E-Book, Deutsch, Band 3, 618 Seiten
Reihe: Japan Mysteries
Meckel Der weiße Vampir
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7549-8559-5
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 3, 618 Seiten
Reihe: Japan Mysteries
ISBN: 978-3-7549-8559-5
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Künstler schreibt schon seit 36 Jahren. Dabei unternahm er bereits erfolgreiche Ausflüge in die Fantasy, Science-Fiction und Thriller-Welt. Schöpfer unbekannter, unbesehener, Welten.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
6. Museum
Jahr 3 Reiwa,
7. Monat, 23. Tag
Tokyo Kokuritsu Hakubutsukan,
Ueno-Park, Central City, Tokyo
Die Leute vom Fernsehsender TBS hatten sich die Bedenken des Parlamentsabgeordneten sehr lange und ausführlich angehört, und es zur eigenen Sicherheit noch einmal von einem Kamerateam festhalten lassen. Natürlich machte man sich Gedanken darum, wenn es hieß, daß von diesem Sargophag unter Umständen Mächte ausgingen, die sich nicht kontrollieren ließen.
Die Museumsdirektorin ließ jedoch durchscheinen, daß sie nicht sehr viel von abergläubischen Gewäsch hielt. Die Wahrscheinlichkeit, daß in dieser uralten Holzkiste wirklich eion Monster lauerte, wurde allein dadurch schon relativiert, daß es bislang noch nicht einmal versucht hatte, auszubrechen. Der Sargophag befand sich nicht mehr in seiner besonders mit Bannsprüchen gesicherten Kammer. Ginge also wirklich von ihm irgendeine Art von Gefahr aus, hätte sich jene wirklich deutlich sichtbar befreien können. Da sie dies nicht getan hattee, war da auch keine Gefahr.
Eine ganz einfache, logische und stichhaltige Erklärung.
Man konnte sogar viel eher davon ausgehen, daß man in den beiden Sargophaghälften eher eine vertrocknete, tote, Mumie finden würde, die die Wissenschaft dann die kommenden Jahrzehnte in Atem halten würde, wie dieser unheimliche Fund in den österreichischen Alpen, an dem bis heute geforscht wurde und man dadurch immer wieder Neues über die Jungsteinzeit lernte.
Der große Raum war also vorbereitet.
Die Experten, die den Job haben würden, den Sargophag zu öffnen, waren auch bereit. Doch erneut verzögerte sich die Öffnung, weil der Abgeordnete es tatsächlich schaffte, dem Museum das staatliche Vertrauen zu entziehen.
Seine politischen Ambitionen waren wirklich weittragend.
Getuso verhinderte die Öffnung am einundzwanzigsten durch einen einfachen Winkeltrick, wie man ihn von schlechten Advokaten kannte. Er erreichte, daß das Parlament sich selbst ein Bild vom Zustand des Sargophags machen sollte, und deshalb eine weitere Abordnung wichtiger Politiker aller Parteien ins Museum kamen, um sich den Sarg näher anzusehen. Nur um dann zu bestimmen, ob es so wichtig sei, diesen nationalen Schatz dadurch zu zerstören, in dem man ihn einfach öffnete. Die Situation war also eindeutig darauf ausgelegt, nicht Ahiharas Arbeit im Museum zu verunmöglichen, sondern sie im Gegenteil noch zu bewahren. Ein guter Trick. Das mußte selbst die Kitsune zugeben.
Am ersten angesetzten Tag der Öffnung kam es nicht dazu, weil sechzig Politiker des Parlaments in Museums stürmten, um sich den besonders wertvollen Schatz Takatsukis anzusehen. Die Politiker standen nicht nur überall herum, sie hatten sogar einen eigenen Troß an Journalisten mitgebracht, die unaufhörlich darüber berichteten, wie wichtig es doch sei, die kulturellen Schätze Japans zu bewahren. daß sich die Politik nun dazu bereit gefunden hatte, anhand des Beispieles des Sargophags aufzuzeigen, wie eng doch eigentlich die Zusammenarbeit in diesem Zusammenhang war. Und es deshalb wahnsinnig wichtig war, daß der Sargophag geschlossen blieb.
