Meckel | Das Monster im Schatten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 471 Seiten

Reihe: Japan Mysteries

Meckel Das Monster im Schatten

Neuinterpretation einer Legende / Japan Mysteries
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7502-3249-5
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Neuinterpretation einer Legende / Japan Mysteries

E-Book, Deutsch, Band 1, 471 Seiten

Reihe: Japan Mysteries

ISBN: 978-3-7502-3249-5
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das klassische Japan. Ein marodes Dorf, ein deillusionierter Kriegsherr, und ein humorbefreites Monster. In einem kleinen japanischen Dorf beginnt ein grausames Monster zu wüten, und Gerechtigkeit für eine Sache einzufordern. Die einfachen Leute und auch ihr Kriegsherr sehen sich vor unlösbare Probleme gestellt. Und das Monster wirkt bis in die Gegenwart.

Der Künstler schreibt schon seit 36 Jahren. Dabei unternahm er bereits erfolgreiche Ausflüge in die Fantasy, Science-Fiction und Thriller-Welt. Schöpfer unbekannter, unbesehener, Welten.
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Autoren/Hrsg.


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1. Kapitel


Muromachi-Periode

Bunmei-Ära

Christliches Jahr 1472

Takayama, Präfektur Toyama

Dorf Takomoru

Stolz und schwarz thronte auf einem kleinen Hügel die gemauerte Festung des Kriegsherren über dem kriegsgeschundenen Dorf. Sonderlich groß war das Dorf nun wirklich nicht mehr. Die vergangenen Kriegsjahre hatten fürchterlich in ganz Japan gewüte, und weitreichende Verwüstungen angerichtet. Es standen nicht mehr viele Häuser in dem kleinen Dorf, welches vorher schon nicht eben reich gewesen war. Neben vielleicht einem halben Dutzend Bauernhütten stand im Dorfzentrum noch eine uralte Schmiede, deren Feuer auch nicht mehr so brannte, wie man eigentlich meinen konnte. Vom Dorfzentrum führte ein dreckiger, lehmiger, Feldweg hinauf zu der schwarzen Festung. Dieser Weg war nicht einmal besonders gesichert, sondern wirkte genauso verwahrlost, wie der Rest.

Durch das Dorf selbst führte die Straße von Osaka in Richtung Aishi. Und auch diese Straße machte nicht eben einen wohl gepflegten Eindruck, sondern wirkte eher so, daß sie auch ein Opfer der letzten kämpferischen Auseinandersetzung geworden. Auch sie war lehmig und dreckig und zeugte wenig davon, daß es überhaupt noch Menschen in Takomoru gab.

In der Straße oberhalb der Schmiede besaß der Hauptmann der Wache sein eigenes Zuhause. Auch ein Gebäude, welches einmal bessere Zeiten gesehen hatte. Doch diese guten Zeiten waren für Takomoru schon lange Vergangenheit. Das kleine Dorf hatte eine ruhmreiche Zeit erlebt, doch jedoch schon einige Jahrhunderte zurück lag. Damals war das Dorf ein Zentrum der Seifensiederei gewesen.

Folgte man der Straße von der Schmiede nach Osten hin, kam man an die eine Hälfte der Bauernhäuser, die vor einer verfallenen Palisade standen. Ging man dann diesem Weg hinunter kam man an das südliche Wachhaus, in dem immer zwei Soldaten des Kriegsherren ihren Dienst versahen. Auf der anderen Seite des Wachhauses ging die südliche Straße nach Osaka ab. Osaka, welches jetzt bereits eine Großstadt war, in der es alle Annehmlichkeiten des Kaiserreiches zu genießen gab. Doch davon konnten die Soldaten des Kriegsherren Takomoru nur träumen. Hinter der Palisade erstreckten sich in Richtung Osaka die fruchtbaren Felder des Dorfes. Hier wuchs dank eines kleinen Baches so gut wie alles. In dem kleinen Dorf gab es zwar eine winzige Taverne, doch da man nirgendwo Reisschnaps besorgen konnte, nutzen Durchreisende jene nur, um dort zu speisen und zu nächtigen.

