McDonnell / Ofori | Ursula und das V-Team | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

Reihe: Eichborn

McDonnell / Ofori Ursula und das V-Team

Das Schicksal muss warten. Roman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-7448-2
Verlag: Eichborn
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das Schicksal muss warten. Roman

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

Reihe: Eichborn

ISBN: 978-3-7517-7448-2
Verlag: Eichborn
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Kampf um Köln beginnt!

So hatte sich Ursula ihren großen Tag nicht vorgestellt! Da wird man jahrelang ausgebildet, um am achtzehnten Geburtstag Köln gegen die Dämonen der Hunnen zu verteidigen, und dann läuft alles anders als erwartet! Nicht genug damit, dass zwei der elf Mitglieder ihres Teams spurlos verschwinden und Ursula notgedrungen Adam, seines Zeichens Exil-Amerikaner und Gelegenheitsstadtführer, in einer Bar auflesen muss; zusätzlich verschwinden plötzlich auch noch mitten im Kampf alle Hunnen - und mit ihnen auch Ursulas Ausbilderin Una. Die Bestimmung ist damit faktisch erfüllt, aber das kann doch nicht alles gewesen sein? Ursula und ihr Team gehen der Sache auf den Grund - und stehen plötzlich einem viel größeren Gegner gegenüber als einer läppischen Geisterarmee.



C. K. McDonnell ist das Pseudonym von Caimh McDonnell, einem preisgekrönten irischen Stand-up-Comedian und Bestsellerautor der Dublin Trilogy rund um den abgehalfterten Ex-Cop BUNNY McGARRY. Seine Bestseller-Serie um die fiktive Zeitung THE STRANGER TIMES wurde bei den BRITISH FANTASY AWARDS 2023 mit dem Preis für das beste Hörbuch ausgezeichnet. Seine Bücher wurden als »eine der lustigsten Krimireihen, die Sie jemals gelesen haben« (The Express) und »ein brillanter humoristischer Thriller« (The Irish Post) bezeichnet. McDonnell lebt und schreibt in Manchester.

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KAPITEL 1


»Babys sind ekelhaft«, verkündete Anna lautstark. Ihre Überzeugungen verkündete sie grundsätzlich lautstark.

Delilah lächelte verlegen, da der Ausbruch ihrer Freundin nicht unbemerkt geblieben war. Eine ältere Frau, die ihnen auf dem Bürgersteig entgegenkam, schaute die beiden abschätzig an. Die Frau hatte sich gegen den Kölner Wind dick eingepackt und zog einen rollbaren Einkaufstrolley hinter sich her. Selbst im schummrigen Licht der Straßenlaternen erkannte Delilah, dass ihr entschuldigendes Lächeln gegen den vernichtenden Blick der alten Dame keine Chance hatte. Sie begegneten ihr regelmäßig auf ihrem Weg zum Supermarkt, aber wenn sie sie grüßten, ernteten sie nie mehr als ein missmutiges Nicken. Ob es regnete oder die Sonne schien, immer trug sie dieselbe Daunenjacke, und Delilah fragte sich mittlerweile, ob es sich um ihre zweite Haut handelte.

Sie blieb kurz stehen, um die alte Dame und ihren abschätzigen Blick durchzulassen.

»Ist einer deiner gewagteren Aussprüche, Anna. Aber klar«, sagte sie. »Babys sind schon viel zu lange mit viel zu viel durchgekommen. Wird mal Zeit, dass sie jemand in ihre Schranken verweist.«

Anna ließ die Henkel der beiden vollen braunen Papiertüten in ihren Händen zu ihren Handgelenken hinunterrutschen und versuchte so vergeblich, sich mehr Freiraum zu verschaffen. Ausgiebiges Gestikulieren machte ihr nämlich ebenso viel Freude wie lautstark ihre Überzeugungen zu verkünden. »Ich meine es ernst. Okay, vielleicht nicht die Babys selbst, aber das ganze Theater drumherum.«

»Meinst du …?«

»Nein.« Anna verstand sofort, worauf ihre Freundin hinauswollte. »Nicht den Sex. Ich meine … nicht wirklich.«

Ehrlicherweise kannten sie sich auf diesem Terrain nicht besonders gut aus. Sie hatten – natürlich – oft darüber gesprochen, wie es sein musste, sich mit jemandem zu verabreden und sich auf alle möglichen weiterführenden Aktivitäten einzulassen. Aber die ungewöhnlichen Umstände ihrer Jugend hatten bei diesem Thema für erhebliche Bildungslücken gesorgt. Die Menschen in ihrem Alter, die auf den Kölner Straßen an Delilah in Autos vorbeisausten, auf Motorrädern oder auf den E-Rollern, von denen Bug so besessen war, schienen in einer vollkommen anderen Welt zu leben. Ein Umstand, der sich für sie und die anderen Mädchen jedoch dramatisch ändern sollte – und zwar sehr bald. Mit dieser Aussicht gingen sie ganz unterschiedlich um. Anna offensichtlich, indem sie noch mehr Anna war als sowieso schon.

