E-Book, Deutsch, Band 5, 715 Seiten
Reihe: Cosmic Dust
Meckel MEGA V
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7575-8540-2
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Garten der verlorenen Sterne
E-Book, Deutsch, Band 5, 715 Seiten
Reihe: Cosmic Dust
ISBN: 978-3-7575-8540-2
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Andreas Meckel wurde 1968 in Seeheim-Jugenheim geboren, aufgewachsen ist er im Saarland und hat dort seinen größten Teil der Jugend verbracht. Meckel hat einige Jahre in Paraguay gelebt, dort wurde er von Einheimischen in die Scharmanismuslehre aufgenommen. Angefangen mit seiner Schreiberei hat er mit 16 Jahren. Sein erstes Buch war ein Fantasyroman und trug den Titel Savarenna. Seine Werke sind facettenreich und umfassen meist 400 Seiten.
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2 – Proxima Centaury
06. Februar 2185
Captain Aquilas traute seinen Ohren kaum.
Senator Mascaron wiederholte seine eben getätigte Ansage derzeit einmal: „Captain Aquilas, aufgrund ihrer bisherigen Leistungen haben wir noch einen weiteren Auftrag für sie. Es ist nichts schwieriges, aber leider notwendiges.“
Nach einer kurzen Pause, in der der Senator Luft holte, fuhr er fort.
„Sie werden in ein Raumgebiet geschickt, in dem ein solarer Frachter verloren ging. Augenscheinlich gehen die Menschen davon aus, daß die Besatzung des Frachters tot ist. Doch das interessiert uns nicht. An Bord besagten Frachters befand sich die Spezialagentin China Meres. Sie gilt als verschollen, bis sie uns entweder ihren Leichnam oder ihre Aufzeichnungen bringen.“
Suga Aquilas war ein alter Kriegsheld.
Zwar nicht bei seinem eigenen Volk, aber bei den Menschen. Sein alter Freund Captain John Harris hatte ihn einst in einem Raumkampf besiegt, weil er einfach die Umgebung für sich arbeiten ließ. Aquilas damaliges Raumschiff geriet zwischen die gewaltigen Kräfte zweier massiver Körper und fing sich bei diesem Manöver eine gute Ladung irdischer Raketen ein. Sein Raumschiff ging verloren, genauso wie sein rechter Arm.
Suga Aquilas war nicht nachtragend. Seit schon fast vierzig Jahren trug er eine mechanische Prothese, die ihre Aufgabe erfüllte. Doch in den letzten Jahren hatte er sich einen Ruf als durchsetzungsfreudiger Captain erarbeitet. Eigentlich müßte sein Clan stolz auf ihn sein, obwohl er damals bei der Prüfung der Menschheit versagte. Doch sein Clan kümmerte sich nicht mehr um ihn, seitdem er mithalf, die Adhara in die Allianz zu integrieren. Allein schon der Umstand, daß er ehemaligen Feinden der Tauren dabei half, im Gebiet der Allianz seßhaft zu werden, hatte ihn eine Menge Sympathie gekostet. Und dies nicht nur bei seinem eigenen Clan.
Aktuell befand er sich wieder im Wachdienst an der neutralen Zone zwischen dem Raumgebiet der Autorität und der Allianz. So kam es, daß er im Schnitt alle zwei Wochen irdischer Zeitrechnung an der Raumbasis Antares anhielt, um dort seiner Besatzung wenigstens ein wenig Ruhe zu gönnen.
Das vorher eingelegte Pad wurde vom Computer ausgestoßen. Auf dem Pad befanden sich alle relevanten Daten für seinen neuen Befehl. Zwar nicht viel, aber zumindest die kompletten Informationen, die das irdische Patrouillenraumschiff aus der Notfallboje ausgelesen.
Viel war dies wirklich nicht. Aber es war wohl genug, das sich Senator Mascaron einbildete, ihm wieder einen ganzen Sack von Befehlen vor die Füße speien zu können.
