McEwen | Sniper Elite: Der Wolf | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 512 Seiten

McEwen Sniper Elite: Der Wolf


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-86552-557-4
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 512 Seiten

ISBN: 978-3-86552-557-4
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Als der Navy SEAL Scharfschütze Gil Shannon ins Fadenkreuz eines tschetschenischen Terroristen gerät, der unter dem Namen »Der Wolf« agiert, wird er vom Jäger zum Gejagten.
Doch in Paris bietet sich eine überraschende Chance: Shannon verbündet sich mit einem tödlichen russischen Spezial-Kämpfer gegen den Wolf – und nach einer Verfolgung durch ganz Europa kommt es im Gebirge des Kaukasus zum Showdown der Scharfschützen …

Wieder hat Scott McEwen (Co-Autor des Bestsellers ) einen actiongeladenen Militär-Thriller geschrieben, der durch mitreißende Charaktere besticht und einen tiefen Einblick in die riskante Arbeitsweise der US Special Forces gewährt.

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1

Paris, Frankreich

Es ging auf drei Uhr morgens zu. Master Chief Gil Shannon lag flach auf dem Bauch auf einem leeren Güterwaggon in einem der Pariser Außenbezirke, ein modulares Scharfschützengewehr der Marke Remington eng an die Schulter gezogen, das Auge am Barska-Nachtsichtzielfernrohr, dessen leuchtendes grünes Fadenkreuz in der Dunkelheit gut sichtbar war.

Er spähte zu der völlig im Dunkeln liegenden Lagerhalle hinüber, die etwa 100 Meter östlich von ihm auf der anderen Seite des Betriebshofs stand. Die Aprilnacht war frisch und die Brise trug das ferne Heulen einer Lokomotive herüber, als Gil sachte seine Stellung korrigierte, um den Harndrang unter Kontrolle zu bringen.

Er wartete darauf, dass Dokka Umarov sich zeigte. In seinem rechten Fuß war ein dumpfes Pochen. Er hatte im Vorjahr während eines Kampfeinsatzes – ein Fallschirmsprung über Montana – einen Schuss abbekommen und ein Großteil des Mittelfußknochens war durch ein experimentelles Implantat aus Titan ersetzt worden. Dazu gesellte sich das beklemmende Gefühl in seiner Brust, das ihn neuerdings immer dann heimsuchte, wenn es zu lange zu ruhig blieb.

Er atmete tief ein und ließ den Atem langsam wieder entweichen, nahm die Hand vom Griff der Waffe, um die Finger zu lockern.

»Bist du schon verkrampft?«, fragte die Stimme seiner Deckung aus der Luft. Der Stöpsel lag bequem in seinem Ohr.

Gil lächelte in der Dunkelheit. »Hast du mich im Blick oder das Zielgebiet?«

Die Stimme lachte leise. »Ich sehe alles.«

»Du siehst zu viel«, murmelte Gil gutmütig. »Wie wäre es, wenn du den Blick von meinen Eiern nimmst und stattdessen nachsiehst, ob Umarov sich hinten rausschleicht?«

Wieder das leise Lachen.

Ein paar Minuten später sagte Gil: »Dieses kleine Stelldichein dauert länger, als es sollte. Ich frage mich …«

»Wärmesignatur! Schütze auf dem Dach!«

Gil zuckte mit keiner Wimper. Sein Auge blieb am Zielfernrohr. »Norden oder Süden?«

»Auf der Nordseite«, kam die Stimme. »Er hatte sich unter einer Art Vordach versteckt … nein, ich schätze, das ist ein richtiger Hochsitz. Er gleitet jetzt wieder darunter. Umarov muss damit gerechnet haben, per Satellit überwacht zu werden.«

»Kannst du den Lauf der Waffe sehen?«

»Ich verbessere gerade die Auflösung … ja, ich sehe 15 bis 20 Zentimeter davon – den Schalldämpfer.«

»Wohin ist sie gerichtet?«

Eine kurze Pause, dann: »Etwa 20 Grad zu deiner Rechten … südlich deiner Position.«

»Dann hat er mich also nicht bemerkt«, kommentierte Gil. »Aber das ist ja selbstverständlich.« Er ließ den Blick mehrfach über das Flachdach des dreistöckigen Gebäudes schweifen, das ein Wirrwarr aus Wassertanks und Klimaanlagen, Lüftungskanälen und ummauerten Aussichtsplattformen zierte, die ehemals von Eisenbahnfans genutzt worden waren. »Ich kann ihn nicht entdecken. Du hast nicht zufällig einen Blick auf seine Optik erhaschen können, oder?«