»Denk mal drüber nach«, fuhr sie fort. »So ein Ding wird dir einfach in den Bauch gesetzt –«

»Ich glaube, dabei hilfst du durchaus mit«, unterbrach sie Delilah. »Ich gehe außerdem davon aus, dass die meisten Menschen es gar nicht gern hören, wenn man ihre Babys als ›so ein Ding‹ bezeichnet.«

»Na ja, meinetwegen. Ich will auch bloß sagen: Es ist in deinem Bauch und fängt an zu wachsen. Es ernährt sich von dir, wird größer und größer. Das Baby ist im Grunde nichts anderes als ein Parasit. Zahlt keine Miete. Isst dein Essen. Tritt dich! Hallo!? Das kleine Scheusal tritt dir in den Bauch!«

»Dass das alles auch was Magisches hat, scheint ziemlich an dir vorbeizugehen.«

»Mit Magie kenn ich mich aus«, entgegnete Anna, »und das hat mit Magie nichts zu tun. Folgendes ist der springende Punkt: Es isst, was du isst, oder?«

»Na ja …«, erwiderte Delilah zögerlich. »Teilweise, nehme ich an.«

»Genau. Und was reinkommt, muss auch wieder raus. Das kleine Monster kackt in dich rein! Ich meine, kann man sich was Ekelhafteres vorstellen? Es erstaunt mich echt, dass das irgendwer mit sich machen lässt.«

»Tja, wir haben da keine wirklichen Alternativen. Du weißt schon, sonst wäre ja keiner von uns auf der Welt.« Noch so ein Thema, über das sie eher selten sprachen.

Die beiden hätten kaum unterschiedlicher aussehen können. Anna war kräftig und vibrierte vor nicht zu bändigender Energie. Ihr lockiges Haar war aus rein praktischen Gründen kurz geschnitten. Delilah dagegen war auffällig groß, was sie stets verlegen machte, und sie bewegte sich träge. Zudem trug sie ihr Haar lang, um weniger schlaksig zu wirken. Delilah war dunkel- und Anna hellhäutig. Beide waren sich nicht sicher, woher sie stammten. Sie wussten nur eines über den Ort ihrer Geburt: dass sie bald dorthin zurückkehren würden. Hoffentlich. Das hieß auch, sie würden die einzige Familie zurücklassen, die sie kannten. Immer vorausgesetzt, dass sie lange genug am Leben blieben. Es war eine Menge, mit dem sie fertigwerden mussten. Und das war auch der Grund dafür, dass Anna sich einer ihrer unzusammenhängenden Tiraden hingab, die ihr Markenzeichen darstellten.

Während Delilah kurz zum Abendhimmel aufsah, erhaschte sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung. »Da ist schon wieder diese Taube.«

»Eine weiße Taube«, fügte Anna hinzu.

Diese Auseinandersetzung hatten sie schon hundertmal gehabt. Jedes Mal, wenn Delilah den Vogel entdeckte.

»Das ist schon was Besonderes.«

»Ach ja?«, entgegnete Anna. »Oder haben die weißen Tauben einfach die bessere PR? Ist dieselbe Vogelart, nur dass die weißen ein heiß geliebtes Friedenssymbol sind und die grauen als ›Ratten der Lüfte‹ bezeichnet werden. Das ist doch ein schlechter Witz!«

»Es ist –« Delilah verstummte, als Anna sich plötzlich anzuspannen schien.

»Was ist denn da los?«, fragte sie.

Delilah warf einen Blick über die Schulter und erkannte sofort, was ihre Freundin meinte. Ein junges blondes Mädchen in roter Adidas-Jacke, vielleicht ein, zwei Jahre jünger als sie, eilte auf der anderen Straßenseite den Bürgersteig entlang. Sie hielt die Jacke eng um sich geschlungen, und ihre schnellen Schritte hallten dumpf vom Pflaster wider, während sie von einem schwachgelben Lichtkegel der Straßenlaternen zum nächsten huschte und sich immer wieder umschaute. Bald würden sie die Venloer Straße erreichen, wo viele Leute jetzt noch ihre Einkäufe erledigten. Hier befanden sie sich aber in einer ruhigen Wohngegend voller Altbauten und einiger neuerer Mietshäuser, und abgesehen von ihnen und dem Mädchen war kein Mensch unterwegs.

»Sieht nicht gut aus«, stellte Delilah fest. »Sie läuft nicht einfach irgendwohin …«

»Nope«, stimmte Anna zu. »Sie läuft vor irgendwas weg.«

Delilah wuchtete nervös ihre Tüten herum. Der Einkauf, das Abendessen – das war ihre Art, sich abzulenken. Ihre Tagliatelle all’arrabiata war das Lieblingsessen der Kohorte. Allerdings vermieden sie es angestrengt, von ihrer letzten gemeinsamen Mahlzeit zu sprechen. Wenn sie heute Abend eines nicht gebrauchen konnten, war es eine echte Ablenkung.

