McEwen / Williams / Ravensburger Verlag GmbH Camp Honor, Band 1 - Die Mission
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-473-47952-8
Verlag: Ravensburger Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 1, 384 Seiten
Reihe: Camp Honor
ISBN: 978-3-473-47952-8
Verlag: Ravensburger Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
In diesem Camp wirst du zum Helden!
Verurteilt für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat – der 15-jährige Wyatt ist verzweifelt. Doch dann taucht ein mysteriöser Fremder auf und bietet ihm einen ungewöhnlichen Deal an: Wenn sich Wyatt in einem geheimen Camp der US-Regierung ausbilden lässt, wird seine Vorstrafe aus den Akten getilgt und er bekommt die Chance auf einen Neuanfang: als jugendlicher Elite-Agent! Doch das Training ist knallhart ...
Explosive Action ab 14 vom Co-Autor des SPIEGEL-Bestsellers "American Sniper"
Eine abgelegene Insel.
Ein geheimes Trainingslager der US-Regierung.
Und eine Gruppe von Jugendlichen, die zu den besten Geheimagenten der Welt ausgebildet werden soll.
Willkommen im CAMP HONOR!
*** Explosive Action, heldenhafte Missionen und ein Team, das füreinander durchs Feuer gehen würde – Band 1 der Action-Reihe für Leser*innen ab 14! ***
Weitere Action-Thriller von Ravensburger:
Deep Sleep
Band 1: Codename: White Knight
Band 2: Auftrag: The Whisperer
Band 3: Mission: Good Mother
Last Line of Defense
Band 1: Der Angriff
Band 2: Die Bedrohung
Band 3: Der Crash
Alex Rider
Band 1: Stormbreaker
Band 2: Gemini-Project
Band 3: Skeleton Key
Camp Honor
Band 1: Die Mission
Band 2: Der Auftrag
Weitere Infos & Material
Es war Tag neun einer zehntägigen Kreuzfahrt auf der honduranischen Megajacht La Crema. Für die meisten Familien eigentlich ein Traumurlaub: kein einziger Regentropfen, spiegelglatte See, geringe Luftfeuchtigkeit. Dennoch hatten die zwei Jungen – beide waren im ersten Jahr an der Highschool – ihre Kabinen kaum verlassen. Der Grund: Videospiele. Donkey Kong, um genau zu sein. Und Colonel Victor Marvioso Madrugal Degas hatte die Nase gestrichen voll.
Am liebsten wäre der Colonel in die Kabine seines Sohnes gestürmt, um den Nintendo von der Wand zu reißen und die Konsole durch die nächstbeste Luke ins Karibische Meer zu schleudern. Dort hätten die Jungen eigentlich die ganze Zeit schwimmen und schnorcheln sollen. Aber sein Sohn Wilberforce – oder Wil, wie er sich neuerdings auf seinem amerikanischen Internat nannte – hatte abgesehen von Elektronikspielen anscheinend keinerlei Interessen. Und Claudia, die Ehefrau des Colonels, wäre vermutlich per Hechtsprung der Konsole hinterhergetaucht. Nur damit, Gott bewahre, ihr Sohn nicht auf den allmächtigen Kong verzichten müsste.
Für einen erfahrenen Befehlshaber von Todesschwadronen zeigte der Colonel eine bemerkenswerte Selbstbeherrschung. Er nippte geduldig an seinem Rum, paffte Zigarillos und beschiss beim Poker, bis es zehn Uhr abends war. Dann erhob er sich vom Kartentisch und verkündete seinen Gästen, dass er bald zurück sein werde. Mit einem Ruck seines Kinns bedeutete er Claudia und zwei Bodyguards, ihm zu folgen. Vámonos: Zeit, Frauen und Blagen ins Bett zu bringen.
Die Jungen hörten nicht, wie die Tür aufging. Doch der Geruch von Rum und Zigarillos flutete den Raum. Keiner von beiden rührte sich, während sie vor dem verpixelten Monitor auf dem Boden hockten und aus Wils Jambox »Purple Rain« von Prince plärrte. Der Colonel verzog schaudernd das Gesicht. Diese Musik war was für Bekloppte.
Wils Mutter trat zuerst ein. Sie schwankte noch stärker als gewöhnlich. Prompt trat sie aus Versehen auf Wils Bein und der spitze Absatz ihres High-Heel-Schuhs bohrte sich in seine Wade.