Die Berufspolitiker unterbreiteten dem Museums auch gleich einen nennenswerten Vorschlag, der es sogar bis in die Presse schaffte, und in den nachfolgenden Tagen somit auch das einfache Publikum beschäftigte. Das Museum würde zu den bisher erhaltenen Geldern eine jährliche Aufstockung um eine weitere Milliarde Yen erhalten, wenn man den Sargophag nur richtig säubern ließe und ihn dann für das kommende Jahrzehnt in einem speziell angefertigten Glaskasten ausstellte.
Bis dahin hatte Ahihara die ganze Angelegenheit noch als amüsant empfunden. Nun wurde es allmählich lästig. Es mußten zwei weitere Tage vergehen, bis sie die Mitarbeiter des Tokio Broadcast Systems wieder so weit hatte, daß sie den einmal geschlossenen Vertrag auch wirklich einhalten wollten.
An diesem Nachmittag saß Tomoe in ihrem Büro und mußte darüber nachdenken, welches Problem sie denn nun wirklich hatte. Dieser kleine Politiker hatte es wirklich geschafft ihre Arbeit zu behindern. Wenn sie seinem Vorschlag nicht folgte, würde er sehr schnell Jemanden finden, der seiner Paranoia folgte, und den Sargophag geschlossen hielt. Natürlich erst, wenn Tomoe erst einmal aus ihrem Posten entlassen worden war. Andererseits konnte das Museum eine zusätzliche Milliarde Yen durchaus gebrauchen.
Doch durch viele universitäre Forschungsaufträge, die im Museum durchgeführt wurden, kam schon mehr als genug Kleingeld rein, damit man handeln konnte. Den Vertrag mit dem TBS hatte sie auch nicht aus der Not heraus gemacht, sondern weil sie wirklich der gesamten Welt zeigen wollte, daß Japan auch so etwas wie Mumien besaß. Obwohl es ihr wirklich deutlich weniger um die Mumie ging, als um die Zusammenhänge, die sich folglicherweise ergaben.
Sie selbst war nur gerade einmal dreihundert Jahre jünger als der Inhalt des Sargophags. Und die Geschichten, die sie in ihrer eigenen Jugend über die Zeit der Alten gehört hatte, waren nie wirklich interessant genug für sie gewesen.
Dies ging so lange gut, bis sie in der Gegenwart landete, und dabei erkennen mußte, daß die menschliche Welt sich nicht nur entsprechend weiter entwickelt hatte, sondern daß es deutlich mehr Böses gab, als das, was sie jahrhundertelang bekämpft.
Die Kitsune ging nicht davon aus, daß die Menschen absolut bösartiger geworden waren als zu ihrer Zeit als Mensch. Doch es war deutlich eine Wandlung mit den Menschen vorgegangen. Die meisten Menschen handelten zielgerichteter und achteten nicht mehr so darauf, ob sie ihrer Umgebung damit keinen weiteren Schaden zufügten. In ganz Japan gab es genug Kitsune, die mehr als genug zu tun hatten, solche kleinen Mißverständnisse wieder aus der Welt zu räumen.
Als Tomoe den Dolchkiller gejagt hatte, hatte sie sehr viel über die Menschen lernen können und hin und wieder auch so nebenbei eine kleine gute Tat vollbracht. Es war eine besondere Art von Zynismus, daß ihr nun ausgerechnet ein solcher Berufspolitiker in die Quere kam, wie jenen, den sie vor ein paar Jahren gerettet hatte. Doch war sie Inari verpflichtet, und eine der wichtigsten Aufgaben eines Kitsunes war nun einmal unerkannt unter den Menschen sein Bestes zu bewirken, damit die Menschen wenigstens ein wenig Glück leben konnten.
