Meckel | Das Racheritual | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 524 Seiten

Reihe: Japan Mysteries

Meckel Das Racheritual


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7565-8928-9
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 6, 524 Seiten

Reihe: Japan Mysteries

ISBN: 978-3-7565-8928-9
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Rückkehr des Daimyo steht bevor. Unsere Helden stehen vor der Frage, welches Hindernis sie zuerst angehen. Den Untergang von Yamagata herauszögern, oder sich der Urgewalt des Daimyo stellen und zu verlieren, noch bevor der eigentliche Endkampf begonnen hat. Unsere Helden stehen vor Entscheidungen, die ihre Zukunft nachhaltig beeinflussen werden.

Der Künstler schreibt schon seit 36 Jahren. Dabei unternahm er bereits erfolgreiche Ausflüge in die Fantasy, Science-Fiction und Thriller-Welt. Schöpfer unbekannter, unbesehener, Welten.
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1. Prolog


Wollte man sich an die eiskalten Fakten halten, so würde man zugeben müssen, daß alles vor etwa sechzehnhundert Jahren seinen Anfang genommen hatte. Damals, im frühen Japan der Yamato-Periode, ganz genau in der Ära Kofun, entwickelte ein einfacher Samurai so viel Ehrgeiz, daß er zu einem Problem für eines der bestehenden fünf Königreiche wurde, aus denen damals Japan bestand. Eigentlich wäre dies kein Grund gewesen, entsprechend überzureagieren, doch die damalige Zeit war eine völlig andere, als wir es uns heute vorstellen können.

Die Samurai waren noch nicht jene, nur einem Ehrenkodex unterworfenen, stolzen und loyalen Krieger, die sie erst gute tausend Jahre später werden sollten. In jenen Tagen war ein Samurai ein Krieger, der mit seiner Klinge Gericht sprach.

Manche Samurai erreichten schnell den Rang eines Fürsten, andere blieben einfache Kriegsherren, Dritte eigneten sich Macht an, die ihnen technisch gesehen gar nicht zustand. Und weitere Samurai mutierten zu magiemißbrauchenden Monstern, denen jedes Mittel Recht war, um sich weiterreichende Macht aneignen zu können.

Das genaue Jahr ist nicht bekannt in dem der gefürchtete Samurai Takatsuki Akeno vom einfachen Samurai in den provisorischen Rang eines Daimyo befördert wurde. Doch mit dieser Beförderung, zu der sich sein König gezwungen sah, wurde eine Kettenreaktion ausgelöst, wie sie nur selten stattfand.

Daimyo Takatsuki wurde jenes Gebiet zugesprochen aus dem heute, in der Gegenwart, die Präfektur Osaka besteht, und ihm stand das Recht zu, sich eine eigene Burg zu bauen.

In der Feudalzeit, die leider von diesem Ereignis noch gut etwas über achthundert Jahre entfernt ist, wären solche Berechtigungen für einen Samurai der Himmel auf Erden gewesen. Doch nicht für den Daimyo Takatsuki.

Jener entschied sich gegen den Himmelsthron zu revoltieren und seinen eigenen Thronanspruch den fünf schwachen Königreichen gegenüber anzumelden. Seine Armee war gefürchtet, und nachdem der ferne König des Reiches San erfuhr, welche Greueltaten er beging, während seine Burg errichtet wurde, entschied man sich dort, des Daimyo zu entledigen.

In jener Zeit gab es noch keine Künstler des Mordes, keine Shinobi, keine Ninja. Noch nicht einmal die Geishas waren der Definition nach entstanden. Zwar gab es verschiedene Großmeister, doch jene waren nicht bereit, nicht einmal für einen gütigen König in eine Schlacht zu ziehen, deren Ausgang nicht absolut berechenbar war.

