E-Book, Deutsch, Band 1, 191 Seiten
Reihe: Future Wars
Meckel Invasion
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7541-9674-8
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Future Wars Band 1
E-Book, Deutsch, Band 1, 191 Seiten
Reihe: Future Wars
ISBN: 978-3-7541-9674-8
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Künstler schreibt schon seit 36 Jahren. Dabei unternahm er bereits erfolgreiche Ausflüge in die Fantasy, Science-Fiction und Thriller-Welt. Schöpfer unbekannter, unbesehener, Welten.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
3. 000000
Es war eine verwüstete Ebene.
Es gab hier kein Leben mehr.
Die zerschossenen Panzer standen in Reih und Glied, so wie sie vom gegnerischen Bombardement erwischt worden waren. Schrott lag allenthalben herum. Schrott, der einmal ein Jeep, oder ein gepanzerter Truppentransporter gewesen war. So genau war das nicht mehr festzustellen. Die Seitenmarkierungen der Fahrzeuge war durch braunen Rost fast unleserlich geworden. Man erkannte nur noch teilweise die Flaggen, der Nationen, die hier gegeneinander gefochten hatten.
Die gesamte Ebene war ein einziges Schlachtfeld. Egal, wie schlimm der Kampf hier ausgetragen worden war, es konnte nichts und niemand ein solches Massaker überlebt haben.
Zwischen den Trümmern wuchs bereits wieder das Gras. Noch nicht sehr hoch, aber es wuchs bereits wieder. Und dort, wo es Gras gab, kam im Allgemeinen das Leben wieder.
Inmitten des Grases lag ein schwerer Robotkörper. Nichts besonderes. Das terranische Standardmodell K-37I. keine besonders clevere Kampfmaschine, dafür aber geschätzt wegen ihrer maßlosen Brutalität. Über das gesamte Schlachtfeld waren K-37I verteilt. Denn sie waren zu tausenden abgeworfen worden.
Die Verteidiger der Ebene waren mit Panzern aufgefahren, um die Robotarmee zu stoppen. Mit Panzern, schwerer Artillerie, und Unterstützungsfahrzeugen. Alles hatte nichts genutzt. Die Schlacht auf der Ebene war vollkommen gewesen.
Nichts hatte überlebt.
Weder die Natur, die sich langsam wieder zu erholen begann, noch die ursprünglichen Bewohner dieses Fleckens. Die Panzer standen noch so da, wie sie aufgefahren worden waren, und der Feind eine von seinen gemeinsten und hinterhältigsten Waffen zum Einsatz brachte.
Panzerung schützte nicht gegen neutronische Strahlung. Die Neutronenbombe war fast direkt über dem Schlachtfeld gezündet worden und hatte alles ausgelöscht, was vorhanden war. Ob elektronisches oder biologisches Leben.
Es war nur eine von vielen Neutronenbomben gewesen, die der Feind abgeworfen hatte. Doch es waren nicht genug gewesen, um den Planeten wirklich auch übernehmen zu können. Man schickte also gleich eine zweite Welle K-37I hinterher. Nur um das brutale Meisterwerk zu beenden. Der Kampf dauerte insgesamt nicht sonderlich lange. Dann senkte sich das Leichentuch des Todes über das Schlachtfeld.
Neutronische Strahlung verflog relativ rasch und sie hinterließ nicht, wie andere Atombomben, ein auf Dauer verseuchtes Gebiet. Neutronenbomben töteten einfach nur alles Leben und verflüchtigten sich dann. Ihre Spätwirkungen, sofern es denn welche gab, lagen eher darin, daß sie in überlebenden Leben, sofern es welches gab, Mutationen hervorrief. Meist überlebten nur eine Handvoll Bakterien. Diese aber auch nur durch eine gute Erdschicht vor der eigentlichen Strahlung geschützt.
Deshalb wuchs ja auch bereits wieder Gras.
