E-Book, Deutsch, 430 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
McKinney Kampf der Liebe
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7325-3889-8
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
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E-Book, Deutsch, 430 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
ISBN: 978-3-7325-3889-8
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nur in ihren Träumen ist sie immer noch Kayleigh - sie und ihre Zwillingsschwester Morna leben darin noch immer in der heilen Welt der Vergangenheit, einer Welt, in der ihre größte Sorge war, welches Kleid sie wohl anziehen sollten.
Aber die Vergangenheit ist längst vorbei, aus Kayleigh ist Kestrel geworden, die sich ihren Lebensunterhalten als Taschendiebin in New Orleans verdient. Kestrel hat jenen anderen Teil ihres Lebens verdrängt - vor allem jenen schrecklichen Tag, an dem Morna ermordet wurde und sie selbst gerade noch mit dem Leben davonkam. Als sie jedoch dem geheimnisvollen St. Bride Ferringer begegnet, verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart miteinander. Ist dieser Mann ihre Rettung - oder hat sie sich durch ihre Liebe zu ihm erneut in Lebensgefahr gebracht?
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Anmerkung des Autors:
Obwohl Belle Chasse Plantation tatsächlich einst existierte, handelt es sich in meinem Roman um ein vollkommen frei erfundenes Belle Chasse ...
Sie war wieder Kayleigh.
In ihrem Traum befand sie sich in Mhor Castle. Es war vor genau einem Jahr, 1745. Culloden war noch nicht zum Schlachtfeld geworden, und der Wind, der über das Hochland und über ihr geliebtes Zuhause wehte, erzählte von idyllischer Ruhe und Frieden.
Sie lachte.
Die Räume, die sie zusammen mit ihrer Zwillingsschwester bewohnte, befanden sich im Ostflügel des Schlosses, und sie war gerade in ihrem Ankleidezimmer und sah Morna zu, wie sie ein Kleid nach dem anderen anprobierte.
»Nein, nein, Morna!«, kicherte sie. »Dieses grüne Brokatkleid ist zu gewagt! Was soll denn Mrs MacKinnon denken? Sie wird uns so nie gehen lassen!« Sie lachte wieder und strich sich eine Locke ihres glänzenden schwarzen Haares aus dem Gesicht.
»Kayleigh, ich habe es satt, bevormundet zu werden, und es ist mir vollkommen egal, wie Mrs MacKinnon darüber denkt!« Morna blickte ihre Schwester im Spiegel an, und ein boshaftes kleines Lächeln lag auf den süßen Lippen. Kayleigh beobachtete, wie Morna schamlos das sowieso schon viel zu tiefe Dekolleté ihres grünen Kleides noch weiter herunterzog.
»Also, das wird Duncan ganz bestimmt beeindrucken«, bemerkte Kayleigh trocken. »Aber was wird er von einer jungen Miss denken, die im Ballkleid zu einem Picknick erscheint? Morna, er wird dich ganz sicher für verrückt halten!«
»O nein, das wird er nicht. Es wird ihm sehr gut gefallen!«
»Dann werden sie denken, dass ich verrückt bin!« Kayleigh schüttelte den Kopf und trat neben ihre Zwillingsschwester. »Zieh das blaue Seidenkleid an, Morna. Es passt viel besser zu einem Picknick. Außerdem hat Mrs MacKinnon endlich einmal zugestimmt, dass nur ich dich begleite, und wenn sie herausfindet, dass du dieses Kleid angezogen hast, wird sie dich nie mehr ohne eine ganze Armee von Anstandsdamen fortgehen lassen.«
»Bist du sicher, dass du meine Schwester bist, Kayleigh, und nicht meine Mutter?« Morna warf ihr einen missbilligenden Blick zu, aber ihre Augen blitzten vor Übermut.
»Manchmal nicht. Manchmal bin ich mir überhaupt nicht sicher!« Kayleigh zwickte sie leicht in die Wange und half ihr dann, die Bänder zu lösen. Bald hing das smaragdgrüne Kleid wieder im Schrank.
