Mechsner | In der Sprechstunde Endometriose | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 136 Seiten

Mechsner In der Sprechstunde Endometriose

Erkennen - Verstehen -Behandeln
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96859-543-6
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

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ISBN: 978-3-96859-543-6
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Endometriose gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Frauen und ist eine der Hauptursachen für unerfüllten Kinderwunsch. Die Endometriose-Expertin Prof. Sylvia Mechsner informiert über die Unterleibserkrankung anhand konkreter Fragen von Patientinnen. Sie beschreibt Ursachen,Symptomatik und Diagnose, stellt ganzheitliche und schulmedizinische Therapien vor und behandelt auch die Auswirkungen auf Psyche und Sexualität. Im Selbsthilfeteil finden Frauen viele Tipps, um die Beschwerden zu lindern.

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Ist eine gesicherte Diagnose nur mit einer Bauchspiegelung möglich?

Ja! Eine gesicherte Diagnose bedeutet nämlich, dass Endometriose histologisch gesichert sein sollte, d.h. eine Probe des Gewebes entnommen und untersucht werden sollte, und diese Probe kann nur mittels einer Operation entnommen werden. Meist werden dazu Laparoskopien (Bauchspiegelungen) gemacht. Lange ging man davon aus, dass Endometriose nicht anders diagnostizierbar sei und es eben die Operation zur Stellung der Diagnose brauche. Das hatte die Konsequenz, dass Endometriose im Allgemeinen mit einer mittleren Zeitverzögerung von zehn Jahren nach Beschwerdebeginn diagnostiziert wurde.

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Brauchen wir heute immer noch eine Operation zur Diagnose?

Nein, denn eigentlich ist es nicht schwer, Endometriose zu diagnostizieren: Die Betroffenen haben meist Beschwerden, die, wenn man diese genau erfragt, auch ganz typisch für die Erkrankung sind und daher eine Verdachtsdiagnose auf Endometriose zulassen. Es gibt Medikamente, die schon bei der Verdachtsdiagnose gegeben werden können. Es muss also keine histologische Sicherung vorliegen, um eine Endometriose zu behandeln!

Aussagekraft der Laparoskopie bei der Endometriose

Wichtig ist auch, zu welchem Zeitpunkt im Krankheitsverlauf eine Laparoskopie durchgeführt wird. Wird nämlich die Bauchspiegelung zu früh durchgeführt und eine Endometriose laparoskopisch ausgeschlossen, dann wird die untersuchte Person abgestempelt, dass sie keine Endometriose habe, obwohl der Uterus Zeichen der Adenomyose zeigt und die betroffene Person unter schwersten Regelschmerzen leidet. Ich kenne Personen, die deswegen unbehandelt geblieben sind und weiter Beschwerden hatten. Nach Jahren wurden sie dann erneut laparoskopiert und man fand schließlich doch Endometriose. Diese Erkrankung ist ein langsam schleichender Prozess und die Laparoskopie sollte nicht zur Diagnostik, sondern zur Therapie eingesetzt werden, und zwar zu dem Zeitpunkt, wenn es in das Therapiekonzept passt. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf das in Frage 3 vorgestellte Tissue-Injury-and-Repair-Konzept verweisen, denn genau dafür spricht ein solcher Krankheitsverlauf: Die Endometriose nimmt ihren Anfang in der Gebärmutter (Adenomyose), was schon mit starken Schmerzen einhergehen kann. Bei einer Laparoskopie in einem frühen Stadium kann aber noch keine Gewebsveränderung außerhalb der Gebärmutter festgestellt werden, da sich diese erst über die Jahre aufbaut. Aber genau in diesem frühen Stadium ist es wichtig, mit der Behandlung zu beginnen, und zwar mit einem multimodalen Konzept, bei dem Schmerzmittel, Hormone und alternative Maßnahmen ineinandergreifen (siehe die Fragen 35 und 36).

