McQuay | FLUCHT AUS NEW YORK | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 241 Seiten

McQuay FLUCHT AUS NEW YORK

Der Roman zum Film DIE KLAPPERSCHLANGE
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7438-6208-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der Roman zum Film DIE KLAPPERSCHLANGE

E-Book, Deutsch, 241 Seiten

ISBN: 978-3-7438-6208-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



1997: Manhattan ist abgeriegelt und wurde zu einem riesigen Gefängnis umfunktioniert, aus dem ein Ausbruch unmöglich ist. Als die Air Force One des amerikanischen Präsidenten von Terroristen entführt wird und in Manhattan notlanden muss, holt man Snake Plissken, die Klapperschlange: Er hat vierundzwanzig Stunden Zeit, den Präsidenten aus der Gewalt der Verbrecher zu befreien. Doch der Commissioner von New York hat sich eine besondere Teufelei ausgedacht: Kehrt Snake Plissken nicht innerhalb der gesetzten Frist mit dem Präsidenten zurück, explodieren in Snakes Körper zwei winzige Sprengkapseln... Flucht aus New York ist das packende Buch zum legendären, als Vorläufer des Cyberpunk geltenden Film Die Klapperschlange aus dem Jahr 1981 (Regie: John Carpenter) - mit Kurt Russell als Snake Plissken, Lee van Cleef als Commissioner Hauk, Donald Pleasence als Präsident Harker, Adrienne Barbeau als Maggie und Isaac Hayes als Duke.