»Herrgott, Mom! Pass doch auf, wo du hintrittst!«, beschwerte Wil sich.
Claudia drückte ihm einen feuchten Schmatzer auf die Wange und murmelte als Entschuldigung etwas von Reisetabletten und Wein. Halt suchend, krallte sie ihre langen Fingernägel in die Wände und torkelte wieder in den Gang hinaus. Wie eine Billardkugel zwischen den Banden eierte sie zu der Kabine, die sie mit dem Colonel bewohnte.
»Zehn Uhr, Jungs«, sagte der Colonel und klatschte in die Hände. »Zeit fürs Bett!«
»Nein, Daddy. Bitte nicht. Nur noch ein Spiel. Bitte«, bettelte Wil. »Ich bin kurz davor, meinen Highscore zu knacken.«
Aber Wils Freund stand auf. »Wil«, sagte der Junge. »Wir haben versprochen, um zehn aufzuhören. Es ist Zeit.« Er gähnte. »Außerdem glaube ich, dass du morgen dann noch besser sein wirst.«
»Hast recht!« Wil schaltete erst das Spiel und dann die Musik aus.
»Danke, Wil«, sagte der Colonel und tätschelte seinem Sohn den Kopf. Insgeheim war er jedoch irritiert, dass Wil seinem Freund viel schneller gehorcht hatte als ihm. »Okay, ihr solltet jetzt Zähne putzen und dann ab in den Schlafanzug. Und was dich angeht«, fuhr der Colonel fort und wies auf den Freund seines Sohnes, »so wird Manuelito dich in deine Kabine begleiten. Gute Nacht.«
Kaum war sein Freund außer Hörweite, fragte Wil: »Warum kann Chris nicht in meiner Kabine übernachten? Warum muss er hinten im Schiff bei den Bediensteten schlafen?«
»Weil du fast fünfzehn bist. Zu alt für Pyjamapartys und …« Er zeigte auf den Nintendo. »… Videospiele und dieses Traumweltzeugs mit Zauberern und all dem Schwachsinn, das du da spielst.«
»Du meinst Dungeons and Dragons?«
»Ja«, erwiderte der Colonel. »Mit diesen Kindereien wird bald Schluss sein. Sobald es in unserer Heimat wieder sicher für dich ist, werde ich dafür sorgen, dass du bei deiner Abuela lebst, deiner Großmutter«, sagte der Colonel und lächelte bei der Erinnerung an seine eigene Jugend. »Du wirst in dem Dorf aufwachsen, in dem ich groß geworden bin. Tagsüber gehst du auf die Militärakademie und die restliche Zeit kümmert sich deine Großmutter um dich. Bringt dich auf Zack und sorgt dafür, dass aus dir ein Mann wird. So, wie sie es mit mir getan hat.« Der Colonel sog tief die Luft ein, klopfte sich auf den Brustkorb und nahm eine stolze Pose ein.
Aber Wil gruselte sich vor seiner Großmutter. Sie lief den ganzen Tag im Nachthemd herum, hatte einen dicken Schnurrbart und roch wie eine nasse Windel. »Dann hoffe ich, es wird dort nie sicher sein«, platzte es aus Wil heraus.
Die Faust des Colonels bewegte sich schneller als sein Verstand. Ansatzlos schoss seine rechte Gerade vor. Der Kopf des Jungen flog zurück. Wil klappte vor den Gucci-Slippern seines Vaters zusammen. Blut quoll aus einer Wunde am Kinn. Die hatte er dem Ring des Colonels zu verdanken, den dieser am kleinen Finger trug: ein Protzteil aus Gold mit rosa Riesendiamanten. Wil gab ein lang gezogenes, lautes Heulen von sich, das den Colonel an einen altmodischen Feuermelder erinnerte. Der Colonel war angewidert. Weine wie ein Mann, wollte er eigentlich sagen. Dann versuchte er sich eine Gelegenheit vorzustellen, bei der es für einen Mann in Ordnung war zu weinen. Auf dem Siegerpodest bei den Olympischen Spielen vielleicht? Hm … egal! Also sagte der Colonel das, was Väter immer sagen: »Wir reden morgen drüber.« Damit stieg er über seinen flennenden Sohn hinweg und verließ den Raum.
