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McDonald Die Schule der Nacht

Roman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-20019-0
Verlag: Penhaligon
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Roman

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Atmosphärisch, düster, spannend – perfekt für alle Fans von Deborah Harkness.

»Du kannst dich nicht für immer vor der Wahrheit verstecken. Bitte komm zurück, und bring alles zu einem guten Ende.« Diese Nachricht erhält die Amerikanerin Cassandra Blackwell in einem mysteriösen Päckchen, zusammen mit einem alten Foto ihrer verstorbenen Mutter, gekleidet in die schwarze Robe der Oxford Universität. Kurzerhand beschließt sie, nach England zu reisen, um mehr über die geheimnisvolle Vergangenheit ihrer Mutter zu erfahren. Dort entdeckt Cassie eine Welt voller Traditionen und Privilegien und merkt schnell, dass hier eine dunkle Macht am Werk ist – verbunden mit einer geheimen Gesellschaft, die sich Die Schule der Nacht nennt …

Ann A. McDonald wurde in Sussex geboren, studierte Philosophie, Politik und Wirtschaft in Oxford, um anschließend als Musikjournalistin und Unterhaltungskritikerin zu arbeiten. Heute lebt sie in Los Angeles und schreibt hauptberuflich Romane und Drehbücher.
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Kapitel 1

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Oxford im Sommer war eine Stadt im Belagerungszustand. Sie kamen von jenseits der Meere, aus Norwegen und Brasilien, Indien und Japan: In einer vereinten Invasionsarmee stürmten alte und neue Zivilisationen gleichermaßen die verträumten Kirchtürme und adretten sattgrünen Kolleghöfe; die Gesichter mit einer Kriegsbemalung aus zinkhaltiger Sonnencreme maskiert, ließen die Invasoren ihre Schlachtenrufe in fremdländischem Kauderwelsch erschallen. Während sie vereint von den lauschigen Blumenwegen des Botanischen Gartens zum altehrwürdigen, hoch aufragenden Speisesaal des Christ Church College zogen, vermengten sich in Souvenir-Shirts die unterschiedlichen Rassen und Nationen unter den Baseballkappen mit Union-Jack-Aufdruck zu einer einheitlichen Truppe. Die Invasoren drängten sich auf dem Kopfsteinpflaster der Cornmarket Street, konsultierten Reiseführer und Straßenkarten und zwängten sich durch Eisentore, immer auf der Suche nach der besten Schussposition auf Statuen und geschwungene Sandsteinmauern.

Die Läden entlang der High Street trieben schwunghaften Handel mit Schreibtischstandarten, Statuetten und langen Strickschals im abgetönten Farbspektrum der offiziellen Collegefarben: Maulbeerrot und Marineblau, Senfgelb und Jagdgrün. In altmodischen Tearooms – wo hauchdünnes Goldrandporzellan auf zierlichen Untertässchen klirrte – wurde Cream Tea serviert, und auf dem Fluss stauten sich die Stechkähne: die langen, flachen Flussboote, die von den Studenten über die moosgrünen Gewässer gestakt wurden, während ihre Passagiere Pimm’s aus mit Gurkenscheiben dekorierten Plastikgläsern nippten und süße Erdbeeren aus einem Körbchen zupften, das sie an einem der Obststände auf der Brücke erstanden hatten.

Von Anfang Mai bis Ende August waren die historischen Straßen verstopft, staubig und vermüllt – oder, öfter noch, von plötzlichen kalten Sommerschauern überschwemmt, vor denen die Menschen, die Straßenkarten über den Kopf erhoben, unter die Torbögen und Ladenmarkisen flüchteten. Doch wenn der September heraufzog, wurde es schlagartig wieder still in den majestätischen Collegehöfen. Die Heerscharen zogen ab, und die Stadt atmete auf. Eine neue, herbstliche Frische lag in der Luft, und taufeuchte Nebelschleier benetzten allmorgendlich die Wiesen der Port Meadow, wenn die Kirchenglocken zum Tagesbeginn ihren Baritonchor erschallen ließen.

Nur eine Woche oder zwei währte diese Erholungspause, während der die Verkäuferinnen erschöpft hinter ihren Registrierkassen zusammensanken und die Landschaftsgärtner der Colleges sich daranmachten, die Rosenbüsche zu stutzen und die akkuraten Rasenflächen zu mähen.