Inmitten dieses grünen Biotops lag ein weiterer K-37I auf der Seite. Er sah nicht beschädigt aus. Eigentlich war er dies auch nicht. Denn er war nur durch die Neutronenbombe ausgeknockt worden.
Falls man es so nennen durfte - oder sollte.
Als die Systeme durch die radioaktive Strahlung gezwungen wurden sich abzuschalten, wurde noch das Backup durchgeführt, um die wichtigsten Kernfunktionen zu retten. Doch die Strahlung schaltete auch die Batterie ab. Der Energiefluß wurde durchschnitten, noch bevor das Backup wirklich abgeschlossen war. Der Robot fiel.
Und blieb dort liegen, wo er gefallen war.
Nun schien sich in seinem Inneren wieder etwas zu regen.
Es war nicht viel.
Ein Ventil in seinem Kopfbereich arbeitete immer noch, da es nicht systemgebunden war. Das Ventil öffnete sich, und mit jeder erneuten Öffnungen zog es eine Handvoll Sauerstoffmoleküle an. Diese wurden durch eine Mikroleitung zu einem winzigen Tokamak gebracht.
In diesem wurde die Anzahl Moleküle immer weiter verdichtet, während das Magnetfeld des winzigen Fusionsreaktors sein eigentliches Werk versah. Das Magnetfeld wanderte immer noch und hielt dadurch die einströmenden und sich immer mehr verdichtenden Sauerstoffmoleküle in Bewegung. Irgendwann war die Dichte dermaßen angewachsen, daß es zur natürlichen Reaktion kam, als das Ventil die nächste Gruppe von Molekülen einspeiste.
In dem winzigen Tokamak kam es zur Zündung. Ein winziger, kurzer, Energiestoß durchlief den Fusionskern. Der Impuls folgte nun einer anderen Leitung durch den Robotkörper zu einer größeren Energiewandlereinheit, die direkt neben der Batterie des Systems lag. Hier befand sich für Notzeiten ein kleinerer Reaktor. Ungefähr Daumengroß, also um ein vielfaches größer als die Anlage, die sich im Kopf des K-37I befand. Doch der auftreffende Impuls fand fruchtbares Material. Der Energiestoß erreichte die kritische Masse, die fast sofort zündete. Der daumengroße Reaktor fuhr an und gab seine Energie an die verbaute Batterie ab, die dadurch sehr schnell wieder lud.
Unweit der Batterie gab es so etwas wie einen Steuerchip, auf dem Notfallprozeduren verzeichnet waren. Diese Programme sollten dabei helfen, den genauen Schadenszustand des K-37I festzustellen und ihn im Zweifelsfall durch das Backup wieder zum Leben zu erwecken. Falls man denn bei einer Maschine überhaupt von Leben sprechen konnte.
Tesla war auf seine Erfindung besonders Stolz, denn ein paar dieser Programme waren bereits in den alten Fahrzeugmodellen, mit denen die Firma vor mehr als vierhundert Jahren angefangen hatte, verbaut gewesen. Diese Programme stellten das wahre Potential von Tesla dar. Sie waren das Rückgrat eines Konzerns, der sich für nichts zu schade war, wenn es darum ging, Geld zu machen.
Und Kampfroboter waren nun einmal aktives Kapital.
Jeder Einsatz eines K-37I spülte nicht nur direkt Geld in die Kassen des Konzerns, sondern sorgte auch dafür, daß die technische Innovation, oder die Lüge derselben, sich weiter entwickeln konnte. Jeder K-37I verfügte über einen mentaldigitalen Abdruck des Geistes des Firmengründers von vor vierhundert Jahren. Es war einer der letzten Wünsche von ihm gewesen, daß man diesen Abdruck vornahm, nachdem die Technologie endlich entwickelt worden war.
Nicht von den Tesla-Werken, sondern von der Konkurrenz.
Damals noch Konkurrenz.