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  Prolog
      Bank der Vereinigten Staaten Colorado Federal Reserve 21. Oktober 1997 15.35 Uhr       Er glich einer Katze; er war eine Eisenstange in der Faust eines zu allem entschlossenen Killers. Er war rau wie ein Meißel und gnadenlos wie ein Presslufthammer. Er war Snake Plissken, und er legte ein mörderisches Tempo vor. Vor ihm schien sich der dunkle Korridor endlos in die Länge zu ziehen; wie Spinnweben bedeckten komplexe Muster aus Neonzeichen die Wände. Muster des Wahnsinns, Symptome des Nervengases, das sich von Zeit zu Zeit aus dem Himmel über die Menschen senkte und in ihre Gehirne eindrang. Aber Plissken war nicht verrückt. Er wusste genau, was er tat. Laut dröhnten seine Schritte auf dem Boden aus imitiertem Marmor, und die Wände warfen dumpf das Echo zurück. Plissken drückte die blaue Tasche, die er trug, enger an die Brust. Nur noch ein paar Minuten, und dann war er in Sicherheit. In seinem kranken Auge, das von einer schwarzglänzenden Augenklappe bedeckt wurde, klopfte es heftig; wie glühende Nadeln durchbohrte der Schmerz seinen Kopf, verwandelte Gehirn und Rückgrat in eine Säule aus Feuer. Aber das war nicht weiter schlimm; er hatte sich an den Schmerz gewöhnt. Er war immer da, er sorgte dafür, dass er nicht vergaß, und verzerrte sein noch immer jugendliches Gesicht zu einer schmallippigen Grimasse, die die meisten Menschen veranlasste, ihn zu meiden. Snake Plissken war das nur recht. Plötzlich gabelte sich der Korridor wie ein T. Plissken lief mit hochgerissenen Armen vor die nackte Wand, sprang zurück und wandte sich nach rechts. Als er von irgendwoher Geräusche vernahm, wurde er augenblicklich langsamer und sah sich nach Deckung um. Die Geräusche kamen näher, und Plissken blieb abrupt stehen. Mit seinem gesunden Auge versuchte er, die Dunkelheit des Korridors zu durchdringen und entdeckte schließlich ungefähr zehn Schritte vor sich einen offenstehenden Eingang. So vorsichtig wie möglich schlich er darauf zu. Er ließ einige Sekunden verstreichen, um sich zu vergewissern, dass sich niemand in dem dahinterliegenden Raum aufhielt, und als er keine menschlichen Stimmen hörte, duckte er sich hinein. Es war ein Computerraum, in dem Neonlampen verrückte Muster auf Wände, Decke und Boden zeichneten. Zirpende und klappernde Maschinen standen überall herum und machten den Raum zu einem Irrgarten. Sie surrten und tickten wie besessen. Plissken kam sich vor wie in einem Mausoleum. Alles lief hier automatisch und machte den Menschen völlig überflüssig. Die Computerbank kümmerte sich weder um das Gas noch um den Krieg oder um Snake Plissken. Sie lief einfach weiter, während um sie herum alles einstürzte. Es störte sie nicht. Es war ihr völlig gleichgültig. Die Geräusche draußen im Korridor waren jetzt sehr nahe. Plissken ging hinter einem Fernschreiber für Börsennotierungen in Deckung und hielt den Atem an. Seine braune Dienstuniform, auf deren Brusttasche Colorado Solar gestickt war, schien sich um seinen Hals zusammenzuziehen, und Plissken riss die obersten Verschlüsse auf. Das Geräusch war jetzt unmittelbar neben ihm. Er glaubte, ein Quietschen zu hören, und merkte dann zu seiner Erleichterung, dass es sich wieder von ihm entfernte. Plissken presste sich so dicht wie möglich gegen die Maschine, und erst als das Geräusch sich wieder ein gutes Stück von ihm entfernt hatte, riskierte er einen Blick. Es handelte sich um einen Minikarren aus rostfreiem Stahl, an dessen Seitenwänden Lautsprecher montiert waren. Plötzlich begann er zu sprechen: »Achtung! Hiermit sind die Bankstunden beendet. Der Schließvorgang beginnt in dreißig Sekunden. Das Personal ist angewiesen, die blauen Zonen augenblicklich zu verlassen. Danke.« Plissken stand auf, die Tasche fest an seine Brust gepresst, und sah zu, wie die kleine Maschine den Gang hinunter rollte und durch eine Tür verschwand. Das Ding hatte eine angenehme weibliche Stimme. Richtig sexy. Er winkte ihm nach, als es davonschnurrte. Die Mitteilung ignorierte er; sie war nicht für ihn bestimmt. Plissken strich das Haar zurück, das unter der Dienstmütze, die zu seiner Tarnung gehörte, hervorquoll, und folgte dem Karren mit schnellen Schritten. Er durchquerte den Computerraum und gelangte wieder in den Korridor. Plissken fand, dass es langsam an der Zeit war, von hier zu verduften. Also begann er, sich nach einem Schlüssel zur Freiheit, einem Weg nach draußen umzusehen. Er lief durch die Gänge, bis er schließlich am Ende eines Korridors auf einen der Ausgänge, eine Tür aus kaltem Stahl, stieß. Plissken ließ seine Tasche fallen, beugte sich vor und blickte mit seinem gesunden Auge in den Identitätsschlitz. Aus der Tasche seiner Uniform zog er dann einen kleinen Schraubenzieher mit jener verlängerten Spitze