E-Book, Deutsch, Band 4, 146 Seiten
Reihe: Nick
Mehnert Nick 4: Versuch 158
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86305-196-9
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 4, 146 Seiten
Reihe: Nick
ISBN: 978-3-86305-196-9
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Achim Mehnert wurde 1961 in Köln geboren. Seiner Heimatstadt ist der bekennende Lokalpatriot bis heute treu geblieben. Nach Kindergarten, Schule und Abitur folgte eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Zum Schreiben kam Achim Mehnert durch das Science-Fiction-Fandom. Zunächst verfasste er Kurzgeschichten für Fanzines, später für Zeitungen und Anthologien. Noch während seiner beruflichen Laufbahn veröffentlichte er erste Romane. Die Piccolos von Hansrudi Wäscher begeisterten ihn schon als Jungen. Er empfindet es als Auszeichnung, Nick, dem Comichelden unzähliger Kinder und Jugendlicher, ein literarisches Gesicht verleihen zu dürfen.
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ZWEI
Sein Geist kehrte allmählich aus der Dunkelheit ans Licht zurück. Er lag auf etwas Hartem, stellte er fest. Zwischen seinen Schläfen pochte dumpfer Schmerz. Er versuchte sich aufzurichten, doch es gelang ihm nicht.
Nick schlug die Augen auf und fand sich in einem trostlosen, kahlen Raum wieder. Drei Meter über ihm schwebte eine metallische Decke. Vorsichtig drehte er den Kopf nach links und nach rechts. Es bereitete ihm keine Schwierigkeiten. Der Druck in seinem Schädel ließ bereits nach.
Nicht nur die Decke bestand aus Metall, sondern der ganze Raum. Er barg kein einziges Einrichtungsstück. Aus einer unsichtbaren Quelle drang ein fahler, auf den Boden gerichteter Lichtkegel, in dessen Mitte Nick wie ein hilfloses Insekt lag. Sein zweiter Versuch, sich zu erheben, verlief so erfolglos wie der erste.
Sein erster Gedanke galt Tom. Wahrscheinlich war dem Biologen das Gleiche widerfahren wie ihm.
Aber was? Und wieso?
Langsam setzte Nicks Erinnerung ein. Er war in seinem Landhaus gewesen und von zwei Eindringlingen überrascht worden.
Jack. Dieser Name war gefallen.
Nick konnte nichts mit ihm anfangen. Er kannte keinen Jack. Schon gar keinen Jack, der ihn aus dem Hinterhalt mit einer Spritze ins Reich der Träume schickte. Wer waren die verdammten Mistkerle, und warum hatten sie ihn entführt?
Denn das war offensichtlich geschehen. Sie hatten ihn an einen ihm unbekannten Ort verschleppt. Damit nicht genug. Irgendwie hatten sie ihn zudem bewegungsunfähig gemacht. Seine Sinne waren wach, und sein Verstand arbeitete, doch er konnte sich nicht bewegen.
Ihm fiel auf, dass er bekleidet war. Bei seiner Entführung hatte er lediglich die Badehose getragen. Nun trug er einen roten Kombianzug.
In seiner Erinnerung tauchte ein weiterer Begriff auf, der gefallen war, bevor er das Bewusstsein verloren hatte. Hatte er ihn wirklich gehört oder ihn sich nur eingebildet? Der Begriff ergab für Nick überhaupt keinen Sinn.
Versuch 158.
*
»Sehen Sie, Professor! Nick hat die Augenlider bewegt. Die Betäubung lässt nach.«
Masters saß vor einem Bildschirm und beobachtete den Probanden, der soeben wieder zu sich kam. Nick lag in dem Raum, in dem schon die anderen Versuchskaninchen vor ihm aufgewacht waren. Im Gegensatz zu den meisten von ihnen geriet er jedoch nicht in Panik, sondern blieb gelassen.