Viel zu früh folgte der nächste Ansturm.

Und diese Besucher würden nicht so schnell wieder abziehen. Sie kamen mit noch eingeschweißten Lehrbüchern und dicken Einführungsleitfäden, blank gewienerten Schuhen und großen Augen, und sie hatten an ihren hoffnungsvollen Erwartungen ebenso schwer zu tragen wie an den brandneuen Besitztümern, die sie in prall gefüllten Rollkoffern hinter sich herzogen.

Der Sommer war vorüber, und damit für eine neue Generation von Studenten der Zeitpunkt gekommen, sich einen Namen in der Ruhmeshalle der großen akademischen Denker Oxfords zu machen.

Am Anfang, entdeckte Cassandra Blackwell, stand die Immatrikulation.

Sie traf zu spät ein, ihr Flug hatte sich aufgrund eines extremen Sturmtiefs über der amerikanischen Ostküste verspätet, und bis sie ihr Gepäck in Heathrow vom Band gezogen und die zweistündige Busfahrt nach Oxford hinter sich gebracht hatte, war der erste offizielle Studientag an der Oxford University bereits in vollem Gang. Aus dem dicken Informationspaket wusste sie zwar, was sie erwartete, dennoch war sie überwältigt, als sie ihre Koffer über das holprige Kopfsteinpflaster durch die Tore des Raleigh College zog und sich in einem Meer von Studenten in merkwürdigen schwarzen Roben wiederfand, die unstet und quirlig durch den Eingangshof trieben wie Zeitungsblätter im englischen Herbstwind.

Cassie blieb inmitten des Trubels stehen und nahm die befremdliche Szene in sich auf. Die Studenten versammelten sich bereits für das offizielle Foto auf einer Holztribüne. Aber im Gegensatz zu den lässig gekleideten Freshmen in Jeans, die sie von ihrem amerikanischen College her kannte, trugen diese Erstsemester gestärkte weiße Hemden und Anzüge unter ihren Roben; die Mädchen Blusen und schwarze Röcke, dazu dunkle Schleifen um den Hals und breite schwarze Stoffbänder, die ihnen von den Schultern hingen. Es war ein altmodisches Gewand, wie man es auf vergilbten, vom Alter ausgeblichenen Sepia-Fotografien erwartet hätte. Der einzige Hinweis darauf, dass sie sich im einundzwanzigsten Jahrhundert befanden, waren die Smartphones, die fast alle Studenten in der Hand hielten, während sie sich unter den uralten honigfarbenen Sandsteinwänden aufstellten, um für ihr erstes Foto zu posieren.

Das Mittagsläuten der Glocke in der Kapelle hallte über den Hof. Sie war spät dran.

Cassie sah sich eilig um. Ein unablässiger Strom von Besuchern betrat und verließ das kleine Pförtnerhaus direkt hinter dem Tor, darum reihte sie sich in die Schlange ein, wobei sie den Kopf einziehen musste, um nicht an den niedrigen steinernen Türsturz zu stoßen. Drinnen ging es chaotisch zu: In dicken Trauben standen die Menschen vor dem Schalter. Verunsichert harrte sie im Gedränge aus, bis ein Angestellter – ein verwittert aussehender Mann mit Schirmmütze und schwerer Strickjacke – ihren Koffer und das an ihre Brust gepresste Info-Paket bemerkte.

»Sind Sie Erstsemester?«, wollte er wissen.

»Ja.« Cassie streckte ihm ihre Papiere hin. »Cassandra Blackwell. Mein Flug hatte Verspätung; ich bin gerade erst angekommen.«

Der Mann riss die Augen auf. »Lassen Sie Ihre Sachen hier, und ziehen Sie sich um, sonst verpassen Sie noch das Foto.«

»Nicht so schlimm«, versuchte Cassie zu protestieren. »Ich will mich erst mal in meinem Zimmer einrichten.«

Aber der Mann ließ sich nicht beirren. »Los, geben Sie mir Ihren Koffer.« Ehe sie widersprechen konnte, hatte er ihn ihr aus der Hand gerissen. »Haben Sie Ihr Subfusc?«

