McMason | Seewölfe - Piraten der Weltmeere 193 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 193, 115 Seiten

Reihe: Seewölfe - Piraten der Weltmeere

McMason Seewölfe - Piraten der Weltmeere 193

Das Große Barriere-Riff
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95439-529-3
Verlag: Pabel eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Das Große Barriere-Riff

E-Book, Deutsch, Band 193, 115 Seiten

Reihe: Seewölfe - Piraten der Weltmeere

ISBN: 978-3-95439-529-3
Verlag: Pabel eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das Große australische Riff hatte es in sich, da ging es wirklich für die Seewölfe mit dem Teufel zu. Zuerst leuchtete das Meer in merkwürdigen Farben, dann liefen Riesenwellen am Horizont entlang und erwiesen sich als optische Täuschung. Als die 'Isabella' dann noch den Anker verlor, und Dan O´Flynn zwischen den Korallen in eine riesige Mördermuschel trat, war das Maß voll. Die Riesenmuschel ließ ihn nicht mehr los, und erst Batuti und Carberry konnten Dan in letzter Sekunde befreien. Als die Reise endlich weiterging, entdeckten sie das hundert Jahre alte Wrack und eine seltsame Botschaft...

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2.


Das Gefühl hatte den Seewolf nicht getrogen. Seit der Südostpassat die „Isabella“ nicht mehr im Griff hatte, veränderte sich einiges, und das ließ den Schluß zu, als würden sie sich jetzt tatsächlich dem sagenhaften Südland nähern, einem, den Gerüchten und Vermutungen nach, riesigen phantastischen Kontinent.

Die ersten Anzeichen deuteten einwandfrei darauf hin.

Riffe!

Es wurden immer mehr, die schäumend und von hoher Brandung umtost aus dem Meer ragten. Seit einiger Zeit waren sie auf beiden Seiten des Schiffes zu sehen. Manche waren hoch, Korallentürme aus dunkler Tiefe senkrecht emporsteigend wie kleine Berge. Andere wieder lagen wie hingeduckt im schwarzen Wasser, und nur die zarte Brandung verriet ihre Anwesenheit.

Seit einer Stunde wurde pausenlos Tiefe gelotet, aber das Lot fand keinen Grund.

Dafür wurde das Gefühl, in einen finsteren langen Schlauch ohne Ende zu segeln, immer ausgeprägter. Zudem bestand die Möglichkeit, daß die „Isabella“ unversehens aufbrummte. Was das auf einem Korallenriff bedeutete, das wußte jeder an Bord, und jeden graute bei dem bloßen Gedanken daran.

„Laß den anderen Ausguck auch noch besetzen, Ben“, sagte Hasard. „Vier Augen sehen mehr als zwei. Und laß auch zwei Segel ins Gei hängen, unsere Geschwindigkeit ist zu groß. Wir müssen uns hier vorsichtig hindurchtasten.“

Ben verließ das Achterdeck und gab den Befehl an den Profos weiter, der wieder ein paar Männer aus dem Schlaf purrte. Brighton blieb auch gleich da und half mit.

„Wir hängen Fock und Großsegel ins Gei, Ed“, sagte Ben Brighton. „Wir segeln dann nur mit Vormars- und Großmarssegel und Lateiner.“

„Und die Blinde?“ fragte der Profos.

„Auch weg damit! Dann haben wir vom Achterdeck aus einwandfreie Sicht voraus.“

„An die Schoten, ihr backgebraßten Pfeffersäcke!“ donnerte Eds Stimme gleich darauf über Deck. „Fock und Großsegel auftuchen, weg mit der Blinde! Schlaft nicht ein, sonst schlitzen die Korallen euch eure Affenärsche bis zum Kragen auf!“

Jeder sah, daß sich etwas verändert hatte und überall in der See tükkische Augen aufleuchteten, manche nur durch einen silbrigen Schein erkennbar, andere von tosenden Wasserwirbeln berannt, die hoch aufgischteten und dann zerstäubten.

Mit ungeheurer Wucht rannte das Meer gegen sie an, das Meer, das wie ein schwarzes Ungeheuer aussah, das in seiner Gesamtheit den ganzen Erdball mit tausend Armen umschlang, die alles Land zu sich in die Tiefe ziehen wollten.

Trotz der Dunkelheit ließ sich das alles gut erkennen. Die Atolle, d@tolle, nicht sah, verrieten sich durch brausende Töne, donnerndes Klatschen und hohles Geplätscher, das pausenlos durch die Dunkelheit klang. Ab und zu erschien ein blinkendes Auge am Himmel, etwas später tauchte auch der Mond auf und schleuderte unwirklich aussehende Strahlen auf die Riffe.

Die „Isabella“ lief nun merklich langsamer durch die See. Im Ausguck befanden sich jetzt Jeff Bowie und der Herkules aus Gambia, der riesenhafte Batuti.

Pausenlos achteten sie darauf, daß das Schiff nicht auf eine unverhofft aus dem Wasser auftauchende Korallenbarriere lief. Daher mußte immer wieder der Kurs korrigiert werden.

Endlich zog die Dämmerung herauf, der Himmel wurde grau, die Wolkenformationen zogen zum Horizont, und über das Meer krochen wie blutrote Geisterfinger die ersten Sonnenstrahlen hoch, tasteten den Horizont ab und ergriffen schließlich vom Meer Besitz.

Hasard hatte in dieser Nacht nicht geschlafen, er empfand auch jetzt nicht die geringste Müdigkeit.

Der Kutscher, immer einer der ersten an Deck, brachte ihm Tee mit Kandiszucker und einem Schuß Rum.