»Doch«, kam die Stimme zurück. »Fettes Zielfernrohr.«

»Scheiße«, murmelte Gil. »Das bedeutet Infrarot. Klingt, als hätte ich nur ein Messer zu einer Schießerei mitgebracht. Was hat er gemacht, als er aus seinem Versteck gekommen ist?«

»Seinen Rücken gestreckt, schätze ich.«

»Zumindest ist er unvorsichtig. Das ist doch was.« Gil entspannte sich und pinkelte in seine Hose, um zumindest diese immer stärker werdende Einschränkung loszuwerden. Das warme Gefühl, das sich von seinem Schritt aus am Stoff der Hose entlang ausbreitete, brachte zusätzliche Erleichterung. Es war gar nicht so leicht, die Blase zu entleeren, während man absolut regungslos liegen blieb, wie die meisten Menschen wohl denken würden, aber Gil hatte die Kunst inzwischen mehr oder weniger zu meistern gelernt. Wenn ein Agent in Afghanistan am Leben und hellwach bleiben wollte, musste er eine Menge Wasser trinken, und ein Heckenschütze konnte schließlich nicht alle zehn Minuten aufspringen und aufs Klo gehen.

Nachdem er also dem Harndrang nachgegeben und sich erleichtert hatte, war er kampfbereit. »Ich muss diesen Kerl ausschalten, bevor Umarov rauskommt. Führ mich zu ihm.«

»Siehst du den nördlichen Wassertank?«

»Hab ihn.«

»Er steckt in einem Unterschlupf aus Sperrholz und Schutt, knappe zehn Meter südlich vom … Pass auf! Er zielt jetzt auf dich!«

Gil schob sein Ziel zehn Grad nach rechts. Das Blut gefror in seinen Adern, als er den feindlichen Scharfschützen entdeckte, deutlich zu sehen in seinem Unterschlupf, die Silhouette im grünlich-schwarzen Sichtfeld klar umrissen.

»Scheiße!« Er zuckte vom Zielfernrohr weg, und das keinen Moment zu früh. Die Linse splitterte, als die feindliche Kugel geradewegs durch das Rohr ging, ohne die Seiten auch nur zu berühren. Glassplitter bohrten sich in die Haut an Gils Hals, als die tödliche Kugel nur knapp an seinem Ohr vorbeipfiff. Er ließ die Remington fallen und rollte über das Dach des Bahnwaggons, um sich dann auf der Rückseite hinabfallen zu lassen, aber da streifte der zweite Schuss des Feindes auch schon seine Hüfte. Im Fallen drehte er sich, sodass er wie eine Katze mit den Füßen voran auf dem Schotter landete, und suchte Deckung, duckte sich hinter eines der großen Stahlräder des Waggons.

»Gottverdammt, das war knapp!«

»Hat er dich getroffen?«, fragte die Luftüberwachung und klang ein bisschen erschüttert.

Gil zog die Jeans kurz ein Stück herunter, um sich die Wunde anzusehen. »Er hat mich an der Hüfte gestreift. Nichts Ernstes.«

»Gut«, erwiderte die Stimme grimmig, »denn gleich wirst du bis zur Hüfte in der Scheiße stecken. Da sind mehrere Dutzend französische Gendarmen, die sich von Norden und Westen deiner Position nähern. 200 Meter entfernt. Die haben zwei Schäferhunde dabei.«

Mit Schäferhunden wollte Gil nicht ins Gehege kommen. Mit einem würde er vielleicht fertigwerden, wenn er in Kauf nahm, selbst etwas abzubekommen, aber zwei davon würden ihn erst zu Boden und dann in Stücke reißen. Also rannte er in südlicher Richtung über den losen Schotter davon, immer parallel zum abgestellten Güterzug. »Was macht der verfickte Sniper?«

»Vergiss den«, kam die Stimme, die jetzt etwas abgelenkt klang. »Er zieht sich zurück.«

Gil hantierte am Ohrstöpsel herum, während er rannte. »Ist es möglich, dass die Gendarmen wegen Umarov hier sind?«

»Sie bewegen sich nicht auf die Lagerhalle zu. Warte eine Sekunde.« Erneut entstand eine Pause. »Umarov und seine Leute verlassen das Gebäude durch den hinteren Ausgang. Jemand muss dich in eine Falle gelockt haben, Gil.«

»Aber wer, zum Teufel?«, wollte Gil wissen, während er durch das Dunkel rannte und der Wind die Rufe der Gendarmen, die ihn verfolgten, zu ihm herübertrug.