Und da Magie damals ein probates Mittel war, seine eigenen Ansichten durchzusetzen, entschied das ferne Königshaus Jin das man zu Methoden greifen mußte, die vielleicht nicht sonderlich ehrenhaft, in diesem Fall jedoch statthaft waren. Es wurde der neugegründete Orden des Shinto damit beauftragt, sich um das kleine Problem mit den richtigen und angemessenen Mitteln zu kümmern. Dabei sollte man nach Möglichkeit keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nehmen. Denn der Himmelsthron entschied, daß jene vollkommen entbehrlich waren.

Wären die Dämonenjäger gerade im Land gewesen, hätte der Thron sie mit dieser Aufgabe betrauen können. Doch die Dämonenjäger waren gerade dabei eine tückische Seuche in Nordkorea zur Grenze nach China hin einzudämmen. Man hatte schon seit Monaten keinerlei Nachricht mehr von den Ausgesandten vernommen.

Der Orden ging schlau vor.

Zuerst einmal wurde unweit der Burgbaustelle ein kleines Kloster eingerichtet. Es begann mit nur einem einfachen Schlafhaus, schließlich standen vier Tempelgebäude, und ein Brunnen war gleichfalls sehr schnell aufgebaut.

Die Mönche machten sich gleich daran, ihren Auftrag in die Tat umzusetzen.

Es gibt keinerlei Aufzeichnungen darüber, wie der Daimyo von dem magischen Angriff auf sein Leben erfuhr. Fest steht nur, daß er ihn vereitelte und danach mit hundert schwer bewaffneten Kriegern jener Zeit das Kloster überfiel und ausräucherte. Keiner der vierzig dort heimischen Mönche überlebte das Massaker. Fast die Hälfte der Samurai des Daimyo ebenfalls nicht.

In den nachfolgenden Jahren wurde die Burg des Daimyo endlich fertig und bekam den glorreichen Namen: Sitz des Blutkönigs. Um diesen Titel zu unterstreichen wurden die unteren Burgmauern mit dem Blut der toten Mönche dick eingestrichen. Deshalb hielt sich auch jahrelang die Legende, daß der Daimyo in seinem Keller mindestens ein Dutzend der Mönche gefangen hielt.

Doch da es keinerlei Beweise für diese Anschuldigungen gab, unternahm die Krone nichts weiter gegen ihn. Der Mordversuch war gescheitert und der Daimyo rief sich bereits zu einem König aus, der das Reich Jin zu übernehmen trachtete.

König San ließ diese Provokation nicht auf sich sitzen.

Er tat das einzig Wahre, was jeder König in seiner Situation getan hätte.

In der nachfolgenden Schlacht von Takatsuki fiel König San, und sein Thron fiel nicht an den Thronräuber, sondern an seinen jüngeren Bruder. Dieser handelte sofort. Nicht, wie man vielleicht dachte, mit einem weiteren Feldzug, sondern er ließ sich nicht nur die Priester der angestammten Religion an seinen Hof kommen, sondern auch noch die Buddhisten, die aus dem fernen China nach Japan gekommen waren, um dem Reich Yamato den neuen Glauben zu lehren.

Dieser König, der sogar seine eigene, wenn auch kurze, Dynastie begründete, wurde richtig zum Helden, nachdem es ihm gelang, einen magischen Konsens zwischen zwei Glaubensrichtungen zu finden, die einander unverständlich waren. Der damals bereits im Land verbreitete Shintoismus und der Buddhismus gingen eine Zweckgemeinschaft ein, um ihre Magie aneinander zu binden, damit der blut- und machtrünstige Daimyo ein für alle Mal gestoppt werden konnte. Der Zauber war falsch und hinterhältig. Aber er funktionierte. Und er funktionierte so gut, daß er sogar bis in die Gegenwart wirkte. Der Daimyo wurde so hart von dem Fluch getroffen, daß seine körperliche Existenz beinahe sofort zu sterben begann. Noch bevor der besagte Tag wirklich vergangen war, starb der Daimyo. Doch sein eigener Fluch, der noch den König treffen sollte, wirkte sich nicht so aus, wie er es erhofft hatte.