Suga Aquilas gab es nur höchst ungern zu, doch am liebsten wäre er wieder im MEGA-Dienst. Bei der MEGA war er wenigstens wie ein Lebewesen behandelt worden, und nicht wie ein Versager. Doch der taurische Captain war sich darüber sicher, das das eigene Oberkommando es zu verhindern wußte, daß er noch einmal die Seiten wechselte.
Jetzt befehligte er schon seit fast dreißig Jahren die TS Allard. Ein schwerer Kreuzer eines uralten Formats. Zwar war das Raumschiff entsprechend ausgestattet, um auch allein einen Kampf liefern zu können, doch Suga Aquilas hatte in den zehn Jahren, in denen er bei den Menschen in deren Raumflotte diente, lernen dürfen, das es nicht unbedingt darauf ankam, die durchschlagkräftigeren Waffen zu haben. Die Vorki-iri besaßen eine erschreckend effektive Bewaffnung und konnten auch damit umgehen, doch hielten sich die wohl verschlagensten Krieger der Allianz am meisten zurück. Die Vorki-iri wußten ziemlich genau, welchen Schaden auch nur ein einziges ihrer Kriegsschiffe anrichten konnte.
Anders die Menschen.
Sie bastelten immer an ihren Raumschiffen, versuchten sie kampfstärker zu machen, doch meist kam nur solcher unfähiger Kram wie die Bandai-Klasse heraus. Zwar war diese Fregatte von Typ drei nicht eben wehrlos, aber auf die Zustände in der Galaxis betrachtet, waren die irdischen Allianzraumschiffe Immer noch chronisch unterbewaffnet. Meist waren deren Raumschiffe auch zu klein geraten. Nichts, was man wirklich in einer Schlacht gebrauchen konnte.
Dafür hatten die Menschen sehr gute Ideen, wenn es um Taktiken ging.
Menschen als taktische Offiziere waren heiß begehrt in der Allianzflotte. Jedes Kampfschiff mit einem menschlichen Taktikoffizier war einem feindlichen Raumschiff überlegen, da die Menschen in den meisten Fällen verdammt genau wußten, was sie taten.
Die Verluste an Raumschiffen, in deren Besatzungen Menschen integriert waren, lagen deutlich niedriger als bei jenen Raumschiffen, die von Besatzungen nur einer Allianzspezies geflogen wurden.
Suga Aquilas nahm das Pad auf und verließ die Komstation an Bord der taurischen Handelsstation. Nach nicht ganz fünfhundert Schritten befand er sich an Bord seines eigenen Raumschiffes.
Falls man die TS Allard wirklich als sein Raumschiff bezeichnen konnte. Aquilas erinnerte sich noch gut an den anderen schweren Kreuzer, den er kommandierte, bevor ihm Captain Harris dieses Raumschiff regelrecht unter dem Arsch wegschoß. Nur Captain Aquilas und seine Navigatorin überlebten diesen Waffengang. Der Rest seiner damaligen Besatzung war mit dem Raumschiff gestorben. Die TS Allard entsprach nur jenem Raumschifftyp, den er vorher kommandiert.
Doch die Allard hatte ihn in den vergangenen dreizehn Jahren nicht im Stich gelassen. Ein Teil seiner Besatzung hatte abgemustert, doch dafür waren neue Leute gekommen, die ihm genauso gerne dienten, wie es ihre Vorgänger getan. Die TS Allard war als Grenzsicherungsraumschiff eines der Besten in der ganzen Taurischen Flotte. Und nun wurde er abkommandiert, eine verloren gegangene, zudem noch ausgeliehene, Spezialagentin der Taurischen Republik zu suchen.
Dies alles machte nicht wirklich Sinn.
Dies war ein Befehl, wie ihn nur jemand geben konnte, der noch niemals in einem Kampfeinsatz gewesen war. Suga Aquilas grinste mit einem Mal wieder. Vielleicht würde es sich lohnen, den Senator nach Abschluß dieser Mission auf einen Cyberbot-Zweikampf herauszufordern. Nach den Regeln würde der Senator sich nicht davor drücken können. Und wenn Suga ihn besiegte, würde er selbst das Amt des Senators übernehmen.
