E-Book, Deutsch, Band 1, 464 Seiten
Reihe: Kitchen Love
Meader Love Recipes - Verführung à la carte
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-492-99570-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 1, 464 Seiten
Reihe: Kitchen Love
ISBN: 978-3-492-99570-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kate Meader ist USA-Today-Bestsellerautorin und schreibt am liebsten prickelnde Liebesromane, in denen sich alles um köstliches Essen, unwiderstehliche Helden und energiegeladene, witzige Heldinnen dreht. Ihre Romane spielen in ihrer Wahlheimat Chicago, einer Stadt, die wie gemacht ist für Essen, Romantik und Lachen - und wo sie ihren ganz persönlichen sexy Helden kennengelernt hat. Ihre Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als »Beste Romance« von Publishers Weekly und der Washington Post.
Weitere Infos & Material
1.
Kapitel
Eigentlich sollte sie längst wohlbehütet in ihrer Wohnung über dem Restaurant ihrer Familie sitzen, die Pastareste vertilgen und die letzten Folgen ihrer Lieblingsserie ansehen. Stattdessen dachte Lili DeLuca um drei Uhr morgens in einer dunklen Gasse darüber nach, in schimmernden blauen Lycra-Hotpants und einem sternenbedeckten Bustier die Heldin zu spielen. Ob das eine gute Idee war?
Sie nahm ihren Vespahelm ab und spähte hinauf zu ihrem Schlafzimmerfenster, ehe sie ein weiteres Mal in die Gasse blickte, die zu dem Kücheneingang des Ristorante DeLuca führte. Die Tür stand offen, und Licht fiel hinaus in die Nacht. Niemals war ihr Helligkeit so falsch vorgekommen.
Normalerweise war auf der Damen Avenue so viel los, dass man sich auch als Frau allein sicher aufgehoben fühlen konnte.
Wicker-Park, früher eine günstige Gegend, die von unterernährten Künstlern und Hybriden aus Schauspielern und Baristas besiedelt war, hatte sich mittlerweile zu einem wahren Dschungel aus teuren Lofts, schicken Restaurants und raffinierten Weinbars gemausert. Außerdem gab es da noch das O’Casey’s Tap an der Ecke und den regelmäßigen Strom von Nachtschwärmern, sodass die Straßen immer belebt und sicher waren.
Aber nicht heute Nacht.
Die Bars hatten die letzten Schluckspechte schon vor einer Stunde wieder ausgespuckt, und die Leute schnarchten bereits tief und fest in ihren Vorstadtbetten. Trotz der drückenden Junihitze von zweiunddreißig Grad war ihr die Gegend hier noch nie so karg und kalt vorgekommen. Es mochte seine Vorteile haben, so nah am eigenen Arbeitsplatz zu leben – zum Beispiel, dass der Arbeitsweg nur eine halbe Minute dauerte oder dass man stets das beste italienische Essen Chicagos zur Verfügung hatte. Gerade aber erschien ihr die offene Küchentür viel eher bedrohlich.
Vielleicht war ja Marco im Restaurant? Ihr Ex-Freund hing dort gelegentlich gerne herum, weil er offenbar davon ausging, dass seine Investition ihm gewisse Privilegien garantierte. Eine Flasche des teuren Brunello hier, einen Veranstaltungsort für spätabendliche Pokerrunden da.
Sie schob die Erinnerungen beiseite und konzentrierte sich auf ihr aktuelles Problem. Vor sechs Stunden war ihr die jährliche Superheldenparty noch wie eine harmlose Möglichkeit erschienen, ihr Sozialleben wieder in Schwung zu bringen. Mit honigsüßen Worten hatte ihre Cousine Gina sie dazu überredet mitzukommen.
Es ist Zeit, sich wieder ins Spiel zu bringen, Lili! Nein, deine Oberschenkel sehen in diesen Shorts nicht wie Dönerspieße aus. Der Batman dahinten ist nicht fett – nur kräftig!