Das gesamte Umland von Takatsuki verwandelte sich in eine lebensgefährliche Todeszone. Mutationen entstanden, wie besonders groß gewachsene Bären, noch gefürchtetere Raubtiere, die in ihrem Aufbau mehr Dämonen als wirklich lebenden Tieren ähnelten.

Es dauerte einige Monate, bis die Priester des Shinto-Ordens und die buddhistischen Mönche das Land von Takatsuki betraten. Sie kämpften sich bis zur Burg durch, und fanden sie vollkommen tot vor. Alles Leben in der Burg war verloschen. In den unterirdischen Gemächern, in den Verliesen, überall wurden Tote gefunden. Die Buddhisten entschlossen sich, die entweihten und entehren getöteten Mönche, die sie in einer Kammer vorfanden, in genau dieser zu vergraben. Dann legten sie auf der Rückseite dieser Kammer eine weitere Holztüre an, die sich nur dann öffnen ließ, wenn der Zauber aktiv wurde, der alles Leben in der Burg vernichtet hatte.

Die restlichen Kadaver wurden in den nahen Teich unweit der Burg geworfen, sofern es sich um Krieger handelte. Die Leichen der Frauen verbrannte man und verstreute ihre Asche. Obwohl die Burg von dem schweren Fluch betroffen war, entschieden sich die Shinto-Priester sie nicht noch einmal neu einzusegnen, sondern ihr nur einen zusätzlichen Zauber zu verpassen, der dafür Sorge trug, daß Niemand, der dort seinen Thron aufschlug, jemals wieder in die Versuchung geriet, nach etwas zu streben, was ihm nicht zustand.[Fußnote 1]

Um jedoch auf Nummer sicher zu gehen, was den Kadaver des Daimyo anging, entschieden sich die angereisten Priester für den Daimyo kein Kofun zu bauen, sondern ein einfaches, schlichtes Erdgrab, welches sie mit zusätzlicher Magie sichern würden, um seine Wiederkehr für alle Zeiten zu verhindern. Sie segneten nicht nur den Boden rund um die Grabstätte besonders aus, sondern auch jeden Zentimeter des Grabes selbst, bevor sie es mit den üblichen Grabbeigaben schmückten, die nun einmal dazu gehörten. Die Kadaver der vier häßlichsten Frauen ließen sie in die Ecken des Grabes packen, damit allein ihr Anblick den toten Gewaltherrscher dazu zwingen würde, auf ewig in seinem kalten Grab zu liegen. Dennoch gestanden sie ihm zu, das er mit allen Ehren begraben wurden, die einem Titelträger, wie er es darstellte, zukam.

Zwar wurde sein Grab kein Kofun, aber von seiner Ausstattung her würde es sich durchaus mit einem solchen vergleichen lassen können. Es war ein aufwendiges Grab. Und es war ein gutes Grab. Man sicherte jeden einzelnen Holzpfosten, den man dafür verarbeitete, mit einem separaten Stabilitätszauber ab, bevor man ihn in die Erde schlug. Jedes Schäufelchen Erde wurde separat geweiht, bevor es seinen genau bestimmten Platz in der Grabstelle fand.

Als das Grab schließlich verschlossen wurde, waren sich die Priester absolut sicher, das perfekte Gefängnis für den Daimyo gebaut zu haben. Auch wenn manche anmerkten, am einfachsten wäre es gewesen, man hätte den Leichnam einfach in eine kalte Steinkiste gepackt, und jene von allen Seiten mit Obsidiangestein vom Berg Fujiyama vermauert. Doch die Priester hielten sich an ihre Doktrin und taten, was unbedingt getan werden mußte.

Das Grab wurde mehrfach gesiegelt während man es verschloß. Die buddhistischen Priester gingen auf Nummer sicher. Die Shintoisten gleichfalls, obwohl beide Zauber verwendeten, die für den modernen Geist kaum noch verständlich waren.

Um jedoch die Mission ihres Königs absolut korrekt abzuschließen, entschlossen sich die Shintoisten in dem kleinen Dorf, welches sie von Edo kommend passiert hatten, einen Schamanen dortzulassen, der...



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