E-Book, Deutsch
Mayr Greta und die feminin-magische Insel
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-99129-254-8
Verlag: Morawa Lesezirkel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch
ISBN: 978-3-99129-254-8
Verlag: Morawa Lesezirkel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Greta, die Protagonistin, erlebt viele Abenteuer, hinterfragt sich ständig, zweifelt an sich, an ihrer Stärke, andererseits hat sie ein großes Herz und kann mit ihrer empathischen Art in die Seele ihrer Mitmenschen blicken. Niemals ist sie belehrend, eher aufzeigend. Sie liebt diese Insel sehr, ist mit ihr auf ihre eigene Art tief verbunden. Ihre Mentorin, die alte Baba Yaga, hat ihren eigenen speziellen Humor, stets überrascht diese Alte Weise mit unerwartenden Ansätzen, um Greta zu ihrer eigenen Wahrhaftigkeit zu verhelfen. Sie trifft in ihrem fortgeschrittenen Alter ihre große Liebe, begegnet ihren tiefsten Schatten, um am Ende zu ihrer Seelenessenz zu gelangen... Ein Roman über Frauen, die sich nicht verbiegen lassen, die ihre Weisheiten weitertragen, die eintauchen in die magisch-feminine Qualität der Insel. Gleichzeitig ein Roman, in der auch die männliche Weisheit nicht zu kurz kommt.
Andrea Mayr, Jahrgang 1963, wohnt mit ihrer Familie in Innsbruck. Seit ihrer Schulzeit schreibt sie Gedichte, Essays und Kurzgeschichten. Auf ihren zahlreichen Reisen sucht sie stets den Kontakt mit dem Ursprünglichen. Meistens lebt sie mit den Einheimischen, kommuniziert über alle sprachlichen Barrieren hinweg. Einige dieser Begebenheiten spiegeln sich in ihrem ersten Roman wieder.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Valentin, Jorgos & Chico Als Greta so vor sich hingeht, den Blick immer wieder über das Meer schweifend, vernimmt sie Gitarrenmusik aus der Ferne. Vorerst leise, dann immer deutlicher, hört sie eine männliche Stimme, die melancholische Lieder vorträgt. Irgendetwas an dieser Musik berührt sie sofort, insgeheim stellt sie sich diesen Mann vor, der auf so berührende Weise spielt und singt. Sie hat das Gefühl, als ob seine Stimme mit der Gitarre verschmelzen würde. Als sie ihn zu sehen bekommt, ist sie verblüfft, er sieht so ganz anders aus, als in ihrer Vorstellung. Vor ihr sitzt ein Mann schätzungsweise fünfzig, von hagerer Statur, mit einem weißen T-Shirt, einer von der Sonne verblichenen Shorts und einem zerflederten Strohhut. Seine leuchtend blauen Augen scheinen sich den Farben des Meeres anzugleichen. Sein sonnengebräuntes Gesicht ist durchzogen mit kleineren und größeren Falten. Seine tief eingegrabenen Lachfalten um seine Augen zaubern seinem Gesicht eine Fröhlichkeit, zeigen einen Menschen, der gerne und oft lacht. Und doch kann sie sich nicht erwehren zu denken, wie krass der Gegensatz zu seinen fröhlichen Augen und seiner melancholischen Singweise ist. Wie lange sie dastand, konnte sie rückblickend nicht mehr sagen, es war einer dieser magischen Momente, die eben nicht erklärbar sind. Er blickt auf, blinzelt und beinahe gleichzeitig beginnen sie zu sprechen. »Kalimera«, beginnt sie zögernd, »sprichst du Deutsch? Englisch?« Da prustet er los, fängt aus tiefster Kehle zu lachen an und antwortet in einem, ihren Ohren vertrauten Wiener Dialekt: »Na, das hoffe ich doch! Obwohl, wenn ich mir so recht überlege, abwegig wäre es nicht, nach all den Jahren hier auf der Insel. Ich heiße Valentin und du, wie darf ich dich nennen?