»Die Hunde sind los«, warnte ihn die Stimme von oben. »Sie werden schneller, sind jetzt 100 Meter hinter dir.«

»Verdammt!« Gil machte einen Satz die Leiter eines Waggons hinauf und kletterte hastig aufs Dach, sprintete oben auf der Waggonreihe entlang und setzte jeweils mit einem Sprung über die Lücken dazwischen, immer in Richtung der Lokomotive, die immer noch eine halbe Meile entfernt an der Spitze des Güterzugs wartete.

»Sie werden dich da oben sehen.«

»Wenn du eine bessere Idee hast, Bob, dann raus damit.« Die Hunde bellten und holten auf, während das dumpfe Klappern von Gils Schritten auf den Stahlblechdächern viel zu gut zu hören war … die winzigen Tröpfchen seines Schweißes hingen schwer in der Luft und boten den Hunden eine unmissverständliche Fährte.

»Wir erweitern das Sichtfeld, um zu sehen, was vor dir liegt«, kam die Antwort der Luftüberwachung.

Gil spürte, wie das Titan-Implantat in seinem rechten Fuß sich langsam in das Muskelgewebe fraß, und fragte sich, wie lange es wohl noch dauern würde, bis irgendetwas im Innern des Fußes auseinanderbrach. Er taugte nicht mehr wirklich für Flucht und Ausweichmanöver dieser Art, und diese Tatsache wurde ihm mit jedem Sprung von Waggon zu Waggon schmerzhafter klar. Die Schäferhunde waren jetzt direkt unter ihm und bellten wie irre, um ihren Haltern anzuzeigen, dass sie den Verdächtigen eingeholt hatten.

Ein Pistolenschuss pfiff durch die Nacht und Gil warf einen raschen Blick über die Schulter zurück. Er erspähte einen Gendarmen 15 Waggons weiter hinten, der ebenfalls auf den Dächern entlangrannte.

»Was ist aus der guten alten Regel geworden, dass man einen fliehenden Verbrecher nicht erschießen soll?«, murmelte Gil genervt vor sich hin.

»Du bist in Frankreich«, erinnerte ihn die Stimme. »Diese Regel gibt’s da nicht.«

»Bob. Der Zug geht mir gleich aus und dieser übereifrige Arsch hinter mir kann schneller rennen als ich.« Ein weiterer Pistolenschuss. »Ich bin ziemlich sicher, dass die mich abknallen wollen.«

»Das wollen sie. Jemand hat der Sûreté telefonisch einen Tipp gegeben, dass sich beim Betriebshof ein Terrorist herumtreibt.« Die Sûreté Nationale war die französische Staatspolizei.

»Hörst du nebenher noch Radio oder was?« Gil sprang mit einem weiteren Satz über die nächste Wagenlücke und wäre beim Aufsetzen beinahe gestolpert.

»Ich muss doch herausfinden, womit du es zu tun hast«, erwiderte die Stimme gelassen, während Gil das leise Klackern von Fingern auf einer Tastatur hören konnte. »Okay, du hast Glück. Etwa zehn Waggons...


McEwen, Scott
Scott McEwen ist der Co-Autor des #1 New-York-Times-Bestsellers American Sniper- der erschütternde Lebensbericht des Scharfschützen Chris Kyle (verfilmt von Clint Eastwood).
In Zusammenarbeit mit Thomas Koloniar schreibt er die erfolgreiche Serie um die Sniper Elite. Die Romane basieren auf wahren Begebenheiten von echten Scharfschützen.

Scott McEwen ist der Co-Autor des #1 New-York-Times-Bestsellers ›American Sniper‹ - der erschütternde Lebensbericht des Scharfschützen Chris Kyle (verfilmt von Clint Eastwood).
In Zusammenarbeit mit Thomas Koloniar schreibt er die erfolgreiche Serie um die Sniper Elite. Die Romane basieren auf wahren Begebenheiten von echten Scharfschützen.

Scott McEwen, geboren 1961, ist Prozessanwalt in San Diego, Kalifornien. Er wuchs auf in den Bergen von Ost-Oregon. Nachdem er seinen Bachelor-Abschluss machte, studierte und arbeitete er lange Zeit in London.



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