E-Book, Deutsch, 448 Seiten
McEwen Sniper Elite: Ein One Way Trip
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86552-440-9
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 448 Seiten
ISBN: 978-3-86552-440-9
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Vom Co-Autor des New-York-Times-Bestsellers
ONE TEAM. ONE SHOT. ONE WAY.
Gil Shannon ist einer der tödlichsten Scharfschützen der US Navy und ein SEAL mit Leib und Seele. Gerade genießt er mit seiner Frau seinen wohlverdienten Urlaub, als er einen Hilferuf aus Afghanistan erhält. Eine Hubschrauberpilotin des Special-Forces-Teams wurde während eines Hinterhalts schwer verletzt und entführt.
Dann taucht ein Video auf, das zeigt, wie die Pilotin während ihrer Gefangenschaft brutal geschlagen und vergewaltigt wird. Die Taliban fordern für Sandra das irrsinnige Lösegeld von 25 Millionen Dollar.
Nachdem ein geheimer Einsatz misslingt, will der Präsident die Sache auf sich beruhen lassen. Er fürchtet eine verpfuschte Rettung wäre eine außenpolitische Katastrophe und könnte das Ende seiner Amtszeit sein.
Doch Gil Shannon kann Sandra nicht im Stich lassen. Gegen die Weisung des Präsidenten begibt er sich in die Höhle des Löwen – eine Black Operation mit schlechten Chancen. Ein One Way Trip.
Ein actiongeladener Militär-Thriller, der durch mitreißende Charaktere und Detailreichtum besticht und einen tiefen Einblick in die riskante Arbeitsweise der US Special Forces gewährt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
Montana
Das Pferd war eine graue Appaloosa-Stute von vier Jahren namens Tico Chiz, aber Navy Master Chief Gil Shannon nannte sie einfach Tico. Gerade war er bei seiner Frau Marie und seiner Schwiegermutter auf ihrer Pferderanch in Bozeman, Montana, aber sein wahres Zuhause war die Navy. Er verbrachte den größten Teil seines Lebens entweder am Naval Training Center Hampton Roads in Virginia Beach, Virginia, oder in weit entfernten Ecken des Globus, wo er das tat, was Marie – für seinen Geschmack ein wenig zu oft – verächtlich seinen Konzernmeistern dienen nannte.
Das Leben einer Soldatenfamilie war niemals leicht, aber für die Frau eines US Navy SEAL konnte es mitunter die Hölle bedeuten, und auch in seiner Frau sah Gil eine Bitterkeit, die mit jedem Jahr mächtiger zu werden drohte. Die harte Wahrheit war, dass sie nur wenige Gemeinsamkeiten hatten. Ihnen bedeutete Montana so viel wie der nächste Atemzug, sie hatten beide Pferdeblut in den Adern und die sexuelle Anziehung zwischen ihnen schien manchmal stärker als das Gravitationsfeld der Erde zu sein.
Er setzte den Fuß in den Steigbügel und schwang sich gerade in den Sattel, als Marie den Stall betrat. Sie trug Jeans, Boots und eine kastanienbraune Carhartt-Jacke. Er betrachtete sie bewundernd, tippte sich an die Hutkrempe und sagte, ein Lächeln in den blauen Augen: »Ma’am.«
Seine Frau lächelte zurück auf dieselbe schüchterne Art, wie sie es immer tat, nachdem sie sich geliebt hatten. Ihre braunen Augen funkelten, ihr langes braunes Haar war lose geflochten. Sie war 36, ein Jahr älter als ihr Ehemann, und ihm geistig mindestens ebenbürtig. Mit verschränkten Armen lehnte sie sich an einen Pfeiler, der voller Zaumzeug hing. »Dir ist klar, dass das Pferd wahrscheinlich nicht mal mehr deinen Namen weiß, seit du das letzte Mal hier warst.«
Gil grinste und lenkte Tico zu der Wand hinüber, von der er eine Browning .300 Winchester Magnum nahm, die mit einem 3x24-Nightforce-Visier ausgestattet war. »Bin mir gar nicht so sicher, dass sie ihn jemals gekannt hat.« Er steckte das Gewehr in die Tasche am Sattel. »Dieses selbstbezogene Biest.«
»Du weißt, dass da draußen nichts ist, was dir etwas antun kann.«
»Na ja, trotzdem, ich hab’s einfach gern dabei«, erwiderte er leise. Er widersprach ihr nur ungern, ihre Zeit zusammen war immer zu knapp.