»Una hat gesagt, dass wir vom Supermarkt direkt nach Hause kommen sollen.«

Die junge blonde Frau blieb an der Ecke einer Seitenstraße stehen. Kein Zweifel, sie wirkte wie ein gehetztes Tier.

Auch Anna hielt inne und sagte, ohne den Blick von dem Mädchen abzuwenden: »Und?«

»Ich meine ja bloß«, sagte Delilah.

»Und ich halte bloß die Augen offen. Schadet ja nichts, wenn –«

Der Rest von Annas Satz ging unter, als ein weißer Van mit quietschenden Reifen um die Ecke raste. Das Mädchen in der roten Jacke rannte sofort los, sprintete die Straße hinab. Sekunden später bremste der Van mit einem neuerlichen Aufschrei seiner Reifen. Drei Männer sprangen aus der hinteren Tür und nahmen sofort die Verfolgung auf.

Lebensmittel flogen in alle Richtungen, als Anna ihre Tüten fallen ließ und quer über die Straße stürmte.

»Ach, verdammt.« Delilah ließ ihre Tüten ebenfalls fallen und heftete sich an Annas Fersen. Ohne einen Blick zurückzuwerfen, vollführte Delilah eine kurze Handbewegung. Daraufhin stiegen die verschütteten Einkäufe vom Boden auf und flogen ordentlich in die Tüten zurück, die anschließend sauber aufgereiht am Bordstein standen. »Wir sollten wirklich nicht –«

»Dauert bloß ein paar Sekunden«, rief Anna ihr über die Schulter zu, während ihre muskulösen Beine zur Höchstform aufliefen und sie um die Ecke schoss.

Delilah folgte ihr – was blieb ihr übrig?

Als sie die angrenzende Straße erreicht hatten, war die junge Frau nirgends zu sehen, dafür die drei Männer, die im Laufschritt die Fahrbahn überquerten. Sie trugen Bomberjacken, einander ähnlich genug, um als Uniform durchzugehen. Einer hatte hellblonde Haare, ein anderer dunkle. Der dritte, kahlgeschoren und untersetzt, hielt sich schwer atmend in ihrem Windschatten.

Anna wurde nicht langsamer, während sie ebenfalls auf die Fahrbahn sprang. Ein einsamer Wagen ließ ein wütendes Hupen ertönen. Delilah stoppte kurz, um das Fahrzeug durchzulassen, und erhaschte einen Blick auf den rotgesichtigen Fahrer, der wütend vor sich hin murmelte. Dann rannte sie ihrer Freundin hinterher. Die drei Männer waren in einer Toreinfahrt verschwunden, zwischen einer Secondhandboutique und einem Elektrogeschäft, die bereits geschlossen hatten. Anna setzte ihnen nach.

Als Delilah bei der Toreinfahrt ankam, sah sie, dass diese zu einem Hinterhof mit Parkplatz führte. Höchstens zwölf Fahrzeuge ließen sich hier abstellen, jetzt aber war er leer. An der rechten Hauswand standen drei Mülltonnen, und an die gegenüberliegende Wand war in grellem Orange und Grün das Wort »Zero« gesprayt worden. In der äußersten Ecke hatte die Männergruppe das Mädchen eingekesselt.

Delilah spurtete näher und kam neben Anna zum Stehen. Ein rascher Blick zurück auf die leere Straße bestätigte,...


Mumot, André
André Mumot, geboren 1979, studierte Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis in Hildesheim. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete er als Übersetzer aus dem Englischen, Theaterkritiker und Moderator bei Deutschlandfunk Kultur.

McDonnell, C. K.
C. K. McDonnell ist das Pseudonym von Caimh McDonnell, einem preisgekrönten irischen Stand-up-Comedian und Bestsellerautor der Dublin Trilogy rund um den abgehalfterten Ex-Cop BUNNY McGARRY. Seine Bestseller-Serie um die fiktive Zeitung THE STRANGER TIMES wurde bei den BRITISH FANTASY AWARDS 2023 mit dem Preis für das beste Hörbuch ausgezeichnet. Seine Bücher wurden als »eine der lustigsten Krimireihen, die Sie jemals gelesen haben« (The Express) und »ein brillanter humoristischer Thriller« (The Irish Post) bezeichnet. McDonnell lebt und schreibt in Manchester.

Ofori, Elaine
Elaine Ofori hat in mehr als zwei Jahrzehnten scheinbar eher zufällige Fähigkeiten in den Bereichen Verlagswesen, Marketing und Kommunikation gesammelt, die sie nun jedoch in ihrem Verlag McFori Ink als Leiterin von Allem und Chefin für Streits erfolgreich einsetzt. Dort verbringt sie ihre Tage damit, über Wörter nachzudenken und sie in vollständig konstruierte Sätze zu verwandeln, die etwas kreativer sind als die Berichte und Strategien, die sie den Großteil ihrer Karriere geschrieben hat. URSULA ist ihr Debüt als Romanautorin, das sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Autor C. K. McDonnell, geschrieben hat.



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