Auf der westlichen Seite des kleinen Dorfes ging eine weitere Straße ab. Jene führte in Richtung Aishi, doch bevor man das größere Provinzdorf erreichen konnte, kam zuerst noch ein weiteres Dorf, welches mit zum Lehen des Kriegsherren gehörte. Auch hier lebten nur einfache Bauern. Das Lehen von Kriegsherr Takomoru war nicht reich zu nennen. Es versorgte seine Bewohner und auch seinen Lehensherrn. Doch dies war mehr schlecht als recht.

Im Süden erstreckte sich auch der Abschluß eines Bergrückens direkt neben dem großen Bambuswald, der parallel zur Straße nach Osaka wild vor sich hin wuchs. Am Rande des Berges hatte man einst einen kleinen Brunnen oben bei der Quelle des Baches gegraben, so daß man zumindest die Burg und das Dorf davor immer mit frischem Wasser versorgen konnte.

Die Zeiten waren schlecht. Die Kriege der kleineren Kriegsherren gegeneinander hielt nun schon seit einigen Jahren an, und ein Ende war nicht abzusehen. Selbst der einfache Bauer mußte bei der Verschärfung der Gesetze jederzeit damit rechnen, daß es ihm an den Kragen ging. Entsprechend war auch die Moral der Menschen. Die Wenigsten hatten Hoffnung, daß nun wirklich im geeinten Kaiserreich wieder eine goldene Ära anfing, wie sie einst Nobunaga versprochen hatte, als er das Reich vor zwei Jahrhunderten einte. Der Bürgerkrieg forderte immer noch Opfer.

Takomoru war einmal ein wunderschönes kleines Dorf, welches das Privileg besessen hatte, hinter einer schützenden Palisade zu liegen. Doch die letzten Kämpfe hatten weder etwas von der Palisade, noch vom Dorf sonderlich viel übrig gelassen. Wer während der Kämpfe nicht getötet worden war, besaß ein außergewöhnliches Glück. Der Feind hatte sogar den Hauptweg hoch zur schwarzen Festung belagert. Hätte der Shogun mit seinen eigenen Gruppen nicht in die Belagerung eingegriffen, würde weder von diesem Dorf, noch von der darüber thronenden Festung noch ein Stein auf dem anderen stehen.

Die meisten Häuser des Dorfes hatten den letzten Angriff gerade noch so überstanden. Sehr viele Häuser und Hütten waren ausgebrannt, oder standen baufälligf herum. Manche der einfachen Bauernhütten konnte sogar ein etwas heftigerer Wind einfach umwerfen. Das Dorf machte nicht eben den Eindruck als würde es den nächsten kriegerischen Konflikt noch überstehen. Es sah sogar eher so aus, als wäre das Dorf zum endgültigen Untergang verurteilt.

Doch auch wenn seine Einwohner nicht viel Hoffnung hatten, besaßen sie noch Nahrung und Kleidung und den Schutz ihres Kriegsherren. Festliche Gewänder suchte man in diesem Dorf vergebens, einfache Kleidung herrschte vor. Auch wenn der Kriegsherr noch genug Truppen hatte, um den Kern seines Lehens zu halten, stand außer Frage, daß eine letzte Verteidigung kaum noch mehr möglich war. Es sei denn, der Kriegsherr bekam Hilfe von außerhalb. Doch dies war nicht sehr wahrscheinlich. Takomoru lag nicht an einer der kriegswichtigen Straßen. Also würde der Shogun hier auch keine zusätzlichen Truppen stationieren, um diesen Teil seiner Grenzen zu halten.

Das Dorf war im dauernden Verfall begriffen. Es gab zwar außer dem Schmied noch einige andere Handwerker im Ort. Doch am wichtigsten waren die Schmiede und der Tofumacher. Alle anderen waren selbst für die Dörfler mehr oder weniger entbehrlich. Dies soll jetzt nicht abgedroschen klingen, doch man brauchte nicht sehr viel Phantasie, um sich klarzumachen, daß Takomoru dem Untergang geweiht war. Denn untergehen würde es früher oder später, ein Überleben war noch nicht einmal gesichert, selbst wenn von einem Tag zum anderen das goldene Zeitalter hereinbrechen würde.

So ist in jenen Tagen die Situation im Dorf als unsere Geschichte ihren Anfang nimmt. Und wie jede gute Geschichte beginnt sie in Frieden und Eintracht.