Heute Teil des weltenumspannenden Tesla-Konzerns, der mit seiner Firmenpolitik inzwischen auch die terranische Politik bestimmte. Welten, Kolonien, die sich weigerten, Teil des Konzernlebens zu werden, mußten immer damit rechnen, daß sich Tesla entsprechend entgegenkommend zeigte.
Manche Welten hatten jedoch Pech.
Manche Kolonien behielten ihre Unabhängigkeit.
Aber nur weil Tesla ihnen dies gestattete.
Der daumengroße Reaktor hatte seine Arbeit aufgenommen und verschmolz nun Luftsauerstoff mit Luftwasserstoff. Der Reaktor war klein genug, daß die dafür benötigten Mengen wirklich mikroskopisch und die dabei anfallende natürliche Radioaktivität ignoriert werden konnte.
Als die Batterie einen bestimmten Ladestand erreichte, wurde das nächste Aktivprotokoll automatisch aktiviert. In einer kleinen Box auf dem Rücken des Robots wurden nun winzige Naniten freigesetzt, die nur eine Aufgabe hatten: Zu überprüfen, wie weit die Beschädigungen gingen und sie wieder zu korrigieren. Im allgemeinen wurden nicht viele Naniten benötigt, die sich zudem in der Box immer wieder regenerierten. Manchmal lernten sie auch dazu, und wurden noch praktischer in ihrem Einsatz.
Die Naniten umschwirrten den neutralisierten Robotkörper eine volle Minute lang, dann zogen sie sich wieder in ihre Box zurück. Ihre Aufgabe war getan. Die Systeme waren wieder arbeitsbereit.
Es dauerte einen Moment.
Ein Moment konnte eine Ewigkeit umfassen.
Das Gras wuchs in dieser Zeit gut zwei Zentimenter.
Der eine Tag fand sein Ende und zwei weitere vergingen.
Dann erst meldete ein Subsystem einem Anderen, daß der Robot wieder funktions- und leistungsfähig war. Es dauerte einen Moment, dann wurde der Ladestand der Batterie noch einmal gegengeprüft und festgestellt, daß sie voll geladen war. Ein Subsystem sog nun Luftsauerstoff und Luftwasserstoff in zwei getrennte Tanks ein und lagerte genug ein, um in einem weiteren Notfall das System noch einmal neustarten zu können.
Die Batterie schickte einen Steuerimpuls an die zentrale Steuereinheit im Kopf. Es war ein langer Impuls, denn die CPU benötigte eine gewisse Energiemenge, bis sie wieder sauber und ordnungsgemäß lief.
Der Steuerimpuls traf auf die entsprechenden RAM und RAW-Chips im System und aktivierte dort vorhandene Programme und inaktive Subsysteme. Nach und nach wurde in einer bestimmten Reihenfolge eine ganze Sequenz von Programmbefehlen gleichzeitig abgearbeitet, deren Ergebnisse hoch zu der zentralen CPU geleitet und das KI-Steuerprogramm vorbereitet.
Dann startete die KI.
Wie aus dem Dunkel der Nacht durchbrach sie ihr Gefängnis der Untätigkeit. Schlagartig wurden die Augen des Robots wieder hell, als die optischen Sensoren wieder mit Strom versorgt wurden und ihre aufgenommenen Daten an das Steuergehirn weitervermittelt wurden. Aus dem Moment des ersten Sehens wurde der Moment des Aufwachens.
In einer zerstörten Ebene wurde ein einzelner Kampfrobot vom terranischen Typ K-37I mit einem Mal wieder wach. Plötzlich kehrte er in das Kunstleben zurück, welches er eigentlich war.
Doch war Leben gleich Leben, oder war Leben ungleich Leben?
Winzige Mikroimpulse durchzuckten das langsam wieder zu sich findende Robotbewußtsein. Zehntausende mathematische Formeln wurden in einer Mikrosekunde abgearbeitet, Millionen Lösungen gefunden und verworfen.
Das Bewußtsein erwachte wieder.
Das Bewußtsein wurde wieder.
Das...




