Meding | Europäische Minen und Gegenminen | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 696 Seiten

Meding Europäische Minen und Gegenminen


1. Auflage 2017
ISBN: 978-80-272-2883-6
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 696 Seiten

ISBN: 978-80-272-2883-6
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Oskar Medings Werk 'Europäische Minen und Gegenminen' bietet einen detaillierten Einblick in die Geschichte und Techniken des Minenkriegs in Europa. Das Buch ist in einem klaren und präzisen Stil verfasst, der sowohl Fachexperten als auch Laien anspricht. Meding beleuchtet die Entwicklung von Minen als Kriegswaffen und analysiert die Strategien und Taktiken, die im Laufe der Geschichte verwendet wurden. Dabei zeigt er auch die Auswirkungen des Minenkriegs auf die Schlachten und Kriege in Europa. Das Buch ist eine wichtige Studie für Militärhistoriker und alle, die sich für Kriegsführung interessieren. Oskar Meding, ein renommierter Experte auf dem Gebiet der Militärgeschichte, hat sein umfangreiches Fachwissen in dieses Werk einfließen lassen. Als ehemaliger Offizier der Armee bringt er eine einzigartige Perspektive in das Buch ein, die es zu einem wertvollen Beitrag zur Militärliteratur macht. 'Europäische Minen und Gegenminen' ist ein Must-Read für alle, die mehr über diese faszinierende Facette der Kriegsführung erfahren wollen.

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Zweites Kapitel.


Vor dem großen Palais am Boulevard des Italiens, dessen weite Parterreräume von dem Grand Café eingenommen werden, und in dessen Beletage der weltbekannte Jockeyklub seine glänzenden Salons etabliert hat, hielt um die Mittagsstunde eines sonnigen Märztages in rascher Anfahrt ein kleines blaues Coupé von jener äußersten, einfachen Eleganz in dem Bau des Wagens und in dem Geschirr, welche man vorzugsweise in Paris, und in Paris wieder in höchster Vollkommenheit bei den Mitgliedern jenes berühmten Klubs findet, der den Sport auf die Höhe der anmutigsten Vollendung gebracht hat. Eine einfache, dunkle Chiffre, überragt von einer Grafenkrone, befand sich auf dem Schlage, und dem leichten Zügeldruck des in tadelloser dunkelblauer Livree unbeweglich auf dem Bock sitzenden Kutschers gehorchend, hielt das edle, hochelegante Pferd mit ruhiger Sicherheit vor dem großen Eingangstore den schnellen Trab ab und stand bewegungslos da, nur den schönen Kopf leicht erhebend und aus den weit geöffneten Nüstern den heißen Atem in die frische Märzluft ausstoßend.

Aus dem Coupé stieg ein großer, schlanker Mann, mit der höchsten Eleganz in dunkle Farben gekleidet. Große tiefdunkle Augen blickten ruhig, aber mit traurig sinnendem Ausdruck, aus dem edlen, scharfgeschnittenen Gesicht, dessen gleichförmige, matte Blässe nur durch einen kleinen, schwarzen Schnurrbart auf der Oberlippe unterbrochen wurde. Seine kurzen, schwarzen Haare bedeckte, in die Stirne gedrückt, einer jener niedrigen, graziösen Hüte aus den Magazinen von Pinaud und Amour, seine Hand, in elegantem, dunkelgrauem Handschuh, drückte leicht ein weißes Batisttuch gegen die Lippen, um sich gegen die rauhe Märzluft zu schützen.

Er warf einen prüfenden Blick auf das Pferd und befahl dem Kutscher, nach Hause zu fahren. Dann nahm er aus einem Körbchen, welches eine kleine Bouquetiere ihm präsentierte, einen kleinen Strauß duftender Veilchen, legte dafür ein Frankenstück in den Korb und stieg leichten, elastischen Schrittes die breite, mit dichten, weichen Teppichen belegte Treppe hinauf. Oben angelangt, wendete er sich zu dem mit mächtigen, geschnitzten Büffets und reichen silbernen Aufsätzen ausgestatteten Frühstückszimmer; die auf dem Korridor wartenden Lakaien des Klubs in ihren eleganten Livreen öffneten die Türe und ein junger Mann von etwa einundzwanzig Jahren, mit hochblondem, offenem und frischem Gesicht von norddeutschem Typus, welcher allein in dem großen Gemach an einem kleinen, zierlich gedeckten Tische saß, rief dem Eintretenden mit einem lächelnden Blick seiner großen, lichtblauen Augen entgegen:

»Guten Morgen, Graf Rivero – Gott sei Dank, daß Sie kommen, um diese langweilige Einsamkeit zu beleben, in welcher ich mich hier wie ein Einsiedler befinde. Ich weiß nicht, wo alle Welt heute noch steckt, ich bin früh geritten und habe einen ungeheuren Appetit, ich habe mir da ein sehr gutes, kleines Dejeuner komponiert, wollen Sie meinem Geschmack vertrauen und ein Kuvert nehmen?«

»Mit Vergnügen, Herr von Grabenow,« erwiderte der Graf, indem er seinen Hut einem Lakaien reichte.

Der Haushofmeister des Klubs war herangetreten und winkte bei der Antwort des Grafen den zum Dienst bereit stehenden Dienern, welche mit jener Geschwindigkeit und Unhörbarkeit, die der Bedienung in den guten Häusern eigentümlich ist, dem jungen Herrn von Grabenow gegenüber ein Kuvert auf den Tisch legten. »Nehmen Sie inzwischen ein Glas von diesem Sherry,« sagte der junge Mann, indem er dem Grafen, welcher sich ihm gegenübergesetzt hatte, aus dem vor ihm stehenden Karaffon von geschliffenem Kristall ein kleines Glas mit dem goldgelben Weine füllte, »er ist gut, und ich glaube, fast der einzige in Paris.«

Der Graf nahm mit leichter Verneigung das Glas, trank einige Tropfen und sagte dann mit seiner leisen und doch volltönenden und melodischen Stimme:

»Man sieht Sie so wenig in letzter Zeit, mein lieber Herr von Grabenow – bei Ihrem Alter,« fügte er mit einem halb schalkhaften, halb melancholischen Lächeln hinzu, »ist es überflüssig, zu fragen, welche Geschäfte Sie in Anspruch nehmen.«

Ein flüchtiges Rot überflog die Stirne des jungen Mannes und mit einiger Hast erwiderte er: »Ich war nicht ganz wohl, leicht erkältet und mein Arzt hatte mir verordnet, mich sehr zu schonen.«

Der Graf nahm eine goldbraune Seezunge, welche man ihm servierte, und sprach, indem er den Saft einer Zitrone darauf träufelte, mit scherzhaftem Ton:

»Deshalb begegnete ich Ihnen auch wohl neulich im Bois de Boulogne in der Nähe der Kaskaden in einem verschlossenen Coupé mit einer – ohne Zweifel älteren Dame, welche Sie in Ihrer Krankheit pflegt – leider,« fuhr er lächelnd fort – »war das Gesicht Ihrer Duenna in so dichte Schleier gehüllt, daß ich nichts davon sehen konnte.«

Herr von Grabenow warf aus seinen großen, fast noch kindlich reinen, blauen Augen einen schnellen, erschrockenen Blick auf den Grafen.

»Sie haben mich gesehen?« fragte er schnell.

»Ich ritt dicht an Ihrem Wagen vorüber,« erwiederte der Graf, »aber Sie waren so sehr in die Unterhaltung mit Ihrer – Krankenwärterin vertieft, daß es mir unmöglich war, Sie zu grüßen.«

Und er schenkte sich aus einer größeren Kristallkaraffe ein Glas jenes leichten, duftigen St. Emilion ein, dieser so selten rein zu findenden Perle aller edlen Rebengewächse von Bordeaux.

»Herr Graf,« sagte der junge Mann nach einem augenblicklichen Nachdenken, indem er mit treuherzigem Ausdruck hinüberblickte, – »ich bitte Sie herzlich, niemand sonst etwas von Ihren Beobachtungen mitzuteilen, ich möchte nicht, daß diese Sache Gegenstand der Bemerkungen – und der Nachforschungen der andern würde – Sie wissen, welche Ansichten und Grundsätze sie alle haben, und in diesem Falle passen dieselben nicht.« Der Graf blickte mit ernstem, teilnahmsvollen Ausdruck zu dem jungen Manne hinüber und ließ einen Augenblick seinen tiefen, dunkeln Blick in dessen klaren, blauen Augen ruhen.

