McNamara | Tatsächlich Liebe in Notting Hill | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

McNamara Tatsächlich Liebe in Notting Hill

Roman
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-08622-0
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

ISBN: 978-3-641-08622-0
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Scarlett liebt Filme – vor allem die mit Hugh Grant. Sich in Filme hineinzuträumen ist einfach so viel aufregender als ihr wahres Leben: Sie arbeitet in der Firma ihres Vaters und ist mit dem zuverlässigen aber langweiligen Bankier Dave verlobt. Doch dann wird sie darum gebeten, auf ein Haus in Notting Hill aufzupassen – und plötzlich scheint es so, als spiele sie die Hauptrolle in einem ihrer Lieblingsstreifen. Angefangen mit ihrem unglaublich attraktiven, wenn auch ein wenig wortkargen Nachbarn ...

Ali McNamara schreibt herrliche romantische Komödien und lebt mit ihrer Familie und zwei Hunden in Cambridgeshire. Sie liebt das Reisen, guten Kaffee und wunderschöne Orte am Meer.
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2

Und der Oscar geht an …«

Theatralisch hielt Johnny inne. Seine schokoladenbraunen Augen unter den langen, dunklen Wimpern blickten auf und schauten ins Publikum.

Ja, wie wahrscheinlich Millionen von Zuschauern rund um den Globus hingen wir an seinen Lippen, während er mit uns spielte und uns hinhielt, bevor er schließlich den schicksalhaften goldenen Umschlag öffnete, der einer Person Freude und Glückseligkeit schenken und alle anderen in tiefe Trauer und Enttäuschung stürzen würde.

Habe ich mir das nur eingebildet, oder hat er tatsächlich zu mir hinübergesehen, kurz bevor er den Umschlag geöffnet hat? Weiß er vielleicht schon etwas? Hat er womöglich Insider-Informationen, wer in dieser Kategorie gewinnen wird? Ich hatte immer schon geahnt, dass Johnny Depp und ich ein hübsches Pärchen abgeben würden. Und nun, in dieser Nacht der Nächte, würde ich endlich erfahren, ob dieses Gefühl auf Gegenseitigkeit beruhte.

»Scarlett O’Brien!«

Ich! Ich! Johnny rief meinen Namen! Endlich würde ich meinen Oscar von einem meiner absoluten Lieblingsschauspieler überreicht bekommen und noch eine Menge mehr – so ließ mich zumindest der Blick hoffen, den er mir zuwarf, als ich in meinem Stella-McCartney-Kleid elegant auf ihn zuschwebte und dabei im Vorbeigehen die Gratulationen meiner lieben Mitnominierten entgegennahm. Das war der Grund, warum es Träume und Fantasien gab.

»Scarlett«, rief er wieder, doch dieses Mal verwandelte sich seine Stimme in ein drängendes Flüstern. »Scarlett, beweg dich, oder ist dein Hintern auf diesem Stuhl festgeklebt? Das Stück ist aus

Ich schüttelte den Kopf.

Das war nicht Johnny Depps Samtstimme, die mich sanft auf die Bühne rief. Es klang eher wie …

O mein Gott! Ich riss mich von meinem Tagtraum los, schaute mich um und merkte, dass ich mich gar nicht in Hollywood befand. Zwar saß ich durchaus in einem Theater, doch es war keineswegs das Kodak Theatre in Los Angeles, sondern das Royal Shakespeare Theatre in Stratford-upon-Avon. Und die Person, die dort in Anzug und Krawatte stand und meinen Namen rief, war nicht der süße Mr. Johnny Depp, sondern mein Verlobter – David.

