beantworten musste, wenn der Wagen kam, um sie abzuholen.

Der Wagen war nichts Geringeres als ein Bentley! Sie hatte sich tief in die weichen Ledersitze sinken lassen und die Augen erst wieder geöffnet, als sie die Einfahrt zu Lucios Haus hinauffuhren, welches gut versteckt hinter hohen Bäumen lag. Kirstie hatte keine Ahnung, wo sie sich befand. Vielleicht waren sie eine Meile gefahren oder hundert. Sie hatte sich tief in ihren Gedanken verloren. Angst war in ihr aufgestiegen. Am sehnlichsten wünschte sie sich, sie könnte die Zeit zurückdrehen.

Wäre Lucio heute ebenfalls ein erfolgreicher Geschäftsmann, wenn sie damals, ein paar Monate nach ihrer Trennung, an seiner Tür geklingelt und ihm gesagt hätte, dass sie schwanger war? Hätte er sie geheiratet und seine großen Pläne aufgegeben? Oder hätte er einfach nur das Unvermeidliche akzeptiert, wäre aber zu einem stets abwesenden Vater geworden, der vierundzwanzig Stunden am Tag arbeitete, um seine Firma aufzubauen? Oder – und das war der schrecklichste Gedanken von allen – hätte er sie einfach im Stich gelassen?

Ein grauhaariger Mann Mitte fünfzig mit einem freundlichen Gesicht, vermutlich Lucios Butler, öffnete die Wagentür und begrüßte sie. „Hier entlang“, sagte er, und sie folgte ihm zu einem Zimmer am anderen Ende des Hauses, von dem aus man einen Blick auf die Gärten werfen konnte. Es war ein großer Raum, wie es wahrscheinlich alle Räume in diesem Haus waren. Interessiert sah sie sich um. Nichts verriet ihr etwas über Lucio. Die Einrichtung war vollkommen unpersönlich. Wie konnte er an einem so seelenlosen Ort glücklich sein?

Sie stand am Fenster und hörte nicht, wie Lucio das Zimmer betrat.

„Willst du dich nicht setzen?“, fragte er so unvermittelt, dass sie zusammenzuckte.

Kirstie wandte sich um. Und zum ersten Mal seit sechzehn Jahren blickte sie erneut in diese sepiabraunen Augen, die einst die Macht besessen hatten, ein schier unglaubliches Verlangen in ihr zu entzünden. Sie hatte geglaubt, dieses Gefühl sei vor Jahren gestorben. Jetzt jedoch lief eine Welle der Erregung durch sie hindurch.

Ihr ganzer Körper reagierte auf ihn. Es kostete sie all ihre Kraft, die Empfindungen zurückzudrängen. Dieser Mann gehörte nicht mehr zu ihr. Er hatte sie unglaublich tief verletzt. Er hatte ihr Leben ruiniert – zumindest hatte es eine Zeit gegeben, da sie das gedacht hatte.

Sie hatte sich nicht setzen wollen, doch ihre Knie fühlten sich weich an. Also ließ sie sich auf der Kante einer mit rotem Samt bezogenen Chaiselongue nieder. „Sag, was du zu sagen hast“, hörte sie sich selbst murmeln und stand wieder auf. Die Situation entwickelte sich nicht so, wie sie es geplant hatte. Sie hatte sich vorgenommen, vernünftig und gefasst zu sein, um ihm zu zeigen, dass nicht sie die Schuld an dem trug, was passiert war.

Lucio legte eine Hand auf ihre Schulter und zwang sie bestimmt, wieder Platz zu nehmen. Die Stelle, die seine Hand berührt hatte, brannte wie Feuer.

„Warum hast du mir verschwiegen, dass ich eine Tochter habe? Warum hast du mir nichts von deiner Schwangerschaft gesagt? Und warum erzählst du es mir jetzt? Brauchst du etwa Geld?“, fragte er verächtlich. „Der Lebensunterhalt einer Fünfzehnjährigen ist bestimmt nicht billig, und bald wird es Studiengebühren geben und …“

„Es geht nicht ums Geld“, unterbrach Kirstie ihn aufgebracht. „Wie kannst du es wagen, mir zu unterstellen, dass ich Geld von dir will?“

„Dann sag mir“, erwiderte er gereizt, das Gesicht zu einer Maske aus Eis und Zorn erstarrt, „warum du ausgerechnet diesen Moment gewählt hast, um mir zu gestehen, dass ich eine Tochter habe. Vorausgesetzt, natürlich, sie ist meine Tochter.“

Kirstie schnappte nach Luft. „Glaubst du wirklich, ich würde dich anlügen?“

„Es gibt Frauen, die das tun würden, wenn sie denken, es würde etwas für sie herausspringen.“

„Ich will nichts von dir“, schoss sie zurück. Ihr heftiger Herzschlag hallte als Echo laut in ihren Ohren. Wie konnte er annehmen, dass sie so kalt und berechnend war?