Das glockenblumenblaue Seidenkleid passte viel besser. Morna sah aus wie ein Engel – etwas, was Kayleigh nie vergönnt war. Obwohl Morna dieselben indigoblauen Augen hatte und dieselbe hohe Stirn, dieselbe Stupsnase und dieselben üppigen Lippen, war Morna von Geburt an von einem Heiligenschein silberblonder Locken umgeben. Im Gegensatz dazu war ihr eigenes Haar rabenschwarz, und von Kindesbeinen an war es im Zweifel immer Morna, die wie ein kleiner unschuldiger Engel aussehen konnte und von Strafen verschont wurde, wenn eine von beiden etwas ausgefressen hatte.
»Hilfst du mir, mein Haar hochzustecken, Schwesterchen?« Morna saß vor ihrem Frisiertisch und blickte in den alten Spiegel. Hinter ihr nahm Kayleigh die Silberbürste und fuhr damit durch das lange silberblonde Haar.
»Kayleigh«, sagte Morna nach einer Weile, »warum hast du dir nicht etwas Hübscheres angezogen? Ich fürchte, dass du in diesem alten grauen Wollkleid kaum einen Verehrer finden wirst.«
»Ich möchte heute Nachmittag zeichnen. Was sollte ich sonst anziehen? Mein bestes Seidenkleid?«
»Nein, aber etwas ansehnlicher könntest du dich schon zurechtmachen. Duncan bringt vielleicht einen seiner Brüder mit, und dann blamierst du uns!«
»Sehe ich wirklich so schlimm aus?«
»Nein, nein! Du bist die wunderbarste Schwester, die ich habe!« Morna kicherte und nahm Kayleigh die Bürste aus der Hand. »Aber lass mich wenigstens dein Haar frisieren. Ich werde es auch hochstecken. Dann wirkst du viel modischer.«
»Wenn es dir Freude macht. Aber sei nicht entsetzt, wenn ich vom Zeichnen zurückkomme und Duncan sagt, dass ich wie eine Vogelscheuche aussehe, weil alle Nadeln herausgefallen sind!« Kayleigh nahm vor dem Frisiertisch Platz, und Morna stellte sich hinter sie und begann, das schwarze lange Haar zu bürsten.
»Hast du noch mehr Nadeln?« Morna schüttelte eine kleine, mit Edelsteinen besetzte Dose, die auf dem Frisiertisch gelegen hatte. Zwei Nadeln fielen heraus.
»Nein. Binde sie einfach wieder mit dem Band zusammen, Morna.«
»Gib mir deine Dose, Kayleigh. Du musst noch Nadeln haben.«
»Nein, Morna. Ich habe wirklich keine –« Kayleigh sprach nicht weiter. Sie sah, wie Morna bereits auf ihren Frisiertisch zusteuerte und ihre mit den gleichen Edelsteinen besetzte Dose öffnete.
»Also, das ist ja – Kayleigh! Die ist ja voller Kohlestifte!«
»Ja. Ich zeichne mit Kohle.« Kayleigh stand auf und fasste schnell ihr Haar mit einem blauen Seidenband zusammen.
»Du bist hoffnungslos, weißt du. Mutter hat uns diese Dosen geschenkt, damit sie uns Glück bringen. Und du hebst deine Kohlestifte darin auf.«
»Aber ich hüte sie wie meinen Augapfel und habe sie immer bei mir.«
»Ich glaube, Mutter dachte, dass wir sie für etwas weniger Gewöhnliches benutzen.« Morna stellte beide Dosen nebeneinander auf ihren Frisiertisch. Sie starrte Kayleigh an, die Hände in die Hüften gestemmt. »Sieh mal, da ist ein riesiger Kohlefleck auf deinem Porträt.« Morna nahm ein Tuch von ihrem Tisch und wischte den Deckel ab.