Carrie starrte ihn verständnislos an, woraufhin er erklärte: »Den Talar und die Uniform. Vergessen Sie’s, dafür ist keine Zeit mehr. Gut, dass Sie was Schwarzes anhaben.« Er wühlte in einer Kiste und entnahm ihr eine Robe, ähnlich denen, die sie draußen gesehen hatte. »Jetzt raus mit Ihnen; ich suche währenddessen Ihr Zimmer heraus. Cassandra, haben Sie gesagt?« Sie nickte. »Ich bin Rutledge. Wenn Sie mit der Immatrikulation durch sind, kommen Sie wieder zu mir. Und jetzt los!« Er scheuchte sie hinaus und wurde gleich darauf vom Gedränge verschluckt.

Cassie streifte den Talar über, trat aus dem Häuschen und wurde umgehend auf die Tribüne geschoben, in eine der oberen Reihen, eher im Hintergrund des Bildes. Die anderen Studenten machten Platz, um sie durchzulassen, hatten aber kaum einen Blick für sie, weil sie vollauf damit beschäftigt waren, mit den anderen neuen Studenten zu reden und zu witzeln. Sie waren viel zu aufgeregt, um sie auch nur zu bemerken.

Auch Cassie war aufgeregt, doch sie fühlte nicht die gespannte Vorfreude, die sie in allen anderen Gesichtern las. Sie war vor allem neugierig auf diese neue Welt, fühlte sich aber zugleich wie eine Hochstaplerin, so als könnte einer ihrer neuen Kommilitonen womöglich irgendwann hinter ihre Fassade blicken und ihre wahren Absichten erkennen. Den wahren Grund, warum sie unter ihnen war, und all ihre geheimen Pläne für das kommende Jahr.

»Es geht los! Bitte nehmen Sie Ihre Plätze ein!«

Gerade als sie sich in Positur gestellt hatte, begannen der Fotograf und sein Assistent, die letzten Nachzügler zum Rand der Gruppe zu scheuchen.

»Passt das so?« Das Mädchen neben Cassie nestelte an dem Band um ihren Hals und versuchte vergeblich, es zu einer lockeren Schleife zu binden. Die junge Frau hatte große Vogelaugen, ihre Fingerspitzen flatterten nervös, und ihr Gesicht glühte in atemloser Begeisterung.

Cassie drehte sich um, doch das Mädchen hatte wirklich mit ihr gesprochen. »Lass mich mal.« Schnell hatte sie die Schleife gebunden.

»Danke.« Ihre Nachbarin strahlte sie an. »Kannst du glauben, dass wir tatsächlich hier sind?« Sie wartete Cassies Antwort gar nicht erst ab. »Von diesem Tag habe ich mein ganzes Leben geträumt«, sprudelte es aus ihr heraus. »Und jetzt endlich, nach all den Jahren, habe ich es geschafft. An die Oxford University.« Sie hauchte die Worte voller Inbrunst und Ehrfurcht – wie ein altvertrautes Gebet, das endlich erhört worden war. »Ist das nicht fantastisch?«

Cassie sah zu der karmesinroten Flagge des Raleigh College hoch, die ihnen gegenüber auf der breiten Mauer flatterte. Sie hatte sie auf Fotos und in Hochglanzbroschüren gesehen, sogar leibhaftig, vor Jahren, aber hier erschien sie ihr größer, mächtiger, lebendiger als je zuvor. Plötzlich flammte der Blitz des Fotografen vor ihr auf, und dunkle Funken tanzten durch ihr Blickfeld. Sie blinzelte, benebelt vom Jetlag und der langen Reise und den Jahren an Planung, die sie gebraucht hatte, bis sie es durch die geheiligten, exklusiven Tore des Raleigh College geschafft hatte.

Ihr unermüdlicher Einsatz hatte endlich Früchte getragen. All die Intrigen und Lügen, Opfer und Risiken.

»Fantastisch«, wiederholte sie leise, und dann flammte der Blitz erneut auf und blendete sie alle in der strahlenden...


McDonald, Ann A.
Ann A. McDonald wurde in Sussex geboren, studierte Philosophie, Politik und Wirtschaft in Oxford, um anschließend als Musikjournalistin und Unterhaltungskritikerin zu arbeiten. Heute lebt sie in Los Angeles und schreibt hauptberuflich Romane und Drehbücher.



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