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Nach welchen Symptomen sollte die Ärztin oder der Arzt im diagnostischen Gespräch fragen?

Es sollte explizit nach der Stärke der Regelschmerzen (mithilfe der Visuellen Analogskala) gefragt werden (siehe Frage 12). Schmerzverläufe mit und ohne Schmerzmittel oder auch mit und ohne Pilleneinnahme, die Stärke von zyklischen und azyklischen Unterbauchschmerzen und von Schmerzen beim Wasserlassen und Stuhlgang sowie beim Geschlechtsverkehr sollten erfragt werden. Die Arbeitsgemeinschaft Endometriose hat einen Schmerzfragebogen erstellt, den man sich herunterladen kann (siehe Anhang). Er gibt eine gute Übersicht und hilft Ihnen, sich selbst bereits vor dem Diagnosegespräch zu Ihren Beschwerden Gedanken zu machen und diese den Ärztinnen oder Ärzten zu vermitteln. Also einfach ausfüllen und zur Vorstellung bei der Gynäkologin oder dem Gynäkologen oder im Endometriosezentrum mitnehmen!

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Kann Endometriose durch eine gynäkologische Untersuchung diagnostiziert werden?

Bei einer Untersuchung durch die Gynäkologin beziehungsweise den Gynäkologen lässt sich natürlich schon einiges feststellen: Sie/er sollte den Scheideneingang und die Beckenwände mitabtasten, ob es dort zu Schmerzen und verhärteten Muskelsträngen gekommen ist. Des Weiteren sollte er oder sie sich das hintere Scheidengewölbe ansehen und die Beweglichkeit der Gebärmutter prüfen. Bei ausgedehnter Endometriose ist die Gebärmutter oft im Becken fixiert (entweder durch Verklebungen oder weil tief infiltrierende Herde die Organe miteinander verbinden) und lässt sich nicht gut bewegen. Zudem sollte sie oder er den Raum hinter der Gebärmutter und vor dem Darm (Septum rectovaginale) ertasten, denn auch dort können Endometrioseherde sitzen. Beim Ertasten ist das hintere Scheidengewölbe bei Gesunden ganz weich und die Gebärmutter kann sehr leicht und schmerzlos bewegt werden. Ist das bei der Untersuchung nicht so, dann ist das ein Hinweis auf Endometriose.

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Welche zusätzlichen Untersuchungen können für die Diagnose genutzt werden?

Es gibt immer mehr Erkenntnisse dazu, wie Endometriose auch in der Bildgebung (im Ultraschall und MRT) erkannt werden kann. Es wurden viele typische Endometriosezeichen definiert und etabliert, die auch ohne Bauchspiegelung eine Diagnose zulassen. Aus den aktuellen Richtlinien der Europäischen Gesellschaft für menschliche Reproduktion und Embryologie (ESHRE) wurde die Laparoskopie als Goldstandard für die Diagnostik herausgenommen; jetzt wird die Bildgebung als ausreichend anerkannt. Vor allem die Gebärmutter und die Eierstöcke, aber auch Darm und Blase, wo manchmal Herde wachsen, können gut in der Bildgebung dargestellt werden. Mittels eines dynamischen Ultraschalls (leichte Bewegungen) können sogar Verklebungen gesehen werden. Mithilfe der Tastuntersuchung und des Ultraschalls lässt sich also eine ausgedehnte Endometriose nachweisen oder ausschließen. Lediglich Bauchfellherde kann man mit dieser Methode nicht erkennen, auch nicht mit dem MRT. Generell ist der Ultraschall so wegweisend, dass das MRT eigentlich nur zur Klärung spezifischer Fragestellungen wie beispielsweise einer Nervenbeteiligung der Endometriose hinzugezogen werden muss. Da oft vor allem in jungen Jahren die Gebärmutter mit stärksten Regelschmerzen Probleme macht, kann man umgekehrt eine schwere Endometriose mit dem Ultraschall auch ausschließen, wenn die angrenzenden Organe normal aussehen und sich alle Organe gut gegeneinander verschieben lassen. Häufig finden sich dann »nur« dezente oder eben doch bereits eindeutige Zeichen der Adenomyose. Da die Betroffenen aber Schmerzen haben, kann auch schon bei dezentem Befund eine Therapie wegen Verdachts auf Adenomyose angefangen werden.

