E-Book, Deutsch, Band 1, 368 Seiten
Reihe: Thatch
Mcadams Letting Go - Wenn ich falle
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95649-960-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebesroman
E-Book, Deutsch, Band 1, 368 Seiten
Reihe: Thatch
ISBN: 978-3-95649-960-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Schon mit 13 Jahren wusste Grey, dass Ben der Eine ist. Sie war so sicher, dass sie für immer mit ihm zusammen sein würde. Aber drei Tage vor der Hochzeit stirbt er an einem unerkannten Herzfehler. Ihr gemeinsamer bester Freund Jagger ist der Einzige, der Grey durch die schreckliche Trauer und vielleicht zurück ins Leben helfen kann. Sie vertraut ihm bedingungslos und könnte vielleicht mehr für ihn empfinden. Doch würde sie damit nicht ihre Liebe zu Ben verraten?
Ein neuer herzergreifender Roman über Verlust und Liebe von New York Times-Bestsellerautorin Molly McAdams!
Molly McAdams wuchs in Kalifornien auf. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann und ihren vierbeinigen Hausgenossen in Texas. Wenn sie nicht gerade an ihren erfolgreichen Romanen schreibt, reist sie gern und unternimmt lange Strandspaziergänge. Aber am liebsten kuschelt sie sich daheim auf die Couch, schaut Filme und zitiert aus Blockbustern.
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2. KAPITEL
JAGGER
16. Mai 2014
Ich durchsuchte meinen Schlüsselbund, bis ich ihren fand, schloss die Tür zu Greys Wohnung auf und trat ein. Mit dem Fuß schob ich zwei aufeinandergestapelte Kartons zur Seite, um durch den Eingangsbereich gehen zu können, und rief nach ihr. „Grey?“
„Schlafzimmer!“, antwortete sie, und ich machte mich auf den Weg dorthin.
„Wie läuft es, bist du …?“ Ich unterbrach mich schnell und brach in Gelächter aus, als ich sie fand.
Seit unserem Abschluss war fast eine Woche vergangen, und heute war der Tag, an dem wir Pullman verlassen würden, um nach Thatch zurückzukehren. Den Großteil der vergangenen zwei Tage hatten wir damit verbracht zu packen und unsere Möbel in einen gemieteten Lieferwagen zu verladen, damit wir heute nur noch die letzten Kartons verstauen mussten und gleich aufbrechen konnten. Aber da Grey nun einmal Grey war … musste sie alles in letzter Minute erledigen. Und anscheinend war ihr das nicht gelungen. Sie saß auf dem Boden auf dem Schlafsack, in dem sie die Nacht verbracht hatte, die Beine ausgestreckt, und wühlte in all ihren Badezimmersachen, die sie auf dem Boden um sich herum ausgebreitet hatte. Dabei hatte sie den größten Schmollmund aufgelegt, den ich seit der fünften Klasse bei ihr erlebt hatte.
„Hast du vergessen, den Kartonboden zu verkleben?“
„Halt den Mund, Jag“, schnaubte sie und räumte den Karton weiter ein.
„Also ja. Hast du ihn dieses Mal zugeklebt?“
Ihre Hand verharrte kurz über dem Karton, dann ließ Grey ihre Schultern sacken und den Kopf in den Nacken fallen. Sie starrte an die Decke. Dabei murmelte sie so leise vor sich hin, dass ich sie nicht verstehen konnte.
Ich verkniff mir ein weiteres Lachen, betrat das Zimmer und bückte mich, um ihr dabei zu helfen, alles, was auf dem Boden verstreut lag, wieder einzusammeln. „Ist schon gut. Wir machen einfach den hier voll, kleben ihn zu und drehen ihn dann vorsichtig um. In Ordnung?“
„Ich schwöre dir, ich kann mich heute überhaupt nicht konzentrieren. Oder packen, wie es aussieht.“ Sie grummelte weiter in sich hinein, aber ich konnte nicht anders, ich musste lächeln.
Ich hatte befürchtet, dass der Tag zu schwer für sie werden würde – der Auszug aus der Wohnung, die ihr erstes Zuhause mit Ben hätte sein sollen, aber obwohl sie so genervt vom Packen war, sah ich, dass sie einen guten Tag hatte.