« Aus seinen Augen blitzt ein in die Jahre gekommener Lausbub! Sie betrachtet ihn eingehend, beim besten Willen, sie kann sich nicht erinnern, ihn jemals hier getroffen zu haben. »Hat es dir die Sprache verschlagen, Gnädigste?«, reißt er sie aus ihren Gedanken, »Oh nein, keinesfalls, ich überlege nur, ob wir uns schon einmal begegnet sind, kann mich aber beim besten Willen nicht erinnern! Da ich bereits seit acht Jahren auf diese Insel reise, wundert es mich, dass wir uns noch nicht getroffen haben, oder doch? Ich heiße Greta und komme aus Innsbruck. Und für das »Gnädigste« sei herzlich bedankt! So hat mich schon länger keiner mehr angesprochen, mit meinen achtundfünfzig Jahren!« So beginnt ihre erste Begegnung. Schnell kommen sie in ein Gespräch. Er erzählt über seine Musik, sein buntes Häuschen in den Bergen, dass er nur sporadisch ins Dorf kommt. Er erzählt, warum seine Musik etwas Melancholie enthält, eine tiefe Sehnsucht nach seiner einst so großen Liebe, von Enttäuschung und Verlust. »Eines Tages, ohne ersichtlichen Grund, reiste Juliane, meine große Liebe, wieder ab. Zurück zu ihrem Mann, dem reichen Industriellen. Sie konnte sich mit einem einfachen Leben hier nicht abfinden. Sie hatte Angst, etwas in ihrem Leben zu verpassen, wollte sich die Welt ansehen und gab einem luxuriösen Leben den Vorzug. Es war eine harte, sehr schmerzliche Zeit, ohne meinen Freund Jorgos und seinem Hund Chico hätte ich es nicht überlebt! Die beiden haben mich mit viel Geduld und ihrer Liebe zum Weiterleben ermuntert!« »Ich wollte nicht indiskret sein, lieber Valentin, auch keine alten Wunden aufreißen. Jetzt, da du mir ein wenig erzählt hast, verstehe ich deine melancholischen Weisen! Was mich so fasziniert, sind deine Lachfalten um die Augen, sie scheinen so konträr zu deinen schwermütigen Liedern zu sein, wenn ich das so frei sagen darf!«, wirft sie vorsichtig ein. »Du bist eine gute Beobachterin, liebe Greta. Es gibt selten Menschen, die so detailgenau sein Gegenüber wahrnehmen. Über viele Gespräche mit Jorgos, einer, man könnte fast sagen, eigenen Therapieform von ihm, habe ich wieder gelernt, viel und herzlich zu lachen. Aber das ist eine längere Geschichte und ich möchte dich jetzt nicht mehr länger von deinem Schwimmvergnügen abhalten! Wir werden uns jetzt vielleicht öfter begegnen und ich freue mich darauf, es scheint eine interessante Bekanntschaft mit dir zu werden!« Sie verabschiedet sich von ihm, setzt ihren Weg fort, um endlich an ihre Lieblingsbucht zu gelangen. Wie sehr sie dieses Plätzchen vermisst hat! Im Winter, wenn es zu Hause grau, nebelig und kalt ist, träumt sie sich immer wieder hierher an dieses kleine Paradies. Noch immer gilt diese Bucht als nicht bewirtschaftet. Kein Kiosk, keine Bar, keine Liegestühle oder Sonnenschirme. Deshalb ist es hier sehr ruhig. Manchmal ertappt sie sich dabei, sich wie Robinson Crusoe zu fühlen – gestrandet auf einer einsamen Insel, keine Menschenseele, nur das Rauschen der Wellen und weiter draußen, Delfine, die sich ihrem Spiel hingeben. Es sind diese Momente, die sich tief in ihr einbrennen, die sie auftanken lassen, wo sie ihr selbst ganz nahe sein kann. »Na, dann, stürze ich mich mal in die Fluten«, denkt sich Greta und mit einem Sprung ist sie schon inmitten des weiten Meeres. Dieser Duft nach Salz, Tang und Fisch, das Glitzern der Sonne auf der Wasseroberfläche, das entfernte Kreischen der Möwen, das glasklare Wasser, die sanfte Meeresbrise, lässt sie so sehr lebendig in ihrem Körper sein. Nach ausgiebigem Schwimmen, sie merkt bereits ihr fortschreitendes Alter, freut sie sich nun auf ein Ausruhen, auf den von der Sonne erwärmten Kieselsteinen. Manche von ihnen sind etwas größer, diese legt sie auf ihren Körper. Es fühlt sich dann immer an wie eine »Hot-Stone-Therapie«. Lächelnd zieht sie ihren Strohhut tiefer ins Gesicht und ist bereits im Einschlafen begriffen, als sie plötzliches Hundegebell hört. »Nanu, welcher Hund verirrt sich denn da und unterbricht die Stille?