Die kobaltblauen Emailledosen mit den winzigen Saphir- und Diamantsplittern an dem filigranen Rand waren identisch, bis auf die Porträts auf den Innenseiten der beiden Deckel. Unter den Porträts befanden sich ihre Namen, und darunter waren Worte geschrieben, die die Wahrsagerin, von der ihre abergläubische Mutter die Dosen gekauft hatte, den beiden Mädchen zugedacht hatte.
Auf Mornas Dose stand »Die Geliebte«. Auf Kayleighs Dose jedoch stand »Die Verzaubernde«. Und zum Entsetzen ihres Vaters kündigten viele Bedienstete vom Hochland und verließen Mhor Castle, sobald sie die Inschrift auf Kayleighs kleiner Dose entdeckt hatten.
»Komm schon, Morna. Du musst meinen Frevel entschuldigen – wenigstens heute.« Kayleigh steckte die mit Kohlestiften gefüllte Dose in eine Tasche, die unter den weiten Röcken verborgen war. »Wir sind schon spät dran. Duncan hat wahrscheinlich Nairn bereits verlassen und ist ohne uns zum Picknick gefahren, so unpünktlich, wie wir sind!«
»Du hast recht, aber trotzdem – du bist unmöglich, Kayleigh.« Morna setzte sich wieder und überprüfte noch einmal ihre Frisur. »Ich fürchte, aus dir wird noch eine alte Jungfer, oder schlimmer, es bleibt dir nichts anderes übrig, als unseren Vetter Straught zu heiraten.«
»Mach dir darüber keine Sorgen. Ich wollte es dir beim Frühstück schon sagen. Vetter Straught macht mir nicht mehr den Hof.« Kayleigh steckte eine Haarnadel in den blonden Knoten, zu dem Mornas Haar aufgesteckt war.
»Wie kommt das denn? Ich war überzeugt, dass er niemals aufgeben wird. Er schien mir immer so ... wild entschlossen.«
Morna erschauderte bei dem Gedanken und reichte ihrer Schwester die letzte Nadel. »Wie ich wünschte, Vater hätte ihm nicht Mhors Jagdhaus hinterlassen! Seit Mutter und Vater tot sind, scheint es, dass Vetter Straught ständig herumschleicht und dir wie ein Schatten folgt. Ich schätze, er wäre gar kein so schlechter Verehrer, denn er sieht wirklich gut aus, das muss man ihm lassen. Aber diese unnatürlichen Augen! Und dann ist er so schrecklich alt! Du liebe Güte, er muss mindestens schon fünfunddreißig sein!«
»Ach, und so ein riesiger Unterschied zu Duncans jungen achtundzwanzig!«, hänselte Kayleigh.
Morna stützte ihren Kopf auf die Hände und starrte verträumt in den Spiegel. »Ja, aber Duncan ist so ... er ist einfach so ...«
»Verärgert.«
»Was?«
»Ich schätze, er ist verärgert.« Kayleigh beugte sich zu ihrer Schwester hinunter. »Hast du vergessen, wie spät wir bereits dran sind?«
»Natürlich!« Morna sprang auf und stopfte alle möglichen Kleinigkeiten, die eine Lady so braucht, in ihre Dose: eine kleine Schere, Faden, ihre letzte Haarnadel; dann war sie fertig zum Gehen.
»Dein Saum!«, rief sie plötzlich entsetzt aus.
»Mein Saum? Ist er ausgerissen?« Kayleigh blickte an ihrem Rock herunter. Tatsächlich, eine Seite schleifte über den steinernen Fußboden.
»Ich werde mich, so schnell ich kann, umziehen! Das verspreche ich! Ich brauche nicht lange.«
»Nein, Kayleigh, ich fahre schon mal. Ich hole Duncan ab, und wir treffen dich dann in Forsyth Knoll. Dann machen wir unser Picknick eben dort.«
»Du willst allein fahren? Was soll Mrs MacKinnon dazu sagen? Sie wird uns für so etwas Unschickliches eine ordentliche Strafpredigt...