»Gut«, sagte der Professor. Der leicht untersetzte Sechzigjährige mit dem schlohweißen Haarkranz rückte seine Brille zurecht. »Damit kann Versuch 158 beginnen.«
»Ich kann mir nicht helfen.« Masters' Miene verdunkelte sich. »Die Art, wie sie die Versuchspersonen hierher bringen lassen, gefällt mir nicht.«
»Mir auch nicht, aber uns bleibt keine andere Wahl. Sie ist die einzige Möglichkeit, die Tests durchzuführen, ohne dass die Versuchspersonen voreingenommen sind. Das würde nämlich die Ergebnisse verfälschen und unbrauchbar machen. Bekommen Sie etwa auf einmal Gewissensbisse?«
»Natürlich nicht. Ich kann aber verstehen, dass einige von ihnen später sauer auf uns sind.«
»Das lässt sich nicht ändern.« Der Professor akzeptierte spätere gelegentlich auftretende Feindseligkeiten der Versuchspersonen. Sie waren der Preis, den er für die Entführungen zahlen musste. Dadurch ließ er sich von seinem eingeschlagenen Weg trotzdem nicht abbringen. »Unser Projekt ist zu wichtig, als dass wir uns Fehler erlauben können. Die Testperson muss glauben, alles, was sie erlebt, sei Wirklichkeit. Darauf basieren sämtliche Tests. Andernfalls reagiert die Person nicht natürlich.«
All das war Masters bekannt. Schließlich war er von Anfang an bei den Tests zugegen gewesen. Ein schlechtes Gewissen blieb dennoch.
Außer ihm und dem Professor hielten sich zwei weitere Mitarbeiter in dem Beobachtungsraum auf. Ringsum waren summende Maschinen angeordnet. Zahlreiche Kontrolllampen blinkten. Auf den Monitoren war Nick aus verschiedenen Perspektiven zu sehen.
Masters wünschte, der Weltraumfahrer möge sämtliche Tests bestehen. Das hoffte auch der Professor. Es wurde zunehmend ermüdend, die Versuche ständig zu wiederholen und sie letzten Endes scheitern zu sehen.
»Nick ist endgültig wach, Professor.«
»Gut. Fangen wir an.«
*
Versuch 158. Unablässig drehten sich Nicks Überlegungen um diese geheimnisvolle Bezeichnung. Hätte er gewusst, was sich dahinter verbarg, würde das vermutlich die meisten seiner Fragen beantworten. So blieb er unwissend.
Er behielt die Ruhe. Wenn seine Entführer glaubten, ihn einschüchtern zu können, täuschten sie sich gewaltig. Er hatte schon in ganz anderen Klemmen gesteckt. In scheinbar aussichtslosen Lagen, die viel beängstigender gewesen waren als diese. So leicht war er nicht in Panik zu versetzen. Er nahm an, dass man ihn beobachtete.
Man. Aber wer?
»Du befindest dich in einem Raumschiff, Erdenmensch. Der durch die Beschleunigung entstehende Andruck presst dich auf den Boden.«
Nick war allein. Niemand hatte den Raum betreten. Folglich drang die Stimme, die er vernahm, aus einem Lautsprecher. Wie er es sich gedacht hatte, wurde er beobachtet.
»Auf unseren Fahrten durchs All haben wir eure Welt entdeckt«, plärrte die Stimme weiter. »Es ist unser Bestreben, die Erde zu erobern. Doch zuvor müssen wir herausfinden, wie groß der von der Menschheit zu erwartende Widerstand gegen eine Invasion ist. Du wirst uns dabei helfen.«
Außerirdische Invasoren? Nick erschrak. Wenn es stimmte, was die Stimme behauptete, sah sich die Menschheit einer Bedrohung von bisher nicht dagewesenen Ausmaßen gegenüber. Wie es aussah, wusste außer ihm niemand von der drohenden Gefahr. Oder wurde ihm womöglich nur etwas vorgegaukelt? Denn ihm fiel eine Unstimmigkeit auf.
Schon zuvor hatte er seinen Kopf bewegt, um sich in dem metallischen Raum umzusehen. Es gelang ihm ebenfalls, seine Hände zu bewegen. Das deutete darauf hin, dass man ihm nicht die Wahrheit sagte.