Ein kräftiger Batman wäre jetzt eigentlich ganz praktisch …
Sie ließ das beruhigende Verkehrsrauschen hinter sich und schlich zur Tür, den stechenden Geruch der Müllcontainer in der Nase. Irgendetwas Pelziges verschwand in der Dunkelheit. Plötzlich ertönte lärmend ein Gitarrenriff aus Brown Sugar von den Rolling Stones. Tja, der Wahnsinn hatte eben seinen ganz eigenen Soundtrack.
Kann sein, dass du wie Wonder Woman gekleidet bist, aber das heißt noch lange nicht, dass du jetzt die Heldin spielen musst. Schau einfach kurz nach, und dann ruf jemanden an.
Sie linste zur Tür hinein. Teure Küchengeräte – ihre Geräte – lagen verstreut zwischen Tellern, Töpfen und Pfannen auf den Arbeitsflächen. Wieder wurde sie unruhig. Das sah so gar nicht nach Marcos Werk aus!
Vermutlich gab es nur eine Erklärung: Irgendein Vollidiot war zu den Klängen von Jagger und Richards in ihr Restaurant eingebrochen.
Eigentlich war klar, was als Nächstes anstand. Nun ruf schon jemanden an. Irgendjemanden! Sie könnte ihren Vater alarmieren. Ihren Cousin. Diesen süßen Cop mit den schokoladenfarbenen Augen, der sich immer am Freitag etwas zu essen aus dem Restaurant mitnahm und darauf bestand, dass sie sich bei Problemen sofort bei ihm meldete. Sie schluckte hart und bemühte sich vergeblich darum, ihr wild klopfendes Herz in den Griff zu bekommen. Aber umsonst. Es schoss weiterhin in ihrer Brust hin und her wie eine Flipperkugel.
Sie schnupperte, und ein ätzender Schwall Bleichmittel, der mit einem leichten Basilikumduft konkurrierte, biss ihr in die Nase. Zitternd legte sie ihre achthundert Dollar teure Leica-Kamera in ihren Helm und zerrte dann ihr Telefon aus der Hosentasche ihrer engen Shorts. Sie begann zu wählen. Neun. Eins …
Plötzlich ertönte aus dem Inneren des begehbaren Kühlschranks Gesang, der an den Edelstahlwänden abprallte. Ziemlich schrill. Geschlecht unklar. Wahnsinnig laut und vollkommen schief.
Sie steckte ihr Telefon wieder ein, öffnete die Tür mit dem Fliegengitter und trat leise ein.
Fieberhaft sah sie sich nach einer möglichen Waffe um und entdeckte schließlich dankbar die gusseiserne Pfanne auf dem Hackblock. Sie ersetzte den Helm in ihrer Hand durch die Pfanne und stellte zufrieden fest, dass ihr Gewicht das Zittern ihrer Hand beinahe zum Aufhören brachte. Ihre verschwommene und ziemlich lächerliche Spiegelung in der Stahltür machte ihr seltsamerweise Mut. Sie war perfekt für ein bisschen Action gekleidet. Keine Frage, sie würde es hinbekommen!
Lili ging an der Tür der Kühlkammer vorbei und machte eine sekundenschnelle Bestandsaufnahme ihres Gegners. Er war ein Schrank von einem Mann und hatte ihr den Rücken zugewandt, während er nach einem mit dem Ragù ihres Vaters gefüllten Behälter auf dem obersten Regalfach tastete. Einen Moment lang ließ sie sich von dieser Unstimmigkeit ein wenig aus dem Konzept bringen. Dieser vollkommen unmusikalische Ganove wollte das Ragù stehlen? Irgendwie passte das nicht recht zusammen, aber immerhin war er in ihr Restaurant eingedrungen. Und das mitten in der Nacht. Als er einen Schritt zurücktaumelte und Lili damit einen ordentlichen Adrenalinschub bescherte, war jeder Zweifel wie weggewischt. Sie riss die Bratpfanne nach oben und verpasste ihm einen kräftigen Hieb gegen den Kopf. Er heulte auf wie ein Wolf – das hatte gesessen! Einen Moment später hatte sie auch schon die Tür hinter dem Gauner zugeworfen. Der einen wirklich netten Hintern hatte, das musste man ihm lassen.