Auf dem Achterdeck sah der hagere Mann sich um und nickte, als hätte er genau diesen Anblick und nichts anderes erwartet.

„Das sieht aus, als liefen wir in eine Falle, Sir“, sagte er. „Dort vorn scheint es immer enger zu werden, und nach Backbord- oder Steuerbord können wir nicht mehr ausweichen.“

„Da hast du recht, Kutscher. Und zurück können wir auch nicht mehr. Ich will es jedenfalls nicht“, verbesserte sich Hasard. „Anscheinend verläuft hier in südöstlicher Richtung ein gewaltiges Riff, und das hier sind erst die Ausläufer davon, in die wir hineingeraten sind. Wir werden auch wieder herausfinden.“

„In der Nähe ist Land“, sagte der Kutscher, ein Mann, der an Bord der „Isabella“ keinen anderen Namen hatte.

„Woher willst du das so genau wissen, oder vermutest du das nur?“

„Ich weiß es, Sir.“ Der Kutscher winkelte den Daumen ab und deutete in den jetzt immer klarer werdenden Himmel.

„Dort oben kreist seit mehr als einer halben Stunde ein Vogel. Er kreist senkrecht über der „Isabella“, ich beobachte ihn schon eine ganze Weile. Das könnte bedeuten“, sagte er vorsichtig, „daß wir uns diesem sogenannten Südland nähern, denn wo Vögel sind, ist auch das Land nicht weit. Sieh nur genau nach oben, Sir!“

Tatsächlich sah Hasard einen winzigen Punkt am Himmel, der weite Kreise zog, sich mal noch höher in den Himmel schraubte und dann wieder sanft nach unten glitt. Und er zog seine Spiralen haargenau über dem Schiff.

Hasard suchte mit dem Kieker den Horizont ab, doch er konnte nirgendwo auch nur den Strich einer Küste sehen. An Backbord lag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Land, also mußte man es an Steuerbord suchen. Doch auch da gab es nichts anderes als die Riffkette, die immer beängstigender anschwoll und an ein Gebirge erinnerte, dessen oberer Teil aus dem Meer wuchs wie der gepanzerte Rükken eines Ungeheuers.

„Ganz sicher gibt es Land“, sagte er zu dem Kutscher, der es liebte, auf dem Achterdeck mit dem Seewolf ab und zu ein Schwätzchen zu halten, bevor er wieder in seiner Kombüse verschwand. „Aber ob es dieser sagenhafte Kontinent ist, muß sich erst noch herausstellen. Später werde ich diese Riffe in die Karte einzeichnen, natürlich nur in groben Umrissen, anders ist das nicht möglich.“

„Weißt du, Sir“, sagte der Kutscher. „Ich bin sicher, daß deine selbst angefertigten Karten eine Menge dazu beitragen, um die Welt besser kennenzulernen. Sie sind exakter und genauer als die spanischen Roteiros. Eigentlich sind sie mehr wert als eine Schiffsladung voller Gold.“

Als Hasard nickte, beugte sich der Kutscher über die Karten und begutachtete sie. Er verstand nicht viel von Navigation, aber er hatte einen scharfen und logischen Verstand, und er erkannte den Wert dieser Karten vielleicht besser als jeder andere Mann an Bord.

So banal sich das auch anhören mochte, aber auf diese Karten konnten sie alle stolz sein, denn noch war die Erde größtenteils unerforscht, und es gab auf den meisten Karten mehr weiße Flecken und Fragezeichen als umgekehrt.

Als der Kutscher wieder nach vorn ging, balgten der Schimpanse Arwenack und der Papagei Sir John sich wieder einmal.

Hasard schenkte dem Gezeter und Gekeife keine Aufmerksamkeit, denn daß die beiden aneinandergerieten, geschah jeden Tag. Der Affe versuchte meist, Sir John eine seiner bunten Federn auszureißen, und Sir John ließ keine Gelegenheit aus, um Arwenack mit seinem gekrümmten Schnabel einen ordentlichen Hieb beizubringen. Sonst aber vertrugen sie sich einwandfrei, und in bedrohlichen Situationen hielten die unterschiedlichen Tiere sogar zusammen.

Der Affe hatte Sir John gerade bis in den Topp des Fockmastes gescheucht, da geschah es ganz überraschend und unter den Augen aller Männer.

Der Vogel, der eben noch seine einsamen Kreise in großer Höhe gezogen hatte, fiel wie ein Stein vom Himmel. Dabei wurde er immer größer.

Seine Flügel lagen eng am Körper an, und sein rasender Sturz ähnelte dem Fall einer Kugel, wenn ihre Flugbahn beendet war. Es sah aus, als würde er sich mit unvorstellbarer Wucht in die Planken der „Isabella“ einbohren.

In der Luft lag ein leises Rauschen. Dann breiteten sich große Schwingen blitzartig aus, um den jähen Sturz abzubremsen. Gleichzeitig schossen die scharfen Fänge vor.

Sir John bemerkte die Gefahr erst jetzt. Bisher hatte er meist sehr sorglos gelebt, denn natürliche Feinde gab es an Bord für ihn nicht mehr, und das hatte sich in den Jahren ausgewirkt, seit er an Bord war. Sein Instinkt vor drohenden Gefahren war jedenfalls nicht mehr so ausgeprägt wie früher.

Als die Fänge vorzuckten, stieß er einen grellen Schrei aus. Seine Federn sträubten sich, und dem ersten Schrei folgte ein zweiter, so herzzerreißend und angstvoll, wie nur...



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