2. Kapitel


Es war ein Tag wie jeder andere. So sollte man zumindest denken. Die wöchentliche Patrouille des Kriegsherrn Takomoru hatte soeben wieder die neuen Klingen aus der Schmiede abgeholt. Der alte Schmiedemeister versah seine Arbeit so gut er es mit den vorhandenen Rohstoffen konnte. Sonderlich viel Auswahl hatte er nicht, wenn es darum ging, andere Dinge einzuschmelzen, um weitere Waffen herzustellen oder vorhandene zu verbessern.

Seine Arbeit war immer laut und dreckig. Der Rauch brannte in den Augen und die Finger schmerzen ihn beinahe täglich von der Arbeit. Der Schmied lebte nicht allein in dem halbverfallenen Gebäude neben seiner Arbeitsstatt. Neben seiner Frau lebte er dort noch mit seiner fast achtzehnjährigen Tochter Asuka. Jene war nichts besonderes, doch oftmals ging sie in den nahen Bambuswald oder an die Feldraine, um Kräuter zu sammeln, die man zum würzen oder heilen gebrauchen konnte.

Eines der wenigen Hobbys, die sich Asuka getraute auszuleben. In Takomuro gab es nur Soldaten und eine Handvoll Bauern. Jene versahen ihre Arbeit auf den Feldern oder halfen bei den immer noch laufenden Ausbesserungsarbeiten an der schwarzen Festung. Der letzte Angriff war über ein Jahr her, doch hatte er das kleine Dorf beinahe vollständig vernichtet. Im Dorf standen mehr Ruinen als noch stehende Häuser, und die Häuser, die noch standen, würden dem nächsten Monsum mit Sicherheit nicht standhalten. Also wurde neben Waffen auch noch Baumaterial gebraucht.

Richtige Wälder mit richtigem Holz gab es in der Nähe nicht. Dafür mußte man schon ziemlich weit reisen. Eine Woche entfernt fand man einen größeren Wald, in dem man Bäume fällen konnte. Doch der Transport bis nach Takumoru nahm nicht nur Zeit in Anspruch, sondern war auch nicht mit einfacher Muskelkraft zu bewerkstelligen. Hierfür wurden Pferde gebraucht. Und Pferde waren rar, genauso wie Ochsen oder Kühe.

Der Schmied machte sich nichts vor. Wenn es nicht irgendwie gelang, wieder an Vieh zu gelangen, würde das kleine Dorf nicht nur den kommenden Monsum nicht überleben, sondern es würde einfach so vergehen. Ochsen brauchte man zum Pflügen, Pferde zum Reisen. Mit einer Sänfte konnte man kein Holz transportieren.

Deshalb war Asuka für ihn so etwas wie ein Hoffnungsschimmer. Auch wenn es im Dorf vornehmlich Soldaten und Bauern gab, bestand durchaus die Möglichkeit, daß er Asuka doch noch vernünftig verheiraten konnte. Zumindest so gut, daß sie eine wirkliche Zukunft hatte.

Der Schmied, dessen Name uns nicht interessieren sollte, war ein hart arbeitender, ehrlicher Mann. Seine Arbeit war schmutzig, kräftezehrend und aus verbrauchend. Er liebte seine Arbeit, wie er es bei seiner Frau tat. Er war mit Leidenschaft dabei.

Ähnliches konnte man auch über die anderen Handwerker, die es noch im Dorf gab, sagen. Sie alle erfüllten ihre Aufgaben so gut es ihre Rohstoffe zuließen. Die Dorfgemeinschaft war schon länger gespalten, seitdem der Kriegsherr einen seiner Samurai gestattete im Dorf selbst zu wohnen. Doch die Gemeinschaft war sich darüber einig, daß der Krieger unter Umständen irgendwann einmal gebraucht würde. Auch wenn er nicht Hauptmann der Wache war.

Jener hatte sein Haus gegenüber der Schmiede, am Weg, der direkt hoch zur schwarzen Festung führte. Dieses Haus wirkte nicht einmal stabiler als der Rest des Dorfes, doch im Vergleich zu anderen Hütten besaß es ein regendichtes Dach.

...



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