Sie zog warnend eine Augenbraue hoch. »Gil Shannon, du lässt die Finger von meinen Elchen.«
Ertappt lachte er auf und zog einen Beutel Tabak aus der Hemdtasche, um sich eine Zigarette zu drehen. Die Prozedur hatte etwas Zen-artiges, das ihm half, bei sich zu bleiben, wenn die Wellen der Angst gegen sein Boot schwappten. Die Realität war leider, dass das Leben auf der Ranch für ihn zu langsam war, zu geordnet und sicher, und manchmal fühlte er sich, als müsste er aus seiner eigenen Haut kriechen. Natürlich begriff er, woran es lag. Er war als Nachkomme eines Kriegers aufgezogen worden und so trug er den emotionalen Ballast mit sich herum, den man von dem Sohn eines Green Beret, eines Soldaten der Special Forces, der mehrere Einsätze in Vietnam geleistet hatte, erwarten konnte. Dennoch war er sehr stolz auf seine Herkunft und hatte sich bewusst für den Militärdienst entschieden, der ihn den größten Teil seines Erwachsenenlebens weit weg vom Montana seiner Kindheit führen würde. Montana würde immer da sein, sagte er sich, und wenn er endlich zu alt wäre, um für die Navy rennen, springen und schwimmen zu können, dann würde er sich hierher zurückziehen und sich mit Marie endgültig niederlassen, in dem Wissen, dass er alles in seiner Macht Stehende getan hatte, um sein großartiges Land zu verteidigen.
Er steckte sich die Zigarette zwischen die Lippen und lächelte seiner Frau zu. »Keine Sorge. Der alte Spencer meinte, ich kann jederzeit auf seinem Land jagen.«
Marie wusste, dass ihr Mann Geister in sich trug, die er tief versteckte. Sie sah sie in den Schatten, die in jenen schmerzhaften Momenten über sein Gesicht huschten, wenn er sich unbeobachtet glaubte.
»Verstehe«, gab sie nachdenklich zurück. »Also willst du in die höheren Lagen.«
Er zog an der Zigarette und blies den Rauch durch die Nase. »Ich bleibe unterhalb der Schneegrenze. Keine Sorge.«
»Ich mache mir nie Sorgen, wenn du daheim bist«, erwiderte sie, trat vom Pfeiler weg und legte die Hand auf sein Knie. »Ich hab dir schon gesagt, da draußen ist nichts, was dir etwas tun kann. Hier in Montana tankst du Kraft.«
Er beugte sich hinunter, um sie zu küssen, ehe er sich wieder in seinem Sattel aufrichtete. »Hast du Oso heute schon gesehen?«
»Hinterm Haus. Er passt auf die Fohlen auf – er glaubt, es seien seine.«
Gil zwinkerte ihr zu und drückte der Stute die Hacken in die Flanken, um sie aus der Tür zu bewegen. Als er um die Ecke bog, sah er den Chesapeake Bay Retriever an der Koppel sitzen, auf der zwei gescheckte Fohlen mit ihren Müttern standen.
»Oso!«, rief er und der Hund kam zu ihm getrabt. Sein Name war eigentlich Oso Cazador – Bärenjäger – und er hatte Gils verstorbenem Freund Miguel gehört, der ihn als Grizzly-Jäger aufgezogen hatte und mit ihm im Hochland von Yellowstone auf die Jagd gegangen war. Im letzten Jahr war Miguel an Krebs gestorben und seine Tochter Carmen war mit Oso bei der Beerdigung aufgetaucht und hatte Gil gefragt, ob der Hund bei ihm auf der Ranch leben könnte, weil ihre Wohnung in L. A. einfach zu klein für so ein großes Tier wäre. Marie hatte die Leine genommen, bevor Gil auch nur darüber nachdenken konnte, und hatte Oso in der Familie willkommen geheißen. Es war ein gutes Abkommen – Oso hielt die Kojoten von den Fohlen fern, passte auf Marie und seine Schwiegermutter auf, wenn Gil fort war, und konnte Wild auf große Entfernungen erkennen.