„Wusstest du …?“ Sie zeigte mit einer Schachtel Tampons auf mich und riss die Augen auf, als ihr klar wurde, was sie in der Hand hielt. Nachdem sie die Tampons in den Umzugskarton geworfen hatte, räusperte sie sich, und ich tat so, als wäre ihr Gesicht nicht ebenso rot geworden, wie ihre Haare es waren. „Wie dem auch sei, wusstest du, dass ich gestern schon alle meine Klamotten eingepackt habe?“
„Ja, Grey, ich war dabei.“
„Nein. Ich meine wirklich alle. Das heißt, dass ich nichts zum Anziehen hatte, als ich heute Morgen aus der Dusche kam.“
Ich schaute kurz zu ihr herüber, dann schnell wieder auf den Boden und versuchte, mich darauf zu konzentrieren, alles aufzuheben, damit ich nicht dasitzen und mir Grey unter der Dusche vorstellen musste.
„Gott sei Dank habe ich dich noch nicht alles in den Truck laden lassen. Nachdem ich also endlich einen Karton mit Klamotten gefunden und aufgeschnitten hatte, nahm ich ein paar Teile heraus und klebte den Karton wieder zu, nur um festzustellen, dass ich zwei Shirts herausgefischt hatte, sonst nichts. So lief mein Morgen. Der ganze Morgen. Ich darf mich heute nicht hinters Steuer setzen.“
Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, als ich hinter mich griff und das Klebeband nahm, das auf einem anderen Karton lag. „Lass mich raten, du hattest heute Morgen noch keinen Kaffee?“
„Den habe ich gestern auch schon eingepackt!“ Ihr entsetzter Tonfall verriet mir, dass sie sich schon den ganzen Morgen darüber geärgert hatte. Sie ließ sich zurückfallen, bis sie auf dem Boden lag, und stöhnte. „Deswegen schiebe ich normalerweise alles bis zur letzten Minute auf.“
„Wir kommen an jeder Menge Coffeeshops vorbei und besorgen dir auf der Fahrt etwas. Und du machst alles erst in letzter Minute, weil du überhaupt nichts mit dir anzufangen wüsstest, wenn du auf einmal irgendetwas rechtzeitig erledigen würdest. Deine Welt könnte implodieren oder so etwas.“
Sie hob einen Arm, um mir den Mittelfinger zu zeigen, ließ ihn wieder fallen und setzte sich auf. „Okay, lass uns fertig werden.“
„Wie viel ist noch übrig?“, fragte ich, während ich den Karton vorsichtig umdrehte und darauf wartete, dass sie die Hände an den Boden legte, damit die Klappen nicht wieder aufgingen.
„Nur den Truck fertig beladen, das hier ist der letzte Karton.“
„Der Truck ist voll, die übrigen hier werden in dein Auto passen müssen. Und sieh mal einer an, wie sehr du dich bemühst, pünktlich zu sein“, murmelte ich, und sie lachte.
„Du wärest so stolz auf mich gewesen. Wie eine Verrückte bin ich hier herumgerannt und habe alles gepackt, was ich noch habe herumliegen sehen.“
Grinsend sah ich zu ihr hoch. „Und trotzdem hast du es nicht geschafft.“
Sie verzog das Gesicht, sagte aber nichts mehr.
Ich klebte den Karton zu, stand auf und streckte den Arm nach ihr aus, um ihr ebenfalls aufzuhelfen. „Na gut, lass uns losfahren, ehe du schlimme Koffein-Entzugserscheinungen bekommst.“
Ich nahm den Karton und stapelte ihn auf einen anderen. Als ich beide anhob und in ihr Wohnzimmer ging, schaute ich auf die Anrichte. Ich schürzte die Lippen und drehte mich langsam um, konnte aber nur Kartons sehen. „Grey, wo sind deine Schlüssel?“
„In meiner Handtasche“, rief sie vom anderen Ende des Flurs.