Das klang vielleicht auf den ersten Blick nicht sonderlich fair, aber die taurische Republik funktionierte nicht unbedingt nach Regeln, die man leicht nachvollziehen konnte.
Viele der alten irdischen Kriegsgefangenen hatten schon deutlich früher wieder nach Hause gehen dürfen. Doch Suga Aquilas hatte die vollen zehn Jahre in Kriegsgefangenschaft hinter sich bringen müssen, bevor es ihm die taurische Flotte wieder gestattete, erneut eines ihrer Raumschiffe zu kommandieren.
Und nun dieser völlig unsinnige Befehl.
Sein Navigator würde sich freuen, wenn er erst einmal die Koordinaten erfuhr, wohin sie fliegen sollten. So wie Suga Aquilas das sah, waren es Koordinaten am Rand der Galaxis. Von Antares aus wäre dies ein Flug von gut acht Stunden – von ihrer jetzigen Position gerechnet. Bei einem mittleren Zeitverlust von sechs Tagen. Grob überschlagen.
Zum Rand der Galaxis flog so gut wie niemand.
Nicht einmal die Mecha unterhielten in dieser Gegend regelmäßige Patrouillen. Wenn man ehrlich war, nannte man diese Gegend sowieso eher Niemandsland. Keinen interessierte es, keiner kümmerte sich darum, und wenn dort mal wieder ein ausgebranntes Raumschiffwrack unbekannter Bauweise gefunden wurde, ignorierte man den Fund simpel.
Niemand kümmerte diese Ecke der Galaxis.
Der gesamte galaktische Rand war eine Zone, die als nicht sonderlich interessant angesehen wurde. Vor allem nicht jenes Gebiet, welches in den Koordinatensätzen näher beschrieben wurde. Eine wirklich verrückte Ecke der Galaxis. Es gab hier mehr gravitonische Anomalien als am Zentrum der Galaxis.
Auf die eine oder andere Weise unlogisch.
Sensorensysteme versagten in diesem Raumgebiet grundsätzlich. Zwar nicht auf Anhieb, aber meist früh genug, daß einem nur noch das Umkehren blieb, falls man nicht vorhatte, mit seinem Raumschiff als eines jener ausgebrannten, unbekannten, Wracks zu enden, die man hier überall fand.
Captain Aquilas bekam mit einem Mal ein eindeutig mulmiges Gefühl.
Vielleicht steckte hinter all dem doch mehr, als das taurische Oberkommando bereit war ihm gegenüber zuzugeben. Ganz so abwegig war dies nicht, immerhin ließ man ihn immer noch seit der Adhara-Geschichte in diesem Gebiet Grenzpatrouillen fliegen, anstatt ihm wichtigere Aufgaben zu geben. Entweder gab es jemanden im Oberkommando der ihn absolut nicht mochte, oder es gab einen definitiven Grund, weshalb man ihn ständig für solche Missionen heranzog.
Es war nicht auszuschließen, daß es hierbei wieder um mehr ging.
Eigentlich sollte die taurische Republik Stolz darauf sein, weil er endlich die Legende um die Adhara aufgeklärt, und die ganze Sache mit zu einem guten Ende gebracht hatte. Doch anstatt ihn endlich mit einem leichteren Kommando zu belohnen, oder einer anstehenden Beförderung, verdonnerte man ihn zu Grenzdienst, oder wie jetzt, zu einer Mission, die auf den ersten Blick nicht einmal Sinn ergab, wenn man danach suchte.
Selbst der beste Außenagent konnte bei einer Mission getötet werden. Auch wenn die Aufnahmen von China Meres eher darauf hindeuteten, daß sie doch irgendwie überlebt. Doch andererseits machte es nicht wirklich Sinn, in dem betreffenden Raumgebiet wirklich auf die Suche nach der Agentin zu gehen.
Die Wahrscheinlichkeit, das die Agentin überlebt, lag unter zwei Prozent. Dennoch ein Raumschiff dorthin zu entsenden, schien eher wie eine unleidliche Strafaufgabe, die niemand hatte machen wollen. Also übergab man die Mission einfach dem größten Taurischen...