»Wir wollen …«, setzte der unsichtbare Sprecher zum Reden an, doch Nick unterbrach ihn.
»Nicht so schnell! Zuerst will ich wissen, warum ihr mich belügt. Ich kann Kopf und Hände bewegen, also werde ich nicht von einem Andruck zu Boden gedrückt. Ich nehme an, die Kleidung, in die ihr mich gesteckt habt, ist mit Metallfäden durchsetzt, und ein starker Magnet hält mich am Boden fest.«
Die eintretende Stille bewies ihm, dass er mit seiner Vermutung richtig lag. Es war ihm gelungen, die Unbekannten zu verunsichern. Nick bekam Oberwasser. Vielleicht gelang es ihm, seine Entführer aus der Reserve zu locken.
»Lasst diese kindischen Scherze und gebt euch zu erkennen. Ich verlange, dass ihr mir Rede und Antwort steht. Wer seid ihr? Na los, kommt raus und zeigt euch! Oder seid ihr dazu zu feige?«
Keine Antwort.
Nick ließ den Kopf auf das kühle Metall sinken. Er schloss die Augen. Mal sehen, wer den längeren Atem hatte.
»Wie ihr wollt. Dann habe ich nichts mehr zu sagen.«
*
Die Männer in dem Kontrollraum sahen sich zufrieden an. Nick ließ sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen. Er leistete passiven Widerstand.
»Nick hat den ersten Test bestanden«, resümierte der Professor.
Masters nickte. »Er hat sofort durchschaut, dass kein durch Beschleunigung ausgelöster Andruck schuld an seiner Bewegungslosigkeit ist. Aber seien wir ehrlich, wir haben nichts anderes von ihm erwartet.«
Fast alle vorherigen Versuchspersonen hatten diesen Test ebenfalls bestanden. Wer auch nur ein wenig in Wissenschaft bewandert war und einfache logische Schlüsse ziehen konnte, erkannte den wahren Grund dafür, wieso er nicht aufstehen konnte.
»Stimmt. Gleich kommt eine wesentlich kniffligere Nuss auf Nick zu.«
»Schließen wir Wetten ab, ob er auch die knackt«, schlug einer der Mitarbeiter vor.
»Wir sind nicht zu unserem Vergnügen hier«, wies der Professor ihn zurecht. »Diese Versuche sind wahrscheinlich die wichtigsten, mit denen Nick in seinem ganzen Leben konfrontiert wurde. Ich erwarte, dass Sie sich entsprechend benehmen, meine Herren.«
»Verzeihung, Professor. Sie haben recht.«
»Soll ich die nächste Testphase einleiten?«, fragte Masters.
Der Professor nickte. »Schalten Sie den Magneten aus.«
*
Nick spürte eine Veränderung. Er hob einen Arm, und es gelang mühelos. Er richtete sich auf, kein Problem. Zufrieden schlug er die Augen auf. Die Unbekannten hatten den Magneten abgeschaltet. Er konnte sich ungehindert bewegen. Das war ein wichtiger Fortschritt, aber er machte sich nichts vor. Sie konnten den Magneten jederzeit wieder aktivieren, und das Spiel ging von vorne los.
Er stand auf und streckte seine Glieder. Die Injektion, die man ihm verabreicht hatte, hatte keine Nachwirkungen hinterlassen. Auch der Druck in seinem Schädel war verschwunden. Er war wieder ganz der Alte. Ein zweites Mal würde er sich nicht so leicht übertölpeln lassen.
Kommt herein, dann beweise ich es euch.
»Wo ist Tom Brucks? Ich möchte mit ihm reden.«
Er erhielt keine Antwort. Er hatte auch keine erwartet. Die Unbekannten hatten die Regeln aufgestellt und bestimmten das Geschehen. Noch. Doch auch sie kochten nur mit Wasser. Er war sicher, dass auch sie sich zu Fehlern hinreißen lassen würden.
Nick begann damit, den Raum näher zu untersuchen. Die Metallwände und der Fußboden waren glatt und wirkten wie...