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Wird es bald einen Speicheltest zur Diagnose der Endometriose geben?

An einem solchen Test wird derzeit geforscht, aber wie sicher er ist, muss sich erst noch in weiteren klinischen Studien zeigen. Es gibt schon lange Bestrebungen, einen sogenannten Biomarker zu finden, mit dem Endometriose ohne Operation nachgewiesen werden kann. Da Endometriose sich aber von der Gebärmutterschleimhaut ableitet, sind viele Ansätze gescheitert, weil dabei die Veränderungen im Blut nicht ausgeprägt genug sind, um gemessen werden zu können. Es wurden viele Versuche in Richtung Entzündungsfaktoren unternommen und auch der sogenannte Tumormarker Ca-125 wurde intensiv untersucht. Dieser ist bei Endometriose oft erhöht, weil er bei Bauchfell- und Eierstockprozessen reagiert und Endometriose sich oft im Bauchfell und/oder Eierstock ausbreitet. Leider schließt aber ein negativer Marker eine Endometriose nicht aus. Außerdem ist dieser Marker nicht sehr spezifisch, denn auch eine Entzündung oder andere Zysten führen zu einer Ca-125-Erhöhung. Das heißt, der Marker ist zwar einigermaßen sensitiv (er erkennt Endometriose häufig), zeigt aber nur eine geringe Spezifität (er erkennt zu wenige Menschen, die keine Endometriose haben, als gesund). Solche Tests sollten aber natürlich möglichst eine hohe Sensitivität und eine hohe Spezifität haben. Neu ist nun der Speicheltest, der auf mikroRNA-Nachweis beruht. Der Test geht auf eine französische Studie zurück, bei der in Speichelproben von Endometriosepatientinnen 109 mikroRNAs gefunden wurden, die bei Endometriose charakteristisch verändert sind. Der Test soll eine 96,7%ige Sensitivität und eine 100%ige Spezifität aufweisen. Er ist in Frankreich bereits verfügbar und kostet dort 800 €. Weiterführende Studien laufen und der Test wird auch in Deutschland erhältlich sein. Noch ist unklar, ob er eine Adenomyose ohne eine bereits vorliegende Endometriose erfassen kann – das wäre wichtig, denn sonst stünde man wieder vor demselben Problem: schon Schmerzen, aber noch kein Befund.

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Reichen Anamnese, Untersuchung und Ultraschall zur Diagnosestellung aus?

Meiner Meinung nach ja! Mit diesen Methoden können die Beschwerden eingeordnet werden und sie erlauben die Einschätzung der Situation. Das reicht vollkommen, um einen Behandlungsplan aufzustellen und mit einer Therapie zu beginnen. Denn das ist in den vielen Jahren zuvor falsch gelaufen: Betroffene litten lange unter den Beschwerden, weil es aber keine Diagnose gab, wurden sie nicht ernst genommen und erhielten keine geeignete Behandlung. Das muss sich dringend ändern.

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Ist es gut, eine Endometriosediagnose zu bekommen, oder nicht?

Es kann auch negative Konsequenzen bezüglich Privatversicherungen und Lebensversicherungen haben, wenn man schon früh die Diagnose Endometriose in der Krankengeschichte stehen hat. Denn die Anträge für solche Versicherungen von Menschen mit chronischen Erkrankungen werden häufig abgelehnt. Vielleicht wäre es aber am besten, wenn Betroffene selbst entscheiden können: Möchten sie eine Diagnose haben, die mit der Chance auf einen positiven Behandlungs- und...



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