heraus, für den Bill Taylor eine ziemlich obszöne Bezeichnung erfunden hatte. Während er den Korridor im Auge behielt, ließ er den Schraubenzieher in den Schlitz gleiten, worauf die Tür aufsprang. Plissken trat ein und fand sich in einer kleinen Kabine wieder. Hinter ihm schlug die Tür zu, und er stellte fest, dass auf dieser Seite der Schlitz fehlte. Er drehte sich der anderen Wand zu, in der sich eine zweite Tür befand. Spannung baute sich in ihm auf, ein immenser Druck, während er mit dem Schraubenzieher herumtastete, aber das störte ihn nicht, denn es bewies ihm nur, dass er noch existierte. Vater Staat hatte damals, in Leningrad, dafür gesorgt, dass er erfuhr, wie dieser Druck aussah, und seitdem hatte er Freon in den Adern. Freon und Frostschutzmittel. In seinem Innern brannte ein tiefes und ewiges Feuer aus leidenschaftlichem Hass, das ihn vorwärtstrieb, das jene Druckskala in den Rotbereich hochjagte und das ihn ständig zu verzehren drohte. Endlich stieß der Schraubenzieher auf den Kontakt, und die Tür öffnete sich. Plissken blieb nur so lange stehen, bis er  sich vergewissert hatte, dass der Flur leer war, dann lief er los. Die winzige, in der Wand eingebaute Kamera, die jeder seiner Bewegungen wie ein Mungo einer Kobra folgte, bemerkte er dabei nicht. Er rannte sehr schnell, bemühte sich aber, gleichmäßig zu atmen und sich nicht ganz zu verausgaben. Am Ende des Korridors schimmerte Licht. Es war das verschwommene Licht der Haupthalle, die ihn zu den Aufzügen und von dort aus hinauf auf das Dach und in die Freiheit führen würde. Plissken hetzte vorwärts. Und dann, ganz plötzlich, schien sich die Welt um ihn herum aus den Angeln zu heben. Das Licht nahm die Farbe von dunkelrotem Blut an und pulsierte in Einklang mit seinem kranken Auge. Die Alarmanlagen begannen zu heulen und verwandelten den Gang in ein lärmendes Irrenhaus, das die Sinne betäubte. Plissken rannte weiter. Er hatte jetzt das Ziel vor Augen, hielt genau auf das Licht zu und wünschte sich vergeblich, dass er nicht in dieser unförmigen Uniform steckte, die ihm bei jedem Schritt hinderlich war. Der Gang begann sich mit feinem blauen Nebel zu füllen, der vom Boden her aufstieg. Gas, immer wieder Gas. Plissken hielt sich Mund und Nase zu und lief auf das Licht zu. Die Alarmglocken hämmerten in seinen Ohren und versuchten, ihn zu überwältigen und sein Denkvermögen zu lähmen. Aber er war Snake Plissken, und es bedurfte mehr als ein paar Geräusche und dass bisschen Nervengas, um ihn zu stoppen. Da musste schon irgendein mieses Schwein mit einem Schrotgewehr kommen und ihm die Knarre direkt in den Bauch drücken. Der Gang mündete in die Halle, ein kalter, toter Kokon aus glattem Stahl und Glas, der sich über zwei Stockwerke erstreckte. Überall waren Kameras angebracht, die ihm nachschwenkten, um ihn zu beobachten, während er durch ihr Reich hetzte - der stahlharte Mann mit einem Auge, genau wie sie. Plissken hastete auf die Aufzüge am anderen Ende der Halle zu, wobei er an den Verschlüssen seines Tarnoveralls zerrte. Sein Auge schmerzte höllisch, und sein Kopf, in dem der Alarm dröhnte, schien zu platzen. Mit zusammengebissenen Zähnen erreichte er die Aufzüge und stürzte auf den zu, der auf der Anzeigetafel die Aufschrift »Dachausgang« trug. Er drückte den Türöffner und warf die Tasche hinein, als die Tür zurückglitt. Dann sprang er selbst hinterher, die Uniform schon halb über die Schultern gestreift. Hinter ihm schloss sich die Tür und dämpfte gleichzeitig das Schrillen der Alarmanlage auf ein ersticktes Summen. Plissken drückte den Dachknopf, und der Aufzug setzte sich in Bewegung. Keuchend zerrte er sich den Rest der Uniform vom Körper, warf sie achtlos auf den Boden und riss dann die Mütze vom Kopf. Sie gab eine dunkle Haarmähne frei, die bis auf die Schultern herabfiel. Viel zu langsam stiegen die Lichter der Anzeigetafel nach oben. Das Warten zerrte an seinen Nerven, aber Plissken wusste, dass er die Zeit brauchte, um wieder halbwegs zu Atem zu kommen. Er bemühte sich, langsamer und tiefer zu atmen, bückte sich, um seine Tasche aufzuheben und klemmte sie fest unter den Arm. Mit einem Ruck kam der Aufzug zum Stehen. Eine Sekunde lang geschah nichts. Dann glitt die Tür auf, und - grelles Licht blendete ihn! Blinzelnd stürmte er durch die Öffnung hinaus ins Freie. Kaum hatte er die schützende Aufzugkabine verlassen, als ihn auch schon die erste Hitzewelle traf. Vorsichtig öffnete er sein Auge ganz. Um ihn herum dehnte sich die Wüste von Colorado bis an den fernen Horizont aus: gelber Sand, der die Nachmittagshitze reflektierte und sich bis zu den als dunkler Strich sichtbaren Bergen hinzog. Das Geräusch der Aufzugtüren, die hinter ihm zusammenschlugen, schreckte ihn aus seinen...



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