Breitbeinig und hoch aufgerichtet stand er vor ihr, die Arme vor der muskulösen Brust verschränkt, und erinnerte sie an einen despotischen stolzen König.

„Also, ich wiederhole die Frage, warum jetzt?“

Er klang, als würde ihn die Tatsache, dass er Vater einer Tochter war, nur mäßig interessieren. Allein der Gedanke brachte Kirsties Blut zum Kochen. „Willst du nichts über sie wissen? Willst du nicht wissen, wie sie heißt? Wie sie aussieht? Ob sie dir ähnlich ist?“ Was Becky nämlich durchaus war!

Ihre Augen besaßen dieselbe Form, sogar fast dieselbe Farbe. Sie hatten dieselbe Nase, denselben Mund. Es bestand nicht der geringste Zweifel, dass sie Lucios Tochter war. Er würde das selbst sehen, wenn …

„Natürlich will ich alles über sie erfahren“, sagte er sarkastisch. „Aber zuerst muss ich sicher wissen, dass sie meine Tochter ist. Jede andere Mutter wäre schon viel früher zu dem Vater gekommen. Sie hätte an seine Tür geklopft, kaum dass sie von ihrer Schwangerschaft erfahren hätte. Warum hast du das nicht getan?“

Vor Verachtung blitzten Kirsties Augen düster auf. „Glaubst du wirklich, ich wäre noch einmal zu dir gekommen, nachdem du mich aus deinem Leben verbannt hattest?“

„Ich habe dich nicht verbannt“, grollte er. „Du hast mich verlassen. Ich hatte keine Zeit zum Heiraten, und das wusstest du.“

„Aber du hattest die Zeit, meinen Körper zu benutzen!“, schrie sie wütend.

„Wenn ich mich recht erinnere, hattest du ebenso viel Spaß wie ich.“ Sein provozierender Blick forderte sie heraus, ihm auch in diesem Punkt zu widersprechen.

Natürlich wusste er, dass sie das nicht konnte. Sie hatten nicht genug voneinander bekommen können. Bei dem Gedanken daran schoss ihr das Blut in die Wangen. Damals hatte sie blind auf Lucios Liebe zu ihr vertraut. Bis er sie eines Besseren belehrt hatte! „Ich hatte Spaß, ja, aber ich dachte auch, du liebst mich. Mir war nicht klar, dass du deinen Plan, Millionär zu werden, noch mehr geliebt hast. Damit konnte ich nicht mithalten, nicht wahr? Aber du hast mir ein bleibendes Andenken hinterlassen.“

„Und du hast noch nicht einmal den Anstand besessen, mich einzuweihen“, erklärte er eisig. „Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob du nicht versuchst, mich irgendwie hinters Licht zu führen.“

Kirstie hob ihre Handtasche vom Boden auf, kramte nach einem Foto und hielt es Lucio direkt vor sein Gesicht. „Schau sie dir an, und sag mir noch einmal, dass sie nicht deine Tochter ist.“

Schweigend betrachtete Lucio das Bild so lange, dass Verwirrung in ihr aufstieg. „Was ist los? Willst du die Ähnlichkeit nicht wahrhaben?“

Lucio atmete schwer, und seine Augen blickten hart und vollkommen emotionslos, als er sie endlich wieder ansah. „Ich vermute, du hast meiner Tochter viele Lügen über mich erzählt.“

„Was?“, fuhr sie ihn an. „Warum hätte ich das tun sollen?“ Jetzt war es also schon seine Tochter! Immerhin hatte er wohl akzeptiert, dass sie die Wahrheit sagte.

„Sag du es mir. Hat sie nie nach mir gefragt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie nie ihren Vater treffen wollte.“

„Natürlich hat sie gefragt. Aber denkst du wirklich, ich hätte ihr gesagt, dass ihr Vater sich immer mehr für Geld als für eine Familie interessiert hat? Was glaubst du, welche Komplexe das in ihr ausgelöst hätte?“

„Das weißt du nicht mit Sicherheit.“

„Ach nein? Dann sag mir doch, wie du reagiert hättest, wenn ich schwanger an deine Tür geklopft hätte?“

Er antwortete nicht, stattdessen betrachtete er wieder das Foto. „Was hast du ihr von mir erzählt?“, fragte er etwas ruhiger.

„Nicht viel. Ich habe ihr gesagt, dass ich dich damals geliebt habe. Ich wollte nicht, dass sie glaubt, ich hätte nur aus wildem Verlangen mit dir geschlafen. Aber ich habe ihr auch gesagt, dass ich heute nicht mehr weiß, wo du lebst.“

„Aber du hättest mich jederzeit ausfindig machen können – so wie du es jetzt getan hast.“

„Das hätte ich tun können.“

„Warum hast du es nicht?“

Kirstie starrte ihn an, ein heißes Feuer loderte in ihren Augen. „Ich war mir nicht sicher, ob du überhaupt von ihr erfahren wolltest. Schließlich bin ich allein dir doch schon zur Last gefallen. Vielleicht hättest du sogar behauptet, ich wäre...



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