Um ehrlich zu sein, war er eine Art Teufelshund. Sobald Gil nicht daheim war, verhielt sich Oso Marie gegenüber extrem beschützerisch, und wenn er glücklich war, zeigte er seine Zähne – eine Art bedrohliches Hundelächeln, das manchmal schwer zu deuten war. Irgendwie erinnerte er Gil an die jungen SEALs, mit denen er arbeitete: leidenschaftlich loyal, intelligent, sportlich und furchtlos, aber mitunter höllisch stur. Und wie diese jungen Männer versuchte auch Oso gelegentlich, Gil seinen Platz in der Hierarchie streitig zu machen. Es war die reine Willenskraft, mit der Gil sowohl Menschen als auch Tieren seinen Alphastatus aufzwingen konnte. Diesen eisernen Willen hatte er von seinem Vater geerbt und dafür war er dankbarer als für jeden anderen Charakterzug. Er war weder der Stärkste in den DEVGRU-Teams, noch der Größte oder der Schnellste, nicht einmal der beste Schütze, aber bei zahllosen brenzligen Situationen an der Front hatte es ihm allein sein Wille ermöglicht, da Erfolg zu haben, wo Männer von scheinbar größerem körperlichem Können gescheitert waren.
Aus diesem Grund sah man ihn oft als den Mann an, zu dem man mit heiklen Dingen ging.
Er lenkte das Pferd herum und machte sich im Trab in Richtung Hochland auf. Oso hielt sich für gewöhnlich im Schatten des Pferdes, selbst wenn das Wetter kühl war, und auch wenn Gil sich nicht ganz sicher war, so glaubte er doch, dass hinter diesem Verhalten die Einsicht steckte, so nicht von der Sonne geblendet zu werden.
Nach 20 Minuten passierten sie das Gatter am westlichen Ende der Ranch und Gil hielt an, um sich eine weitere Zigarette zu drehen. Während er rauchte, zog er einen Hundekuchen aus der Tasche und warf ihn zu Oso hinab, der sofort ein flaches Loch grub, den kleinen Knochen hineinfallen ließ und mit der Nase die Erde wieder darüberschob. Dann setzte er sich auf und bellte, damit Gil ihm noch einen gab.
Der lächelte, zog tief an seiner Kippe und warf erneut einen Hundekuchen hinunter, den Oso diesmal sofort auffraß.
Zwei Stunden später erreichten sie den Grat eines Bergrückens. Gil stieg vom Pferd, behielt die Zügel in der Hand und ließ den Blick über Spencer Valley unter ihm schweifen. Er wusste, dass dort unten Elche waren, die sich vorsichtig im Unterholz bewegten. Bald würde die Brunftzeit anfangen und sie würden unvorsichtig werden, aber noch hielten sie sich versteckt, und so jagte Gil sie am liebsten. Seiner Meinung nach war es keine besondere Heldentat, ein von Hormonen aufgekratztes Tier zu töten, das laut röhrend herumrannte und einen regelrecht zum Schießen aufforderte.
Ein großer Elchbulle tauchte plötzlich zwischen den Bäumen zu seiner Linken auf, keine 100 Meter hangabwärts. Oso duckte sich, um anzuzeigen, dass er ihre Beute gesehen hatte.
Gil zog die Flinte aus der Gewehrtasche, nahm die Schutzkappen vom Zielfernrohr und hob die Waffe an die Schulter, um das Tier genauer zu betrachten. Der Bulle, ausgewachsen und gut bestückt, ein Zehnender, kaute vollkommen sorglos ein Maulvoll Gras. Gil setzte die Kappen wieder auf die Linsen und steckte das Gewehr zurück. Auf 100 Meter konnte er das Tier beinahe mit einem Stein erwischen. Er vergeudete nie eine Kugel auf Wild, das weniger als 500 Meter entfernt war – die Herausforderung war ihm wichtiger als die Ausbeute.
Er band Ticos Zügel an einen abgestorbenen Baum in der Nähe und nahm ihr den Sattel ab. Dann goss er für Oso Wasser in einen Blechnapf und machte für sich selbst hinter dem Sattel einen Platz auf dem Boden frei. Nachdem er seine Feuerstellung vorbereitet hatte, holte er das Gewehr und ließ sich zum Warten nieder. Er wägte die leichte Brise ab, rechnete unbewusst verschiedene Zielbereiche im Tal durch – selten benutzte er dafür noch konkrete Zahlen, die Berechnungen liefen so...