„Ja. Und wo ist deine Handtasche?“
„Auf der Anrichte, wo sie immer …“ Sie verstummte, als sie um die Ecke ins Wohnzimmer kam, und zog die Augenbrauen zusammen. Ihr Blick fiel auf die leere Anrichte. Ich sah zu, wie sie langsam den Mund öffnete und die Augen aufriss, als sie die Kartons betrachtete, die sie am Morgen gepackt hatte. „So ein verdammter Mist.“
Wir mussten zwei Kartons aufschneiden, um ihre Handtasche und ihre Schlüssel zu finden. Ich verlud die restlichen Kartons, und Grey ging zur Hausverwaltung, um dort alles abzugeben. Dann waren wir endlich auf dem Weg nach Thatch. Na ja, nachdem wir noch einmal angehalten hatten, um ihren Wagen vollzutanken, weil sie das vergessen hatte, und ihr einen Kaffee besorgt hatten. Die Fahrt dauerte etwas mehr als drei Stunden, und schließlich kamen wir wieder in der Stadt an, in der wir aufgewachsen waren. Sie war klein hinsichtlich ihrer Fläche und Einwohnerzahl und doch voller Erinnerungen, die mich hart trafen, sobald wir den See umrundet hatten, der unseren kleinen Ort verbarg. Ich fragte mich, wie Grey sich fühlte, jetzt, wo wir hier waren.
Letzten Sommer hatte sie es nur knapp über einen Monat hier ausgehalten, und in den Winterferien vor ein paar Monaten war sie überhaupt nicht nach Hause gekommen. Davor war es ihr zwar schon viel besser gegangen, so gut sogar, dass sie es war, die am Anfang des Schuljahres vorgeschlagen hatte, hierher zurückzuziehen. Doch ich musste auch daran denken, dass sie mir noch vor einer Woche gestanden hatte, wie viel Angst sie davor hatte heimzukehren. Ich wusste, wenn ich sie jetzt sehen könnte, würde sie Bens Ring festhalten, den sie an einer Kette um ihren Hals trug. Was ich nicht wusste, war, ob sie froh darüber war, sich an die Zeit hier mit ihm zu erinnern, oder ob die Erinnerungen sie überforderten.
Und ein paar Minuten später hatte ich meine Antwort.
In letzter Sekunde nahm sie die Ausfahrt zum Friedhof, und ich trat fluchend auf die Bremse, damit ich ihr folgen konnte. Bis ich geparkt hatte und aus dem Mietlaster gestiegen war, hatte sie schon seinen Grabstein gefunden. Sie stand ein paar Minuten schwankend da, den Ring an der Kette fest umklammert, als sie plötzlich in die Knie ging. Ich trat ein paar Schritte auf sie zu, bremste mich aber und fuhr mir mit den Händen über den Kopf, bevor ich mich zwang, wieder zurückzugehen und mich an den Laster zu lehnen.
Seit der Beerdigung war sie nicht mehr hier gewesen. Ich wusste also, dass sie das hier brauchte und dass sie dabei allein sein musste. Aber um ihretwillen, und auch für mich, musste ich bei ihr sein, wenn sie bereit war zu gehen.
Mir zog sich die Kehle zusammen, als ihre Schluchzer mich erreichten, und ich ließ den Kopf sinken, um zu Boden zu blicken, während ich mit meinen eigenen Tränen rang, als ihre Trauer zu meiner noch hinzukam. Ich hasste es, dass er nicht mehr bei uns war. Ich hasste es, wie sehr sie litt. Ich hasste es, dass es sich anfühlte, als könnte ich nichts tun, um ihr zu helfen.
Mein Kopf schnellte hoch, nur Sekunden, bevor Grey an meiner Brust zusammensank, und ich nahm sie wie von selbst in die Arme. Keine Ahnung, wie lange wir dort standen, aber ihr Gesicht war rot und nass vor Tränen. Ihre Augen sahen leer aus, als sie wahrnahm, wo wir uns befanden, und auch wenn ihre Atemzüge flach waren, kamen sie regelmäßig.
„Wie geht es ihm?“, fragte ich ein paar Minuten später, und sie hob langsam den Blick.
Sie starrte mich unzählige Augenblicke lang an, bevor sie die Lippen gerade genug öffnete, um zu sagen: „Es geht ihm gut.“
Ich nickte und senkte die Stimme zu einem Flüstern. „Und wie geht es dir?“
„Zerbrochen“, sagte sie sofort. „Ich bin zerbrochen, aber ich bewege mich.“
„Klingt, als wärest du genau da, wo du sein solltest.“
Ein leises Lächeln umspielte eine Sekunde lang ihre...