Gute Güte, woher war dieser Gedanke denn jetzt gekommen?! Bestimmt lag das nur an der plötzlichen Erleichterung, denn eigentlich war es ziemlich unpassend, einen Kriminellen heiß zu finden. Lili kicherte nervös und schlug sich dann die Hand vor den Mund, um diese unanständigen Gedanken im Keim zu ersticken.
Und jetzt, Shiny Shorts? Nun war es wohl höchste Zeit, die Polizei zu rufen. Aber sobald sie ihr Telefon hervorgezogen hatte, störte ein neuer Gedanke ihren Triumph. Eigentlich müsste der Kühlschrankdieb doch jetzt ein riesiges Theater veranstalten oder zumindest darum betteln, befreit zu werden. Aber nichts da. Schon seit einer vollen Minute hatte er keinen Piep mehr von sich gegeben. Da der Mechanismus an der Tür kaputt war, mit dem man sie im Notfall von innen öffnen konnte, würde der Einbrecher sich erst einmal nicht selbst befreien können. Lili presste ihr Gesicht und ihre Hände auf die kalte Tür. Das Wummern der Musik vermischte sich mit dem leisen Surren der Kühlkammer.
Noch immer kam kein Mucks aus dem eisigen Gefängnis. Lili hatte eine neue, schreckliche Befürchtung: Was, wenn sie den Mann umgebracht hatte?
Glücklicherweise – oder auch unglücklicherweise – konnte sie sich den Gedanken aus dem Kopf schlagen, da die Tür plötzlich ruckartig aufgerissen wurde und Lili höchst unelegant zu Boden plumpste. Mit dem Hintern voran natürlich!
Es hatte also doch jemand das Sicherheitsschloss repariert.
Zunächst sah sie ein Handgelenk, dann einen haarigen Arm und schließlich das Gesamtpaket. Sie bekam einen vagen Eindruck von etwas Großem, Bösem und Gefährlichem. Der Mann hielt die Pfanne nach oben, um eine mögliche Attacke abzuwehren, aber eigentlich hätte er sich gar keine Sorgen machen müssen. So auf dem Hosenboden sitzend waren Lilis Superkräfte doch deutlich eingeschränkt. Plötzlich bemerkte sie, wie ihre Angst einer heftigen Scham wich.
»Du hättest mich umbringen können, verdammt noch …«, donnerte der Kühlschrankdieb. Dann klappte ihm der Kiefer herunter. Tja, diesen Effekt hatten knapp bekleidete Superheldinnen nun mal.
Der Eindringling hatte dichtes schwarzes Haar, goldgefleckte grüne Augen und ein Gesicht, das direkt aus einem Renaissancegemälde entsprungen zu sein schien. Das waren seine augenscheinlichsten Merkmale. Einen Ganzkörpercheck verschob Lili erst einmal, da sie in Schwierigkeiten steckte. In großen sogar.
Es war er.
Er fasste an seinen Hinterkopf und stellte dann die Pfanne so vorsichtig ab, als handele es sich dabei um eine geladene Waffe.
Nachdem er lässig in Richtung Tresen gewinkt hatte, verstummte die Musik abrupt. Das hatte er wahrscheinlich während seiner Ausbildung bei der dunklen Seite der Macht gelernt.
»Alles klar bei dir, Süße?«, fragte er sie lässig und steckte eine iPod-Fernbedienung in seine Hosentasche, ehe er sich halbherzig in ihre Richtung bewegte. Sie hob die Hand, um ihm zu zeigen, dass alles okay war. Zu spät.
Vorsichtig linste sie hinab auf ihre Brüste und atmete erleichtert auf. Zum Glück war kein Nippel zu sehen. Sie sprang auf und rieb sich ihren schmerzenden Hintern.
Yep. Du trägst ein Wonder-Woman-Kostüm und hast gerade einen der berühmtesten Männer der westlichen Hemisphäre ausgeknockt.
Schließlich sah sie ihm ins Gesicht, das mittlerweile einen recht finsteren Ausdruck angenommen hatte.
»Ich bin Jack.«
»Ist mir inzwischen klar.«
Lili wusste, dass...