«, denkt sich Greta. Und schon kommt er angelaufen, wie ein Wirbelwind, die paar Steinstufen zu der Bucht hinunterstürzend, Anlauf nehmend, gleichzeitig im Meer landend, paddelt er seine Runden voll sichtlichem Vergnügen. Als der Hund Greta sieht, läuft er mit einem Satz zu ihr hin, schüttelt sein nasses Fell vor ihr aus, sodass sie kurz ihren Atem anhält und »unterhält« sich mit ihr. Ein Japsen, ein aufgeregtes Schwanzwedeln, eben Hundesprache. Gleichzeitig schleckt er ihre Hand und verteilt großzügig Hundeküsse. »Na, du Süßer! Danke, für diese Erfrischung, du kleiner Wirbelwind. Bist du ganz alleine hier? Wo ist dein Frauchen oder Herrchen?« Mit einem Blick erkennt sie, dass er ein Hirtenhund ist und da sie Hunde so sehr liebt, ist sie gleich vom ersten Moment an schockverliebt. Der Hund wedelt, springt, läuft hin und her, bringt ihr ein Stück Treibholz, eine Aufforderung zum Spielen. »Warum auch nicht, spielen wir ein bisschen, etwas Bewegung schadet mir wohl nicht.« So vergeht einige Zeit, bis sie Rufe hört: »Chico, Chico, hiiiiieeer!« »Du wirst wohl nicht DER Chico sein, von dem ich heute schon einmal gehört hatte, du kleiner Ausreißer!« Als ob er jedes ihrer Worte verstehen würde, beschenkt er sie abermals mit Hundeküssen. Ein braun gebrannter, älterer Herr mit Sonnenhut und flottem Schritt nähert sich ihr und entschuldigt sich für das Verhalten seines Hundes. »Sorry, normalerweise läuft Chico nicht so ungestüm davon. Ich weiß nicht, was ihn heute derart lebhaft und voller Tatendrang sein lässt. Ich hoffe, er hat dich nicht gestört oder noch schlimmer, erschreckt!« Dieses »Du« von Menschen, die sie nicht kennt, klingt nach all den Jahren noch immer ungewohnt für sie! »Überhaupt nicht, ich habe seine Gesellschaft sehr genossen! Nach Ewigkeiten kam ich wieder einmal in den Genuss, mit einem Hund zu spielen! Ich wunderte mich über seine Offenheit, hat er nie Scheu vor Fremden?« Erleichtert setzt sich der Mann neben sie und stellt sich Greta vor: »Ich heiße Jorgos und dass ist mein Seelenfreund Chico! Er sucht sich ‚seine‘ Menschen aus, an denen er sein Herz verschenkt. Offenbar spürt er etwas in dir, weshalb er dich in sein Herz geschlossen hat. Er hat schon mehreren Menschen auf Seelenebene geholfen, er ist ein wahrer Herzöffner!« »Also, so etwas, wie ein Therapeut auf vier Pfoten«, entgegnet sie ihm, »wie wundervoll! Ich hörte heute bereits von ihm, ich lernte Valentin kennen, als ich auf dem Weg zur Bucht war. Wie kommt es, Jorgos, dass du so gut deutsch sprichst?« Eine sehr lange Unterhaltung beginnt. Er erzählt ihr, dass er viele Jahre in Deutschland, in der Schweiz und in Amerika gelebt hat. Dass er der einzige Arzt hier auf der Insel ist, TCM-Praktiker, Qi-Gong-Lehrer, Kräuterkundiger und Meditationslehrer. Er erzählt ihr, von seinem verwirklichten Traum hier auf der Insel. Sein Anwesen, Refugio genannt, in den Bergen mit offenem Blick auf das weite Meer, mit den romantischen Sonnenauf- und...