»Schließ ihn ein«, wies er die Wache an, die auf dem Gang wartete. »Und seinen Freund hinten im Schiff auch. Und sorge dafür, dass keiner von beiden heute Nacht die Kabine verlässt.«
Der Colonel machte auf dem Absatz kehrt und genoss das seidige Gefühl seiner Slipper auf dem korallenroten Plüschteppich. Er begab sich zurück in den Spielsalon. Er konnte es gar nicht erwarten, zu seinem geliebten Glücksspiel zurückzukehren. Aber ein unangenehmer Gedanke nagte an ihm. Es war nicht so, dass er Wils Freund, dessen Name ihm dauernd nicht einfiel, nicht mochte. Ken, Carl, Chris? Irgendetwas Langweiliges in der Art. Chris Gibbs. Ja, das war sein Name.
Nein, das mit Chris war okay für den Colonel. Tatsächlich hielt er diesen Gibbs-Jungen für ziemlich annehmbar – vital, groß, schönes volles Haar, gute Zähne. Noch dazu aus diesem gewissen, drahtig-athletischen Holz geschnitzt, aus dem einmal gute Baseball-Pitcher oder Fußballtorwarte werden. Chris war eigentlich die Art Junge, von der sich der Colonel wünschte, dass Wil sie sich als Vorbild nehmen würde.
Es war etwas anderes, was ihn an Wils Freund störte. Er konnte sich einfach nicht erklären, warum er mit seinem Sohn befreundet war. Wilberforce war anders. Merkwürdig. Er war ein Latino-Teenager ohne Feuer, blass und schwermütig. Er hatte schiefe gelbe Zähne, rupfte sich gedankenverloren die Haare aus und roch seltsam. Warum sollte dieser normale, aufrechte amerikanische Junge Zeit mit seinem komischen kleinen Sohn verbringen? Benutzte der Junge Wil, um an Geld und Macht zu kommen? Gut möglich. Schließlich hatte der Colonel selbst sämtliche Freunde, die er jemals besaß, ausgebeutet und letztendlich betrogen. Selbst das wäre verständlich.
Oder noch beunruhigender: Was, wenn der Junge seinen Sohn nicht ausnutzte? Was, wenn die Freundschaft ein Zeichen für etwas anderes war? Etwas Unnatürliches? Ihre Freundschaft fühlte sich einfach nicht natürlich an. Der Colonel konnte nicht genau greifen, was ihn nun an diesem Jungen störte. Aber er war sich absolut sicher, dass da etwas nicht stimmte. So hilfsbereit, freundlich und höflich der amerikanische Junge auch schien: Der Colonel spürte eine Bedrohung. Und was das anbelangte, verfügte er über ausgezeichnete Instinkte.
Der Colonel machte sich zu Recht Sorgen. Der Junge – dessen wahre Identität und richtiger Name als topsecret klassifiziert und nur höchsten US-Militärs bekannt waren – kletterte ins Bett und wartete.
Als die Wache draußen die Tür abschloss und ihn quasi gefangen setzte, stand er auf. Er schlich zur Tür und presste das Ohr dagegen. Er lauschte nach den Schritten der Wache, die sich entfernten. Doch es war nichts zu hören. Der Colonel musste seinem Aufpasser befohlen haben, draußen Posten zu beziehen. Dem Jungen war es recht. Das Team, von dem er auf diese Mission vorbereitet worden war, hatte jede denkbare Eventualität einkalkuliert – einschließlich dieser.
Wie beiläufig schaltete er das Radio neben dem Bett ein und erwischte einen von Knistern und Rauschen untermalten Reggae-Sender aus Nassau. Der Junge bewegte sich zum Fenster und registrierte das Wetterleuchten, das über den westlichen Horizont flackerte.
Die Fensterluke war ungefähr fünfundzwanzig Zentimeter breit und sechzig Zentimeter hoch – gerade groß genug, um durchzupassen. Gewissermaßen war es Glück gewesen, dass der Colonel ihn in einer der Kabinen im Heck der Jacht untergebracht hatte. Die schöneren Bugkabinen besaßen viel kleinere Luken – zu klein für einen Jungen seiner Größe. Was die Luken in den Kabinen der Bediensteten anbelangte, so bestand die einzige Herausforderung darin, dass sie mit einem Messingschloss gesichert waren. Doch dies war nur ein weiteres Hindernis, auf das man den Jungen vorbereitet hatte. Er holte einen Ringbuchordner aus der Tiefe seines Rucksacks. Aus dem Ordnerrücken fischte...