»Ähm … Tut mir leid, David«, entschuldigte ich mich und sammelte schnell meine Habseligkeiten vom Boden auf. »Ich muss kurz eingenickt sein.«

»Hmmm.« David warf mir einen seiner typischen Blicke zu. Zwar hatten seine Augen die gleiche Farbe wie die von Mr. Depp, doch leider war sein Blick keinesfalls mit dem zu vergleichen, den mir Johnny wenige Minuten zuvor zugeworfen hatte. »Wir reden später noch darüber«, warnte er mit gesenkter Stimme, als er sich zu mir beugte. »Jetzt müssen wir uns zuerst um ein paar andere Dinge kümmern. Dort drüben stehen zwölf japanische Geschäftsleute, die darauf warten, dass wir mit ihnen essen gehen. Wenn du nun also aus deiner Fantasiewelt zu uns zurückgekehrt bist, würde ich vorschlagen, dass wir uns unverzüglich um sie kümmern.«

Zögerlich drehte ich mich nach rechts und erblickte eine Reihe tadellos gekleideter Asiaten, die jede unserer Bewegungen beobachteten. Für einen kurzen Moment schloss ich die Augen. Verdammt! Ich hatte mir so sehr gewünscht, dass heute Abend für David alles glattlief. Warum konnte ich nicht ein einziges Mal das genießen, was in der Realität geschah, anstatt mich mal wieder in einer meiner Filmfantasien zu verlieren?

Ich hatte mir Mühe gegeben – das hatte ich wirklich –, aber das passierte nun einmal stets dann, wenn ich mich langweilte. Und heute war es wirklich langweilig, ja geradezu sterbenslangweilig gewesen.

Ich hatte den Abend in der ersten Reihe des Theaters inmitten eines Dutzends japanischer Geschäftsleute verbracht; David hatte irgendwo versteckt zwischen ihnen gesessen. Auf der Bühne vor mir starben andauernd Leute, und die meiste Zeit über wäre ich am liebsten aufgesprungen und hätte mich zu ihnen gesellt.

Während sich vor meinen Augen die Geschichte von König Lear entfaltete, füllte sich mein Kopf mit Fragen wie Das kann doch nicht etwa noch länger dauern, oder?, Verstehen die Japaner das Stück überhaupt, oder grinsen und nicken sie nur aus reiner Höflichkeit? und – das war die Frage aller Fragen – Verfüge ich über genügend Filmfantasien, um damit eine ganze Shakespeare-Tragödie zu überstehen?

Ich hatte gehofft, dass meine erste Berührung mit einem echten Shakespeare-Stück dem Film Shakespeare in Love ähneln würde. Wenn Joseph Fiennes oder Ben Affleck oben auf der Bühne gestanden hätte, wäre alles wenigstens einen Hauch interessanter gewesen. Obwohl ich – wohlgemerkt – schon immer meine Probleme damit hatte, dass Colin Firth in diesem Film den Bösewicht verkörperte. Für mich würde Colin immer der Gute sein, ganz gleich, in welchem Streifen er auch mitspielte.

Zunächst hatte ich versucht, mir auf der Bühne verschiedene Filmhelden in Strumpfhosen vorzustellen, doch damit verging die Zeit auch nicht schneller, denn für Männer in Strumpfhosen hatte ich noch nie etwas übriggehabt – selbiges galt auch für bekannte Superhelden. Schließlich hatte ich mir ausgemalt, wie Johnny Depp in einem Shakespeare-Kostüm aussehen würde, doch er hatte sich ganz schnell in Captain Jack Sparrow verwandelt, womit sich ganz gut ein paar Minuten überbrücken ließen.

Als wir nach der Pause auf unsere Sitzplätze zurückgekehrt waren, hatte ich mir meinen Paradeauftritt bei der Oscar-Verleihung durch den Mittelgang des Theaters vorgestellt. Das war etwas, was ich jedes Mal nach dem Ende eines Kinofilms tat: Wenn ich die Treppe hinunterging, während vorne auf der Leinwand noch der Abspann lief, stellte ich mir vor, dass mein Name gerade als Oscar-Gewinnerin genannt worden war. Normalerweise gewann ich in der Kategorie Beste Schauspielerin, doch manchmal variierte dies. Gelegentlich gewann ich auch den Oscar für das beste Drehbuch oder so. Meist überreichte mir Will Smith die Trophäe; wenn ich mich an jenem Tag jedoch besonders über David geärgert hatte, dann bekam ich sie entweder von Brad Pitt oder von Johnny Depp, der anschließend mein Herz im Sturm eroberte, indem er mir gestand, dass er nicht nur schon seit vielen Jahren ein großer Bewunderer meiner Arbeit sei, sondern auch total auf mich stehe.