»Meine Diskretion versteht sich von selbst,« sagte er dann mit leichter Neigung des Hauptes, »nur möchte ich Ihnen raten,« fuhr er mit freundlichem, wohlwollenden Lächeln fort, »künftig die Vorhänge Ihres Coupés zu schließen, denn nicht bei allen Ihren Bekannten könnten Sie der Diskretion so sicher sein, als bei mir.«

Herr von Grabenow blickte ihn mit dankbarem Ausdruck an.

»Und dann,« fuhr der Graf Rivero nach leichtem Zögern fort, »verzeihen Sie dem viel älteren Manne eine Bemerkung, welche nur in meiner aufrichtigen Teilnahme für Sie ihren Grund hat. Es gibt der künstlichen Schlingen so viel in Paris – und diejenigen sind oft die gefährlichsten, welche sich mit den bescheidenen Blüten unschuldiger Gefühle umwinden.«

Der junge Mann sah ihn groß mit ein wenig betroffenem Ausdruck an.

»Lassen Sie meine Bemerkung eine ganz allgemeine sein,« sagte der Graf, indem er die Hülle einer kleinen cotelette en papillote löste, welche der Lakai ihm darbot, »und erinnern Sie sich derselben bei entsprechender Gelegenheit.«

Herr von Grabenow sah ihn freundlich an, seine Erwiederung wurde abgeschnitten durch den Eintritt eines alten Herrn von ungefähr siebenzig Jahren im Reitanzug, welcher mit noch ziemlich fester und elastischer Haltung eintrat.

Herr von Grabenow und der Graf Rivero erhoben sich leicht zu seiner Begrüßung mit jener Courtoisie, welche eine gut erzogene Jugend stets dem höheren Alter entgegenbringt.

»Sieh' da, meine Herren,« rief der Eingetretene, indem er Hut und Reitpeitsche abgab und mit der Hand grüßte, »Sie sind beneidenswert – so frühstückt man nur in der glücklichen Zeit, da Magen und Herzen jung sind, später erfordert die gebrechliche Maschine eine andere Diät.«

Und er nahm von einem silbernen Teller, welchen der Haushofmeister ihm präsentierte, ein Glas Madeira und eine Schnitte jenes weichen, zarten Gebäckes, welches unter dem Namen Madeleines de Commercy unter den vielen vortrefflichen Dingen, welche die Provinzen Frankreichs ihrer Hauptstadt liefern, einen nicht geringen Rang einnimmt.

»Der Herr Baron von Vatry will uns verhöhnen,« sagte der Graf Rivero, »indem er von den Leiden des Alters spricht; ich habe Sie gestern einen Fuchs reiten sehen, Herr Baron, dessen Temperament mir Schwierigkeiten gemacht hätte, und den Sie mit bewundernswerter Leichtigkeit und Sicherheit führten. – Sie spotten der Herrschaft der alles bezwingenden Zeit!«

Der alte Herr lächelte geschmeichelt und sagte: »Leider ist diese Herrschaft unabänderlich und unterwirft uns endlich doch, wir mögen uns noch so lange dagegen sträuben.«

Während er seine Madeleine in den Madeira tauchte, öffnete sich schnell die Türe und in rascher Bewegung trat ein ganz junger, äußerst elegant, aber ein wenig stark nach Mode gekleideter Mann ein, dessen blasses, etwas ermüdetes und abgespanntes Gesicht unverkennbar den Typus vornehmer englischer Rasse trug.

»Woher so eilig, Herzog von Hamilton?« fragte Herr von Vatry, »zu dieser für Sie so frühen Stunde?«

»Ich bin gestern abend lange im Café Anglais gewesen,« rief der junge Herzog, indem er sich vor Herrn von Vatry verbeugte und die andern Herren mit der Hand grüßte, »wir haben ein herrliches Souper gehabt, äußerst amüsant, –

A minuit sonnant commence la fête,
Maint coupé s'arrète,
On en voit sortir
Des jolies messieurs, des dames charmantes,
Qui viennent pimpantes
Pour se divertir, –«

trällerte er, mit möglichst falscher Stimme das...



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