Also schied für Ahihara die Möglichkeit aus, die damals gerettete wichtige Person in diese Geschichte zu involvieren, damit Inari ihren Willen bekam. Es hatte schon mehr als genug Arbeit bedurft, den damaligen Berufspolitiker dazu zu bringen, sich in der Geschichte weiter auszuschweigen und über sein damaliges Erlebnis nichts zu berichten.
Die Museumsdirektorin hatte also ein wirklich ernsthaftes Problem. Zwar hatte Inari nicht genau gesagt, wann sie genau den Sargophag geöffnet haben wollte. Doch bei ihrem letzten Auftrag hatte Tomoe fast volle achthundert Jahre gebraucht, bis sie endlich erkannte, mit was sie es bei dem Dolch wirklich zu tun hatte. Sie war sich deshalb sicher, daß Inari nicht so viel Zeit hatte, damit sie noch einmal genauso trödeln konnte.
Ihre Macht als Kitsune war zwar in all den Jahrhunderten deutlich gestiegen, doch Tomoe gehörte mit zu jenen Kitsune, die ihre Magie nur dann einsetzten, wenn es wirklich notwendig war. In diesem Fall jedoch machte es den Eindruck, als wäre keine zusätzliche Magie vonnöten, sondern wohl eher eine gehörige Portion Glück.
Die Götter sagten immer, daß man sich Glück bestellen konnte, wenn man es unbedingt benötigte. Deshalb suchten viele Menschen auch die Schreine und Tempel regelmäßíg auf, weil sie sich entweder bei den Göttern bedanken wollten oder neue Anliegen hatten, bei denen sie hilfreich sein konnten.
Es waren wirklich zwei unruhige Tage.
Einerseits war Tomoe an ihren Auftrag durch Inari gebunden, andererseits war sie nun Direktorin des wichtigsten Museums auf japanischen Grund. Das nationalhistorische Museums beinhaltete nicht nur sehr viele Dinge über die alte Geschichte des Landes, wie Waffen, Rüstungen und Modelle der wichtigsten Burgen und Schlösser, sondern auch sehr viel über die Zeit der Ainu und anderer Minderheiten. Das Museums beschäftigte sich gezielt mit der japanischen Geschichte, nicht nur einfach mit der Kultur, sondern auch damit, wieso das alte japanische Mittelalter gut eintausend Jahre vor dem europäischen begann und auch wieder endete. Denn als im frühen siebzehnten Jahrhundert die ersten Fremden in Japan landeten, war Japan bereits technisch genauso weit gewesen. In Japan gab es Eisen- und Stahlschmelzen. Die Stahlschmelzen gab es jedoch bereits seit etwa achthundert Jahren, als die Langnasen kamen. Und der japanische Stahl war so außergewöhnlich, daß er von den damaligen Kaisern unter das Handelsverbot gesetzt wurde. Die Europäer mit ihren großen Handelsschiffen durften nicht mehr als chinesische Seide und Godl und Silber ausführen. Genau jene Dinge, auf die sie sowieso aus waren. Das chinesische Kaiserreich hatte sich ja damals geweigert, diesen Handelsschiffen auch nur Zugang zu seinen Häfen zu gewähren.
Oh, Tome erinnerte sich noch gut daran. An diese Zeiten, die mehr als unbestimmt waren. Insgesamt hatte sie in den achthundert Jahren, seitdem sie als Kitsune lebte, mehr Bürgerkrieg erlebt, als ihr guttat. Die Kitsune haßte den Krieg, denn jener hatte letztlich dazu geführt, daß sie eine Kitsune wurde. So ironisch dies nun klang.
Aber sie hatte in achthundert Jahren japanischer Geschichte gesehen, was geschah, wenn etwas aus dem Ruder lief. Ob es nun der junge Nobunaga war, der mit seinem Feldzug das Land einte, und dadurch das mächtigste...