Just in dieser Fantasie befand ich mich, als David mich auf frischer Tat ertappte.

Niemand hat Verständnis für meine Film-Vorliebe. Ich glaube, nicht einmal ich kann genau begründen, warum ich das Kino so sehr liebe. Man hätte meinen können, es sei genetisch bedingt – eine Eigenschaft, die mir von Beginn an in die Wiege gelegt worden war. Aber mein Vater interessiert sich nicht fürs Kino. Ich kann mich nicht entsinnen, dass er sich schon einmal einen Film im Fernsehen angeschaut, geschweige denn, dass er für einen Kinobesuch Eintritt gezahlt hätte. Meine Mutter habe ich nie kennengelernt.

Aber David reagiert für gewöhnlich eigentlich recht gelassen darauf. Mit meinem »Unsinn«, wie er es gern bezeichnet, kommt er ganz gut zurecht, solange er im Fernsehen seine Naturdokumentationen oder diese Handwerkersendungen anschauen kann, von denen er seit geraumer Zeit geradezu besessen ist. Tatsächlich nimmt unsere Sky+-Box seit Monaten nur noch Do-it-yourself-Sendungen auf, genauer gesagt, seitdem wir gemeinsam ein Haus gekauft haben – einen Altbau, der dringend renoviert werden musste – und David beschlossen hat, aus Sparsamkeitsgründen sämtliche Arbeiten allein zu erledigen.

Was auch absolut in Ordnung gewesen wäre, wenn David ein Handwerkertyp wäre. Statt Bob, der Baumeister, war mein David aber leider eher ein SpongeBob Schwammkopf, was die Renovierungsarbeiten in einem Haus anbelangte, das man wohl besser von seinem Leiden erlöst hätte, wäre es ein notleidendes Tier gewesen.

Die heutigen Bemühungen, seine japanischen Geschäftspartner zu beeindrucken, waren Davids Idee gewesen – bisher hatte er mich noch nie in seine geschäftlichen Angelegenheiten miteinbezogen. Da wir nun aber bald verheiratet sein würden, fand David, dies müsse sich jetzt ändern. Kurzerhand hatte er erklärt, er würde es begrüßen, wenn ich ihn von nun an bei Geschäftsessen begleitete. Demnächst, wenn das Haus erst einmal fertig sei, müsse ich mich darauf einstellen, Geschäftspartner und Kunden auch zu Hause zu empfangen.

Darüber machte ich mir jedoch keine großen Sorgen. Bei der Geschwindigkeit, die David bei den Renovierungsarbeiten an den Tag legte, rechnete ich nicht damit, innerhalb der nächsten Jahrzehnte Gäste zu empfangen. Zumindest nicht, solange David nicht der Meinung war, sie damit beeindrucken zu können, auf einem umgedrehten Eimer oder einer Black-&-Decker-Werkbank zu dinieren.

»Mein Exfreund war genauso«, grübelte Oscar und beugte sich auf dem Sofa vor, um sich einen Keks zu nehmen. »Sein Haus sah immer aus wie eine Müllhalde. Das war nicht zum Aushalten! Immer, wenn ich bei ihm war, habe ich die ganze Zeit damit zugebracht, dort aufzuräumen.«

»Na ja, vielleicht habe ich ein wenig übertrieben – so schlimm ist es nun auch wieder nicht.« Ich nahm einen Schokoladenkeks von dem Teller, den Oscar mir anbot. »Trotzdem habe ich mich mit einem Brief an die BBC gewandt und den Sender darin gebeten, uns ein Handwerkerteam aus diesen Renovierungssendungen vorbeizuschicken.«

»Und – was ist passiert?«

»Nichts. Vielleicht haben sie die Sendung mittlerweile eingestellt. Ich bezweifle ohnehin,...


McNamara, Ali
Ali McNamara schreibt herrliche romantische Komödien und lebt mit ihrer Familie und zwei Hunden in Cambridgeshire. Sie liebt das Reisen, guten Kaffee und wunderschöne Orte am Meer.



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